Der Ritt durchs Watt

Gestern sind wir von Wangerooge nach Neuharlingersiel gefahren, Angela schrieb ja schon darüber. Im Gegensatz zu Freitag war das Wetter weit entfernt von einem schönen Segeltag. Es waren den ganzen Tag 5Bft mit 6er Böen aus südwestlicher Richtung vorher gesagt, manchmal auch mehr und so pfiff es auch den ganzen Tag. Wir überlegten uns sogar schon Optionen: Nur nach Harlesiel, mit dem Westwind zurück nach Hooksiel oder gar mit der Fähre?
Wenn man noch nicht all zu viel Erfahrung mit dem Revier, dem Segeln oder dem Bootfahren allgemein hat, dann ist es für den Anfänger wirklich beeindruckend, wenn sich die 6er Böen durch die Masten, Fallen und Wanten laut bemerkbar machen: Es klappert und pfeift im Hafen permanent und aufdringlich und wenn man dann noch die weißen Wellenkämme „draußen“ auf dem Wasser sieht… aber nichts desto trotz startet zwei Stunden nach Niedrigwasser der ein oder andere Segler seine Vorbereitungen zum Ablegen und zwei Stunden vor Hochwasser hat der halbe Steg abgelegt. Da ist keiner vom Wind beeindruckt (was nicht bedeutet, die hätten keinen Respekt vor der See) und führe deswegen nicht los. Man muss ja aber nicht zwingend durchs Gatt, wenn dort eine 5 steht…
Wir entschieden uns „nur“, dieses mal den unteren Wattweg an Spiekeroog vorbei zu nehmen, statt wie im Urlaub letztes Jahr den nördlichen… damit ersparen wir uns, so weit ins Harle-Seegatt hoch zu fahren.*

Was wir noch erlebt haben im Nassauhafen

Schon als wir an Bord gingen, kam es uns merkwürdig vor: Die Slocum war relativ weit weg vom Fingersteg. Wir waren doch sonst sorgfältiger mit dem Festmachen des Bootes? Ich schob es darauf, dass sich die Leinen noch etwas gelängt hatten, ist ja immer etwas Reck drin.
So saßen wir unten in der Kajüte und wärmten uns auf. Und wie der Wind unser Boot hin und her schiebt, da fiel uns doch auf, wie sehr sich das Boot bewegt. Also turnte ich aufs Deck und wollte die Vorleine dichter holen. Auf dem Vorschiff wunderte ich mich, dass die Vorleine so doof um die Relingstütze gelegt wurde… und dann erkannte ich es: Die Lippklampe war weg! Eine gute, alte, solide Bronzeklampe! Ich muss gestehen, dass ich gleich zur Backbordseite nach der anderen Lippklampe blickte, mit dem Gedanken, das jemand die geklaut hätte… wie schlecht von mir. Nein, es war der Wind. Und wenn man sich die Stelle in der Scheuerleiste genau ansah, dann erkannte man auch, wie die Schrauben dort schräg nach aussen rausgezogen wurden: Mit jedem Einrucken in die Leine bekam die Klampe einen Schlag und nach dem hundertsten oder wie viel auch immer gibt jeder mal nach, so auch die drei Schrauben der Lippklampe. Diese musste nun irgendwo unten im Schlick liegen. Es war gerade nach Hochwasser. Wie flach wurde es hier? Wer von uns würde tauchen? Wie gut, dass meine Herzallerliebste sich gerade eine neue Taucherbrille gekauft hatte, die musste doch ausprobiert werden! Sie sah das überraschenderweise ganz anders, sie hätte ihren Neoprenanzug nicht mit. Das stimmte zwar, aber was für eine lahme Ausrede! Meine war viel besser: Ich bin echt Wasserscheu. Ich bin gern am Wasser und auf dem Wasser, aber nicht im Wasser.

Überleben auf See

Gestern, am Samstag, den 02.11.2019, waren wir mutig: Angela und ich sind zum Maritimen Trainings-Zentrum nach Elsfleth gefahren und haben dort an einem Training „Überleben auf See“ teilgenommen. Gleich vorab: Der Wahnsinn! Das ist kein Pillepalle, Pupskram oder irgendwas lustiges, nein: Da geht es richtig zur Sache, man lernt die eigenen Grenzen kennen. Ehrlich. Doch ich erzähle mal der Reihe nach: