AZ21 – Tide: Eider daus!

Unseren genaueren heutigen Reiseverlauf beschreibe ich später (hab ich: Klick). Erstmal möchte ich von meiner dusseligen Unaufmerksamkeit berichten, die uns wieder gezeigt: Gute Seemannschaft ist mehr als nur das Ruder fest in der Hand zu halten 🙂

Wir wollten in die Schleuse bei Friedrichstadt rein. Von 17-18:00 Uhr ist die Schleuse abends besetzt. Wir waren um fünf vor fünf da; prima! Angela hat schon angerufen, drin wartet auch einer, aber er würde dann erst für uns aufmachen. Ich drehte auf der Eider noch ein paar Kreise, weil mir das beim Schleusenvorhafen relativ eng vorkam, denn der Wind blies in Böen ganz ordentlich und bei langsamer Fahrt vertreibt man dann schnell.
Bei einer Drehung sah ich, wie das Schleusentor langsam aufschwang. Na, dann kann ich schon mal in die richtige Richtung! Alle Ufer waren gesäumt von Schilf und laut meinen Informationen war das Hochwasser gerade vorbei. Ich steuerte also langsam in Richtung Schleuse und mir fielen mehrere Dinge gleichzeitig auf: Die rote Tonne aus der Navionics-Karte ist real gar nicht vorhanden. Dafür stand ungefähr an gleicher Position eine Untiefentonne „Süd“. Außerdem kam mir das Schilf so nah vor… Moment, südlich passieren? Irgendwas war hier falsch, die Tonne war doch südlich, hätte die nicht im Norden sein sollen? Wo ist Norden? Was macht das Schilf neben uns? Was zeigt eigentlich das Echolot? Ogottogott! Einszwanzig einszehn neunzig achtzig schnell Fahrt zurück! Es gab keinen Rums, aber wir hatten keine Fahrt mehr im Schiff: Zu spät, wir hatten uns festgefahren. Trotzdem: Volle Fahrt zurück, vielleicht können wir uns ja noch runterziehen! Aber nichts tat sich, außer, dass die Schleuse nun offen war. Na toll.
Angela rief ihn an: „Wir können gerade nicht, wir haben uns festgefahren“. Schleusenwärter: „Na gut, dann schleuse ich erst den anderen raus“.
Währenddessen ging ich unsere Optionen durch: Wenn gerade Hochwasser war, ist das nun ein denkbar ungünstiger Augenblick, da darf ich nicht lange mit einer Entscheidung warten. Schlauchi ins Wasser und uns selbst rausziehen? Das dauert zu lange und der Erfolg ist fraglich. Vermutlich steckten wir ein Stück im Schlick. Dann guckte ich nach dem Wind: Der kam so schräg backbord von vorn. Also Vorsegel ein Stück rausgeholt und Back gestellt: Vielleicht gibt es einen hilfreichen Schub oder etwas Lage? Nichts spürbares geschah. Ich wollte aber auch nicht einfach sitzen und warten, bis der andere aus der Schleuse kommt und uns (hoffentlich) runterziehen kann. Also setzte ich Angela an die Pinne und ging aufs Vorschiff. Dort versuchte ich, etwas Bewegung ins Boot zu bekommen, hielt mich am Bugkorb fest, und „schmiss“ das Boot hin und her. Man könnte meinen, ein wenig bewegt es sich? Angela saß im Cockpit und gab noch mal ordentlich Schub rückwärts. Ich ging wieder nach hinten und überlegte die nächsten Optionen, da sagte Angela mehr zu sich selbst: „bewegen wir uns nicht etwas rückwärts?“. Ich nahm das gar nicht wahr, aber jeder Versuch ist wertvoll. Nochmal mehr Schub! Ich stand jetzt ganz am Heck, um meine Kilos dort vielleicht nützlich werden zu lassen. Und in der Tat: So gaaanz langsam schoben wir uns vom Schlick! Nun nicht nachlassen! Leider ist die Slocum bei sowas rückwärts nicht steuerbar, das Schilf kam dieses mal dem Heck nahe, es war auch etwas Strömung da, der Wind pfiff in den Wanten, aber: Egal, erstmal runter vom Schiet!
Endlich zeigte der Tiefentacho wieder sinnvolle Werte, aus 1,2m wurden erst 2, dann 3m. Geschafft, ein Glück! Nun steuerte ich doch in den Vorhafen, nachdem ich mich in der Karte versichert hatte, dass es dort überall tief genug ist. Wir konnten dort sogar entspannt Kreise drehen, obwohl das Ufer immer sehr nahe kam. Wie man dem Bild vom Track entnehmen kann, mussten wir noch einige Kreise drehen, bis die Schleuse endlich aufging. Zwei Meter Hub musste sie ja zweimal bewältigen… das dauert.

In der Schleuse berichtete der Schleusenmeister, dass wir nicht die ersten wären, die dort festsaßen und dass das Wasser noch 30cm gestiegen ist, seit wir dort festsaßen… aha, wattn Glück! Ich muss dringend meine Gezeiten-Quellen prüfen…

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