Ein Tag vor Anker

Einen ganzen Tag vor Anker liegen. Klasse! Endlich mal Zeit für Dinge… ich wollte wieder etwas am nächsten Video schnibbeln, weil das Tagsüber viel besser geht als immer Abends, wenn man irgendwie zu gar nix mehr Lust hat…

… aber erstmal in Ruhe frühstücken. Ist ja Samstag! Brötchen aufbacken, Kaffee machen, Zeitung runter laden, draußen den Wind bestaunen. Danach wollte ich aber erstmal gucken, warum das Bodenbrett zum Vorschiff so knarrt. In meiner alltäglichen Phantasie ist da bestimmt so viel Wasser unter, dass es von unten gegen die Bretter drückt und bald geht die Tür nicht mehr zu und… nee, ich gucke lieber nach. Dazu muss ich die Tür aushängen, damit ich den Teppich wegklappen kann. An der Türe sind zu beiden Seiten Haken, welche wiederrum reichlich mit Klamotten behangen sind, die erstmal bei Seite, sprich auf die Kajütbänke gelegt werden müssen. Dann noch meine Taschen mit Klamotten, die unter der V-Koje, unserem Bett stehen aufs Bett dadrüber wuppen. Ich hab viel zu viel Sachen mit.
Nun konnte ich das Brett anheben. Darunter befindet sich der Sack mit Frischwasser für das Waschbecken bei der Toilette. Aber wir verwenden die Fuss-Pumpe nicht mehr, weil sie etwas leckt und wir so das frische Wasser aus dem Sack in die Bilge pumpen. Jetzt war da wieder etwas Wasser unterm Sack. Hatte mit dem Brett nichts zu tun, war auch harmlos, aber wenn wir schon dabei sind, dann muss das auch raus. Dazu verwenden wir als praktische Pumpe mit sechs meter langem Schlauch unseren Akku „Hoch“Druckreiniger. Den hatten wir schon mal im Blog erwähnt? Also flott das bisschen rausgepumpt, Brett wieder drüber, Teppich druff und Tür eingehängt. Wo das Gerät schon mal parat liegt, wollte ich „eben“ das Cockpit reinigen. Wir haben ja diese Holz-Einlagen als Sitzbänke und Cockpit-Boden – sind das Grätings? – und darunter sammelt sich natürlich alles mögliche. Ich erspare euch Details, aber es dauerte eine Weile, bis alles sauber war. Das war mal nötig und der Druckreiniger ist ein sehr gutes Hilfsmittel dafür.
Weil es so windig war, war ich danach nicht nur ganz schön durchgepustet sondern auch kühl, also ging ich unter Deck, kuschelte mich ein und las eine Weile (ein tolles Buch, hab ich vom Stralsunder Hafenmeisterbüro). Nun wollten wir auch noch mal mit Gudrun an Land, weil es dort einen „Kiosken“ gab, wo wir noch Wasser, Bier und Cola holten und dann noch vom Bauern Kartoffeln, bevor wir gegen Wind und Welle wieder zurück tuckerten. Immerhin konnten wir so feststellen, dass der kleine Honda-Motor zwar bei weitem keine Gleitfahrt schafft (was ich wusste) aber immerhin doch gegen 5 Bft ankommt. Natürlich sind die Wellen in der Bucht nicht exemplarisch, aber da waren einige, die über Gudruns Schläuche ins Boot schwappten…
Bei Slocum angekommen, wuppten wir den Einkauf, den kleinen Honda und uns an Deck und weil die Sonne gerade rauskam, zog ich Gudrun auch gleich mit dem Spifall aufs Vorschiff. Sonst müsste ich das morgen machen, denn dann wollen wir ja weiter (hinterher ziehen möchte ich es nicht). Schön langsam und sorgfältig. Dann versuchte ich noch, dass an der Reling hängende Solarpanel so auszurichten, dass es möglichst viel Sonnenlicht einfängt und damit Strom produzieren kann. Aber ich wusste schon: Die 30 Watt werden nun auch nicht mehr viel ausrichten und so startete ich den Motor, damit der eine Weile über die Lima die Batterien laden kann. Es war nicht zwingend nötig, aber ich war mir nicht sicher, ob die Kühlbox die nächste Nacht auch noch durchlaufen kann*.

Da es im Cockpit bei laufendem Motor leiser ist als in der Kajüte, setzten Angela und ich uns oben hin, schön mit Kissen etc., und lasen unsere Bücher. Dabei verging durchaus eine Stunde. Übrigens: Es riecht nicht mehr nach Diesel in der Kajüte, wenn der Motor läuft, seit ich in Flensburg den Pumpenanschluss repariert habe… da kannste mal sehen. Wir dachten immer, das ist eben so…
Nun war es auch schon nach 17:00 Uhr und Angela meldete Bedarf für warme Nahrung an (solche Hinweise muss man bei ihr ernst nehmen, die wird hungrig sehr ungemütlich). Also kochte ich Spagetti mit einer Sosse aus Tomaten(mark), Hähnchenfleisch (aus der Dose) und eingeweichtes Trockengemüse (echt lecker!) mit einem Klacks Kräuterfrischkäsereste.
Lecker und satt, aber einer muss den Abwasch machen. Seit wir in der Ostsee sind, spüle ich das Geschirr stets mit Ostseewasser vor. Dann benötigt man nur noch wenig Frischwasser für den Abwasch. Heute nahm ich statt unserer Abwaschkumme (Klick) gleich den großen Topf, so wurde dieser beim Abwaschen abgewaschen. Zumindest von innen.
Als alles soweit fertig war, liess der Wind etwas nach und ich wollte noch gern im Cockpit duschen. Unser Cockpit ist eine ideale Duschwanne! Den Solarbeutel an der Dirk überm Baum befestigt, dann noch eine Pütz mit Ostseewasser „fürs grobe nassmachen“, Handtuch und warme Klamotten (draußen sind es keine 20 Grad) bereit legen und schon konnte ich mich einseifen und abduschen. Wie erfrischend! Und das Wasser war, wenn auch nicht heiss, so doch ein gutes Stück entfernt von „kalt“. Nicht übel, so eine Solardusche. Und Wassersparend.
Dann stand ich wieder in der Kajüte, Angela trank ein Heineken und mir wurde gewahr, dass quasi wieder ein Tag vergangen war. Und kein einziger Klick fürs Video über… das Delta zwischen unserer gelebten und der Youtube-Realität wird immer größer. Na denn Prost.

*Ich traute mich nicht, einfach wie ursprünglich geplant einfach den Hauptschalter so zu stellen, dass beide Batterien wie eine große fungieren… dabei habe ich doch extra… ach, da schreibe ich mal einen eigenen Beitrag zu, erinnert mich ggf.

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