Wie man einen Außenborder zum Laufen kriegt

Angela hat es in ihren Mai-Berichten schon erwähnt: Unser schöner luftgekühlter Außenbordmotor für Gudrun will nach der Winterpause nicht wieder anspringen. Zuhause konnte ich da nicht mehr bei gehen, also musste ich das unterwegs machen. Hinweis: Ich beziehe mich hier nur auf den Honda BF2.3D, die grundlegenden Hinweise gelten natürlich für so ziemlich alle Verbrenner-Motoren.

Die standardmässige Ursache, wenn ein Motor nach langer Lagerung (Winter) nicht mehr anspringt: Der Vergaser ist verunreinigt, verstopft, verklebt. Wie kommt es dazu? Nun, ganz einfach: Benzin verdunstet ziemlich schnell. Aber dann ist nicht alles weg sondern es bleiben auch klebrige Reste. Diese setzen sich „irgendwo“ ab. Die engen Düsen im Vergaser sind natürlich als erstes dicht. Wenn gar noch Sand etc. in den Tank gelangt ist, dann geschieht das um so eher. Höre ich da eine Gegenfrage „Warum passiert das nicht im Sommer?“. Antwort: Tut es, aber wenn man den Motor immer wieder benutzt, dann sorgt das für Durchfluß und die Düsen werden so sauber gehalten. Natürlich kann man, bevor man den Vergaser demontiert, auch alle anderen möglichen Ursachen überprüfen:

  1. Nur zur Sicherheit: Den Benzinhahn habt ihr aber geöffnet (nach hinten)? Und die Entlüftungsschraube am Tank aufgedreht?
  2. Alter Sprit im Tank? Oft reicht es, diesen auszutauschen.
  3. Zündung Okay? Ein Schwups Startpilot oder Bremsenreiniger in den Luftfilter und Motor starten: Wenn er kurz lostuckert, dann funktioniert die Zündung.
  4. Zündkerze: Rausschrauben und schauen: Nass oder trocken? Sauber oder verrußt? Elektrodenabstand Okay? Sollte so 0,6mm betragen (bei mir: 8 Seiten der Bedienungsanleitung vom Honda). Wenn sie nass ist, dann kommt Sprit an, aber zuviel. Das kann diverse Ursachen haben. Vielleicht ist er nur kurz abgesoffen: Trockenlegen, erneut ohne Choke und mit weniger „Gas“ Startversuch unternehmen.
  5. Kommt Sprit beim Vergaser an? Dazu muss man den Spritschlauch zum Vergaser abziehen. Aber das muss man so wie so, wenn man den Vergaser ausbaut (Siehe Punkt 8 unten).

Sind alle Punkte geklärt und der Moppel will noch immer nicht, dann bauen wir den Vergaser ab. Beim Honda dauert das zwei Minuten, bis man ihn in der Hand hat.

  1. Abdeckhaube lösen: Hinten die Gummizunge aushaken, Haube nach vorn wegheben. Ich muss immer den Tankdeckel abschrauben, damit ich die Haube rüber bekomme. Die hängt dann an der Seite runter, wird vom Rekupierseil gehalten.
  2. Mit der Nuss 8mm die zwei Schrauben vom oberen Luftfiltergehäuseteil lösen. Abnehmen, beiseite legen.
  3. Rechts und Links von der Ansaugöffnung befindet sich je eine Schraube: Rausdrehen. Sie halten LuFi und Vergaser gemeinsam (Achtung: Unterschiedlich lang!)
  4. Seid ggf. vorsichtig mit den Dichtungen. Man kann sie weiterverwenden. Sollten sie an einem Bauteil fest kleben: So lassen. Sollten sich Lufi und Vergaser nicht trennen oder der Vergaser nicht vom Motorblock, dann vorsichtig mit einer flachen Klinge dazwischen. Selbst wenn sie einreissen, kann man sie noch verwenden.
  5. Der Gaszug ist auch noch fixiert: Abschrauben und bei Seite legen.
  6. Der Luftfilter ist noch mit der Kurbelgehäuseentlüftung verbunden: Ein Gummischlauch, einfach rausziehen.
  7. Nun kann man schon den Gaszug aushaken. Etwas drehen, dann geht es.
  8. Jetzt den Spritschlauch, der vom Tank kommt, abziehen. Ich konnte die dünne Drahtklammer einfach lassen wo sie ist und den Schlauch so abziehen. Achtung: Da kommt vermutlich nun Sprit raus! Hoch halten! Eine von den demontierten Schrauben passt da gut als Stopfen rein. (Sollte kein Sprit kommen, habt ihr vielleicht schon den Fehler gefunden…)
  9. Nun kann man auch den dickeren Draht vom Choke aushaken.
  10. Jetzt habt ihr den Vergaser in der Hand.

Folgendes könntet ihr jetzt versuchen und mit etwas Glück reicht das auch schon: Von allen Seiten mit Bremsenreiniger reinsprühen, so das möglicher Dreck rauskommt. Um das zu testen, müsst ihr ihn wieder einbauen und wenn das nicht reichte, müsst ihr ihn wieder ausbauen (Glaubt mir: Ich hatte den Vergaser dreimal aus- und eingebaut). Macht es gleich richtig.
Unter dem Vergaser sitzt die Kappe der Schwimmerkammer. Die kann man unten mit der zentralen Schraube SW10 abbauen. Achtung: Da sollte Sprit drin sein! Am besten über die Tanköffnung halten und die Schraube leicht lösen, bis alles rausgelaufen ist. Unten im Deckel findet ihr bestimmt braune Ablagerungen: Das sind die Reste, wenn Benzin verdunstet. Den Schwimmer könnt ihr einfach entfernen, in dem ihr die Stahlachse rauszieht. Geht mit den Fingern. Vorsicht: Am Schwimmer ist ja auch dieser federnd gelagerte Ventilnupsi. Wenn diese Spitze verdreckt ist (die Bohrung führt zum Benzinhahn) dann funktioniert der Vergaser auch nicht richtig.
Jetzt schaut mal in das Rohr in der Mitte: Dort seht ihr einen Stopfen. Den schraubt ihr mit einem schmalen Schraubendreher raus. Da hinter befindet sich die Hauptdüse (Vorsicht: kann so rausfallen). Die Düse sieht auch wie eine winzige Blockflöte. Seht ihr schon Dreck oder verstopfte Bohrungen?
Dann löst ihr auch noch die vier kleinen Schrauben vom Deckel oben. Darunter ist im wesentlichen nur eine leere Kammer. Und ein Kunststoff-Stopfen. Diesen kann man mit einem flachen Schraubendreher vorsichtig raushebeln. Dieser Stopfen hat auch eine Durchflußbohrung, die ist aber recht groß und einen kleinen O-Ring. Da unter findet man diverse Kanäle. Schwimmerkappe und Deckel sind mit einem Gummiring abgedichtet. Ich habe die in ihrer Nut im Vergaser gelassen und nicht rausgepult. Viel zu empfindlich.

So: Diese ganzen Teile müssen jetzt gut gereinigt und durchgepustet werden. Ich hatte die Reinigung das erste mal mit Spiritus gemacht. Und beim zweiten mal, was wesentlich besser ging: Warmes (heisses) Wasser mit Spüli drin. Das löst Fett und Dreck, kennt man doch aus der Werbung! Alle Vergaserteile (außer dem Deckel mit dem Überlauf, der ist unkritisch) kommen ins Wasser und dürfen da eine Weile „einweichen“. Da ich keine echte Druckluft parat hatte, nahm ich die Fußpumpe für Fahrrad etc. Dort vorn eine Ballnadel dran und man kann wunderbar die Kanäle durchpusten. Das habe ich viele male im warmen Spülwasser gemacht. Einfach in jede Öffnung halten und pusten. Und immer drauf achten: Das muss doch irgendwo wieder rauskommen. Unter Wasser sieht man die Luftblasen. Wenn man das Gefühl hat, jetzt müsste alles nicht nur sauber sondern rein sein, kann man alles trockenlegen und umgekehrt wieder zusammenbauen. Falsch machen kann man nicht viel, einfach von 8 bis 1 🙂 . Die Hauptdüse (Blockflöte) muss mit dem dünneren Ende zuerst in die Bohrung, sonst kriegt man den Stopfen gar nicht rein.
Achtet bei der Montage auf die Dichtungen: Korrekter Sitz, nix verknickt?!
Zieht die Schrauben gut fest an, aber übertreibt es nicht! Das soll nur dicht sein, da kommen keine / kaum mechanische Kräfte drauf.

Wenn die Haube wieder drauf ist: Benzinhahn auf, Tankentlüftung auf, Choke raus, Gashebel auf Markierung (ca. ein viertel Gas) fixieren, Startseil nehmen, langsam ziehen bis Widerstand und dann schnell durchziehen. Zweimal, dreimal: Brumm pöttpöttpött! Bei mir war es jedenfalls so 😉

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