AZ21 – von Förde zu Förde

Das Wetter hat uns lang genug aufgehalten: Der Himmel wurde freundlicher, der Wind kam aus einer guten Richtung: So schön Laboe auch ist; wir wollen weiter!

Gestern haben wir noch einen Test gemacht, damit wir heute los können. Wir wollen nach Eckernförde, quasi eine Bucht weiter. Für diesen Törn von ca. 20sm ist südlicher Wind gut, denn wir müssen einmal östliche Richtung und dann wieder westlich in die nächste Bucht rein. Um 11:15 Uhr schmissen wir die Leinen los und motorten aus dem Laboer Hafen. Auf der Kieler Förde war schon einiges los und in der Nähe von Hafeneinfahrten tummeln sich sowieso immer Boote (für Landratten: Das ist so ähnlich wie bei Autobahnabfahrten, da sind auch immer irgendwie mehr Autos als auf dem Rest der Autobahn). Wie die meisten anderen auch wollten wir in den Wind drehen, um das Groß hochzuziehen. Ich versuchte, mich mit den anderen Skippern zu arrangieren (auch wenn da immer einige „echte“ Freizeitkapitäne dabei sind…). Um 11:37 Uhr hatten wir es geschafft: Segel war hoch, Kurs und Fahrt aufgenommen, die Maschine konnte wieder aus. Ich wiederhole mich gern: Das ist so ein toller Moment, wenn man den Motor ausstellt, dann nur noch das Wasser und den Wind rauschen hört und sich dabei durch die Wellen vorwärts bewegt! Wir hatten das Reff noch drin gelassen, weil es doch böig werden sollte. Zwischendurch probierten wir verschiedene Segelkombinationen, denn nur das Groß allein bringt zu viel Ruderdruck. Andreas hatten wir noch nicht wieder ausgepackt und steuerten von Hand. Letztendlich fuhren wir das Vorsegel auch im Reff, so war alles ausgewogen und die Böen taten uns nichts. Im Mittel waren wir so um die 5 Knoten schnell, das ist doch super! Einige Male auch über 6 und kurz mal auch unter 4. Der Schnitt: Für die 20sm brauchten wir von los- bis festmachen 4h50min. Das passt doch!
Insgesamt war es ein schönes Segeln, zumal nach der Kieler Förde auch weniger los war. Ungewohnt für uns Tidensegler: Hier segeln alle kreuz und quer…. Im Revierführer lasen wir Hinweise zur Stollergrundrinne, weil es dort zu beiden Seiten flacher wird und dort auch Steine liegen und weil es da kabbelig werden kann. Aber wir kamen problemlos durch. Nur den orangen Fähnchenbojen (für die Fischernetze?) konnte man nicht ansehen, in welcher Richtung man sie passieren sollte. Andere Segler flitzten da kreuz und quer durch, also fuhren wir einfach so weiter. Ging auch alles gut 🙂
Als wir in der Eckernförder Bucht ankamen, war auch die Dünung weg und wir konnten richtig schön „in Ruhe“ segeln. Das Sperrgebiet mieden wir und nahmen die gelben Tonnen als Kurslinie. Der Himmel war Wolkenverhangen und einige waren auch Regengrau, aber zwischendurch hatten wir sogar Sonne!
Immer wieder mal kam eine dicke Böe, aber dank der verkürzten Segel war das gar kein Problem. Andere Boote liefen mit uns, andere kreuzten vor dem Wind durch die Bucht, es war eine Wucht (Oh-ha).

Interessant war ein Gespräch auf Kanal 16: Bremen Rescue rief ein Boot der Küstenwache an, weil gemeldet wurde, dass ein Kite-Surfer da irgendwo ins Wasser ging und seit einer halben Stunde ging dort kein Kite mehr hoch. Ob die sich das anschauen könnten? Die setzten ein Schlauchboot aus und suchten. Von der anderen Seite näherte sich ein SAR-Boot. Nach 10 Minuten kam Entwarnung: Es wurde wohl ein Kiter „gefunden“, aber der war okay und fuhr auch wieder. Es wurde noch der Rest des Küstenabschnitts abgesucht und dann war der kleine Einsatz beendet. Ich konnte das alles mit dem Fernglas beobachten. Derweil segelten wir weiter.

Kam uns in der Bucht entgegen: die R.R. Tolkien

Bis wenige hundert Meter vor der Hafeneinfahrt (wir hatten uns „Im Jaich“ ausgesucht) segelten wir und liessen dann erst Maschine an und Segel fallen. Vorab hatte ich mir schon Hafenpläne und -Fotos angeschaut und wusste: Enge Sache. Wir können ja mit unserem Boot nicht gut drehen und schon gar nicht rückwärts manövrieren. Da passte es gut, dass an der Mole noch eine kleine Lücke frei war. Knapp für uns, aber: Das passt! Ich sprach im Vorbeifahren einen an Bord an und der wollte gleich die Leinen annehmen. Ich musste aber erst drehen, weil ich nicht mit der BB-Seite da ran wollte. Zudem hatten wir noch keine Fender draußen, weil wir ja dachten, wir fahren in eine Dalben-Box. Also fuhr ich bis zum Ende der Gasse und drehte dort, Angela tüdelte die Fender an StB. Die Leinen hatten wir schon klar. Nun wurde es kniffelig: Der Wind kam nun von hinten, ich musste in die Lücke und dann gleich aufstoppen. Also konnte ich ihm die Leine nicht zuwerfen, das musste Angela machen. Mindestens zwei Menschen (am Steg!) riefen „Aufstoppen“. Was glauben die, was….ach, egal. Ich blieb gelassen. Natürlich stoppte ich auf, aber ein, zwei Meter dauert das nunmal (bis die Kapitäne an Land das merken). Der Typ, der die Leine annahm, war auch gleich einer von denen, die einem sagten, wo man wie welche Leine festmachen soll und das auch gleich selbst tat und jeden Schlag von uns genau begutachtete. Ich lass die immer schnacken und verzichte auf eine Unterhaltung. Als er weg war, hab ich das erstmal richtig gemacht. Mir erschliesst sich nicht, warum die Vorleine „unbedingt“ an Land am Poller fest soll. Die gehört an Bord belegt, wo man sie wieder loswerfen kann!

Angela schaut auf die Slocum…

(Nachtrag: Weil Angela auch die Tolkien als Bild genommen hat, habe ich das hier noch dazu eingefügt 🙂 )
Wir gingen noch zum Hafenmeister und bezahlten. 20 Euro für eine Übernachtung… vorbei mit den günstigen Preisen. Wir könnten morgen weiter nach Maasholm, aber erst müssen wir so oder so einen weiteren Test machen und dann wollen wir noch einkaufen und vielleicht noch mal Wäsche waschen… also bleiben wir hier. Wir haben ja nirgendwo einen Termin oder so. Die nächsten Tage soll auch noch mal Starkregen kommen. Wir fahren lieber erst in die Schlei, wenn es etwas sommerlicher wird… soll doch so schön dort sein 🙂
Dann wollen wir mal Eckernförde kennen lernen!

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