Jetzt wird es wieder ernst…

Letzten Montag habe ich erfahren, dass einer, der hinter mir in der Halle liegt, raus und ins Wasser will. Unser Boot müsste dazu „eben ausm Weg“ und deswegen abgebockt werden.

Da habe ich mir gesagt:  Wenn wir das Boot schon aus der Halle ziehen, dann ist es schon bei der Rampe; dann kann ich auch gleich ins Wasser? Ein kesser Spruch! War doch das komplette Unterwasserschiff noch nicht gemacht, nicht mal angefangen, und nur fünf vier Tage Zeit! Aber: Ich hatte schon Primer und AF geordert, und die Dosen standen parat. Und die Radlager waren auch alle vier fertig frisch gefettet. Fein, also Pinsel und Krams her und ran ans UW.
Am Dienstag wurde meine Arbeitswut gleich wieder ausgebremst: Ein Kamerad war dabei, seinen Rumpf zu lackieren. Da konnte bzw. wollte ich nicht schleifen. Also ging’s am Mittwoch weiter. Das war nun ein straffes Zeitfenster, auch wenn ich nicht alles vollflächig machen musste: Abgezackt (mit nem Spachtel alles Lose runter genommen) hatte ich schon, aber es mussten noch ein paar wenige Stellen gespachtelt werden, zwei davon über Wasser. Unter Wasser musste dann Primer auf die Stellen, oben „Slocum-Blau“ als Endanstrich. Vom Primer wollte ich besonders unter Wasser mehrerere Schichten auftragen, damit das auch alles Sinn macht. Also musste ich die einzelnen „Baustellen“ so verschachteln, dass immer eines trocknen konnte, während ich das andere strich. Und nicht mit den Lackrollen durcheinander kommen 🙂

Den Tipp, benutzte Pinsel und Rollen in eine Tüte zu packen und Luftdicht zu verkleben, um die am nächsten Tag weiter zu verwenden, kennt ihr aber schon? Jo, klar, also weiter – Das reinste Wimmelbild: So sah das gestern (Donnerstag, den 25.03.2021) aus. Das meiste Antifouling war eigentlich noch gut. Aber weil seit Jahren immer übergemalt wurde, ist das ganz schön uneben. Und wenn mal ein Placken abplatzt, dann entstehen fast schon Krater. Unter anderem deswegen behandle ich das mit dem Primer, damit sich nicht noch mehr löst. Ganz tiefe „Krater“ werden vorher noch gespachtelt. Einiges vom AF ging auch im beim Raus-Slippen bzw. beim anschliessenden Hochdruckreinigen mit runter. Da schimmerte dann schon die Grundierung vom letzten mal durch. Wichtig: Nun ist alles fest und dicht.

Heute, kurz vor der Fertigstellung: Sieht doch Schmuck aus? Nicht der Trecker, das Unterwasserschiff 🙂
Macht ja immer was her, son büschen Farbe. Früher (bevor wir Eigner der Slocum wurden), gab es noch einen weißen Streifen als Wasserpass. Das sah sehr gut aus, aber Hunte- und Weserwasser lassen sowas immer schmutzig aussehen. Aber weiter mit der Ernsthaftigkeit:

Die Opferanoden durfte ich natürlich nicht vergessen! Das Ruder ist komplett aus Metall und hat deswegen eine eigene Anode. Was ich aber naaatürlich vergessen hatte: Eine passende Schraube für die Wellenanode. Die ganze Anode samt Schraube hatten wir ja letzte Saison verloren. Aber ich fand einen passenden Ersatz in der Grabbelkiste an Bord. Weil ich auch den Schraubensicherungslack vergessen hatte, machte ich einen Klecks Primer vom Pinsel ans Gewinde.
Und was sich letzte Saison bewährte: Hauchdünn Antifouling auf den Propeller streichen! Also habe ich dieses mal wieder die Rolle an den drei Flügeln ausgemalt…

Das heißt: Fertig. Eigentlich. So weit. Der Trailer samt Boot war immer noch aufgebockt. Ich füllte noch etwas Luft bei den Reifen nach. Auch das ist immer ein Kompromiss: Wir kennen von unseren Autoreifen so 2 bis 2,2 Bar Druck. Wenn man aber dem „Aufdruck“ auf den LKW-Reifen am Trailer vertrauen will, dann müssen da acht Bar (117 psi) drauf! Der kleine Kompressor, den ich zur Verfügung hatte, schaffte mit viel Geduld gute vier Bar. Das muss also reichen. Dazu ein Hinweis: Die Reifen sind knallestramm und wir fahren damit ja auch nicht 20 Tonnen mit 80 Sachen durch die Welt sondern max. 6 Tonnen mit 3 km/h wenige Meter weit: Ein guter Kompromiss. Nun abbocken: Ich habe zwei kleine Hydraulikstempel, die können jeder 10 Tonnen(!) heben. Damit hebe ich nacheinander jede Ecke an, ziehe den Bock weg und lasse wieder ab. Ich könnte auch den riesigen Wagenheber nehmen, der in der Halle extra dafür da ist, aber der ist so scheisse zu manövrieren und so sperrig, dass es mit den Stempeln einfach bequemer geht.
Dann musste ich nur noch aufräumen, noch mal an Bord, um die Kabel abzuziehen, alles beiseite und morgen kann es dann losgehen.

Wettervorhersage: 5Bft, in Böen 6, Regen.
Na Toll. Wir schaffen das.

Zum Titel des Beitrages
Warum wird es ernst? Neulich wurde ich gefragt, was denn das mit den 40 Tagen… und 20 Sekunden auf sich hat.
Ich will das gerne noch mal erwähnen: Angela und ich planen seit 4 Jahren eine längere Auszeit. Eigentlich wollten wir ins Mittelmeer, durch den englischen Kanal usw. Das wäre letztes Jahr gewesen. „Wegen Corona“ haben wir das dann nicht abgeblasen aber verschoben. Auf dieses Jahr. In der Zwischenzeit hatten wir auch das Ziel neu definiert: Wir werden die Ostsee erkunden. Nun ist immer noch überall Corona, aber wir können, wir wollen nicht noch mal verschieben: Am 25.04. starten wir im Stadthafen von Oldenburg unsere Reise mit etwas ungewissem Verlauf. Wenn es sein muss, dann ankern wir erstmal vor Elsfleth und sehen dann weiter.

Und der 25. ist gar nicht mehr so lange hin…

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