Grosse Premiere

Warnung: Sensible Gemüter sollten diesen Beitrag nicht über diesen Absatz hinaus lesen! Es geht um meine Erfahrungen mit unserer Jabsco, der Bordtoilette. Ich habe versucht, alles möglich „beschönend“ und unbedarft zu formulieren, aber letztendlich weiß man beim Lesen eben, worum es geht und Menschen mit Phantasie kriegen vielleicht Bilder in den Kopf, die sie nicht wollten. Aber mein Tipp: Versucht einfach, das sachlich und wissenschaftlich zu betrachten, denn im Grunde geht es um höchst natürliche Vorgänge, die fast jedes Lebewesen direkt betrifft. Nur, dass der Mensch eben nicht (mehr) einfach da hinmacht, wo er gerade steht… übrigens: Dieser Beitrag enthält keine Bilder.

Wir besitzen dieses Boot nun seit gut drei Jahren. Unser erstes Boot, ein Jollenkreuzer, hatte keine Bordtoilette. Dort hatte ich einen Kloeimer mit einem Deckel, der wie eine Klobrille geformt war. Sah pfiffig aus, wurde aber nie richtig benutzt. Auf dem folgenden Motorboot, holländischer Stahlverdränger, war eine Bordtoilette verbaut. Eine solide Schüssel in einem relativ engem Raum mit einer Whale-(Lenz)Pumpe zum Spülen und als „Weg nach draussen“ war unten in der Schüssel eine Klappe, die mit einem Pedal ausserhalb der Schüssel bedient werden konnte. Alles, was in der Schüssel landete, wurde geradewegs durch ein dickes Rohr nach unten rausgespült. Simpel und funktional.
Die Slocum hat eine überall bekannte und bewährte Jabsco-Toilette verbaut. Die Schüssel samt Abflussöffnung sieht wie ein Porzellan-Trichter und etwas zierlich aus, daneben befindet sich das Pumpgehäuse mit Anschlüssen und Griff zum Pumpen. Zwei Schläuche mit Seeventilen gibt es: Einen dicken, um alles nach Aussen zu kriegen und einen dünnen, um Frischwasser reinzupumpen und zu spülen.

In all den Jahren habe ich mich nie getraut, dort „Gross“ zu machen und es war auch nie „nötig“. Pipi ist natürlich nie ein Problem und viel vernünftiger als über die Reling zu pinkeln…. (was zwar cooler und praktischer ist, aber nur für Männer).
Als Angela und ich mal darüber sprachen, sagte sie freimütig „also ich hab da schon reingemacht“. Ich wollte wirklich eine Diskussion vermeiden, die sich um die Grösse von Stuhlgangshaufen dreht. Stattdessen nehme ich netter- und naiverweise einfach an, dass liebe, süsse Frauen kleine Mädchenhaufen machen und nicht wie hart arbeitende Handwerker, die auch viel (Fleisch) essen, etwas solidere… ähm… stellt euch einen guten Räucheraal vor, der aufgerollt wurde. So was soll die kleine Jabsco wegschaffen können?

Und dann kam Corona. Man durfte sein Boot ins Wasser lassen, man durfte rumschippern, man durfte in andere Häfen, aber Toiletten und Duschen, damit zierte man sich, die blieben verschlossen. OK, die WCs wurden dann irgendwann freigegeben, das war auch die richtige Entscheidung. Aber was tun, wenn es drückt, man liegt als fünfter im Päckchen und der Weg zum WC-Gebäude ist sowieso irre lang? Rationales Handeln war gefragt! Also: Logisch betrachtet sollte die Bord-Toilette vom Typ Jabsco alles problemlos „wegschaffen“ können, wenn man sich an einige Regeln hält. So soll man nichts in die Toilette tun, was nicht durch deinen Körper gegangen ist. Eine etwas krasse, aber eindeutige Formulierung! Schmeiss keinen Müll da rein! Und das nicht (nur) zum Schutz der Weltmeere sondern zum Schutz der funktionierenden Toilette. Ausserdem ist die Jabsco tausendfach auf Schiffen rund um die Welt verbaut und andere müssen doch auch… und bei mir drückte es wirklich.

Es gab keine andere Alternative (ausser sich im Cockpit auf eine Pütz zu hocken. Aber das kam nun gar nicht in Frage). Also rauf auf die Schüssel. Klopapier und einen Müllbeutel dafür bereit gelegt (das handelsübliche Papier kommt nicht in die Schüssel und der Beutel wurde gut verschlossen für weitere Sitzungen verwendet). Ich kürze mal ab, um uns alle zu schonen, man weiss ja, worum es geht: Ich pumpte viel Wasser in die Schüssel, legte den Spülhebel um, damit ich mit der Pumpe alles nach draussen befördern kann, und: Es funktionierte! Ich will nicht sagen „wie geschmiert“, weil… ach, ich wollte das ja gar nicht so schreiben, zu spät 🙂
Jetzt bin ich (und ihr vielleicht auch) um eine gute Erfahrung reicher, wenn ihr bis hier in gelesen habt!

Noch was technisches am Rande: Irgendwo im Internet gibt es eine Anleitung, wie man das Dichtgummi des Pumpenschwengels fetten kann. Eine sehr einfache und schnell durchzuführende Sache. Einmal im Jahr eine Fingerkuppe voll Fett reicht. Das bringt wirklich was! Statt zähes Quietschen geschmeidiges und leichtes Pumpen! Mein Dank an den Anleitungsschreiber (muss ich noch mal nach suchen und verlinken)! Ah, der Sönke war es. Hier der Artikel. Sehr gut!

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