Die Saison geht zu Ende

Endlich haben wir es auch geschafft, unser Boot liegt wieder in der Nähe 🙂

Am Sonntag sind der Ehemann und ich in Hooksiel aufgebrochen um die Slocum nach Hause zu holen.
Geplant war die Überfahrt schon für letztes Wochenende, aber meistens kommt es anders als man denkt.

Die Überfahrt war problemlos. Nur in der Schleuse hab ich mich auf dem rutschigen Schwimmsteg abgelegt! Hui, was für ein Schreck! Aber es ist alles heile geblieben (außer meinem Stolz).

Auf der Jade schien sogar die Sonne. Ab der Weser zog der Himmel zu. Der Wind nahm vor Bremerhaven merklich ab. Alles lief so gut, dass wir uns entschlossen bis Elsfleth durchzufahren. Der Ehemann bereitet unter Deck eine kleine Mahlzeit zu, so blieben wir warm.

Hinter Nordenham fing es leicht an zu regnen. Da waren wir bereits knapp 8 Stunden unterwegs…

Bei Sandstedt wurde es langsam dunkel. Zum Glück sind die meisten Tonnen auf der Weser beleuchtet. Es regnete immer noch leicht.

Vor Brake kippte die Tide. Wir hatten Stillwasser und fast Windstille! Die Sonne hatte bis dahin einen zauberhaften Sonnenuntergang beschert. Nun war es komplett dunkel. Keine Sterne, kein Mond am Himmel, nur Wolken und leichter Regen.

Es wurde immer später und die Weser strömte gegen uns. Wir riefen den Sohn an, ob er uns wohl später aus Elsfleth mit dem Auto abholen wollte.
Außer uns schien kein Boot auf der Weser unterwegs zu sein.

Es wurde noch mal spannend, als wir in die Hunte abbiegen wollten! Das Sperrwerk ist so beleuchtet, dass mich die ganzen Lichter verwirrt haben! Ich hätte die Einfahrt verpasst, aber der Ehemann fuhr sicher durch das Lichtermeer. Dann tauchte vor uns endlich der Steg des Stadthafens auf.

Nach dem Erlebnis am Morgen hatte ich keine Lust mehr auf den Steg zu springen! Wir besprachen unsere Vorgehensweise während einer Ehrenrunde und legten das perfekte Anlegemanöver hin! Leider hat es zu der späten Stunde keiner gesehen 🙂

Tatsächlich erschien der Sohn mit dem Auto und brachte uns nach Hause. 12 Stunden auf dem Wasser, das ist Rekord für uns 🙂

Fast ne Nachtfahrt

Wir hatten ja das Himmelfahrts-Wochenende in der „Marina Bremerhaven“ verbracht, es war eine Ausfahrt vom OYC. Die Marina im Fischereihafen ist toll, ich werde demnächst einen eigenen Beitrag darüber schreiben. Aber erstmal das hier.

Wie wir zwischen Hooksiel hin und her fahren, brauche ich wohl nicht mehr zu beschreiben, das gibt es hier ja mittlerweile zur Genüge. Wer das nachlesen will: Einfach das Suchfeld oder die Tag-Wolke links verwenden.
Weil Angela doch so gern mal bei Nacht fahren möchte, ergab sich nun eine gute Gelegenheit dafür. Nicht ideal, aber immerhin sollte es bei Abfahrt Nacht und Dunkel sein: Die Tide war so, dass beim Alte Weser-Leuchtfeuer um ca. 6:30 Uhr Niedrigwasser war. Also muss man in Bremerhaven zwischen zwei und drei Uhr in der Nacht losfahren. Wir lagen im „Neuen Hafen“ im Jaich am Kopfende von Steg C. Da wir erst gegen 21:55 angelegt hatten, würden wir nur vier Stunden bleiben. Angemeldet hätten wir uns dennoch, wenn das Büro noch besetzt gewesen wäre. War aber nicht, aber für die paar Stunden machten wir uns keine Gedanken. Eine Schleusung „zur ungewöhnlichen Zeit“ muss man nicht extra lange vorher ankündigen, das war mir noch von unserer Überfahrt an Ostern bekannt . Die kleine Schleuse wird ausserhalb der Betriebszeiten von der Kaiserschleuse über Ch 10 fernbedient. Dort ist immer jemand und ggf. eine halbe Stunde vorher kann man ruhig Bescheid sagen, das ist gut für die Planung. Machte ich. Oder besser: Versuchte ich. Dreimal mit Abstand von einigen Minuten habe ich die Schleuse angefunkt, aber keine Antwort. Beim vierten mal, es war schon 2:38 Uhr, eine Reaktion: „Was fürn Boot seid denn ihr?“ kam als Rückfrage (meine Vermutung: Der Diensthabende hatte ein verdientes Schläfchen gemacht und musste erstmal Zeit gewinnen, um sich zu orientieren). Egal: Wir sollten rankommen und er würde dann gleich öffnen. So geschah es auch. Die Schleuse ist sehr gut ausgeleuchtet und Dank solider Schwimmstege kein Problem. Und wir hatten die Schleuse für uns allein…

Die wahre Nachtfahrt begann dann, als wir aus der Schleuse raus fuhren. Ich weiss nicht, ob Angela nervös war, aber konzentriert angespannt war ich auf jeden Fall. Ich bin schon einige Male Nachts gefahren und mit etwas Übung ist das sogar einfacher als Tagsüber, denn es ist weniger Verkehr und alles Wichtige ist ja beleuchtet 🙂
Man muss nur die Lichter auseinander halten können und natürlich insbesondere auf die Betonnung achten. An der Columbus-Kaje sind alle grünen Tonnen (auf deren Seite Sportboote dort fahren sollen) beleuchtet und dahinter die erste rote Tonne auch. Kein Problem, besonders, wenn man die Tonnen am Plotter schon mal „vorverorten“ kann.

An der Kaje selbst ist es schon beeindruckend im Dunkeln, weil sowohl die Kräne als auch die  riesigen Schiffe sehr üppig beleuchtet sind. „Schon“ um 5 Uhr war Sonnenaufgang und wir waren aussen auf der Weser live dabei. Auf dem Foto sieht man zum einen Wremen weit hinten am Horizont als auch die Tonne im Tidenstrom (ca. 2,5kn an der Stelle). Über den Revierfunk wurde schon früh die Einfahrt der Mein Schiff 2 angekündigt und irgendwann schob sie sich majestätisch langsam an uns vorbei, die fuhren ja gegenan.
Und weil über den Revierfunk verkündet wurde, dass das Niedrigwasser drei Dezimeter geringer ausfällt als üblich, haben wir auf den Heinrich-Punkt verzichtet und sind ganz klassisch durch die Mittelrinne gefahren. Diese hat Angela sogar mehr als zur Hälfte allein gefahren, weil ich mich für ein Schläfchen hingelegt hatte… der Rest ist schnell erzählt: Auf der Weser musste die Maschine mitlaufen, weil 1 Bft leider nicht reichen. Aber die Jade haben wir dann allerfeinst kreuzend ersegelt, es briste eetwas auf. So erreichten wir die 9 Uhr-Schleusung superpünktlich, statt mit Motor und ohne Spass die um 8 Uhr zu versuchen. Dann Schleusen (wir und noch ein Segler: zwei Boote und viel Platz), danach zum Steg und Liegeplatz tuckern, dort super angelegt und erstmal klar Schiff machen. Dann kurz nachgedacht: Um kurz nach 12 wieder raus, aufs Hooksmeer und dort ankern! So konnten wir die Kairos bald begrüssen, denn Anja und Axel waren auf Wangerooge und die Tide würde sie gegen 14:00 in die Schleuse spülen. Fast. Denn die Kairos konnte erst gegen 15:00 in die Schleuse, es waren sooo viele Boote im Vorhafen, das eine Schleusung nicht reichte…. das war uns aber auch recht, denn so habe ich vor Anker noch Bratkartoffeln mit Leberkäse gebraten und wir futterten das im Cockpit unterm Bimini genüsslich auf 🙂

Die nächste Nachtfahrt werden wir bestimmt schon am Abend starten…

Überführung 2019 – letzter Teil

Da ich mit dem zweiten Teil der Reisebeschreibung nicht bis zur Ankunft in Hooksiel kam und einen dritten Teil ankündigte, möchte ich das hier noch nachreichen. Die meisten wichtigen Details kennt ihr schon: Bei den Helden der See erwähnte ich, wie wir „im Jaich“ verliessen und gute 25 Meilen weiter habe ich den Heinrich-Punkt erklärt, sogar noch vor dem zweiten Teil, oder?

Wir hatten also den Heinrich-Punkt hinter uns und waren auf der Jade. An einem Punkt, an dem wir bisher noch nicht waren, weil wir ja sonst immer die Mittelrinne fuhren. Aber wir wussten, wo wir hin müssen: Immer dem Tonnenstrich folgen, bis vor der Tonne 37 die Tonne H3 zur Ansteuerung von Hooksiel kommt. Aber das waren noch sooo viele Tonnen. Egal, oder besser: Fein! Die Sonne schien, der leichte Wind kam östlich, also nicht verkehrt, wenn man mit auflaufendem Wasser in die Jade will, wir hatten nix auszustehen und brauchten nur noch segeln und geniessen. Angela machte uns einen Kaffee, danach habe ich auf der Cockpitbank ein Nickerchen gemacht, denn es war fast 13:00 und wir waren seit über sieben Stunden unterwegs. Das Nickerchen wurde nur kurz getrübt, weil die nächste Tonne nicht gleich gesichtet wurde. Aber gut, die sind dort draussen noch recht weit auseinander. Und viel zu schnell waren wir dann doch da, wo wir hin wollten: Nahe der H3. Bis zur nächsten Schleusung um 16:00 war es noch fast eine Stunde, aber wir wollten irgendwie nicht mehr rumsegeln, um die Zeit zu vertreiben. Also fuhren wir in den Vorhafen und sahen, dass dort schon einige Segler lagen und warteten, die „besten“ Plätze waren vergeben. Ich wollte dann dort festmachen, wo die Helgoland-Fähre immer liegt, aber irgendwie kam ich nicht nahe genug mit dem Heck an die Spundwand (und Angela hatte doch so super die Leine über den Landseitigen Poller geworfen!) und musste abdrehen; zweimal. Nun war es nur noch eine gute halbe Stunde und ich dümpelte einfach im Vorhafen rum. Eigentlich auch schön, aber man muss halt immer gucken und nach und nach kamen mehr Boote. Die Schleuse war anschliessend recht voll!

Die Schleuse ging auf, es kamen etliche Boote raus, es wurde grün und wir konnten als dritte rein. Dann rausschleusen, alle Boote dampften auf ihre Liegeplätze und Ende der Überfahrt. Eigentlich. Aber fairerweise erwähne ich, dass wir nicht einfach so in unsere Box abgebogen sind und festgemacht haben, sondern: Wir hatten seitlichen Wind und bei der Einfahrt war ich der Meinung: Das haut so nicht hin! Also abgebrochen, die Boxengasse weiter rein um zu wenden und einen neuen Anlauf starten. Angela stand derweil auf dem Vorschiff, Tampen bereit in der Hand. Und dann war ich überrascht, wie schlecht ich in der Gasse wenden konnte. Offenbar machte die Slocum nicht, was ich erwartete. Da muss man sich nach einer Winterpause doch selbst neu anlernen. Mit viel Ausdauer und Vorsicht schafften wir es, das Boot zwischen den Dalben zu wenden und fuhren erneut in unsere Box. Wenn man erstmal dazwischen ist, hat man ja das gröbste geschafft und der Nachbar stand schon da, um die Leine anzunehmen: Geschafft, in Hooksiel angekommen!

Zettel machen

Ich muss mich eben selbst daran erinnern: Wenn ich einen Hafen anlaufe, bei dem ich schon mal war, dann sollte ich mir einen Zettel bereit legen, um mich an alle Besonderheiten dieser Station zu erinnern.
Auf diesen Gedanken wurde ich gebracht, als wir neulich beim SWE Elsfleth festmachten. Wir sind da sehr gern, weil man da so ruhig und idyllisch liegen kann und die Tide einen dort nicht stört. Zudem ist die Pizza bei Cosimo immer lecker.

Es geht nicht um die Schleuse dort; das geht super, weil die Schleusenwärter einem immer gut helfen und diese Schleuse zwar ihre Eigenheiten hat (scheinbar schmale Einfahrt, das Becken ist breit, aber kurz) aber nach dem ersten mal Durchschleusen gleich den Schrecken verliert.
Was ich aber über den Winter total verdrängt habe: Die irre wackeligen Fingerstege dort an den Steganlagen in der alten Hunte-Mündung und eigentlich noch viel schlimmer: Keine Klampen an diesen Stegen, nur „falsch rum“ U-förmig angeschweisste Rundeisen, über die man NICHT eben eine Leine werfen kann. Man muss immer eine Leine durchziehen oder eben einen Haken parat haben, den man aber auch beim ersten Versuch eingeklinkt haben muss. Dazu noch die kleine Hürde, dass nur am Ende des wahnsinnig wackeligen Steges solch eine Öse ist und am Hauptsteg, dazwischen nüschts, nix, nothing. Des Weiteren eine zusätzliche Falle, wenn man es nicht kennt: Am Ende jeden Fingersteges steht eine solide Stange, ein Rohr, anderthalb Zoll im Durchmesser mit Haken oben, um vermutlich eine aufgeschossene Leine dort hinzuhängen. Dieses Rohr ist wirklich solide, aber: Der Steg, auf dem dieses Rohr fest ist, eben nicht. Sucht man nun Halt bei der Wackelei und stützt sich an diesem Rohr ab, dann wackelt es noch mehr. Würde mich nicht wundern, wenn dabei so mancher ins Wasser fällt (gesehen habe ich das aber noch nicht).

Die fehlenden Klampen sind wirklich, wirklich, wirklich ein Ärgernis. Vorletztes Jahr hatte ich mir extra ein paar kurze Leinen mit der richtigen Länge vorbereitet und dort Schnapphaken angetüdelt, weil wir da ja länger lagen und immer die gleiche Box hatten.

Solide Schnapphaken aus Edelstahl, gar nicht so teuer

Wenn die Länge stimmt und man weiss, von welcher Bootsklampe zu welcher Öse am Steg sie laufen müssen, ist es relativ einfach. Es muss nur eben jemand am Steg parat stehen oder einer vom Boot muss rüber (auf den wackeligen Fingersteg). Ein Gastlieger hat diese Ortskunde in der Regel nicht…

Dieses mal hatten wir uns wie üblich in Ruhe eine freie Box ausgeguckt, haben noch eine Ehrenrunde gedreht und sind langsam drauf zu. Sogar die Schokoladenseite. Am Steg wartete auch gleich einer, um Leinen anzunehmen. Der ging aber auch nicht weit auf den Fingersteg, der kannte das ja. Es kam wie es kommen musste: Die Leine kam zwar rüber, aber dadurch kann man das Boot nicht anhalten, man muss aufstoppen. Der Radeffekt setzt ein,  ein Hauch zu viel Schub, das Boot vertreibt und noch bevor ich das Manöver abbrechen wollte um neu anzusetzen (während alle anderen rumriefen „aufstoppen“, was ich überhaupt nicht leiden kann: Kommandos von aussen oder gar Unbeteiligten), ditschten wir mit dem Bug gegen den Hauptsteg. Genau da, wo es nicht mehr abgepolstert ist, sondern purer verzinkter Stahl. Ergebnis: Ne kantige Ecke aus dem GfK geschlagen. Ich kann und will dem SWE dafür keine Schuld geben, aber mit einer „normalen“ Klampe am Fingersteg, mittig oder am Ende, hätte man die Vorleine als bremsende Spring darüber legen können, dort sinnig reindampfen und fertig wäre das schöne Anlegemanöver. Ohne, dass jemand auf den wackeligen Steg hüpfen muss. Es hat ja seinen Grund, dass so ziemlich jeder dort mit festem Liegeplatz eigene, spezielle Leinen bereitliegen hat.

Dabei wäre die Lösung so einfach, zumindest für mich als Schlossermeister: Eben über die vorhandenen Ösen oben längs rüber ein weiteres gerades Rundeisen anschweissen, welches länger ist als die Öse: Fertig ist die Klampe. Eine Minute Aufwand pro Öse, Materialwert im Cent-Bereich.

Haben die keinen Schlosser als Mitglied im SWE? Ach, ich mach mir nen Zettel, ist sowieso für alle Häfen eine gute Idee….

Überführung 2019 – zweiter Teil

Wir waren also in Elsfleth und wollten nach Bremerhaven. Hochwasser in E ist um 16:19 und man braucht ca. drei Stunden für das Stück Weser. Weil noch April war, wurde die Schleuse „Neuer Hafen“ nur bis 18:00 live bedient, danach muss man sich über die Kaiserschleuse anmelden. OK: 18:00 schaffen wir in keinem Fall. Da aber super Wetter war: Sonne, warm und Ostwind, sind wir einfach schon eher los. Wir wollten Erfahrung sammeln und auf der Weser ein Stück „Gegen an“ kreuzen (für die Nicht-Segler, die hier mitlesen: doofe Idee, das macht man nicht). Aber so geht Erfahrung halt: Wir brauchten für 3km (weit vor Brake) eine gute Stunde. Laut Hochrechnung bräuchten wir dann bis BHV zehn Stunden.

Um was Positives daraus zu ziehen: Bei jeder Wende wurden Angela und ich besser. Unser Cockpit ist sehr klein und schnell hat man die Füsse auf den Schoten und/oder man sitzt sich gegenseitig im Weg. Das will abgestimmt sein! Auch wieder für die Nicht-Segler: Wenn man die Wende nicht zügig und mit genug Schwung schafft, dann kann es gut sein, das man nicht rum kommt und dann ist schnell das Weser-Ufer nahe… und wir pendelten bei unter zwei Knoten über Grund. Und das bei doppelt langem Weg durch das Kreuzen.

Wir holten dann das Vorsegel rein und motorten mit Groß (und Motorkegel!) die Weser runter. Seit einiger Zeit sahen wir von hinten ein Segler ganz langsam näher kommen, nur unter Motor. Bei Nordenham war er dann neben uns und wir sahen, wie sie die Fender etc. klar machten. Nach der Fähre Blexen wollte ich gern die Schleuse informieren und fummelte am Funkgerät rum. Und da hörte ich schon den Nachbarsegler, wie er sich anmeldete. Netterweise sagte der Diensthabende: „Ich sehe da aber zwei Boote auf der Weser?“ Gleich schnappte ich die Funke und gab uns zu erkennen. OK, nächste Schleuse 19:15, keine halbe Stunde mehr, fein!
Als der Überholer neben uns aber eindeutig die Geeste statt den Jaich ansteuerte, wurde ich etwas unruhig. Sollte ich bei dem Funkgespräch irgendetwas nicht mitbekommen haben? Lieber nachfragen. Was mich dann beruhigte, war die Professionalität des diensthabenden Schleusenwärters: Auf meine (vermeindlich korrekte) Nachfrage meldete er sich mit: „bestätige Schleuse Neuer Hafen, ab 19:15!“
Es gab dann noch die kleine Herausforderung, bei locker 2 kn Strom am Ochsenhals in den Vorhafen zur Schleuse zu kommen. Ich hielt stumpf Kurs auf die steuerbordige Spundwand und Angela verkniff sich Anmerkungen ob meines scheinbaren Fehlkurses (es sah ja auch so aus, als würden wir direkt in die Spundwand fahren). Ein paar Meter weiter war dann alles entspannt, weil der Wind nicht mehr in diese Bucht wehen und die Tide dort keinen Strom produzieren konnte. Dafür wurden wir von Besuchern fotografiert… und mit uns kreiste eine schöne, offenbar ältere Ketsch (die alte Liebe) wartend vor dem Schleusentor, wir tauschten ein paar nette Worte aus, bis wir schon gegen 19:00 in die Schleuse einfahren konnten.

Nun waren wir „im Jaich“. Der Rest der Reise ist meilentechnisch der längste, aber das meiste wisst ihr schon aus den vorherigen Artikeln. Deswegen werde ich das Übrige in aller Ruhe im wirklich letzten Teil dieses Überführungsberichtes erzählen.

Horumersiel – Elsfleth

Holger

Heinrich (ja, das ist der Namensgeber der Heinrich-Brücke) liegt mit seinem Segelboot den Sommer über in Horumersiel. Das ist ein Stück nördlicher an der Jade als Hooksiel. Auch er wollte sein Boot zurück ins Winterlager holen und er segelt oft allein. Ich erfuhr vorher, dass er plante, letzten Sonntag Abend loszufahren, weil da eben die Tide passt. Und dann wollte er die Nacht über bis nach Bremerhaven segeln. Also bot ich ihm an, mitzufahren, denn vier Augen sehen mehr, was gerade im dunkeln wichtig ist, weil man die grünen unbeleuchteten Tonnen wirklich nur sehr schwer erkennen kann. Wir machten eine Startzeit ab und rechtzeitig hat Angela mich dort hin gebracht. Vorher gab es natürlich noch eine Schleusenpommes beim Vorhafen von Hooksiel.

Niedrigwasser sollte so gegen 22:40 sein, deswegen wollte Heinrich spätestens 20:30, lieber eher, los. Wer Horumersiel nicht kennt: Es führt ein Prickenweg von der Jade dorthin und bei NW fällt das alles trocken. Selbst Heinrichs Peqoud mit ihren Kimmkielen und knapp nen Meter Tiefgang (Westerly Centaur 26) muss da gucken, ob es passt. 20:10 warfen wir die Leinen los und ich stellte mich aufs Vorschiff. Es war schon dunkel und so half ich, indem ich mit einer Taschenlampe die Pricken suchte und anstrahlte. Nach 20 Minuten waren wir in tiefem Wasser und Heinrich sagte, viel später hätten wir auch gar nicht fahren dürfen, an der Barre war es schon knapp. Was schön war: Es war super mildes Wetter, das Wasser wirkte wie Öl, so gut wie keine Wellen und noch warme Luft, und das Mitte Oktober! Was nicht schön war: So wenig bis kein Wind, dass es sich nicht lohnte, ein Segel auszurollen. Aber da Heinrich sich entschieden hat, sich um seinen Motor (Volvo Penta MD2B) keine Sorgen zu machen, tuckerten wir Sorgenfrei mit dem ablaufenden Wasser grob Richtung Aussenweser.

Aber, wie ich erfuhr: Heinrich fährt nicht durch die Mittelrinne (den grossen Bogen um das Feuer Mellumplate mit den M-Tonnen, wie hier beschrieben) sondern quasi fast Luftlinie zur Doppeltonne 13 des Weserfahrwassers, irgendwo zwischen Jade und Mittelrinne. Es gab nur Kommunikationswirrungen zwischen Heinrich und mir, weil er seinen Wegpunkt im Plotter aus irgendeinem Grund „Tonne 9“ genannt hat 🙂

 

Auch fahrbar, dieser Weg

Auf dem Bild (wie immer: Anklicken für grösser) ist der Törn von Hooksiel aus geplant, aber es geht ja direkt an Horumersiel vorbei, gilt also für beide. Dieser Weg ist in der Tat fast zwei Meilen kürzer, das hätte ich nicht gedacht! An der Stelle, wo ich im Bild den roten Kreis eingezeichnet habe, hatten wir etwas vor Niedrigwasser (wir waren ja nach nur einer Stunde Fahrt dort!) noch locker 3m Wasser unterm Kiel. Diesen Weg werde ich nächstes mal auch nehmen, denn in der Mittelrinne muss man schon ganz schön gucken, dass man aufm Weg bleibt, auf beiden Seiten wird es schnell flach und die M-Tonnen sind weit auseinander. Ich muss dann nur sehen, dass ich die Koordinaten vom Kreis erwische, denn laut Karte ist auch da auf beiden Seiten nicht viel Wasser. Aber auf jeden Fall hat man nun zwei Möglichkeiten, die man sich ggf. ja auch je nach Windrichtung aussuchen kann, um zu segeln.

Wie schon erwähnt waren wir bereits um 21:30 dort oben, eigentlich zu früh. Aber so ist das in diesem Revier: Später hätten wir wegen dem Prickenweg nicht los gekonnt, die Alternative wäre nur Ankern gewesen. Damit hätte man keine Zeit aber Diesel gespart.
Wir tuckerten mit 3,2 Knoten die Aussenweser Richtung Bremerhaven, eben noch etwas gegen an. Dafür freuten wir uns alle halbe Stunde, wenn es wieder ein zehntel Knoten schneller ging. Später hatten wir locker sieben Knoten. Heinrich achtete darauf, dass wir immer knapp ausserhalb des Tonnenstrichs blieben, denn auch Nachts fahren die dicken Pötte auf der Weser, denen wir nicht im Weg sein wollten! Die Zeit wurde nicht langweilig, weil wir immer wieder nach den unbeleuchteten Tonnen Ausschau hielten (ungefähr jede Zweite ist ohne Feuer und das Grün nachts fast schwarz und nur wenige Tonnen reflektieren). Die Buhnen-Tonnen blinken ihr „Ost“ erst, wenn man schon an der langen Kaje mit den dicken Pötten vorbei fährt.

Nach sechs Stunden waren wir an der Columbus-Kaje vorbei und hatten den Zoo am Meer querab. Aber noch lief das Wasser auf, also warum nicht weiter? Hochwasser in Elsfleth war erst gegen 6:50, das war noch lange hin. Und da wir den Pinnenpiloten steuern liessen, musste keiner von uns permanent an der Pinne sitzen. So schön das ist, kann das manuelle Steuern auch anstrengend sein. Wir machten beide Ausguck und verglichen die Realität, die wir erkennen konnten, mit den Daten auf dem Plotter.

Zwischendurch gab es mal ne Kanne Tee und wir schafften die Fahrt bis Elsfleth über Nacht zwar am Ende müde aber nicht fix und fertig. Solche Nachtfahrten haben ja auch immer ihren Reiz und die Huntemündung Nachts ist auch schon ein kleines Erlebnis, was da so alles leuchtet… um halb sechs machten wir fest am Steg vom Stadthafen Elsfleth und hauten uns erstmal in die Kojen. Wir hatten Zeit bis nach halb Zwei, dann war Niedrigwasser durch.

Schlafen konnte ich aber nur wenige Stunden, dann wurde ich einfach wach. Die Sonne schien aber auch herrlich draussen! Heinrich ging es ähnlich. Irgendwann funkte er dann die Eisenbahnbrücke in Elsfleth an und als die sagten, gleich könne man öffnen, da legten wir wieder ab, die Hunte nach Oldenburg hoch. An der Eisenbahnbrücke OL mussten wir ne halbe Stunde warten, um die Öffnung um 16:40 zu bekommen und ein wenig später konnten wir im Stadthafen am Steg unseres OYC festmachen.

Heimreise

Holger

Da waren wir also mit dem Boot in Grohn. Die Wettervorhersage versprach für Sonntag, unseren Rückreisetag am 30.09.2018, Sonne und wenig Wind, in Böen 3 Bft. Das war nicht viel, aber wir hatten ja Zeit, denn wir wollten nur bis Elsfleth und bis dahin sind es von Grohn wirklich wenige Meilen. In Elsfleth wollten wir erstmal liegen bleiben, den Mast irgendwann legen (was wir ja ohne Kran erledigen können) und danach bequem, ohne die Brücken über der Hunte behelligen zu müssen, die Slocum nach OL überführen.
Aber weil es bei uns in letzter Zeit Mode war, Pläne über Bord zu werfen, entschlossen wir uns kurzfristig, nicht bis Elsfleth zu fahren sondern mit stehendem Mast gleich bis Oldenburg durch. Unser Argument: Wer weiss, wie das Wetter ist, wenn wir die Überfahrt machen müssen, weil wir sonst keine Zeit dazu haben. Da nehmen wir lieber in Kauf, das man jetzt vor den Brücken funken und gegen den Strom Kreise fahren wird.
Die genaue Startzeit in Grohn weiss ich gar nicht mehr, aber es muss so gegen 10:30 Uhr gewesen sein. Egal, es war auf jeden Fall genug Zeit bis Niedrigwasser Elsfleth. Das ist immer die Vorgabe, wenn man die Hunte hoch nach Oldenburg will: Etwas nach NW ist eine gute Zeit, um schön den dann kommenden Flutstrom mitzunehmen. Wir hatten locker 2 Stunden bis zur Huntemündung. Eigentlich viel zu viel, aber wir wollten ja segeln 🙂
So war denn auch nicht mal 20 Minuten nach dem Ablegen, just in der Weser, das Vorsegel draussen. Weil die Fähre von Lemwerder gleich kam und sowieso die Gegend viel Abdeckung durch die Werftgebäude hat, liessen wir noch den Motor mitlaufen. Natürlich mit gesetztem Motorkegel. Das Groß war dann aber auch bald oben. Da man dieses gut dicht holen kann, stört es bei wenig Wind nicht so, weil es nicht so sehr flattert. Aber gleich nach den Werft-Hallen macht die Weser einen Bogen und dann kam der Wind für uns günstiger: Ich stellte endgültig den Motor aus. Schön. Auf der Aussenbahn, also knapp ausserhalb des Tonnenstrichs, näherte sich von hinten ein weiterer Segler, aber die Segel unten und fein am motoren. Weil er nicht besonders viel schneller war als wir, dauerte es eine Weile, bis er heran und an uns vorbei war. Währenddessen sah man heckseitig einen weiteren Segler heranmotoren. Aber noch bevor er auf unserer Höhe war, drehte er nach Backbord in den Wind, und schon sah man das Groß den Mast aufsteigen. Nun kam er uns unter Segeln immer näher. Und was hatte der für schöne neue Segel! Da brauchte ich an unseren alten Lappen gar nichts trimmen; der wird vorbeiziehen. Und als er das tat, da packte den ersten Segler, der uns ja unter Maschine überholt hatte, wohl das schlechte Gewissen und man sah auch dort am Mast jemanden stehen, der mit der Winsch tüdelte. Und auf einmal segelten wir alle, wie schön! Da war mir doch glatt egal, dass der Kegel noch am Vorstag hing, da gebe ich halt mein Wegerecht zur Not auf… wird schon gut gehen.

Irgendwann zwischendurch schob sich mal die Marvin II an uns vorbei (ihr wisst schon, das nette Motorboot…) und machten doch glatt Scherze, weil wir recht langsam über die Weser glitten. Dabei hatten wir zwischendurch echte 6 Knoten auf der Logge! Leider nicht immer. Als die Marvin ankam, waren es vielleicht 4 Knoten, vielleicht sogar weniger. Immerhin haben die obiges Bild von uns geknipst. Nach meiner Meinung etwas schlecht beleuchtet, aber irgendwie stimmungsvoll.
Bald waren wir an der Hunte-Einfahrt und glücklicherweise ging die Brücke vom Sperrwerk hoch. Mit Mast wären wir da nicht unterdurch gekommen 🙂

Angela ging an die Pinne, ich aufs Vorschiff und holte die Genua runter. Ich habe sie gleich abgestagt und wir stopften das Segel erstmal so in die Kajüte. Sonst hätte ich es wie immer an die Reling gebändselt, aber dann hätten wir so wenig Sichtfeld auf der Hunte. Also weg damit. Dann kamen wir an den Huntesteg von Elsfleth, wo wir an der Marvin längsseits gingen, die dort schon auf uns wartete. Und ich habe schon wieder so viel geschrieben, dass ich der Reise auf der Hunte einen eigenen Artikel widmen werde. Schwafel ich eigentlich zu viel, sollte ich mich kürzer fassen?

Die Weser

Angela

Von Bremerhaven sollte es weiter gehen, Weser hoch bis Elsfleth. Am Nachmittag passten wir das auflaufende Wasser ab und schleusten um 15:00 Uhr aus dem Jaich in die Weser. Wind kam leider direkt von vorn (Süd-westlich) mit Stärke 4 (in Böen auch mehr).

Also mit Motor immer gegen den Wind…

Ab AKW Unterweser besserte sich die Lage. Allerdings vernebelte Rauch mit Brandgeruch die Weser!

Nachmittags um 16:30 herrschte schon Sonnenuntergangs-Feeling…

Es hat im Moor bei Papenburg wieder gebrannt und war laut Nachrichten bis Bremen zu sehen und zu riechen. Total unglaublich…

Schleusen in Elsfleth klappte hervorragend, da wir uns rechtzeitig telefonisch angekündigt hatten. Der Schleusen- Wärter war sehr freundlich!

Bremerhaven

Angela

Heute soll es wieder nach Bremerhaven gehen. Die Wind- und Wettervorhersage sind gut. Die Tide passt auch, also um 8:00 Uhr die Schleuse raus aus dem Hooksmeer genommen. Dann im Vorhafen gefrühstückt und gegen 10:00 Uhr raus auf die Jade. Unser Freund Axel hat uns mit der Kairos begleitet. Leider ohne seine Frau, die auf der Arbeit unabkömmlich war.

Die Sonne schien und der Wind kam günstig, so dass es ein schöner Törn war. In der Mittelrinne war der Wind dann etwas unsted, so dass wir den Motor mitlaufen ließen. Als endlich die grünen Doppeltonnen der Weser auftauchten, war das Wasser recht kabbelig, so dass wir froh waren, die Richtung ändern zu können um dem Fahrwasser der Weser zu folgen. Wir haben auch nicht vor der letzten Tonne groß abgekürzt, auf Grund sitzen ist doof…

Je weiter es Richtung Bremerhaven ging um so besser wurde es. Wind passte und Sonne schien. Ein toller Törn, sogar die Schleuse öffnete fast umgehend😉

Teil 3 der Hooksielreise

Holger

Am Montag kam die nächste Etappe von Elsfleth nach Bremerhaven die Weser runter, ca. drei bis vier Stunden Fahrt. Nachts hatte es gewittert und gehagelt und wir hofften, dass die Wettervorhersage sich doch noch erfüllt… und so war es auch: Bis mittag drehte der Wind günstig für uns, auch wenn es ständig nach Regen aus sah.

Gegen 15:00 Uhr legten wir ab Richtung Schleuse. Das Schleusen war keine große Sache, denn die Weser hatte fast Hochwasser. Draußen machten wir Fender und Leinen klar und zogen die Fock hoch. Bald könnten wir den Motor aus machen und machten um die vier Knoten Fahrt, dabei fuhren wir noch etwas gegenan. Vor Brake war die Weser sehr kabbelig. Das Wasser rauschte am Bug der Slocum vorbei… Hinter der Fähre Sandstedt dann entschieden wir uns, auch das Groß hoch zu ziehen. Am Tag vorher hatten wir noch ein Reff ins Gross gebunden, weil  ich das noch nie bei diesem Boot gemacht hatte und vorbereitet sein wollte. Ich liess es drinnen, denn Reff ausschütten kann man ja immer, wenn nötig. Jetzt, mit dem gerefften Gross dazu segelten wir mit 7+ Knoten. Ab und zu zeigte sich sogar die Sonne!

Leider ging die Fahrt nach ziemlich 3,5 Stunden zu Ende. In Bremerhaven angekommen, holten wir die Segel ein und die Schleuse in den Neuen Hafen hatte schon geöffnet. Das war noch recht spannend, denn unser kleiner Bukh musste ganz schön ackern, um uns gegen das ablaufende Wasser voran zu bringen. Leider öffnete mit dem Schleusentor auch der Himmel seine Schleusen und es regnete wie aus Eimern und der Wind fühlte sich an wie Sturm! Wo kam das denn her? Hatten sie im Jaich das schlechte Wetter eingefangen? Anlegen gegen „Sturm“ und Regen muss man auch mal gemacht haben…. wer es kennt, der weiss, wie hart das ist und einem Laien braucht man es nicht erklären. Selbstverständlich kam nach dem Anlegemanöver wieder die Sonne raus und der Wind lies nach.

Am Dienstag fuhren wir mit dem Wesersprinter nach Hause und am Freitag werden wir wieder zum Boot fahren. Der Plan: Samstag gehts auf die letzte Etappe nach Hooksiel!