Urlaub – Good morning, Langeoog

Na gut, eigentlich war es nicht morgens sondern Nachmittag, als wir auf Langeoog ankamen. Aber da meine letzten beiden Beiträge Buch- bzw. Filmtitel im Namen hatten (falls es überhaupt jemand bemerkt hat), wollte ich das bei diesem auch machen und mir fiel nichts passenderes ein.
Gegen 14:30 sollte auf Langeoog Hochwasser sein, also machten wir uns ab 12:15 auf Spiekeroog startklar. Der Weg am Seegat vorbei war etwas zäh und hubbelig, aber der Rest war Prickenwegmässig seicht (bis auf ein paar überraschende grössere Wellen und einem an den Pricken entgegenkommenden Ausflugsdampfer…). Wasser hatten wir immer genug, nie weniger als 1m unterm Kiel. So konnten wir um 15:10 im Hafen von Langeoog festmachen.

Ohne Pfeil nicht zu finden, die Slocum

Die Wettervorhersagen war immer noch wechselhaft und unsicher, man konnte keine Weiterfahrt planen. Also machten wir: Urlaub. Der Ort von Langeoog hat viel zu gucken, wenn er auch ein Stück vom Hafen entfernt ist. und der Strand ist auch toll. Ich halte doch so gern meine Füsse ins auflaufende Wasser, hier hinterm Wasserturm konnte ich das wieder geniessen. Noch ein Restaurand-Tipp: Die Kajüte am Hafen. Um lecker zu essen muss man nicht in den Ort…
Dienstag entschlossen wir uns, am nächsten Tag aussen rum in einem Rutsch nach Hooksiel zu segeln. Mittwoch stellten wir fest, dass der Wind nicht nur nachliess sondern auch später auf Süd drehen sollte. Das konnten wir gar nicht gebrauchen. Also: Mittwoch erstmal wieder nach Spiekeroog und dann weitersehen. Immerhin scheint die Sonne, ist ja eher ungewöhnlich im August.

Urlaub – Wer stirbt schon gerne unter Pricken

Mittwoch sollte es dann weiter nach Westen gehen, erstmal Spiekeroog. Das Wetter war die ganzen Tage so dermassen wechselhaft, dass die üblichen Vorhersage-Dienste eigentlich immer daneben lagen, wenn es länger als einen halben Tag in der Zukunft war.
HW in Spiekeroog sollte gegen 12:30 sein, also müssten wir spätestens 10:00 los. Wir standen zeitig auf, frühstückten und von draussen lugte die Sonne in die Kajüte. Und man hörte den Wind. Aus Westen. Wo wir hin wollten. Als Angela duschen war, stellte ich mich ins Cockpit und blickte lange Zeit auf das Wasser. Einige Boote fuhren sogar raus. Draussen hatten alle Wellen weisse Kämme. Und ich schaute Richtung Watt, nicht auf die Nordsee raus! Ein Boot, welches tapfer nach Westen abbog, konnte ich noch lange Zeit bequem verfolgen, denn es kam quasi nicht voran, hüpfte nur in den Wellen auf und ab. Wie schnell war es? Einen Knoten? Und damit am Gatt vorbei? Nein danke, das mache ich nicht mit! Mir wurde richtig kalt im Cockpit, weil der Wind mit der Zeit durch die Klamotten ging, während ich die Umgebung prüfte. Als Angela wiederkam, hatte sie offenbar schon den gleichen Entschluss getroffen, auch wenn wir beide das voll doof fanden, denn wir wollten doch gerne weiter. Nein, nicht ärgern: Das ist eben so. Nur schade, da wir ja jetzt Urlaub haben. Wenn die Vorhersagen einigermassen stimmen sollten, wird Freitag eine gute Möglichkeit sein, sich auf den Weg zu machen. Und das war auch so, denn diesen Beitrag schreibe ich am Steg im Hafen von Spiekeroog. Wie wir hier her kamen erzähle ich in einem späteren Artikel.

Zur Insel geschnibbelt

Wangerooge übers ganze Wochenende: 26.-28.06.!

Nachdem wir das Wochenende davor nicht zum Boot konnten, wollten wir dieses  Wochenende möglichst gut ausnutzen. Da kam uns die Tide ganz recht, denn wir konnten schon Freitag Nachmittag Richtung Wangerooge aufbrechen. Das bedeutete: Nach Feierabend flott nach Hause, kein Mittagessen, alles ins Auto einladen, Bier holen und los auf die Autobahn. Mit der Taktung schafften wir bequem die 15:00Uhr-Schleuse. Die Fahrt nach Wangerooge werde ich nicht mehr näher beschreiben, das wurde hier oft genug durchgekaut. Aber ich kann euch noch zeigen, wo man schnibbeln kann, nämlich bei Minsener Oog gleich zweimal.

Spart Kurverei, natürlich auf eigene Gefahr

Das erste mal bei der Ansteuerung von der Jade aus. Wenn man von Horumer- oder Hook- oder Rüstersiel oder Whv oder Varel kommt, dann ist die rote Tonne sehr weit nördlich (unten rechts im Bild). Da muss man nicht ganz hin. Man wird ja eh zwei Stunden vor Hochwasser dort sein und dann ist da Wasser genug, um quer über das Watt bis zum ersten Knick im Prickenweg zu kommen, ca. auf Höhe der gelben Tonnen.
Und hat man den Südzipfel von MOog hinter sich, dann kommen ja die grünen Tonnen, die einen recht nah an der Insel vorbei führen. Das Gekurve kann man sich sparen. Bei der ersten grünen Tonne (die kann schon rechts liegen bleiben) nimmt man Kurs auf die Mess-Station in der Ferne, man sieht so dicke Rohre im Wasser stehen, in der Karte mit „Pegel“ angegeben. Kurs ist so ungefähr 320 Grad, die flachste Stelle zeigte unser Echolot mit 1,6m (ungefähr noch knapp einen Meter Wasser unterm Kiel). Hat man den Pegel Backbord quer ab (Wassertiefe dort locker 6m+), dann kann man auf die T12 zuhalten. Und dort eben zu den Pricken der Telegraphenbalje abbiegen. Das spart nicht viel Meilen,  aber man muss nicht so auf Abdrift durch querschiebende Tide etc. achten, die dort beachtlich sein kann.
Wir sind ja Freitag abend hingefahren, HW in Wangerooge war 19:00, also ist man spätestens 18:00 bei der Einfahrt Minsener Oog. Wir waren gegen 17:30 da, passte mit 1,40m Tiefgang supi. Eineinhalb Stunden dauert für uns die Fahrt durchs Watt und Dank des Ostwindes konnten wir die Telegraphen-Balje segelnd -Maschine aus- durchfahren. Sonne, Wassergeplätscher, hier und da eine Seehundnase, Vorsegel weit bauchig: Sehr schön!

Sonntag mussten wir dann früh um 6:45 los, eben wegen der Tide. Aber es war trotz Ostwind eine schöne sonnige Fahrt und man ist ja nie allein auf der Strecke: Immer fahren etliche Boote mit, so gut wie jeder muss sich an die Gezeiten halten und wenn einer losfährt, dann fahren alle anderen auch los. Dazu kam: der Hafen von Wangerooge war sehr voll, alle im Päckchen! Sonntag morgen fuhren minimum 10 Boote ab, fast wie auf einer Perlenschnur durch den Wattweg.
Später auf der Jade habe wir durch den Ostwind  ganz schön gerollt, locker einen Meter Welle von der Seite (wir mussten ja nach Süden). Der Wind war nur eine 3, fühlte sich aber wegen der Wellen auf der Jade viel stärker als auf dem Wattweg an. Wir hatten auch nur das Vorsegel ausgerollt, weil ich bei dem schaukelnden Schiff keine Lust hatte, am Mast rumzuturnen. Sollte ich Grossfall und Dirk ins Cockpit umlenken?

Auf jeden Fall schafften wir noch die Schleuse um 10 Uhr, obwohl wir spät dran waren. Viele Boote wollten raus, viele warteten, dass sie rein können (all die Boote, die uns vorher überholt haben 🙂 ) und so konnten wir noch ganz hinten in die volle Schleuse. Dort gab es ein paar Unbequemlichkeiten mit einem Motorboot, die ich hier aber nicht breit treten möchte. Gelassenheit ist ein Teil guter Seemannschaft!

Eben nach Wangerooge

Da sind wir also mal eben ein Wochenende nach Wangerooge gesegelt. Ist auch keine grosse Entfernung, kann man immer mal machen. Den Hinweg muss ich eigentlich gar nicht erwähnen, wir sind wie beim letzten mal außen rum gesegelt. Ich hätte es auch innen durch versucht, aber wir waren viel zu früh an der entsprechenden Stelle vor Minsener Oog. Man hätte dort natürlich ankern können oder Kreise segeln, bis die Tide mehr aufgelaufen ist, aber wir hatten bei unserer Törnplanung noch etwas nicht bedacht. Doch ich erzähl mal von vorn:

Wir wollten die Schleuse um 8:00 Uhr morgens nehmen. Rechnerisch hätten wir auch später losgekonnt, aber gegen 10 Uhr war Niedrigwasser in Hooksiel, da wollte ich nicht durch das schmale, flache Wasser bei der Zufahrt zum Hafen (jetzt weiss ich, dass das passt, es wurde wieder gebaggert). So schleusten wir früh mit überraschend vielen Booten und freuten uns, dass wir auf der Jade noch das ablaufende Wasser mitnehmen konnten. Als wir dann draussen waren, die Segel hoch und uns über die frühe Sonne freuten, da bemerkten wir noch was: Es waren wirklich sehr viele Segelboote auf der Jade. Angela fiel es sofort ein: Es ist doch Horum-Regatta, und da die fünfzigste! Ich suchte die üblichen Funkkanäle ab und auf Ch72 konnten wir schon Regattaleitung etc. hören. So querten wir noch deutlich vor Horumersiel das Fahrwasser, um den Regattabooten nicht im Wege zu sein. Für unseren Kurs am Wind war es auch besser, den es herrschte Ostwind. Es war herrliches Segeln bei herrlichem Wetter, wir liessen Andreas steuern (seinen Wackelkontakt habe ich genial simpel behoben) und guckten uns die anderen Segler an, mal mit mal ohne Fernglas. Dass wir über Funk daran erinnert wurden, dass auch die Weser-Jade-Regatta am selben Tag statt findet (Ziel: Hooksiel), war schon fast nebensächlich.

Ein Klick aufs Bild sollte ein Video öffnen, 30 Sek. 12,5MB mit Seglern auf der Jade

Nun waren wir also von Segelbooten umzingelt und wollten deswegen nicht bei der Einfahrt zum Wattfahrwasser rumeiern. So war es auch gut. Nur, dass später der Wind einschlief und wir gegen die Tide tuckern mussten. Aber wir hatten ja Zeit genug und fanden irgendwann die Harle-Tonnen (Einfahrt ins Seegatt). Die sind so unglaublich schwer zu erkennen, diese Spierentonnen! Auf jeden Fall mussten wir nicht bis zur Ansteuerungstonne fahren, sondern sind wieder zwischen der H4 und H6 links abgebogen. Dort hatten wir schon lange ausreichend Wasser und wieder schob uns der Strom an der Buhne H vorbei. Dieses mal sind wir auch ohne Grundberührung in den Hafen gekommen (im Jan Werner steht die Ansteuerung in den Hafen nämlich etwas verwirrend beschrieben, wenn man sich nicht auskennt). Tom stand schon am Gästesteg und dirigierte uns zu einem freien Platz. Ein sehr enger Liegeplatz, aber alle am Steg halfen mit und so kamen wir da problemlos rein. Und wir waren lange nicht die letzten, viele Plätze waren im Päckchen belegt. So kam bei uns noch ein Boot längsseits, mit einem netten niederländischen Paar.

Der Steg ist gut gefüllt

Und weil ich wieder nichts auslassen konnte, ist es wieder lang geworden. Dann gibt es eben wieder einen zweiten Teil.