Heimreise

Holger

Da waren wir also mit dem Boot in Grohn. Die Wettervorhersage versprach für Sonntag, unseren Rückreisetag am 30.09.2018, Sonne und wenig Wind, in Böen 3 Bft. Das war nicht viel, aber wir hatten ja Zeit, denn wir wollten nur bis Elsfleth und bis dahin sind es von Grohn wirklich wenige Meilen. In Elsfleth wollten wir erstmal liegen bleiben, den Mast irgendwann legen (was wir ja ohne Kran erledigen können) und danach bequem, ohne die Brücken über der Hunte behelligen zu müssen, die Slocum nach OL überführen.
Aber weil es bei uns in letzter Zeit Mode war, Pläne über Bord zu werfen, entschlossen wir uns kurzfristig, nicht bis Elsfleth zu fahren sondern mit stehendem Mast gleich bis Oldenburg durch. Unser Argument: Wer weiss, wie das Wetter ist, wenn wir die Überfahrt machen müssen, weil wir sonst keine Zeit dazu haben. Da nehmen wir lieber in Kauf, das man jetzt vor den Brücken funken und gegen den Strom Kreise fahren wird.
Die genaue Startzeit in Grohn weiss ich gar nicht mehr, aber es muss so gegen 10:30 Uhr gewesen sein. Egal, es war auf jeden Fall genug Zeit bis Niedrigwasser Elsfleth. Das ist immer die Vorgabe, wenn man die Hunte hoch nach Oldenburg will: Etwas nach NW ist eine gute Zeit, um schön den dann kommenden Flutstrom mitzunehmen. Wir hatten locker 2 Stunden bis zur Huntemündung. Eigentlich viel zu viel, aber wir wollten ja segeln 🙂
So war denn auch nicht mal 20 Minuten nach dem Ablegen, just in der Weser, das Vorsegel draussen. Weil die Fähre von Lemwerder gleich kam und sowieso die Gegend viel Abdeckung durch die Werftgebäude hat, liessen wir noch den Motor mitlaufen. Natürlich mit gesetztem Motorkegel. Das Groß war dann aber auch bald oben. Da man dieses gut dicht holen kann, stört es bei wenig Wind nicht so, weil es nicht so sehr flattert. Aber gleich nach den Werft-Hallen macht die Weser einen Bogen und dann kam der Wind für uns günstiger: Ich stellte endgültig den Motor aus. Schön. Auf der Aussenbahn, also knapp ausserhalb des Tonnenstrichs, näherte sich von hinten ein weiterer Segler, aber die Segel unten und fein am motoren. Weil er nicht besonders viel schneller war als wir, dauerte es eine Weile, bis er heran und an uns vorbei war. Währenddessen sah man heckseitig einen weiteren Segler heranmotoren. Aber noch bevor er auf unserer Höhe war, drehte er nach Backbord in den Wind, und schon sah man das Groß den Mast aufsteigen. Nun kam er uns unter Segeln immer näher. Und was hatte der für schöne neue Segel! Da brauchte ich an unseren alten Lappen gar nichts trimmen; der wird vorbeiziehen. Und als er das tat, da packte den ersten Segler, der uns ja unter Maschine überholt hatte, wohl das schlechte Gewissen und man sah auch dort am Mast jemanden stehen, der mit der Winsch tüdelte. Und auf einmal segelten wir alle, wie schön! Da war mir doch glatt egal, dass der Kegel noch am Vorstag hing, da gebe ich halt mein Wegerecht zur Not auf… wird schon gut gehen.

Irgendwann zwischendurch schob sich mal die Marvin II an uns vorbei (ihr wisst schon, das nette Motorboot…) und machten doch glatt Scherze, weil wir recht langsam über die Weser glitten. Dabei hatten wir zwischendurch echte 6 Knoten auf der Logge! Leider nicht immer. Als die Marvin ankam, waren es vielleicht 4 Knoten, vielleicht sogar weniger. Immerhin haben die obiges Bild von uns geknipst. Nach meiner Meinung etwas schlecht beleuchtet, aber irgendwie stimmungsvoll.
Bald waren wir an der Hunte-Einfahrt und glücklicherweise ging die Brücke vom Sperrwerk hoch. Mit Mast wären wir da nicht unterdurch gekommen 🙂

Angela ging an die Pinne, ich aufs Vorschiff und holte die Genua runter. Ich habe sie gleich abgestagt und wir stopften das Segel erstmal so in die Kajüte. Sonst hätte ich es wie immer an die Reling gebändselt, aber dann hätten wir so wenig Sichtfeld auf der Hunte. Also weg damit. Dann kamen wir an den Huntesteg von Elsfleth, wo wir an der Marvin längsseits gingen, die dort schon auf uns wartete. Und ich habe schon wieder so viel geschrieben, dass ich der Reise auf der Hunte einen eigenen Artikel widmen werde. Schwafel ich eigentlich zu viel, sollte ich mich kürzer fassen?

Der letzte Törn der Saison

Holger

Angela und ich hatten ja quasi alle Gelegenheiten auf einmal genutzt und zu einem Törn mit einander verknüpft: Da unsere Slocum ja irgendwann auch mal wieder nach Oldenburg muss, sind wir von Hooksiel nach Bremerhaven, von dort zum SWE Elsfleth (weil man da sooo schön liegen kann) und dann weiter zur maritimen Woche nach Bremen. Wettertechnisch hatten wir stets eine glückliche Planung, wir berichteten ja auch davon.

Nun sollte es aber nach der maritimen Woche auch wieder zurück gehen. Wir wollten wieder nach Elsfleth, um die Woche darauf für die Saisonabschluss-Fahrt unseres OYC nach Grohn an der Lesum zu segeln. Die Zarah hat schon morgens früh um sieben abgelegt, die wollten noch die Hunte hoch. Wir brauchten erst gegen 15:00 los, bei Niedrigwasser können wir in Elsfleth als Kielschiff nämlich nicht schleusen (je nach dem, welchen Schleusenwärter man fragt). Wir machten uns also bereit, verabredeten uns mit der Marvin II (ein Motorboot, aber sehr nette Leute 🙂 ) und fuhren die Weser zu Tal. Leider sind die Wettervorhersagen mittlerweile so präzise, dass es, wie schon vorher ersichtlich, anfing zu nieseln. Darauf hatten wir uns mit Ölzeug vorbereitet. Aber nicht nur, dass kein Wind zum Segeln da war: Es dauerte keine Stunde, da fing es sehr heftig an zu regnen. Die Slocum hat keine Sprayhood und so bekommt man dann auch, allein schon durch den Fahrtwind, eine Menge Wasser von vorn. Ausserdem wurde mir auf einmal richtig kalt, trotz (eigentlich) ausreichender Kleidung… nee, Planänderung: Wir biegen in die Lesum ab und fahren gleich nach Grohn.

Dabei staune ich für mich immer wieder über den Tidenstrom, obwohl mir das ja alles bekannt ist: Man schippert mit ablaufendem Wasser die Weser runter, hat trotz wenig Drehzahl am Motor durchaus an die sechs Knoten auf der Logge und biegt dann ab. Um von Bremen aus in die Lesum zu fahren muss man fast 180 Grad herum und fährt dann genau gegen die Tide. Da waren es nur noch 3 Knoten. Und das ist langsam! Auch wenn das Stück bis Grohn nicht wirklich lang ist: es zieht sich. Und mehr Gas geben erhöht den Lärm beträchtlich, aber die Fahrt nur gering. Also: Gelassen bleiben und die Gegend geniessen, die so beschaulich beregnet wird…

So lag unsere Slocum dann in Grohn, wo sie eine Woche ohne uns aushalten musste. Naja, beinahe. Ich bin am Dienstag noch mal mit dem Auto dahin und hab noch Gepäck etc. geholt, welches wir Sonntag nicht mitgenommen haben. Und habe gleich Bier hingebracht, die Vereinsabschluss-Fahrt nahte ja 😉

OK, das war dann doch noch nicht der letzte Törn, wie der Titel es behauptete. Von der Fahrt nach Oldenburg werden wir auch noch bald erzählen.