Mehr Infos zum E-Motor am Schlauchi

Nun konnten wir den Elektro-Aussenborder am Schlauchboot etwas intensiver testen. Und ich muss sagen: Allein von der Nutzungsdauer an einer 68Ah-Autobatterie bin ich beeindruckt.

Vollgas ohne Gas: schön leise!

Wir waren ja schon 40 Minuten gefahren. Nun nutzen wir die Batterie weiter, ohne sie nachgeladen zu haben. Wie gehabt: Ich und dann der Motor, die Batterie und die Frau an Bord und wir tuckerten los. Erstmal bis zum alten Hafen in Hooksiel. Laut GPS machten wir mit Stufe 2 oder 3 immerhin 3km/h Fahrt. Dauerte keine halbe Stunde. Das Anlegen ist zwar risikoarm, weil das ganze Boot ja Fender ist, aber es ist schon etwas tricky, schön längsseits an den Steg zu gelangen. Nach einem Bierchen fuhren wir wieder los und statt links in die Bucht zu unserem Steg abzubiegen fuhren wir noch ein Stück weiter, um die Kairos an den Stegen des WSC zu besuchen. Insgeheim rechneten wir uns schon aus, dass wir auf dem Weg dahin oder zumindest den Rückweg rudern müssen, doch: Nix da. Hin und her und noch ne Runde in der Dalbenreihe und immer wieder mal verschiedene Fahrstufen, auch volle Pulle: Die Batterie machte nicht schlapp. Alles zusammen fuhren wir über zwei Stunden und es gab keine Ermüdungserscheinungen, im Gegenteil: Die zehn LEDs am Motor für den Ladezustand leuchteten alle fröhlich vor sich hin. Da muss ich nächstes mal unbedingt mit dem Multimeter nachmessen…

Die Vorteile eines Elektromotors sind ganz klar:

  • Geringeres Gewicht als Verbrenner, auch inkl. Batterie
    (natürlich je nach Größe der Batterie)
  • Auch Angela kann Motor und Batterie anheben
  • Leise, sehr leise
  • keine Abgase
  • Wartungsärmer als 2- oder 4-Takter
  • kein Benzin (und Öl) notwendig
  • Bedienung ist sehr simpel, Fehlerunanfällig
  • Günstiger in der Anschaffung

Und die Nachteile?

  • weniger Schub
  • viel weniger Schub
  • Batterie muss geladen werden
  • Der Schaft ist für ein Schlauchboot unnötig lang (stört aber nicht doll)

Die Punkte Batterie vs. Benzin heben sich auf. Ob man nun Akku laden muss oder Kanister volltanken spielt ja keine Rolle. Da ist das eher ein Vorteil für Elektro: Über ein Solarpanel etc. kann ich die Batterie unterwegs wieder voll machen, der Benzinkanister bleibt da leer.
Der Nachteil des geringen Schubes kann natürlich auch Sicherheitsrelevant werden: Mit einem Benziner könnte ich unser Segelboot sicherlich mit dem Schlauchboot schleppen oder direkt über einen Motorhalter schieben, wenn auch nicht flott. Ich denke aber nicht, dass der E-Motor unser Dickschiff sinnvoll bewegen kann. Da wird die Batterie leergesaugt sein, bevor Schwung im Rumpf ist. Das werde ich mal testen, auf dem Hooksmeer oder so…

Gudruns Antrieb

Ich habe im Segeln-Forum so ausführlich über den Test unseres E-Aussenborders für unser Beiboot geschrieben, dass ich das hier einfach reinkopieren werde. Angela hat auch noch Fotos gemacht, die liefere ich gerne nach.

Letzten Sonntag konnte ich den E-Motor an unserer Gudrun testen. Es handelt sich um einen mit angegebenen 55lbs Schub (Jago/Ebay), als Energiequelle habe ich eine ältere AGM mit 68Ah aus der Garage geholt und natürlich vollgeladen. Dank zweier Griffe kann meine Frau die noch heben. Also: Ich über das Heck, über die Reling ins Schlauchboot (nein, wir haben keine Badeplattform an unserem Segelschiff), den Motor und danach die Batterie hinterher. Und dann meine Frau auch noch ins Boot. Ich habe den Motor etwas aus der Mitte am Spiegel befestigt, so passte mein Rücken da besser neben.

Der Motor hat fünf Vorwärts-Stufen: Schon Stufe eins bewegt das Boot samt Inhalt und es ist auch Steuerbar. War aber auch keine Welle und kaum Wind. Aber sehr langsam. Stufe 2 ist kaum schneller, leider hatten wir kein Handy mit an Bord, um mal über GPS zu gucken, wie flott wir wären. Egal, wir kurvten durch die Dalben, um die Stege und schauten uns die Boote an (Die Stege von Lollipop im Hooksmeer).
Zwischendurch schaltete ich mal höher, aber überrascht waren wir beide im Schlauchi vom Wechsel von 4 auf 5: Der Motor machte mal richtig Schub und Gudrun kam vorne (fast) hoch (Gudrun ist das Boot, nicht meine Frau). Was für eine wilde Fahrt! Das Wasser plätscherte um uns rum und wir kamen gut voran. Subjektiv. Sooo schnell war es dann auch nicht, aber der Unterschied zwischen den ersten vier Stufen und dann der 5 ist schon enorm.

Erstaunliches Fazit:
Bei einer Fahrtdauer von 40 Minuten mit wechselnden Fahrstufen, meistens 2-3 aber auch einige Schubaktionen auf Stufe 5 zeigte die Ladeanzeige oben an der Pinne noch alle 10 LEDs an. Ich hätte erwartet, dass dort einiges weniger anliegt. Aber das ist ja gut so! Nächstes mal fahre ich so lange, bis der Motor aus geht. Ich vermute, wir kommen bis in den Alten Hafen und ich hoffe, ich muss dann nicht die ganze Strecke zurück rudern 😉

VG
Holger

Tablet-Halter

Ich habe ja ein Trekstor Surftab, auf welchem OpenCPN inkl. einiger Seekarten installiert ist. Desweiteren ist dort auch noch Zygrib drauf und weil Windows 10 darauf läuft, kann ich damit auch unsere WIB3 (Wetterinfobox, Navtex) auslesen. Wie ich aber schon erwähnte, liegt das immer irgendwie im Weg und die ganzen Kabel stören sowieso (dass das Tablet beim kleinsten Pups seine angesteckte Tastatur nicht mehr erkennt ist noch eine andere Story).

das Eigenbau-Gelenk aus Alu

Also baute ich ein verschraubbares Gelenk, damit man das Tablet zu beiden Seiten schwenken kann, wegen dem Blickwinkel, und eine Aufnahme, wo ich das Tablet reinstecken kann, so dass man noch an die Buchsen kommt. Die Aufnahme schraubte ich ans Gelenk und das Gelenk an die Stelle unserer Elektro-Ecke, wo früher der Garminplotter hing (Der Garmin GPSmap620 hängt schon seit längerem dort, wo früher das Echolot hing. Das Echolot wurde ausgetauscht und ist nun ein Festeinbau im Cockpit).

Das Tablet als MFD in der Navi-Ecke

Ach ja, ganz wichtig: AIS-Signale kann ich dort auch anzeigen, weil wir ja diesen Stick haben, der auch nur unter Windows funktioniert. Die ganzen Kabel verschwinden hinten im Kasten. Dort liegt auch ein USB-Hub, wo WIB, AIS und Strom für GPS drin stecken. Stromversorgung fürs Tablet habe ich realisiert über eine Zigarettenanzünderbuchse, in welcher ein USB-Wandler steckt. Der wiederum lag dem neuesten Solarpanel bei und kann hier perfekt eingesetzt werden. Leider ist nun kein USB-Steckplatz mehr da für eine Maus. Das ändere ich noch, denn obwohl das Surftab auch Touch kann, ist das mit meinen dicken Fingern keine gute Sache… mein selbstgebauter Halter dagegen gefällt mir sehr! Mal demnächst sehen, wie er sich in der Praxis bewährt.

Nachtrag:
Da das GPS-Teil einen eigenen Akku hat und per Bluetooth verbunden wird, habe ich es kurzerhand aus dem Hub gezogen und die Maus dort eingesteckt. Ich muss nun nur immer mal daran denken, das GPS aufzuladen.

Drei Pokale

Da wir ja nicht nach Spiekeroog fahren konnten, haben wir das mittlerweile altbekannte Alternativ-Ziel genommen: Wir sind zum Nassauhafen in Wilhelmshaven gefahren. Das geht immer und mit der Tide ist es eine reine Freude. Richtung Jadebusen ist auch weniger Welle etc., es wird einfach alles ruhiger, wenn man ins „Landesinnere“ fährt. Das Hochwasser war ziemlich spät in WHV (ca. 23:30 Uhr), aber man muss ja nicht bei HW ankommen sondern nur mit dem auflaufenden Wasser fahren, also nach Niedrigwasser Hooksiel. Respekt haben wir dabei vor der Ausfahrt vom Vorhafen zur Tonne H3, weil es dort echt flach ist. Doch 1,5 Stunden nach NW ist das kein Problem mehr, wie wir nun feststellen konnten. NW war gegen 16:30, also 18:00 Schleuse und so gegen 20:00 Uhr müssten wir dann ankommen. Genau so planten und machten wir das dann auch.

Und warum drei Pokale?
Ich habe auf dem iPad die Navionics-Software installiert und mir vor einigen Wochen Seekarten dafür gekauft. Mit der Software kann man seinen gefahrenen Track auch aufzeichnen und dieser wird am Ende ausgewertet:

Der Hauptgrund, dass wir für unsere Leistung die drei Pokale bekamen, ist aber: Das war erst der zweite Track, den ich damit aufgezeichnet habe und der erste war nur der kurze Versuch, nach Spiekeroog zu kommen. So wurde es dann eine Rekordfahrt bzgl. Dauer und Distanz… das wird doch sicher bald überboten, genau wie die 7 Knoten 🙂
Und zwar gleich am nächsten Tag auf der Rückfahrt, denn dort mussten wir wieder kreuzen. Das bedeutet: Mehr Distanz und länger unterwegs für den gleichen Weg. Ganz nebenbei waren wir auch noch etwas schneller:

 

Wann hört das eigentlich auf?

Mit der Frage im Titel meine ich natürlich nicht das segeln sondern die ganzen Basteleien an Bord. Es sind ja nicht nur die Dinge, die einfach mal repariert oder getauscht werden müssen, wie z.B. der große Schlauch an der Toilette (ausgebaut ist der alte schon, muss nur noch einen neuen besorgen und wieder einbauen) oder ein Kabel, das sich gelöst hat. Nein, dazu kommen die ganzen Ideen, wie man was anders und besser machen könnte. Was ich so aktuell aufm Zettel habe:

  • Badeleiter: An Bord befindet sich „nur“ eine Strickleiter. Die ist sehr solide und auch lang, aber es ist nicht so leicht, damit an Bord zu klettern. Da muss also was festes her. Zufälligerweise bekamen wir neulich eine geschenkt: Vier Stufen und zweiteilig zum Klappen, aus Aluminium. Aber die kann ich nicht einfach anschrauben und feddich, nein, das muss genau angepasst werden, ein Halter gefertigt und überhaupt erstmal sehen, wo die hin kann und/oder soll.
  • Schlauchboot: Für unsere Gudrun habe ich nach einigem hin- und hergrübeln einen Elektro-Aussenborder besorgt. Ich wundere mich immer wieder, wie groß diese Dinger sind. Nun muss dieser Motor ja auch an Bord gelagert werden. Und er benötigt  (Auto-)Batterien. Mindestens eine, besser zwei wegen Wechseln. Die dürfen nicht so schwer sein, Mann und Frau wollen die ja noch gut wuppen können. Und die müssen auch irgendwo gelagert werden. Und die müssen geladen werden können, sonst machts keinen Sinn. Da muss ich gucken, denken und dann was bauen.
  • Unter anderem wegen den eben erwähnten Batterien habe ich nicht nur ein neues sondern auch ein etwas grösseres Solarpanel erworben. Das kommt vermutlich erstmal wieder auf das Kajütendach vor den Niedergang, muss da befestigt und ans Stromnetz angeschlossen werden.
  • Ein neues Windrad auch noch, wir wollen ja so autark wie möglich sein können. Dieses muss auf einen Mast, dieser muss irgendwo (am Heck) fest und natürlich muss das auch verkabelt werden
  • Ich verwende ein Windows10-Tablet für OpenCPN und AIS. Eine feine Sache, aber das liegt immer im Weg. Was liegt näher, als eine Halterung zu bauen, so dass es elegant unten neben dem Niedergang hängt und man schnell draufschauen kann? Muss nur noch gebaut werden (im Kopf ist das schon geplant).
  • Die Beine vom Bimini will ich kürzen, damit der Baum drüber weg schwenken kann. Ist eigentlich schnell gemacht…
  • Von der Pepino habe ich noch zwei Fenderkörbe über. Das sind praktische Dinger, einen habe ich schon ans Heck der Slocum gebaut. Der andere muss noch, wie sieht das sonst aus? Leider finde ich die entsprechenden Halter nicht, aber die liegen ganz sicher irgendwo!
  • In die Kojendeckel sollen kleine Auschnitte, damit man nicht immer die ganze Koje hochklappen muss, um an den Stauraum darunter zu kommen.
  • Dazu kommen noch viele Kleinigkeiten, die nicht müssen, aber schon besser wären. Ausserdem habe ich in der Auflistung ganz bestimmt was vergessen.

Und aber eigentlich muss davon gar nix, segeln kann man auch so. Einfach weglassen, dann hat man weniger Sorgen und mehr Platz?

Hmmmmm…..

Iris

Wo wir gerade bei Namen sind (hier): Eine Iris ist auch noch dazu gekommen. Und diese Namensgebung ist durchaus naheliegend, denn ich habe als Ersatz und aus Neugier einen weiteren Pinnenpiloten gekauft. Nichts neues, sondern was recht altes von einem älteren Herren, der leider nicht mehr segeln kann und so nach und nach alles verkauft. Das besondere an diesem Pinnenpiloten (auch ein Autohelm-Gerät, aber anderes Modell): Es gibt sogar eine Windfahnensteuerung und sowas wollte ich immer schon mal haben bzw. ausprobieren! Und laut dem Herren wurde diese nie benutzt. Ich bin da zwar auch noch nicht zu gekommen, uns mal vom Wind steuern zu lassen, aber wir sind kurz davor…

Auf jeden Fall hat unser Andreas aktuell leider einen Wackelkontakt im Anschlußkabel (weil ich nicht gut löten kann), also war es die Gelegenheit, den Ersatzpiloten einzusetzen. Dieser funktioniert etwas anders als der neuere: Beim neuen muss man nur auf Auto schalten und er steuert den anliegenden Kurs. Das ältere Modell hat oben drauf eine Kompassrose, mit welcher man den gewünschten Kurs einstellen muss. Das ist schon deswegen tricky, weil Bordkompass und Pilotenkompass nicht 100% übereinstimmen. Und wenn man dann den Pinnenpiloten aktiviert und der macht erstmal eine Kursänderung von 10 Grad, dann muss man entsprechend richtig(!) nachjustieren. Außerdem reagiert dieses Gerät etwas träger auf Kursanpassungen und im Allgemeinen ist es im Umgang etwas empfindlicher, aber mit so robustem wie schlanken Gehäuse.

Tja, und wenn wir den Andreas haben, wie heisst dann das Gerät an seiner Seite? Na, Iris natürlich!

Schlecht geknipst, aber alles wichtige drauf von Iris

Kreuzkurse

Auf dem Rückweg vom WSC nach Hooksiel kam der Wind ja so nördlich, dass wir  Segler kreuzen mussten und leider den Kurs nicht direkt anlegen konnten. Was sofort auffiel: Alle anderen „neueren“ Boote konnten viel mehr Höhe laufen als wir. Ich nehme an, das liegt hauptsächlich an neueren Segeln… wir haben ja alte Lappen, die vermutlich schon 30 Jahre und älter sind. Und Wanten und Stage muss ich auch dringend nachspannnen. Natürlich kommt noch hinzu, dass wir keine besonders guten oder erfahrenen Segler sind. Und unsere Slocum ist auch recht schwerfällig, die braucht ne Weile, um in Schwung zu kommen. Wenn wir also nach einer Wende zu hoch an den Wind gehen oder sicherheitshalber einem anderen, der sich von querab nähert, ausweichen, dann braucht es eine Zeit, um wieder ordentlich Fahrt aufzunehmen.

Aber eins wissen wir: Besser ist es, nicht so hoch wie möglich, sondern eher „voll und bei“ zu segeln, das ist schneller. Wir haben drauf geachtet: in der Tat ein ganzer Knoten mehr Fahrt. 3,5 zu 4,5 kn ist schon ein Unterschied. Aber: durch den grösseren Wendewinkel wird ja auch der Weg länger, lohnt die Mehrgeschwindigkeit also überhaupt? Um das näherungsweise festzustellen, habe ich das mal aufskizziert:

Der rote Kurs hat einen Wendewinkel von 90 Grad, der grüne von 100 Grad. Beide starten links am selben Punkt und enden rechts auch an der gleichen Stelle. Das grosse Rechteck simuliert zum einen durch die Länge von links nach rechts eine Fahrstrecke von 8,7sm (zufälligerweise die Entfernung Nassaubrücke – Hooksiel) und die Breite deutet einen fahrbaren Korridor von 4sm an. Der Grüne muss eine Wende mehr fahren, um zum gleichen rechten Punkt zu gelangen wie der rote. So weit, so gut. Nun habe ich die einzelnen Streckenabschnitte addiert: Rot hat einen Weg von 12,3 sm, Grün 13,5sm (für einen direkten Weg von 8,7sm!). Aber da Grün einen Knoten schneller segeln kann, braucht es für die gesamte Strecke nur 3 Stunden, Rot benötigt für 1,2sm weniger eine halbe Stunde länger!
Das kann man nicht beliebig ausdehnen, denn der Speed-Gewinn wird natürlich geringer, je mehr man abfällt und der Weg ja auch immer länger. Bei Gelegenheit werde ich mich mal grafisch an einen maximal sinnvollen Wendewinkel rantasten.

Nicht berücksichtigt sind Einflüsse wie Tide, Wellengang und Landabdeckung. Dadurch kann der eine oder der andere Kurs sicherlich sinnvoller werden, als die Mathematik es vermuten lässt. Aber es ist allemal ein guter Anhaltspunkt!

(gezeichnet und gemessen mit QCad)

Der Heinrich-Punkt

Letztes Jahr war ich bei unserem Heinrich mit an Bord, um sein Segelschiff von Horumersiel nach Oldenburg ins Winterlager zu überführen. Horumersiel liegt ja nur etwas nördlicher in der Jade als Hooksiel, den Weg kannte ich also (Heinrich fährt normalerweise auch nicht durch die Kaiserbalje). Aber wie wir so  die Jade hochschippern, da erkenne ich, das er nicht durch die Mittelrinne, also den Bogen um den Turm Mellumplate fährt, sondern Luftlinie auf die Doppeltonne 13 des Weser-Fahrwassers zu. Und das klappte einwandfrei.

Diesen Punkt hat er letztes Jahr auf der Karte „gefunden“, weil sich offenbar die Wattenhügel dort jedes Jahr etwas zurück bilden. Wenn man ein, zwei ältere Karten hat, dann kann man das im Vergleich mit einer aktuellen Karte sogar gut erkennen. An den entsprechenden Koordinaten hatte Heinrich sich einen Wegpunkt in den Plotter gesetzt und diesen habe ich in mein iPad übertragen, hier:

Wenn man klickt wirds gross und man kann die Koordinaten lesen….

Daheim hatte ich mir das mit Openseamap und dem freien Chartviewer von Navionics (wegen der Wassertiefe) angeschaut und da dieser Kurs nicht nur einfacher zu steuern sondern sogar etwas kürzer war, wollte ich ihn dieses Jahr auch mal fahren. Ich habe das im Artikel zur Überfahrt ja schon kurz angerissen: Sowas ist immer spannend!

Angela und ich näherten uns der Doppeltonne 13, mussten also das Fahrwasser queren. Da war es noch ordentlich tief. Vorher hatte ich Standlinienpeilungen am PC gemacht, die mir einen fahrbaren Korridor lieferten. Ich wollte möglichst dicht an die Tonnen heranfahren, weil das der Startpunkt für diesen Korridor ist. An Bord legte Angela noch die Seekarte bereit und trug sowohl den Heinrich-Punkt als auch die Kurslinie ein. 210° ergab das (unkorrigiert) von Tonne 13 aus. Mir war klar, das ich den nicht würde halten können, dafür schob die Tide schon zu sehr, wir waren ja immerhin eine Stunde nach NW „Alte Weser“ dort, das Wasser lief wieder auf (das wollte ich unbedingt so!). Aber als Anhaltspunkt ein guter Ansatz.
Also fuhren wir zunächst ab den Tonnen Kompasskurs und dann achtete ich darauf, das unsere Kurslinie in Navionics am iPad immer auf den Wegpunkt zeigte. Der Kompasskurs schwankte dadurch, war meist etwas drüber (217…). Ich wusste nur, dass wir bzw. die Slocum an dieser Stelle auf jeden Fall darüber kommen sollten, immerhin war ich im Herbst letzten Jahres auf einem anderen Schiff am selben Ort und dort sah ich selbst noch reichlich Wassertiefe am Echolot.
Wir näherten uns dem Punkt und die Wassertiefe ging zügig von 15+ auf unter 5 Meter. Wir hatten Groß und Fock hoch, aber der Motor lief mit, für alle Fälle (und eine Halse musste auf Grund des Kurswechsels ja auch noch kommen). Noch bevor wir das Fahrwasser querten, ging unsere Fahrt von gut 7 Knoten auf unter 4 runter, so konnten wir uns quasi an den Heinrichpunkt herantasten. Vorher hatte ich noch Angela erklärt, ich würde über Steuerbord wegdrehen, wenn irgendwas unklar und komisch käme, denn dort würde es wieder tiefer werden. Angela und ich starrten aufs Echolot, aufs iPad, auf die See (war da nicht ne Kräuselung?) und uns gegenseitig an: Mann, war das aufregend!
Nasa Target2 Echolot: 4.9, 4.8, 4.5… 4.2… uuund: Laut GPS waren wir über den Heinrich-Punkt hinweg, geschafft! Nun hatten wir diesen magischen Punkt, wir waren faktisch in der Jade, das Tiefwasser kann kommen!

Dachten wir. Unser Echolot zeigte tieferes Wasser, wurde aber wieder flacher… hä? 4.4, 4.2, 3.9, usw. Was ist da los? zweiachtzig, zweizwanzig, achduscheisse! Da ich keine Ahnung hatte, in welche Richtung ich steuern sollte, um tieferes Wasser zu kriegen, nahm ich Gas weg und fierte die Schoten, um möglichst Fahrt aus dem Boot zu nehmen. Ich wollte nicht mit Schmackes irgendwo gegen… das Echolot fiel weiter: 1.9, 1.7, 1.5, 1.3 und dann 1.1, wirklich kein schönes Gefühl. Ich sah uns schon langsam auf die Seite kippen und die Option, schnell den Anker zu werfen, die kam mir nicht (hätte vermutlich auch kaum was genutzt, oder wie schnell soll die kurze Kette Halt liefern?) geschadet hätte es aber auch nicht, und wir hätten auf mehr Flut warten können, ohne massive Schräglage befürchten zu müssen. Was man eben als Grübler alles denkt in solch einer Situation. Immerhin habe ich in aller Eile einen Waypoint am iPad gesetzt, um diese Stelle zu markieren, hier seht ihr es:

Der neue Heinrichpunkt

Um die Spannung rauszunehmen: Flacher als 1,10m (unterm Kiel wohlgemerkt) wurde es nicht und wenn man recht Süd steuert, macht man nichts falsch. Aber bedenkt: Wir waren eine Stunde nach NW dort, könnte also auch knapp werden. Dazu noch ein Aber: Es war auch Vollmond, also Spring, und einige Tage Ostwind. „Normal“ sollte es also auch locker passen.

Danach habe ich aber erstmal Angela die Anleitung vom Echolot gegeben, damit sie die Kieldifferenz dort wieder rausnimmt. Denn ich kann mit der Wassertiefe viel besser umgehen als mit dem Wasser unterm Kiel. Die oben angegebene Wassertiefe beträgt also jeweils einen Meter mehr 🙂

Und von dort aus ist man wirklich flott vor der H3 von Hooksiel, das Stück Jade ging viel schneller als sonst. Gut, wenn man z.B. die Schleuse noch erwischen will…

Bootsmannstuhl

Kaum erwähnt Torsten den Bootsmannstuhl, da wurde er auch schon anderweitig gebraucht: Peter, der gerade seinen Mast gestellt und mit allem fertig war, blickte hoch in seinen Masttopp und fragte mich, ob ich morgen auch da wäre. Kurzer Sinn: Sein Fockfallschlitten hängt oben und er muss hoch, hat seinen Bootsmannstuhl nicht da. Aber ich! So holte ich diesen und bot ihm an, ihn hochzuwinschen. Er peilte kurz und sagte: „Du bist doch leichter als ich….“ Charmant, aber er meinte es ernst! Also stieg ich in den Stuhl, pickte das Grossfall ein und Peter zog mich über die Mastwinsch hoch. Nun mussten wir noch Angela herrufen, damit sie die Leine stramm hielt. Damit konnte Peter besser umfassen. Nach wenigen Minuten und einigen Verschnaufpausen war ich dann oben und konnte das Fall klarieren. Dann ging es wieder runter. Erstaunlicherweise war das für mich nicht so angenehm wie das hochziehen. Immer wieder drehte ich mich etwas, stiess irgendwo gegen oder blieb hängen. Und an den Salingen vorbei war auch nicht einfach. Doch alles in allem war es flott erledigt.
Das war eine gute Erfahrung, denn nun konnte ich Angela bei uns hochwinschen, nur bis zu den Salingen. Sie guckte mich sprachlos an, denn das war wirklich nix für sie.
Blöde war, dass es gar nicht um unsere Lazy Jacks ging, sondern um eine typische „muss das jetzt echt sein?“-Geschichte: Ich wollte die Fockpersenning hochziehen und musste feststellen, dass die entsprechenden Leinen beim Maststellen auf die falsche Seite des Salings geraten war, genau wie das Fockfall. OK, ich band die Leinen ans Fall, um das gemeinsam hochziehen zu können und brachte noch ein Gewicht an, damit es auch wieder runterkommt. Und damit das alles auch wirklich auf die andere Seite vom Saling gelangt, machte ich noch eine Sorgleine fest, die ich vorher drüber werfen wollte, das kannte ich ja. Und was passierte? Ich warf die Sorgleine und sie flog zur falschen Mastseite, über die andere Saling. Und als ich dran zog, um es erneut zu versuchen, da vertüdelte sich der Tampen da oben hoffnungslos. Dass wir jetzt die Kurbel für die Mastwinsch nicht fanden, war fast schon nebensächlich. Musste das jetzt echt sein? Und das alles geschah, bevor Peter mich ansprach.

So, nun steckte ich Angela in den BMS und zog sie hoch. Da sie sich echt nicht wohl fühlte dabei und ich unserem Drahtseilgrossfall nicht mehr alles zutraute, zog ich sie nur halb hoch und sie konnte den Tampen mit dem Bootshaken klarieren. Super, das war eine gelungene Premiere und gute Erfahrung, für uns beide!
Beim erneuten Wurf der Sorgleine feuerten Peter und Angela mich ordentlich an und endlich konnte alles wie geplant durchgeführt werden. Die Persenning hochziehen war anschliessend der leichteste Teil. Und sobald sich Angela davon erholt hat, kommen die Lazy Jacks dran, aber das dauert sicher noch einige Tage 🙂

Der Mast steht

Heute haben wir den Mast gestellt. Da wir ja an der Buschhagenhalbinsel, dem „Hauptsitz“ des OYC, über die Sliprampe ins Wasser gehen, müssen wir zum Maststellen mindestens zum Stadthafen, denn sowohl die Cäcilien- als auch die Amalienbrücke sind uns in der Höhe im Weg.
An unseren Clubeigenen Stegen beim Schwan haben wir auch einen Mastkran, aber ich nutze die Vorteile, den Mast mit Bordeigenen Mitteln zu stellen, auch wenn es für mich etwas aufwendiger ist. Welche Vorteile? Ich kann den Mast stellen, wann ich will (und sogar wo ich will), muss keinen eingewiesenen „Mastkranwart“ bitten, herzukommen und brauche auch kaum andere weitere Helfer. Dazu kommt, dass das Huntebecken beim Kran mittlerweile recht flach bei NW ist, so dass man gute Chancen hat, mit etwas mehr Tiefgang aufzubrummen.

So ganz alleine kann ich den Mast natürlich auch nicht stellen. Angela ist dabei und mein Schwager Stephan hilft auch gern. Im Grunde gehts mit zwei Leuten, aber kräftige Hände sind schon hilfreich, weil ja der Mast auch weiter nach hinten gewuppt werden muss, um in den Mastkoker zu kommen. Und ich bin ja auch keine fünfzig mehr… aber ab dann, wenn die Oberwanten angesetzt sind, der Spibaum mit Vorstag und Ankerwindenseil angetüdelt steht, dann kann es schon losgehen. Am Anfang ist es natürlich schwer zu kurbeln und man sollte auch im Cockpit den Mast bzw. die Winde beim Heben etwas unterstützen, aber je besser der Winkel wird, desto leichter geht es. Angela schafft das.

Heute war noch die kleine Herausforderung, dass ich an das eine Vorstag die Top-Reff-Anlage montiert habe (am anderen Vorstag wurde der Mast gestellt). Die Rollanlage war die anderen Jahre nicht dran, aber dieses Jahr will ich das mal ausprobieren, nachdem ich die unter einer Koje fand und verstanden hatte, was das ist und wie das soll. Wir haben ja noch das zweite Vorstag, um ein Segel anzuschlagen, falls das Top-Reff nicht gut hinhauen sollte. Im Mastlager liegt sogar noch eine Schiene, aber da soll irgendein Teil fehlen. Egal, geht auch mit Stagreitern, so wurde die Top-Reff ja konzipiert. Ich habe sogar daran gedacht, vorher das Fockfall durch den oberen Wirbel zu ziehen, da wäre ich sonst kaum mehr angekommen 🙂

Und dieses Jahr haben wir auch daran gedacht, die Flaggenleinen durch die kleinen Blöcke an den Salingen zu ziehen. Dann müssen wir die Stander nicht mehr an die Wanten tüdeln (das war immer voll doof, weil die an den Drahtseilen stets runter rutschen). Dafür habe ich versäumt, meine LazyJacks schon mal um die Salinge zu legen. Also noch mal so wie letztes Jahr….

Ganz am Rande bemerkt: Als wir losfuhren fiel uns auf, dass das Echolot nix anzeigte, nur out. Echt ungünstig, weil doch diese Tage dank des Ostwindes vielviel weniger Wasser aufläuft und ich konnte während der Fahrt wieder grübeln, was das sein könnte. Es stellte sich nachher raus, dass „nur“ der Stecker vom Geber an der Anzeige rausgeflutscht war. Relativ einfach zu fixen. Ich habe Buchse und Stecker dann mit Isolierband verklebt, das sollte also erstmal halten.