Urlaub – Wer stirbt schon gerne unter Pricken

Mittwoch sollte es dann weiter nach Westen gehen, erstmal Spiekeroog. Das Wetter war die ganzen Tage so dermassen wechselhaft, dass die üblichen Vorhersage-Dienste eigentlich immer daneben lagen, wenn es länger als einen halben Tag in der Zukunft war.
HW in Spiekeroog sollte gegen 12:30 sein, also müssten wir spätestens 10:00 los. Wir standen zeitig auf, frühstückten und von draussen lugte die Sonne in die Kajüte. Und man hörte den Wind. Aus Westen. Wo wir hin wollten. Als Angela duschen war, stellte ich mich ins Cockpit und blickte lange Zeit auf das Wasser. Einige Boote fuhren sogar raus. Draussen hatten alle Wellen weisse Kämme. Und ich schaute Richtung Watt, nicht auf die Nordsee raus! Ein Boot, welches tapfer nach Westen abbog, konnte ich noch lange Zeit bequem verfolgen, denn es kam quasi nicht voran, hüpfte nur in den Wellen auf und ab. Wie schnell war es? Einen Knoten? Und damit am Gatt vorbei? Nein danke, das mache ich nicht mit! Mir wurde richtig kalt im Cockpit, weil der Wind mit der Zeit durch die Klamotten ging, während ich die Umgebung prüfte. Als Angela wiederkam, hatte sie offenbar schon den gleichen Entschluss getroffen, auch wenn wir beide das voll doof fanden, denn wir wollten doch gerne weiter. Nein, nicht ärgern: Das ist eben so. Nur schade, da wir ja jetzt Urlaub haben. Wenn die Vorhersagen einigermassen stimmen sollten, wird Freitag eine gute Möglichkeit sein, sich auf den Weg zu machen. Und das war auch so, denn diesen Beitrag schreibe ich am Steg im Hafen von Spiekeroog. Wie wir hier her kamen erzähle ich in einem späteren Artikel.

Nicht mal eben nach Spiekeroog

Angela hatte es ja schon erwähnt: Wir wollten am Wochenende nach Spiekeroog segeln, aber leider hat das nicht ganz geklappt. Und ich erzähle euch nun, warum.

sorgfältige Törnplanung ist alles (auf der Rückseite sind die Distanzen)

Die Planung war perfekt: Von Hooksiel aus zum Südzipfel von Minsener Oog. Das sind ca. 6sm. Dann über den Prickenweg und Telegraphenbalje zum Wangerooger Hafen. Über das Wattenhoch dauert es ungefähr 1,5 Stunden. Und die ersten 6sm über die Jade dauern etwas länger, weil man ja gegen das auflaufende Wasser fahren muss. Ich ging von 3 Knoten Fahrt aus, das wären dann zwei Stunden. Rückwärts gerechnet: 21:00 ist HW in Wangerooge, also müssen wir 19:30 an der Einfahrt sein. Nochmal zwei Stunden dazu und wir sind bei 17:30 Uhr. Da kriegen wir sogar noch eine knappe halbe Stunde geschenkt, weil wir ja die 17:00-Schleuse nehmen müssen. Alles klar und prima, schleusen hat wie immer gut hingehauen, also raus auf die Jade. Uns war bekannt, dass etwas mehr Wind als nötig draussen war, aber bei einer 4 kann man doch noch raus? Wir fuhren aus dem Vorhafen und noch vor der Tonne H3 bogen wir links ab, die Jade raus, schön am Ufer entlang. Das Fahrwasser müssen wir ja nicht unbedingt queren. Und weil nun Wind gegen Strom stand, war ganz schön Hack da draussen. Nicht schön, aber auch nicht sooo schlimm. Das kennen wir und haben das schon schlimmer erlebt. Für Nicht-Segler wäre das aber sicher ein Abenteuer: Das Vorschiff wird immer wieder hoch aus dem Wasser gehoben und „knallt“ dann in die nächste Welle. Von aussen könnte man dann sehen, ob das Unterwasserschiff noch sauber ist… was wir nicht bedacht hatten: Sowas bremst mehr als man glaubt. Statt der erwarteten drei Knoten waren wir weit darunter: 2 kn, 2,2 kn, ab und zu nur 1,8 oder 1,6 Knoten. Ich hätte noch ein wenig mehr Gas geben können, aber auf drei Knoten wären wir mit 20 PS und über 5 Tonnen bestimmt nicht gekommen. An Segeln war ja nicht zu denken, weil der Wind genau daher blies, wo wir hin wollten. Kreuzen könnten wir, aber dann wird ja der Weg länger und nichts ist gewonnen. Angela und ich guckten uns an: So kommen wir nie rechtzeitig an. Eigentlich wollten wir gleich morgens am nächsten Tag früh mit dem ersten Hochwasser den Schlag von Wangerooge nach Spiekeroog machen, aber dazu müssen wir eben erstmal nach Wangerooge kommen. Wir haben diesen Weg innen rum auch noch nie in dieser Richtung gemacht, und wenn wir da sind ist Abend und wenn dann irgendwas sein sollte wird es dunkel und… nee. Wir haben es versucht und gute Seemannschaft ist, etwas auch mal nicht unbedingt durchzuziehen. Abbrechen ist nicht feige sondern mutig. Also drehten wir um und gleich wurde es ruhiger: Wir machten auf einmal, ohne am Gashebel was verstellt zu haben, 6,2 statt 2,2 Knoten Fahrt,  der Wind von hinten war nicht mehr so dolle und wir hätten sogar das Vorsegel ausgerollt, wenn wir nicht gleich wieder den Hafen ansteuern müssten, damit wir die nächste Schleuse erwischen. Nach der Schleuse auf dem Hooksmeer habe ich aber doch noch die Fock ausgerollt, bis wir auf einen Besuch abgebogen sind.

Was wir dann stattdessen am Wochenende gemacht haben, schreibe ich im nächsten Bericht.