Ein Segeltörn an der Ostsee

Dieses Mal sind meine Mädels mitgefahren zum Segeln auf der Ostsee. Alle freiwillig und drei ohne Segel- Erfahrung. Wir sind Donnerstag schon gestartet mit dem Van eines lieben Bekannten, damit wir nur ein Auto brauchten.

Der Törn startete in Stralsund. Wir durften eine Nacht vor Beginn der Reise an Bord übernachten, damit es auch pünktlich losgehen konnte. Es sollte rund Rügen gehen. Auf Grund des starken Windes wurde aber umgeplant. Es ging in den Greifswalder Bodden. Für mich super, denn so lernte ich 2 weitere Häfen kennen (Rund Hiddensee und Rügen hatte ich ja bereits im Mai absolviert). Der erste Schlag war mit Windstärke 6 schon ganz ordentlich! Alle Mädels seefest 🙂

Der Wind kam achterlich (von hinten), somit war es an Bord merklich angenehmer als befürchtet.

Die Skipperin hatte einen Hafen in der Peene gewählt. Sehr schön gelegen. Das Wetter war phantastisch und wir konnten bis in die Hafeneinfahrt von Karlshagen segeln.

Am nächsten Tag ging es über den Bodden nach Rügen. Eine ruhige Überfahrt. Sehr entspannend. Als wir im Bodden ein anderes Boot überholten, bekamen wir Anerkennung gezollt. Wir, das Mädel-Boot segelten unter vollen Segeln, während die Bavaria motorte, wir wurden sogar fotografiert.

Abends lagen wir in Lauterbach. Dort ist die Vilm-Werft ansässig.

Es lagen einige schöne Vilm-Yachten im Hafen❤️ Wir sind ein geiles Anlegemanöver gefahren!

Am letzten Tag habe ich meine Mädels allein gelassen und bin auf dem 2. Boot mitgefahren. Dort geht es sportlicher zur Sache und es wurde (leider) weniger gelacht. Aber ich hatte Spaß!

Eine Segelfahrt mit so viel Lage habe ich noch nicht mitgemacht! Windstärke 7 in Böen 8! Es war so toll!

Vor Stralsund mussten wir die Brückenöffnung abwarten. Die Boote wurden nebeneinander gelegt und es gab noch mal Kaffee an Bord. Während wir warteten, kam eine dritte Yacht längsseits und bat darum mit durch die Brücke gezogen zu werden.

Kein Problem für den Skipper!

Eine liebe Freundin überredete mich dann, mir ein Meilenbuch ausstellen zu lassen.

Das Wochenende war wunderschön, den Mädels hat es auch gefallen 😉

www.seatrips.de

Ein ganz normaler Segelwochentag

Heute (Dienstag, 18.06.) war ja echt mal schönes Wetter und ausserdem hatte ich letztes mal mein Portmo, äh, Portemo, äh, meinen Geldbeutel im Boot liegen lassen. Da mussten wir also noch mal hin und den holen!

Schon gegen Mittag per Mail abgesprochen, dann Feierabend, zuhause umziehen, Kinder zusammenscheissen, Frau einfangen und ab auf die Autobahn Richtung Jadebusen. Den Chevy mal etwas mehr Gas gegönnt, der Tempomat wurde erst bei 116 km/h eingeschaltet 🙂 (ganz am Rande: Damit dauert die Fahrt eine gute Dreiviertelstunde. Als ich neulich mal mit unserem BMW nach Hooksiel geballert bin, brauchte ich 36 Minuten von Haustür zu Schranke und hatte ca. 225km/h aufm Tacho, also was soll die Jagerei).

Am Boot angekommen haben wir alles klariert (Persennings ab, Kabel wech etc) und sind aus der Box, aus unserer Stegreihe und aus unserer Bucht getuckert. Noch einmal links abbiegen und wir zogen gleich das Gross hoch. Was fiel uns auf? Oh, ein betonntes Fahrwasser auf dem Hooksmeer! Spät dran dieses Jahr, dafür neue richtig rote und grüne „Tönnchen“. Und ausserdem trieb da am (neuen) Fahrwasserrand etwas, das auf Anhieb und aus der Ferne aussah wie ein schwimmendes Garagentor.
Das war aber einer der Schleusenwärter mit noch einer helfenden Hand auf einem Stück Schwimmsteg, angetrieben durch einen niedlichen Elektro-Motor. Offenbar hatten diese gerade die Tonnen ausgebracht, wir hatten also einen waschechten Tonnenleger vor uns. Und dieser sprach uns vorsichtig an, als wir uns näherten: „Könnt ihr uns vielleicht bis zur Schleuse mitnehmen, also schleppen?“

Wir konnten, warum auch nicht. Ausser Segeln hatten wir ja nix vor 🙂
Also Gross wieder runter und „den Steg“ wieder näherkommen lassen, weil wir schon vorbei waren und unsere Slocum rückwärts nicht besonders gut zu steuern ist. Bei einigen Metern Nähe warfen die Jungs ihren Tampen rüber, ich machte einen Hahnepot über die achterlichen Klampen und wir gaben vorsichtig Gas: Das Ding war mehr Treibanker als Steg. Wo wir sonst 4 Knoten schafften, kamen wir nun knapp an die 3 ran. Aber nach der Waldabdeckung am Ufer rollten wir die Fock aus und die brachte in der Tat noch nen halben Knoten mehr auf die Logge. Die Jungs auf dem Steg blieben entspannt, also nahmen wir auch keinen Speed raus. Dennoch dauerte die Fahrt zur Schleuse locker 20 Minuten, zumal ich mich auf Grund der Wasserabsenkung dem Ufer nur vorsichtig näherte. Kurz vor der Schleuse plante ich eine Wende, in der ich gleichzeitig das zauberhafte Floss loswerfen wollte.
Ich informierte meine Vorschoterin und die beiden Verschleppten, nahm Gas weg und sprach: „Reee!“

Es geschah wie geplant, wir hatten „einen gut“ beim Schleusenwärter, der Tampen kam nicht in die Schraube und nachdem wir sauber durch die Wende liefen machten wir sogar 2,5 Knoten Fahrt. Aber nun fiel uns wieder zweierlei auf: Mit wenig Wind und viel Abdeckung ist Segeln nicht soo spannend (auf nem Dickschiff) und: Schleppen macht hungrig.

So steuerten wir (unter Segel!) einen Ankerplatz an und fast noch im Fahrwasser liess ich den Anker dann fallen. Die Segel klarieren geht uns noch nicht total locker von der Hand, aber wir wissen, was zu tun ist. So konnte ich bald Nudelwasser zum Kochen bringen (über Wasser- und Lebensmittelvorrat an Bord schreibe ich auch noch einen, nein, zwei Artikel…) und dazu eine Soße zaubern. Nicht nur wegen Wilfried Erdmann stehe ich auf Zwiebeln an Bord. Damit hat man einfach immer was Frisches zum kochen…

Angela und ich haben lecker und satt gespeist und während Angela danach versuchte, ein echt kniffeliges Mahjong am iPad 1 zu lösen, versuchte ich mich daran, allein und nur mit Segel vom Legerwall-Ankerplatz weg zu kommen. Hat nicht ganz geklappt, weil ich durch das Anker-aufholen immer das Boot „falsch“ durch den Wind gezogen habe, die Fock dann Back stand und… ach, es ist eben nicht so einfach (aber deswegen übe ich das ja). Dann Maschine an und versucht, kontrolliert rückwärts zu fahren. So richtig gut wird das nie gehen mit der Slocum, sie bricht schnell mal aus und man muss die Pinne sehrsehr behutsam bewegen. Aber mit Geduld und etwas Zeit und etwas mehr Raum kommt man schon dahin wo man hin will.

Nun mit Fock und Maschine zum Liegeplatz zurück und Angela hat schon während der Fahrt den Grossbaum mit der Persenning eingepackt. Das Anlegen zwischen den Dalben ist für mich wirklich schon zur Routine geworden, Angela ist nur noch etwas hibbelig, aber das legt sich auch bei jedem mal um einiges 🙂

Dann mussten wir noch den Abwasch machen und so war es schon 21:00 Uhr und die Fahrt nach Hause steht ja auch noch bevor. Ich wollte los, bevor es zu romantisch wird und so waren wir nach ca. 5 Stunden wieder da, wo wir vorher waren. Nur viel entspannter, weil wir auf dem Wasser waren und sogar segeln konnten (und ganz nebenbei etwas Karma sammeln).

Kreuzkurse

Auf dem Rückweg vom WSC nach Hooksiel kam der Wind ja so nördlich, dass wir  Segler kreuzen mussten und leider den Kurs nicht direkt anlegen konnten. Was sofort auffiel: Alle anderen „neueren“ Boote konnten viel mehr Höhe laufen als wir. Ich nehme an, das liegt hauptsächlich an neueren Segeln… wir haben ja alte Lappen, die vermutlich schon 30 Jahre und älter sind. Und Wanten und Stage muss ich auch dringend nachspannnen. Natürlich kommt noch hinzu, dass wir keine besonders guten oder erfahrenen Segler sind. Und unsere Slocum ist auch recht schwerfällig, die braucht ne Weile, um in Schwung zu kommen. Wenn wir also nach einer Wende zu hoch an den Wind gehen oder sicherheitshalber einem anderen, der sich von querab nähert, ausweichen, dann braucht es eine Zeit, um wieder ordentlich Fahrt aufzunehmen.

Aber eins wissen wir: Besser ist es, nicht so hoch wie möglich, sondern eher „voll und bei“ zu segeln, das ist schneller. Wir haben drauf geachtet: in der Tat ein ganzer Knoten mehr Fahrt. 3,5 zu 4,5 kn ist schon ein Unterschied. Aber: durch den grösseren Wendewinkel wird ja auch der Weg länger, lohnt die Mehrgeschwindigkeit also überhaupt? Um das näherungsweise festzustellen, habe ich das mal aufskizziert:

Der rote Kurs hat einen Wendewinkel von 90 Grad, der grüne von 100 Grad. Beide starten links am selben Punkt und enden rechts auch an der gleichen Stelle. Das grosse Rechteck simuliert zum einen durch die Länge von links nach rechts eine Fahrstrecke von 8,7sm (zufälligerweise die Entfernung Nassaubrücke – Hooksiel) und die Breite deutet einen fahrbaren Korridor von 4sm an. Der Grüne muss eine Wende mehr fahren, um zum gleichen rechten Punkt zu gelangen wie der rote. So weit, so gut. Nun habe ich die einzelnen Streckenabschnitte addiert: Rot hat einen Weg von 12,3 sm, Grün 13,5sm (für einen direkten Weg von 8,7sm!). Aber da Grün einen Knoten schneller segeln kann, braucht es für die gesamte Strecke nur 3 Stunden, Rot benötigt für 1,2sm weniger eine halbe Stunde länger!
Das kann man nicht beliebig ausdehnen, denn der Speed-Gewinn wird natürlich geringer, je mehr man abfällt und der Weg ja auch immer länger. Bei Gelegenheit werde ich mich mal grafisch an einen maximal sinnvollen Wendewinkel rantasten.

Nicht berücksichtigt sind Einflüsse wie Tide, Wellengang und Landabdeckung. Dadurch kann der eine oder der andere Kurs sicherlich sinnvoller werden, als die Mathematik es vermuten lässt. Aber es ist allemal ein guter Anhaltspunkt!

(gezeichnet und gemessen mit QCad)

Hooksiel-Nassauhafen-Hooksiel

Ich möchte gern noch eine eher technische Beschreibung unseres Wochenend-Trips zur Nassau-Brücke liefern, nachdem Angela von diesen Tagen so schön geschrieben hat.

Eine Woche vorher:
Anja und Axel fragten uns, ob wir auch kommen wollen, wegen Jubiläum und Regatta und so und wir wollten gern. Nur, wie das bei uns im Revier immer so ist: Die Tide schert sich nicht um Arbeitszeiten. Deswegen konnten wir nicht allerfeinst Freitag vormittag mit der Tide hoch nach WHV, aber auch nicht am Samstag, weil dann schon die Regatta begann und die Jade voller Boote sein wird.

Im Laufe der Woche:
So guckte und plante ich, wie wir es am besten machen konnten. Das nächste Niedrigwasser (am Freitag) wäre um 18:50, aber dann wären wir frühestens um 21:00 angekommen. Etwas spät, fand ich. Weiter geguckt, gegrübelt: Wetter? Östliche Winde und nicht halb so stark, wie angekündigt. Einige Tage vorher wurden noch 5Bft angekündigt, nun war es eher eine 3. Und Wind aus Ost: Das sollte den Strom nicht so beeinflussen, kein Hack zu erwarten (oder nicht all zu sehr…). Zack, ein Beschluß: Wir schleusen um 16:00 und gucken, wie es draussen auf der Jade ist. Wenns geht, dann los, wenn nicht, dann eben nicht.

Freitag nachmittag:
Gut, dass wir das gemacht haben! Draussen war fast ölige See, nix mit Hack, und wir konnten beinahe bis zur Flutmole vom Nassauhafen segeln, sogar mit Gross in den Hafen hinein. Das war feines Segeln, und so unerwartet! Der Hafen war natürlich Proppevoll und wir konnten uns ins Päckchen legen, immerhin als Vierter… Landstrom gab es nicht, aber den brauchten wir auch nicht. Einen Tag schaffen wir locker aus den Akkus.
Abends gab es dann noch die Steuermannsbesprechung, wir bekamen tolle T-Shirts und Geschenke und… ein schwarzes Bändchen. Dieser Trauerflor sollte am Achterstag gefahren werden, um der vor kurzem in unserem Revier verstorbenen Seglerin zu gedenken.

Samstag morgen:
Die angekündigten fünf Windstärken kamen in Form von Sonnenstrahlen und wolkenlosem Himmel daher. Jeder Regattateilnehmer lief im neuen T-Shirt rum. Als langsam alle nervös wurden und einer nach dem anderen ablegte, um Richtung Regattabahn zu fahren, löste sich nicht nur unser Päckchen auf, sondern auch der Benzinschlauchanschluss des Aussenborders unseres Innen-Nachbarliegers. Blupp, Motor aus. Meine Order: „Lass mal die Spring und die Leinen dran, wir schleppen euch raus“. Das ging ganz gut, obwohl das Hafenbecken quasi voller Segelschiffe war. Draussen an der Mole warfen wir dann die Leinen los und fuhren nördlich, um keinen Regattateilnehmer im Weg zu sein. Bedenkt: Das alles bei bestem Sonnenschein gegen 12:30 Mittags und kaum, nein, eigentlich kein Wind. Das von mir gezeigte Bild machten wir, während wir rückwärts trieben, obwohl der schwache Wind so gerade unsere Segel füllen konnte.
Es waren schöne, erholsame Stunden auf der Jade, bis wir dann zurück in den Hafen motorten und uns in das neue Päckchen, dieses mal an einen Trimaran (Sun) legten.

Sonntag:
Heute war mehr Wind, aber immer noch Sonne. Hochwasser sollte gegen halb drei sein, also fährt man danach los. Der Tri neben uns wollte eher los, dann aber doch nicht. Wir schon. Warum im Hafen liegen, wenn man auch draussen auf dem Wasser sein kann?
Natürlich war uns (wir und die Kairos) klar, dass wir nicht irgendwie eher da sein werden, aber wir wollten schon mal auf dem Weg sein. Na denn: Wir fuhren los, holten früh die Segel hoch und freuten uns, gegen den Strom noch Fahrt durchs Wasser zu machen. Kreuzen mussten wir ja auf jeden Fall. Wir hatten Bordwind, aber das Wasser war glatt. Klar, war ja noch auflaufend. Als dann die Tide kippte, nahm auch der Wind etwas zu, es gab die eigentlich am Freitag erwartete Hack-See: Kurze, hohe, spitze Wellen. Ging aber, war nicht bedrohlich sondern schön aufregend. Wie schon erwartet kamen aus WHV nach und nach alle anderen Segler und holten nicht nur auf, sondern überholten uns auch. Aber die Letzten waren wir bei dieser heimlichen Regatta nicht, als wir vor der Schleuse in Hooksiel warteten. Könnte natürlich auch daran gelegen haben, dass wir nach der Hälfte der Strecke die Maschine mitlaufen liessen: So konnten wir mehr Höhe laufen und mit 322 Grad Hooksiel fast direkt ansteuern…. 😉
Die Schleuse war so voll, dass nicht alle Boote reinpassten. Ich hoffe, wir haben uns nicht vorgedrängelt. Immerhin durfte noch ein relativ kurzes Boot (9m?) nachrutschen, nachdem alle etwas zusammengerückt sind.

Fazit:
Auf dem letzten Stück am Sonntag haben wir noch mal viel Erfahrung gesammelt und es ist immer wieder schön, wenn man feststellt, wie robust das eigene Boot eigentlich ist, welches uns nicht nur über Wasser hält sondern auch unser mobiles Heim und Schutz auf See ist. Das Boot kann definitiv mehr ab als wir und das ist gut so.

Als wir dann nach einem wirklich perfekten Anleger zwischen die Dalben auf unserem Liegeplatz Nummer 301 lagen, kam das Gewitter: Der Wahnsinn, sowas hatte ich in meinen 51 Lebensjahren auch noch nicht oft erlebt. In dem Moment war es noch kuscheliger, im trockenen, warmen Rumpf unserer Slocum abzuwettern.

Geschenke aus Müll

Vor einiger Zeit, als mein Geburtstag bevor stand, unterhielt ich mich mit meinem Schwager. Er sagte etwas ganz erstaunliches: „Ich war heute beim Müllplatz und habe das ideale Geschenk für dich dort gefunden!“

Na toll. Er sieht einen Haufen Sperrmüll und denkt dabei an mich. Aber am Tag der Übergabe war ich doch baff, erstaunt, verwundert und erfreut: Mit so einem Present hatte ich nicht gerechnet!

Klickt hier für das Bild davon.
(Ich habe das Bild hier extra nicht eingefügt, um die Spannung zu erhöhen 😉 )

Joshua ist da

Ich wollte ja noch genauer werden, als ich erzählte, warum wir den Termin zum Beiboot-abholen verschieben mussten. Mittlerweile haben wir das Beiboot geholt und es ist… tata: ein Optimist!

Nun kann man trefflich diskutieren, ob ein Opti die richtige Wahl für ein Beiboot ist, aber ich habe folgende Argumente dafür:
Es ist ein Festrumpfboot, man muss es nicht aufpumpen. Das ist natürlich auch gleichzeitig ein Nachteil, weil man es nicht so gut stauen kann, aber ich kenne mich: Ein irgendwo hingestopftes plattes Schlauchi würde ich so gut wie nie rauskramen und dann „eben schnell“ aufpumpen, wenn ich es bräuchte.
Und dazu ist ein fester Rumpf natürlich auch robuster, kann sicher einige Stöße mehr ab. Es sind aber auch Auftriebskammern verbaut (GfK-Opti). Ein weiterer Grund: In dem Roman „der keltische Ring“ hat der Protagonist auch einen Opti als Beiboot, und was der alles damit gemacht hat!

Der wichtigste Grund aber für Angela und mich: Man kann es segeln! Das finden wir voll cool und hoffentlich nutzen wir das auch oft. Zumindest das Hooksmeer bietet sich ja prima dafür an. Wird bestimmt gemütlich zu zweit in einem Optimisten 🙂 Das ist auch einer der Gründe, der die Seglergemeinschaft spaltet: Auf dem Opti ist kein (oder kaum) Platz für Zwei plus Zuladung. Sagen die einen, während andere sagen: Datt geiht! Mein Argument: Wenn ich mir unser bisheriges Schlauboot anschaue, da geht auch nicht viel mehr rein. Ausserdem will ich den Opti auch noch etwas „aufpimpen“, mal sehen. Auf jeden Fall hat es ein Alu-Rigg, das ist schön leicht. Bilder habe ich noch keine, aber ich muss auch noch ein ganz klein wenig dran machen. Dafür haben wir es aber auch echt günstig bekommen. Ich hoffe, er passt so gut über den Kajütaufbau auf dem Vorschiff wie ich mir das denke… sonst muss ich schauen, ob ich ihn am Heck befestigt kriege. Aber eins nach dem anderen.

Und warum steht in der Überschrift Joshua? Nun, das ist der Vorname vom Herrn Slocum, dem Namenspatron unseres Dickschiffs. Also doch der perfekte Name für den Tender.

Meilennachweis

Holger

Weil Angela und ich neulich über den SKS geredet hatten, habe ich mich mal hingesetzt und geschaut, wie viel Meilen sie eigentlich schon abgesegelt hat. Fürs erste nahm ich nur die Meilen dieses Jahres, das konnte ich (mehr oder weniger) schnell zusammenblättern. Und was kam dabei raus? Schaut es euch an:

Jede Meile zählt..

Die grösseren Schläge sind mit Kürzel benamt, aber ich habe auch die kleinen Runden auf dem Hooksmeer etc. mit aufgelistet. Meile ist Meile und die auf dem Hooksmeer sind sogar ehrliche Segelmeilen, weil wir dort gemeinsam Wenden, Halsen etc. natürlich unter Segel geübt haben 🙂
Auf jeden Fall: Mit unserer Rückfahrt von Wangerooge nach Hooksiel hat meine Liebste (allein dieses Jahr) 308 sm erreicht, und wir sind noch nicht durch mit der Saison!

So, Schatz, dem SKS steht nichts mehr im Wege, wenn du möchtest. Eine Woche „Meilenreissen“ kannst du dir mit ruhigem Gewissen sparen 😉

Lazy Jacks!

Holger

Jeder Segler (ohne moderne Rollsegel…) kennt das: Will man die Segel einholen, dann muss man in den Wind  drehen. Klar. Aber dennoch macht sich das Großsegel ganz schön „breit“ und es ist nicht immer einfach, es einigermassen ordentlich einzufangen und auf den Baum zu binden. Und wenn sich auf dem Kurs gegen den Wind etwas nähert, sei es ein Boot, eine Tonne oder eine steinerne Mole, dann muss man irgendwie abfallen und der Wind geht ins Segel und… alles Mist. Zum Glück gibt es dafür seit langem einfache technische Lösungen bzw. Erweiterungen für den klassischen Segler: Lazy Jacks oder gar Lazy Bags. Im Grunde sind das nur Leinen, die schräg zwischen Baum und Mast gespannt sind, damit das Segel da landet, wo es soll. Bei den Lazy Bags fällt das Segel in eine Art Tasche, welche danach mit einem Reissverschluss gleich geschlossen werden kann, keine weitere Baumpersenning nötig.

Eine Persenning habe ich, also brauche ich nur diese Strippen. Aber: Schaut man im gängigen Handel, dann findet man sowas:

Hundertdreissig Taler?!? Meine Herren, da wird mit der Gabel kalkuliert. Dafür bin ich nicht nur zu geizig, sondern auch zu pfiffig und zu geschickt: Lieber habe ich einige Abende darüber gegrübelt (mache ich so wie so), und dann beim Online-Auktionator erst 30m weisse 6mm-Leine bestellt und dazu Fender-Ösen. Kennt ihr die? Die sehen aus, wie Kinder einen Hut malen würden. Die gibt es in verschiedenen Grössen. Was ich benötigte, kostete mal gerade 1,00 Euro per Stück. Und weil für sowas immer Bedarf ist, habe ich gleich sechs Stück bestellt. Macht an Gesamtkosten fürs Material: ca. 16,00 Euro. Ha! Haha!

Heute habe ich das dann, wie üblich „eben schnell“, montiert.
Schwierigkeit Nummer 1: Natürlich hatte ich nicht mehr genug 4mm-Poppniete, die geeenau richtig für Fenderöse und Baum wären (und es war Sonntag, nix Hornbach). Also musste eine Nummer kleiner auch reichen. Drei verschiedene Grössen konnte ich zusammensuchen, die habe ich dann logisch so auf die beiden notwendigen Fenderösen verteilt, dass beide ähnlichen Belastungen standhalten (sollten).

Schwierigkeit Nummer 2: Die richtige Position der Ösen unterm Baum zu finden. Ich hatte ja, auf Grund meines einfachen Konzeptes, nur zwei Anschlagpunkte zur Verfügung. Aber ich wusste schon, dass ich nicht (wie im Bild oben) so weit hinten einen Punkt benötige. Und nahe am Mast kann das Segel auch kaum weg. Also habe ich empirisch ermittelt; durch Finger hinhalten und peilen.
Die beiden Ösen anpoppen war dann kein Problem. Der nächste Schritt schon eher:

Schwierigkeit Nummer 3: Zielgenaues Werfen.
Üblicherweise hängen bei „gekauften“ Lazy Jacks von den Salingen links und rechts Blöcke, in welche man die Lazy-Leinen einscheren kann. Diese Blöcke habe ich ja nicht und musste hier improvisieren. Meine Salinge sind in einigen Metern Höhe. 5m bestimmt. Meine Idee: Ich werfe die Leine nahe am Mast über die Saling. Ganz einfach.
Dazu muss man meinen geplanten Weg dieser Leine kennen: Mit Palstek an die vordere Öse unterm Baum fest, über die Saling, zur hinteren Öse, da auf die andere Seite des Baumes, wieder über die (andere) Saling und zurück zur vorderen Öse unterm Baum.
Der Hintergedanke dabei: Meine Salinge stecken in Buchsen, und darin Schrauben mit Muttern, welche die Saling fixieren. Wenn ich mit meiner Leine nahe an den Mast komme, dann sichert diese Schraube meine Leine gegen nach-aussen-wandern. Aber werfe mal eine Leine so, dass das auch so kommt!

Zeichnung vom Plan im Logbuch…

Zum Glück hat jeder Segler immer irgendwo einen Golfball rumliegen, so auch ich. Diesen packte ich in eine kleine Socke. Um die Socke befestigte ich meine Leine mit einem Gordingstek. Klingt Angeberisch, aber dieser Knoten ist so Pupskram wie Wirkungsvoll: Ein Gordingstek ist ein Webleinenstek (den wir verwenden, um z.B. einen Fender an der Reling zu befestigen) um seine eigene stehende Part. Damit hat man eine Schlinge, die man zuziehen kann (keine feste Schlinge wie beim Palstek). So hatte ich ein Gewicht an meiner Leine, welches ich werfen konnte.
Ich war ganz erstaunt, denn schon nach wenigen Versuchen (nicht mehr als fünf) flog der besockte Golfball dahin, wo ich wollte. Dann bedarf es noch einiger Wedelarbeit, damit die Leine über die Saling-Schraube nahe an den Mast kam. Das war wichtig, um sowohl die Weite der Lazy Jacks so eng wie möglich zu halten als auch die aufkommende Belastung gut abzuleiten.
Die andere Seite hatte ihre eigenen Tücken, aber es klappte im Grunde genauso flott.

Nun zog ich das Gross hoch. Der Wind kam fast von vorn, das war doch ein guter Test. Wie üblich muss man dann noch die Dirk lösen, der Groß-Schot lose geben und wieder dichter holen, aber mit dem Traveller konnte ich beide Seiten testen. Wichtig ist ja die Länge dieser LazyJack-Strippe: Ist sie zu lang, bringt sie nix.
Ist sie zu kurz, wird der Bauch des Segels eingeschnürt, das will man ja auch nicht. Aber zumindest am Steg ging das ausgezeichnet.
Arbeitsaufwand: max. zwei Stunden (eher weniger)

Vielleicht funktionierte das auch so gut, weil ich mir noch was dazu ausgedacht habe: Ich musste ja die Leine noch auf Maß ablängen, aber wollte auf keinen Fall gleich zu viel abschneiden. Ich bin mit der Leine nicht zwischen den Ösen hin und her, sondern: Ich  habe den Tampen durch einen Gummi-Zeising geschoren, den ich an der hinteren Öse befestigt hatte (zu diesen Zeisingen sollte ich mal einen eigenen Artikel schreiben), dort ein paar mal mit der Leine „hin und her“ und dann mit einem Stoppersteg um sich selbst befestigt.
Auf jeden Fall macht dieser Gummistropp das Ganze variabel, das gefällt mir: Er hält die Leinen etwas straff, aber wenn des System mehr Weg braucht, dann kann man hier ziehen lassen. Falls sich das aber als Unfug rausstellt, kann ich das Gummiband auch leicht wieder entfernen.
Im Bild hier zeigen die Pfeile auf die Ösen, man sieht den roten und blauen Knopf des Gummizuges und mit genauem Gucken auch den Stopperstek, der die Leine (erstmal) sichert:

Nun warten wir auf die Erprobung auf See, der nächste Urlaub naht! Spannend wird es noch beim Setzen des Segels, dass sich da nix vertüdelt (immerhin vier Latten im Segel). Und auf die Führung des Grossfalls muss man nun auch noch mehr achten.