Wangerooge-Hooksiel Teil 2

Holger

Nun kamen die Tonnen der Telegraphen-Balje: T4, T6, T8. Immer schön an Backbord lassen. Aber da ist das Wasser ja auch noch ausreichend tief. Doch auch bei der Dreier-Pricke, der Beginn des Prickenweges, war noch ausreichend Wasser. Ganz im Detail weiss ich es nicht mehr, aber die flachste Stelle war später irgendwo mit 0,4m unterm Kiel. Und etwas Welle hatten wir ja auch. Ich bemühte mich, immer hinter Tim zu bleiben, da er mit seinen 1,3m Tiefgang jedenfalls fast so tief wie wir waren. An Steuerbord segelte derweil ein offensichtlich flachergehendes Boot vorbei, auch nett anzusehen. Ein paar Boote fuhren gleich von Anfang an ziemlich Sudsüdost, als wenn die direkt auf Schillig zuhalten. Mag sicher bei denen gehen, die unter einen Meter sind und/oder einen Schwenkkiel haben. Wir nicht. Wir haben die Pricken mit der Fock gestreichelt.

da sind die drei Pricken

Kurz vor der Blauen Balje macht der Prickenweg noch nen Zickzack-Schlag, da muss man dann auf wenig Raum die Fock auf die andere Seite kriegen, und wieder zurück. Danach wird es aber schnell erstmal wieder ordentlich tief.
An Minsener Oog vorbei war ich etwas verwundert: Für mich allein hatte ich ausgeknobelt, das ich ziemlich dicht am „Strand“ vorbei fahren werde. aber Tim nahm das äussere Fahrwasser… ich bin dann einfach hinterher, wird schon richtig sein. Die letzten fünf Pricken vor der Jade machen noch mal einen nördlichen Knick, aber das schnibbelten wir und fuhren direkt in die Jade ein. Das alles hat mal gerade anderthalb Stunden gedauert, nicht mal.

Nun mussten wir noch bis Hooksiel kommen. Im Grunde hatten wir alle Zeit, denn die nächste Schleuse war ja erst gegen 14:00, es war gerade 12 Uhr irgendwas, wir hatten noch 6sm vor uns und das auflaufende Wasser schob uns. Weil aber der Westwind gerade ziemlich aufbriste, eine damit unangenehme See entstand und vor uns eine riesige dunkle Gewitterwolke von West nach Ost zog, wollte ich nicht bummeln und gewonnene Zeit lieber im Vorhafen warten.
Mit der Gewitterwolke hatten wir wirklich Glück: Sie zog vor uns vorbei, wir bekamen keinen (Regen-)Tropfen ab und dahinter kam schon etwas Sonne. Windig war es aber noch immer.

Und als ich so die Tonne H3 ansteuere (was ich auch bei Hochwasser mache, um mir keine doofe Schnibbelei dort anzugewöhnen) da sehe ich: Die Brücke der Schleuse geht hoch! Kurzer Blick auf die Uhr: 13:06 Uhr. „Schatz, guck, die schaffen wir noch!“ Hebel nach unten und los, so knatterten wir mit 5 Knoten in den Vorhafen. Hinter uns kam noch ein Segler. Das passte so genau, dass wir direkt in die Schleuse fahren konnten und der hinter uns auch noch reinpasste. Fein! Viel besser, als eine Stunde draussen zu warten 🙂

Binnen war, wie wir es schon kennen, eine andere Welt: Kaum Wind, die Sonne schien, alles ruhig. Leider verpassten wir durch die frühere Schleusung Freunde, die uns dort begrüssen wollten. Auf jeden Fall hatten wir unsere Urlaubsreise somit abgeschlossen und irgendwie war das ja auch fast „Rund Wangeroog“….

Wangerooge-Hooksiel

Holger

Irgendwann muss man mal zurück. Sonntag, den 26.08. war es für uns so weit. Unser Urlaub war zu Ende, das Wochenende auch, also ab nach Hooksiel. Ich war schon mal im Wattengebiet unterwegs, Angela noch gar nicht.
Auf jeden Fall habe ich grossen Respekt vor dem Prickenweg. So schön es ist, muss man doch recht pingelig planen und sich auch an die Pricken halten, die einem den Weg anzeigen. Und wir haben 1,45m Tiefgang. Zwar wird einem jeder alte erfahrene Skipper sagen „Ha, datt iss ja nix, wir sind damals mit…“, aber wenn man es selber noch nie auf eigenem Kiel gemacht hat, dann hilft einem solch ein Geprahle auch nicht weiter…

Auf keinen Fall wollte ich wieder aussen rum. Gründe dagegen gab es genug: Draussen war auch Dünung, der Weg war länger, man müsste bei recht flachem Wasser durch Seegatt und so weiter: Nee nee. So knobelte ich am Samstag über der Karte, mit Tidenkalender und den „Anweisungen“ von Helmut (einem erfahrenen Wangerooge-Fahrer, mit dem ich mich am Abend vorher allerfeinst unterhalten habe) an der Seite und im Kopf und kam zu dem Schluss, dass wir idealerweise um 10:57 Uhr starten müssen, um gut über die Telegraphen-Balje und innen an Minsener Oog vorbei zu kommen.

Da kommt Angela vom Duschen wieder und sagt: „Rate mal, wen ich getroffen habe!“ Offenbar eine rethorische Frage, denn woher sollte ich das wissen? Aber sie sprudelt gleich weiter, ich kürze das mal hier ab: Sie traf eine, die sie von Hooksiel kannte, weil die da mit ihrem Boot, der White Pearl (ja, echt), lagen, aber eigentlich in Wilhelmshaven liegen und die wollten morgen zurück (in die Jade, wo wir auch hin wollen) und die wollen um elf los.
Sag ich doch!
Und gerne dürfen wir sie begleiten.

Am nächsten Vormittag kam Tim gegen 10:44 zu mir und sagte: „Was sollen wir noch warten, Wasser ist genug da, lass uns los!“. Und da hatte er recht. Durch die westlichen Winde sind locker 20cm mehr Wasser aufgelaufen, also: Leinen los.
Ich hatte mir ein schönes Manöver ausgedacht, um sauber vom Steg weg zu kommen (Eindampfen in die Achterleine aussen belegt), aber alle anderen besorgten(?) Skipper warfen sich gegenseitig meine Leinen zu, so dass ich quasi vom Steg wegmanövriert wurde, ohne selbst viel zu tun. Man könnte sich fragen, ob die ihre eigenen Boote schützen wollten oder einfach nur helfen… nee, das fragt man nicht. Sehr nette, kameradschaftliche Leute!
Interessanter Nebeneffekt, wenn man ablegt: Auf einmal sind alle in Aufbruchstimmung, als wenn einer nur den Startschuss geben muss…

Hafeneinfahrt bei Niedrigwasser

Tim wies mich noch darauf hin, dass er durchaus auch segeln wollte, aber klar: Auch wenn die Maschine schiebt, kann die Fock ja noch etwas helfen. Ausserdem ist es etwas ruhiger an Bord, wenn ein Segel steht und cooler ist es so wie so 🙂

Bei der Ausfahrt aus dem Hafen wurde mir noch mal mulmig, weil es da eine flache Stelle gab (0,9m unterm Kiel, vielleicht sollte ich das Echolot erst später einschalten). Aber dann bogen wir nach Osten Richtung T-Tonnen ab.

Teil 2 findet ihr hier