Schwanengesang

Es ist ja nicht lange her, dass ich über die vermutlich letzte Reise der „Schwan von Oldenburg“ berichtete. Schon zwei Tage später gab es etwas Hoffnung, denn als ich mir das ehemals stolze Schiff an Land anschaute, konnte man sehen, dass jemand den Rumpf geschallt hatte (Mittels Schallen kann man die Wandstärke des Rumpfes ermitteln):

Man erkennt die mit Kreide notierten Wandstärken am Rumpf (7.November)

Das lässt einen doch Mut schöpfen, zumal keiner der notierten Werte kleiner als 3,x mm war. Dazu gab es noch Gerüchte, dass sich eine Gemeinschaft gefunden hätte, die den Schwan von Oldenburg erhalten wollen. Diese Gerüchte hielten aber nicht lange an, denn schnell sprach sich herum, dass Kapitän Kruse die Schwan nun doch abwracken lässt, von Springer & Sohn.

Gestern war ich ganz in der Nähe und bin noch mal vorbei gefahren. Was ich dort sah, ist für Anhänger der Schwan von Oldenburg sicherlich kein schöner Anblick. Aber das ist der unwiederbringliche Lauf der Zeit: So ziemlich der ganze Rumpf war schon zerschnitten, die Aufbauten aus Aluminium schon lange herunter und nur der Abschnitt des Rumpfes mit den verbauten Maschinen lag, eigentlich jämmerlich klein und zerschunden, noch zwischen vielen Schrott-Containern.
Doch wie aus Trotz ragte dieser Rest hoch dem Himmel entgegen, denn ich blickte sicher auf ein Stück Rumpf von vier bis fünf Metern Länge, die man so bedächtig abschreiten konnte, dass man noch immer beeindruckt war. Vor wenigen Tagen stand ich zwischen diesen Motoren und machte Fotos.

Da ist kein Schwan mehr… (19. November)

Ich weiss natürlich nicht, wie es anderen dabei geht, aber ich war ja nun live an Bord, als sie die letzte Fahrt antrat und es geht mir doch etwas nahe, das so zu sehen. Und ich fühle mich dabei auch gleich ertappt: Denn so lange, wie die Schwan von Oldenburg ruhig an ihrem Platz am Stau im Wasser lag, habe ich mich nicht gross um sie gekümmert und kaum eines Blickes gewürdigt…

Geben wir ihr auf ihrer wirklich letzten Reise noch ein Gedicht mit:

Es zieht ein Schwan,
und leise
Fragt Oldenburg: sag an,
Wohin geht die Reise?

Nicht weiter mit der Hunte fort,
Nie mehr tiefre Fluten,
denn bei den Kränen dort
Muss der Schwan verbluten.

(Durch mich angepasstes Gedicht von Hermann von Linggs der Schwan)

Schwan von Oldenburg

wir nähern uns mit Troll der Schwan

Gestern wurde ich vermutlich ein (kleiner) Teil der Oldenburger Stadtgeschichte: Ich war als Crewmitglied an Bord des Schleppers Troll von Henning, um die Schwan von Oldenburg auf ihrer (vermutlich) letzten Reise zum Osthafen von Oldenburg zu schleppen. Dort wurde sie von zwei grossen mobilen Kränen aus dem Wasser gehoben.
Einge Tage vorher war ich schon an Bord der Schwan, um einen mutmasslichen Interessenten an der Übernahme des Schiffes beratend zu begleiten (seinen Namen nenne ich mal nicht 😉 , aber er hat sich gegen eine Übernahme entschieden). Es wurde etliches von Bord geräumt. Nicht nur, um das Schiff zu entlasten, „damit weniger Wasser reinkommt“ (O-Ton), sondern sicherlich auch, um natürlich zu verhindern, dass irgendwelche Umweltunverträglichen Betriebsstoffe ins Wasser kommen und um Wertsachen der Entsorgung zu entziehen. Für Kapitän Kruse steht eigentlich fest: Das Schiff muss verschrottet werden. Aus seiner Sicht eine vernünftige Feststellung: Angenommen, jemand würde die Schwan etwas blauäugig übernehmen, um dann nach einigen Monaten festzustellen, dass das doch alles nicht so schnell und günstig geht wie eigentlich gedacht, dann würde das Schiff irgendwo mehr oder weniger öffentlich vergammeln, weil es einfach nicht weitergeht. Und sowas fällt dann schnell zurück auf Herrn Kruse. Das will er natürlich nicht, sehr verständlich.

Was kann der Spass schon kosten?
Wer sich nur ein klein wenig mit Schiffen auskennt, der weiss: Eben mit nem Pott Farbe rüber reicht nicht. Man muss nur irgendwo eine Verkleidung abbauen und dahinter tut sich garantiert eine neue Baustelle auf. Für die Schwan liste ich mal eben ein paar Punkte auf, die kein Geheimnis sind:

  • Es gibt (mindestens) ein Leck, durch welches Wasser eindringt. Wo, weiss man nicht. Das kann eine Durchrostung sein, ein Riss durch Belastung oder Verformung, es kann aber auch ein vorhandener Rumpfdurchbruch sein, für die Wellen oder irgend ein Geber. Kosten? Zwischen wenigen Hundert und einigen Tausend Euro.
  • Dann sollte der Rumpf auch geprüft werden auf Materialstärke und Dichtigkeit. Kosten? einige Hundert Euro
  • Wenn man über das Deck geht, sieht man Augenscheinlich, dass hier und da etwas zu sehr durchgerostet und ggf. wieder übergemalt ist. Hier ist minimum kosmetische Pflege notwendig. Kosten? Farbe und Zeit, sicher x Hundert Euro.
  • Funktionale Aufbauten wie Winschen, Kräne etc. müssen begutachtet, Instandgesetzt oder entsorgt werden. Wieder einige Scheine weg.
  • Die Maschinen: Solide grosse Motoren, zwei Stück. Leider liefen sie seit einigen Jahren nicht mehr. Vermutlich nicht defekt, aber einfach Starten ist nicht. Und wenn sie mal laufen, dann saufen sie auch. Kosten? Mit Glück etliche Liter Motoröl, mit weniger Glück vollständige Revision und sinnvoll wäre eigentlich, komplett neue Maschinen einzubauen. Wirtschaftlich: Fast Wahnsinn. Und es ist noch eine weitere, kleinere Maschine als Generator vorhanden…
  • Innen: Wenn man es so rustikal lassen möchte, warum nicht? Spart Geld. Aber nicht Zeit: putzen, putzen, putzen. Und Putzen.
Wie auf U96 – der Kopf einer der Maschinen

Ob das nun am Ende 10.000,- Euro werden (eher unwahrscheinlich) oder 166.000, das weiss man eben erst am Ende. Und wenn das Ende in weiter Ferne liegt, dann wird’s immer teurer. Dazu kommen dann Liegekosten an Land und ggf. auch später im Wasser, das Kranen an sich (etliche 1000 Euro), Löhne für helfende Hände, Versicherung, Ver/Entsorgung von Frisch- und Brauchwasser, Kraftstoff usw.

Die letzte Fahrt
Circa 13:00 sollte Hochwasser sein, das ist also die ETA am Osthafen, weil man natürlich dann besser kranen kann. Wir waren schon um 9:30 Uhr am Stau und es wurde noch einiges getüdelt und besprochen. Wichtig war eine gute Tau-Verbindung zwischen Schlepper und Schwan, immerhin würden hier zig dutzend Tonnen Stahl bewegt werden. So gab es Leinenverbindungen, die für den Ahnungslosen wie ein kaputtes Spinnennetz ausgesehen haben müssen, dabei waren es im Wesentlichen nur Vor- und Achterleine neben den Springs. Aber drei dicke Leinen auf zwei Pollern geben eben ne Wuhling…
Um 11:00 wurde durch Kapitän Kruse persönlich (er trug immerhin die Verantwortung für das ganze Unternehmen) die Eisenbahnbrücke Oldenburg angefunkt. Nächste Öffnung 11:38. Das schaffen wir! Das kleine Ausbildungsboot Schlingel mit Skipper Jürgen und seinem Volvo-Penta-Motörchen sollte uns von der Spundwand wegziehen und die Drehung unseres Schleppverbandes einleiten und schaffte das sogar. Mit einem Knoten Fahrt (gegenan!) näherten wir uns der Brücke. Das „kommt erstmal näher ran“ sparte man sich, jeder wusste Bescheid 🙂 und stattdessen wurde von der Dame auf der Brücke über Funk gefragt: „Ist das wirklich die letzte Fahrt oder gehts doch weiter?“. Der Kapitän konnte das nicht ehrlich beanworten, aber für ihn war es ganz sicher die letzte Fahrt auf der Schwan… das Wetter wirkte wie insziniert: Leichter Nebel lag über allem, es war nicht warm und nicht kalt, die Wasseroberfläche war fast wie Öl und selbst das Plätschern der Wellen an den Rümpfen schien etwas betrübt zu uns hochzuklingen.

Bald näherten wir uns der Pier, Henning hat uns wunderbar sanft rangeschoben und es mussten nur noch die Festmacher über die Poller geworfen werden.

Schwan, Troll und Schlingel am Osthafen

Der schwebende Schwan
Nun mussten alle auf die grossen Auto-Kräne und deren Positionierung und Montage warten und gegen halb drei wurde es dann ernst: Die langen Stahlseilschlaufen wurden über Bug und Heck gezogen, alles zehnmal von jedem kontrolliert und mit bewundernswertem Feingefühl hoben die Kranführer die (man möchte fast sagen „wehrlose“) Schwan aus ihrem Element.

Der Schwan schwebt

Vielleicht war dieses ja doch nicht die letzte Fahrt für unseren Schwan von Oldenburg. (Nachtrag: Wer es wissen möchte: Hier schrieb ich darüber)

Was man über die Hunte noch wissen kann

Ich erzählte ja von unserer Fahrt auf der Hunte Richtung Oldenburg und habe dabei die Brücken erwähnt. Es gibt aber noch ein wenig mehr über die schiffbare Hunte zu wissen und das ein oder andere möchte ich in diesem gesonderten Artikel erwähnen.

Sperrwerk
Die Einfahrt von der Weser in die Hunte verläuft recht spitz. Die grüne Tonne 99 auf der Weser ist dann auch gleichzeitig die „Hunte 1“ (auf der Hunte selbst kommen aber keine weiteren Tonnen mehr). Der rote Pfeil im Bild zeigt in die Hunte. Fährt man raus aus der Hunte, kann man schon einiges vorher her die rote Tonne 102 sehen und als Ansteuerungspunkt nehmen.

Achtet beim Ein- und Ausfahren auf die Tide! Nicht, dass ihr aufs Ufer gedrückt werdet (verbogene Dalben an der Einfahrt deuten da was an). Gleich zu Anfang der Hunte kommt „Hunte Lock“, das Sperrwerk. Es dient dem Hochwasserschutz und wird bis zu 20 mal im Jahr geschlossen. Rund ums Sperrwerk sind einige Stahldalben im Wasser und innerhalb der Hunte stehen die Reservetore Luv und Lee. Das Sperrwerk ist schon beeindruckend. Über das Sperrwerk führt eine Fussgängerbrücke, die i.d.R. aufgeklappt hochsteht. Wenn man auf der Weser gen Hunte fährt, kann man diese schon von weitem sehen. Jede volle Stunde wird zugeklappt, damit Fussgänger und Radfahrer passieren können. Ich war noch nie auf der anderen Seite…. hm.
Die Ein- und Ausfahrt durch die beiden Tore ist mit Lichtern wie bei Schleusen geregelt (zweimal rot und einmal weiss oder zweimal grün, ihr wisst schon). Als Segler mit stehendem Mast muss man nur darauf achten, dass die Brücke aufgeklappt ist 🙂 (und das keiner von vorn kommt…)

Begradigungen
Am Stadthafen Elsfleth und an der Werft vorbei kommt dann die Eisenbahnbrücke und die „Hunte Bridge“, welche ich schon im anderen Artikel erwähnt habe. Die beiden Ufer der Hunte sind geprägt von Steinaufschüttungen. Nur am Anfang, Elsfleth gegenüber, steht Schilf und bei Niedrigwasser sieht man Schlick und Buhnen. Und Kühe, die durch den Schlick zum Wasser laufen! (da müssen wir doch irgendwo ein Bild von haben?).
Die ursprüngliche Hunte schlängelte sich in gewaltigen Bögen durch die Ebene. Für grosse Binnenschiffe ist das natürlich nicht so gut. Also wurde sie an einigen Stellen begradigt. Dabei blieben die alten Arme erhalten. Die Steindämme sind zu  beiden Seiten der Alt-Arme abgesenkt, so dass bei ablaufend Wasser alles trocken fällt und bei Hochwasser alles überspült ist. Hier sieht man immer eine breit gefächerte Vogelwelt. Die abgesenkten Steindämme sind durch Spieren gekennzeichnet. Achtet darauf! Nicht bei Nebel am Ufer entlangtasten…

Iprump und Blankenburg
Ungefähr bei Km 7 kommt am südlichen Ufer ein kleiner Seitenarm mit Stegen. Das ist Iprump. Offiziell soll das ein Sporthafen sein, aber meist sieht man nur kleine offene Boote von Fischern dort liegen. Meiner Meinung nach alles nicht besonders einladend und es ist auch tidenabhängig. Ausser grober Romantik und einem Notfall fällt mir kein Grund ein, dort anzulegen. Knapp zwei Kilometer weiter kommt auf der selben Seite das Kloster Blankenburg. Viel kann man nicht sehen. Je höher das Wasser desto besser 🙂 Aber die Geschichte des Klosters ist durchaus interessant.
Nun ist es nur noch ein kleines Stück, um unter die Autobahnbrücke (A 29, soll wohl bald abgerissen und ersetzt werden?) durch zu kommen. Südlich fängt dann der Osthafen an 🙂

Stadthäfen
Die Eisenbahnbrücke Oldb. hatte ich ja schon erwähnt. Dahinter schaut man in den Stadthafen Oldenburg. Hier haben die beiden Vereine OWV und OYC Steganlagen. Der OWV im Wendebecken, ein Stück weiter ein langer gerader Steg vom OYC. Welchen von beiden man wählt ist als Gast Geschmackssache, ich als OYC-Mitglied fahre nach Addi und Inge. Denn mit stehendem Mast kommt man ja nicht unter Amalien- und Cäcilienbrücke Richtung Küstenkanal durch. Ab Amalienbrücke beginnt übrigens die Binnenschifffahrtsstrasse.

Ein Mastkran ist beim OYC vorhanden. Bzgl. der Sanitäranlagen ist es egal, denn die teilen sich beide Vereine (und sollten mal renoviert werden).
Der Stadthafen hat seinen Reiz. Gegenüber ist das Lokal Schwan, wo draussen gerne Leute sitzen und auf die Schiffe gucken. Wir sitzen auf unseren Schiffen und gucken ab und zu mal auf die Leute beim Schwan…
Vom Stadthafen kommt man leicht zu Fuss zum Hauptbahnhof. Möchte man einkaufen, dann geht man zu den Schloßhöfen. Unten drin ist ein Supermarkt. Einfach jemanden fragen, der Weg ist einfach und nicht weit. Dahinter findet sich dann die Fußgängerzone von Oldenburg und lädt zum Bummeln ein.

Wenn ich von Oldenburg erzähle, dann möchte ich auch Elsfleth erwähnen: Vom Sperrwerk keine Meile entfernt ist rechter Hand ein Gästesteg. Wer diesen genau betreibt, weiss ich nicht. Ich meine, es wäre der Tourismusverband? Auf jeden Fall ist man hier nahe am Elsflether Bahnhof und der kleinen „City“. Liegen kann man dort relativ gut. Man hat immer wieder mal Schwell von vorbeifahrenden Schiffen und neuerdings hat sich an der Spundwand viel Schlick angesammelt, so dass wir mit TG 1,45m direkt am Steg bei Niedrigwasser festsitzen. Wir konnten schon beobachten, wie die Avontuur losmachte um sich neben die Lizzy zu legen, damit sie nicht festkommt.
Man darf dort mit bis zu drei Booten im Päckchen liegen, der Aussenlieger muss immer das Ankerlicht parat haben!
Ein Unikat war der alte Hafenmeister Jan, der leider dieses Jahr verstorben ist. Ein granteliger raubeiniger bärtiger faltendurchzogener Mann, der langsam auftaute, wenn er einen über die Jahre wiedererkannte. So mancher kann von eigenen Begebenheiten mit ihm erzählen. Ich selbst denke mit einem Schmunzeln an ihn zurück. Als Nachfolger macht den Job nun sein Sohn, der sich irgendwie erst finden muss. Momentan finde ich ihn etwas zu… herrisch? Das wird sich wohl noch einschleifen.

Das ist aber alles nicht so wichtig, denn auch in Elsfleth kann es einfach traumhaft schön sein:

Klick mich für grössere Ansicht

Das Lied der Hunte

Holger

Wir lagen bei schönstem Sonnenschein im Stadthafen von Elsfleth, mampften ne Stulle mit Brot und warteten. Gar nicht so sehr auf das auflaufende Wasser sondern eher, dass die Eisenbahnbrücke Elsfleth sich öffnen würde. Denn die Hunte hat drei für den Segler relevante Brücken (Ich beschreibe nun ein paar Details, die vermutlich nur für Neulinge in dem Revier interessant sind):

  1. die Eisenbahnbrücke Elsfleth
  2. die „neue“ Hunte-Klappbrücke (Vereinsintern „Heinrich-Brücke“)
  3. die Eisenbahnbrücke Oldenburg

Alle drei sind über den Funkkanal 73 zu erreichen. Und da die beiden Eisenbahnbrücken natürlich vom jeweiligen Fahrplan abhängen, gibt es dort gewisse Öffnungszeiten (habe ich oben verlinkt). Die „Heinrich-Brücke“ öffnet nach Bedarf. Man findet übrigens immer wieder den Hinweis, dass eine Öffnung mit dem Ruf des offiziellen Namens „Elsfleth Bridge“ oder „Hunte Bridge“ erfolgen muss. Aber wenn man z.B. sagt „Oldenburg Eisenbahnbrücke“, dann klappt das ganz hervorragend, denn es sind ja alle Deutschsprachig. Ich habe das mit „Bridge“ nur sehr selten über Funk gehört, meistens von Revierfremden. Nicht schlimm.

Damit sind wir wieder beim Thema: Wir warteten auf die Brücke. Doch man sollte beachten: Aus Erfahrung weiss ich, dass die Brücken nicht nur zu den offiziellen Zeiten öffnen, sondern auch mal dazwischen. Gerade in Elsfleth, dort fahren ja auch nicht so viel Züge wie in Oldenburg. Und aber ich weiss auch, dass Züge gern mal Verspätung haben und sich die Öffnungen damit auch mal verschieben 🙂 Anfunken und fragen hilft.

Wir mussten ca. 40 Minuten warten, um laut Fahrplan durchzukommen. Vom Stadthafen sind es „nur“ ca. 1,5 Seemeilen zur Brücke, aber mit 5 Knoten ist das immer noch mehr als eine Viertelstunde Fahrt. Über Funk hörte ich nun, wie ein anderer Segler die Brücke anfunkte und er bekam die Antwort, dass es ca. 14:20 eine Öffnung geben wird. Also schon mal etwas später als vorgesehen. Viel zu rechtzeitig legten wir ab und tuckerten da hin. Der andere Segler kam dann auch gleich. Während wir warteten, kam noch ein Binnenschiff von hinten und fuhr schon mal durch die Brücke. Tja, der kann sein Deckshaus einziehen… um es kurz zu machen: Der erwartete Zug verspätete sich, wir malten noch zwei weitere Kreise auf den Plotter.

Ein paar Huntekurven weiter kommt auch schon die Huntebrücke (die größte einflüglige Klappbrücke in Deutschland). Der Brückenwärter freut sich immer, wenn die Segler im Rudel kommen, dann klappt das besser 🙂 Wir waren immerhin zu zweit, der andere war sogar mit 16m noch einiges höher als unsere Slocum. Hier ist es recht spannend auf der Hunte, weil sie an dieser Stelle ziemlich schmal ist und so das Wasser noch einiges schneller strömt. Wie auch immer, wir mussten nicht lange warten und erhielten über Funk die Anweisung „fahrt durch, wenn es passt“.
Ich kann leider Höhen sehr schlecht schätzen und an der Brücke ist auch keine Skala, aber der andere durfte zuerst durch und der passte. Der wurde nach der Passage einen halben Knoten schneller als wir und zog von dannen.

Archivbild: Die alte Hubbrücke im Hintergrund steht nicht mehr

Nach der Brücken-Passage wurde es geradezu langweilig. Wer die Hunte einige male mit dem Boot gefahren ist, der weiss, was ich meine. Irgendwann kann man die Autobahnbrücke sehen (Km 4) und wenn man dort unter durch ist, dann ist man schon fast in Oldenburg. Sobald ich um die letzte Kurve herum bin und die Eisenbahnbrücke sehen kann, funke ich die an. In diesem Fall lief das so ab:

Ich: Oldenburg Eisenbahnbrücke, hier ist Segelyacht Slocum, bitte kommen.
EBB: Brücke hört?
Ich: Wir möchten gleich die Brücke passieren, wann ist denn die nächste Öffnung?
EBB: Wo seid ihr denn?
Ich: Du müsstest uns schon sehen können, sind am Pegel vorbei…
EBB: Ah, unsere Monitore sind nicht so gut… aber kommt man ran. Gleich kommt noch der Zug aus (unverständlich) und dann sag ich bescheid
Ich: Prima, danke, wir kommen langsam näher
Anderer Segler: Eisenbahnbrücke, wir wollen auch durch, aber brauchen noch ne halbe Stunde!
EBB: Ja, aha…
(Kurze Zeit später, der Zug fuhr gerade rüber)
EBB: So, ich mache auf, wenn es passt einfach durchfahren
Ich: Danke, schöne Wache!
Anderer Segler: Wie, was, wann geht die Brücke auf???
EBB: Na, jetzt!
Anderer Segler: (murmeltwasunverständliches)

So tuckerten wir unter der halb offenen Brücke durch und konnten wenige Minuten später am Steg unseres OYC festmachen. An der Innenseite, denn aussen war alles belegt. Die ganze Fahrt dauerte inkl. Warten vor den Brücken ca. drei Stunden.

Damit ist die Segelsaison wohl beendet für uns.

Heute zu Wasser gelassen

Angela

Im OYC wird traditionell geslippt, so richtig mit Trecker und Winde und vielen Leuten undundund. Und eigentlich geht immer irgendwas schief. Heute war es zunächst das Wetter, welches uns gehörig einen Strich durch den Zeitplan machte: Es regnete ununterbrochen.

Es standen auch noch einige andere Boote im Weg, sodass erst rangiert werden musste, um Platz zum Slippen zu schaffen.

Als es endlich so weit war, hatte die Tide schon gedreht. Das ablaufende Wasser machte das Loskommen vom Trailer schwierig. Und gleich nach der Slip-Rampe kommt der erste Dalben vom Steg, ein grosses dickes gelbes Beton-Ungetüm. Da sind wir natürlich gegen getrieben. Aber Dank der Hilfe von Club-Kameraden kamen wir auch da frei und konnten endlich fahren.

Letztendlich liegt sie aber nun am Steg😉