Bootsmannstuhl

Kaum erwähnt Torsten den Bootsmannstuhl, da wurde er auch schon anderweitig gebraucht: Peter, der gerade seinen Mast gestellt und mit allem fertig war, blickte in sein Masttopp und fragte mich, ob ich morgen auch da wäre. Kurzer Sinn: Sein Fockfallschlitten hängt oben und er muss hoch, hat seinen Bootsmannstuhl nicht da. Aber ich! So holte ich diesen und bot ihm an, ihn hochzuwinschen. Er peilte kurz und sagte: Du bist doch leichter als ich…. Charmant, aber er meinte es ernst! Also stieg ich in den Stuhl, pickte das Grossfall ein und Peter zog mich über die Mastwinsch hoch. Nun mussten wir noch Angela herrufen, damit sie die Leine stramm hielt. Damit konnte Peter besser umfassen. Nach wenigen Minuten und einigen Verschnaufpausen war ich dann oben und konnte das Fall klarieren. Dann ging es wieder runter. Erstaunlicherweise war das für mich nicht so angenehm wie das hochziehen. Immer wieder drehte ich mich etwas, stiess irgendwo gegen oder blieb hängen. Und an den Salingen vorbei war auch nicht einfach. Doch alles in allem war es flott erledigt.
Das war eine gute Erfahrung, denn nun konnte ich Angela bei uns hochwinschen, nur bis zu den Salingen. Sie guckte mich sprachlos an, denn das war wirklich nix für sie.
Blöde war, dass es gar nicht um unsere Lazy Jacks ging, sondern um eine typische „muss das jetzt echt sein?“-Geschichte: Ich wollte die Fockpersenning hochziehen und musste feststellen, dass die entsprechenden Leinen beim Maststellen auf die falsche Seite des Salings geraten war, genau wie das Fockfall. OK, ich band die Leinen ans Fall, um das gemeinsam hochziehen zu können und brachte noch ein Gewicht an, damit es auch wieder runterkommt. Und damit das alles auch wirklich auf die andere Seite vom Saling gelangt, machte ich noch eine Sorgleine fest, die ich vorher drüber werfen wollte, das kannte ich ja. Und was passierte? Ich warf, die Sorgleine flog zur falschen Mastseite, über die andere Saling. Und als ich dran zog, um es erneut zu versuchen, da vertüdelte sich der Tampen da oben hoffnungslos. Dass wir die Kurbel für die Mastwinsch nicht fanden, war fast schon nebensächlich. Musste das jetzt echt sein? Und das alles geschah, bevor Peter mich ansprach.

So, nun steckte ich Angela in den BMS und zog sie hoch. Da sie sich echt nicht wohl fühlte dabei und ich unserem Drahtseilgrossfall nicht mehr alles zutraute, zog ich sie nur halb hoch und sie konnte den Tampen mit dem Bootshaken klarieren. Egal, das war eine gelungene Premiere und gute Erfahrung, für uns beide!
Beim erneuten Wurf der Sorgleine feuerten Peter und Angela mich ordentlich an und endlich konnte alles wie geplant durchgeführt werden. Die Persenning hochziehen war anschliessend der leichteste Teil. Und sobald sich Angela davon erholt hat, kommen die Lazy Jacks dran, aber das dauert sicher noch einige Tage 🙂

Der Mast steht

Heute haben wir den Mast gestellt. Da wir ja an der Buschhagenhalbinsel, dem „Hauptsitz“ des OYC, über die Sliprampe ins Wasser gehen, müssen wir zum Maststellen mindestens zum Stadthafen, denn sowohl die Cäcilien- als auch die Amalienbrücke sind uns in der Höhe im Weg.
An unseren Clubeigenen Stegen beim Schwan haben wir auch einen Mastkran, aber ich nutze die Vorteile, den Mast mit Bordeigenen Mitteln zu stellen, auch wenn es für mich etwas aufwendiger ist. Welche Vorteile? Ich kann den Mast stellen, wann ich will (und sogar wo ich will), muss keinen eingewiesenen „Mastkranwart“ bitten, herzukommen und brauche auch kaum andere weitere Helfer. Dazu kommt, dass das Huntebecken beim Kran mittlerweile recht flach bei NW ist, so dass man gute Chancen hat, mit etwas mehr Tiefgang aufzubrummen.

So ganz alleine kann ich den Mast natürlich auch nicht stellen. Angela ist dabei und mein Schwager Stephan hilft auch gern. Im Grunde gehts mit zwei Leuten, aber kräftige Hände sind schon hilfreich, weil ja der Mast auch weiter nach hinten gewuppt werden muss, um in den Mastkoker zu kommen. Und ich bin ja auch keine fünfzig mehr… aber ab dann, wenn die Oberwanten angesetzt sind, der Spibaum mit Vorstag und Ankerwindenseil angetüdelt steht, dann kann es schon losgehen. Am Anfang ist es natürlich schwer zu kurbeln und man sollte auch im Cockpit den Mast bzw. die Winde beim Heben etwas unterstützen, aber je besser der Winkel wird, desto leichter geht es. Angela schafft das.

Heute war noch die kleine Herausforderung, dass ich an das eine Vorstag die Top-Reff-Anlage montiert habe (am anderen Vorstag wurde der Mast gestellt). Die Rollanlage war die anderen Jahre nicht dran, aber dieses Jahr will ich das mal ausprobieren, nachdem ich die unter einer Koje fand und verstanden hatte, was das ist und wie das soll. Wir haben ja noch das zweite Vorstag, um ein Segel anzuschlagen, falls das Top-Reff nicht gut hinhauen sollte. Im Mastlager liegt sogar noch eine Schiene, aber da soll irgendein Teil fehlen. Egal, geht auch mit Stagreitern, so wurde die Top-Reff ja konzipiert. Ich habe sogar daran gedacht, vorher das Fockfall durch den oberen Wirbel zu ziehen, da wäre ich sonst kaum mehr angekommen 🙂

Und dieses Jahr haben wir auch daran gedacht, die Flaggenleinen durch die kleinen Blöcke an den Salingen zu ziehen. Dann müssen wir die Stander nicht mehr an die Wanten tüdeln (das war immer voll doof, weil die an den Drahtseilen stets runter rutschen). Dafür habe ich versäumt, meine LazyJacks schon mal um die Salinge zu legen. Also noch mal so wie letztes Jahr….

Ganz am Rande bemerkt: Als wir losfuhren fiel uns auf, dass das Echolot nix anzeigte, nur out. Echt ungünstig, weil doch diese Tage dank des Ostwindes vielviel weniger Wasser aufläuft und ich konnte während der Fahrt wieder grübeln, was das sein könnte. Es stellte sich nachher raus, dass „nur“ der Stecker vom Geber an der Anzeige rausgeflutscht war. Relativ einfach zu fixen. Ich habe Buchse und Stecker dann mit Isolierband verklebt, das sollte also erstmal halten.

Teil 2 der Hooksielreise

Holger

Unsere Mitreisenden auf der „Kairos“ haben tatsächlich am Sonntag nette Mitglieder vom SWE getroffen, die bei der Bedienung des Mastkranes halfen (der Kran hat neue Winden etc., auf keinen Fall darf da ein Uneingewiesener ran). Ruckzuck war der Mast ihres Schiffes gestellt.

Nachmittags um 15:00 Uhr stand unser Mast dann auch, den wir dank Spi-Baum, zweitem Vorstag und Ankerwinde mit Seilrolle selbst an Bord stellen können. Es hat alles gut funktioniert. Als wir allerdings die Stecker der durch den Mast gehenden Kabel verbinden wollten, viel uns auf, dass das Kabel für die Funkantenne nicht auf der richtigen Seite des Mastes lag! Nun bräuchten wir eine Verlängerung, um das zu verbinden. Funken können wir damit nicht. Man lernt immer was dazu… wir werden aber frühestens in Hooksiel den Mast wieder (etwas) legen, um das zu klarieren. Vielleicht nutze ich auch die Gelegenheit für eine neue Antenne, denn das betagte RT 5100-Funkgerät wollte ich eigentlich durch unser Lowrance (vom Motorboot) ersetzen, auch wenn das alte Gerät auch dank des „Telefonhörers“ echt cool ist. Aber das eilt nicht ganz, denn zur Not haben wir auch noch eine Handfunke an Bord.

Dann wurde noch in aller Ruhe das Rigg gespannt, so nach Handgefühl, und dann hatten wir uns aber ein Bierchen verdient: „Wenns klappt, gibts eine halbe Flasche Bier für jeden! Jawohl, Herr Kaleun!“

Segelboote in Elsfleth
Beide schief? Neee…