Fast ne Nachtfahrt

Wir hatten ja das Himmelfahrts-Wochenende in der „Marina Bremerhaven“ verbracht, es war eine Ausfahrt vom OYC. Die Marina im Fischereihafen ist toll, ich werde demnächst einen eigenen Beitrag darüber schreiben. Aber erstmal das hier.

Wie wir zwischen Hooksiel hin und her fahren, brauche ich wohl nicht mehr zu beschreiben, das gibt es hier ja mittlerweile zur Genüge. Wer das nachlesen will: Einfach das Suchfeld oder die Tag-Wolke links verwenden.
Weil Angela doch so gern mal bei Nacht fahren möchte, ergab sich nun eine gute Gelegenheit dafür. Nicht ideal, aber immerhin sollte es bei Abfahrt Nacht und Dunkel sein: Die Tide war so, dass beim Alte Weser-Leuchtfeuer um ca. 6:30 Uhr Niedrigwasser war. Also muss man in Bremerhaven zwischen zwei und drei Uhr in der Nacht losfahren. Wir lagen im „Neuen Hafen“ im Jaich am Kopfende von Steg C. Da wir erst gegen 21:55 angelegt hatten, würden wir nur vier Stunden bleiben. Angemeldet hätten wir uns dennoch, wenn das Büro noch besetzt gewesen wäre. War aber nicht, aber für die paar Stunden machten wir uns keine Gedanken. Eine Schleusung „zur ungewöhnlichen Zeit“ muss man nicht extra lange vorher ankündigen, das war mir noch von unserer Überfahrt an Ostern bekannt . Die kleine Schleuse wird ausserhalb der Betriebszeiten von der Kaiserschleuse über Ch 10 fernbedient. Dort ist immer jemand und ggf. eine halbe Stunde vorher kann man ruhig Bescheid sagen, das ist gut für die Planung. Machte ich. Oder besser: Versuchte ich. Dreimal mit Abstand von einigen Minuten habe ich die Schleuse angefunkt, aber keine Antwort. Beim vierten mal, es war schon 2:38 Uhr, eine Reaktion: „Was fürn Boot seid denn ihr?“ kam als Rückfrage (meine Vermutung: Der Diensthabende hatte ein verdientes Schläfchen gemacht und musste erstmal Zeit gewinnen, um sich zu orientieren). Egal: Wir sollten rankommen und er würde dann gleich öffnen. So geschah es auch. Die Schleuse ist sehr gut ausgeleuchtet und Dank solider Schwimmstege kein Problem. Und wir hatten die Schleuse für uns allein…

Die wahre Nachtfahrt begann dann, als wir aus der Schleuse raus fuhren. Ich weiss nicht, ob Angela nervös war, aber konzentriert angespannt war ich auf jeden Fall. Ich bin schon einige Male Nachts gefahren und mit etwas Übung ist das sogar einfacher als Tagsüber, denn es ist weniger Verkehr und alles Wichtige ist ja beleuchtet 🙂
Man muss nur die Lichter auseinander halten können und natürlich insbesondere auf die Betonnung achten. An der Columbus-Kaje sind alle grünen Tonnen (auf deren Seite Sportboote dort fahren sollen) beleuchtet und dahinter die erste rote Tonne auch. Kein Problem, besonders, wenn man die Tonnen am Plotter schon mal „vorverorten“ kann.

An der Kaje selbst ist es schon beeindruckend im Dunkeln, weil sowohl die Kräne als auch die  riesigen Schiffe sehr üppig beleuchtet sind. „Schon“ um 5 Uhr war Sonnenaufgang und wir waren aussen auf der Weser live dabei. Auf dem Foto sieht man zum einen Wremen weit hinten am Horizont als auch die Tonne im Tidenstrom (ca. 2,5kn an der Stelle). Über den Revierfunk wurde schon früh die Einfahrt der Mein Schiff 2 angekündigt und irgendwann schob sie sich majestätisch langsam an uns vorbei, die fuhren ja gegenan.
Und weil über den Revierfunk verkündet wurde, dass das Niedrigwasser drei Dezimeter geringer ausfällt als üblich, haben wir auf den Heinrich-Punkt verzichtet und sind ganz klassisch durch die Mittelrinne gefahren. Diese hat Angela sogar mehr als zur Hälfte allein gefahren, weil ich mich für ein Schläfchen hingelegt hatte… der Rest ist schnell erzählt: Auf der Weser musste die Maschine mitlaufen, weil 1 Bft leider nicht reichen. Aber die Jade haben wir dann allerfeinst kreuzend ersegelt, es briste eetwas auf. So erreichten wir die 9 Uhr-Schleusung superpünktlich, statt mit Motor und ohne Spass die um 8 Uhr zu versuchen. Dann Schleusen (wir und noch ein Segler: zwei Boote und viel Platz), danach zum Steg und Liegeplatz tuckern, dort super angelegt und erstmal klar Schiff machen. Dann kurz nachgedacht: Um kurz nach 12 wieder raus, aufs Hooksmeer und dort ankern! So konnten wir die Kairos bald begrüssen, denn Anja und Axel waren auf Wangerooge und die Tide würde sie gegen 14:00 in die Schleuse spülen. Fast. Denn die Kairos konnte erst gegen 15:00 in die Schleuse, es waren sooo viele Boote im Vorhafen, das eine Schleusung nicht reichte…. das war uns aber auch recht, denn so habe ich vor Anker noch Bratkartoffeln mit Leberkäse gebraten und wir futterten das im Cockpit unterm Bimini genüsslich auf 🙂

Die nächste Nachtfahrt werden wir bestimmt schon am Abend starten…

Hooksiel-Nassauhafen-Hooksiel

Ich möchte gern noch eine eher technische Beschreibung unseres Wochenend-Trips zur Nassau-Brücke liefern, nachdem Angela von diesen Tagen so schön geschrieben hat.

Eine Woche vorher:
Anja und Axel fragten uns, ob wir auch kommen wollen, wegen Jubiläum und Regatta und so und wir wollten gern. Nur, wie das bei uns im Revier immer so ist: Die Tide schert sich nicht um Arbeitszeiten. Deswegen konnten wir nicht allerfeinst Freitag vormittag mit der Tide hoch nach WHV, aber auch nicht am Samstag, weil dann schon die Regatta begann und die Jade voller Boote sein wird.

Im Laufe der Woche:
So guckte und plante ich, wie wir es am besten machen konnten. Das nächste Niedrigwasser (am Freitag) wäre um 18:50, aber dann wären wir frühestens um 21:00 angekommen. Etwas spät, fand ich. Weiter geguckt, gegrübelt: Wetter? Östliche Winde und nicht halb so stark, wie angekündigt. Einige Tage vorher wurden noch 5Bft angekündigt, nun war es eher eine 3. Und Wind aus Ost: Das sollte den Strom nicht so beeinflussen, kein Hack zu erwarten (oder nicht all zu sehr…). Zack, ein Beschluß: Wir schleusen um 16:00 und gucken, wie es draussen auf der Jade ist. Wenns geht, dann los, wenn nicht, dann eben nicht.

Freitag nachmittag:
Gut, dass wir das gemacht haben! Draussen war fast ölige See, nix mit Hack, und wir konnten beinahe bis zur Flutmole vom Nassauhafen segeln, sogar mit Gross in den Hafen hinein. Das war feines Segeln, und so unerwartet! Der Hafen war natürlich Proppevoll und wir konnten uns ins Päckchen legen, immerhin als Vierter… Landstrom gab es nicht, aber den brauchten wir auch nicht. Einen Tag schaffen wir locker aus den Akkus.
Abends gab es dann noch die Steuermannsbesprechung, wir bekamen tolle T-Shirts und Geschenke und… ein schwarzes Bändchen. Dieser Trauerflor sollte am Achterstag gefahren werden, um der vor kurzem in unserem Revier verstorbenen Seglerin zu gedenken.

Samstag morgen:
Die angekündigten fünf Windstärken kamen in Form von Sonnenstrahlen und wolkenlosem Himmel daher. Jeder Regattateilnehmer lief im neuen T-Shirt rum. Als langsam alle nervös wurden und einer nach dem anderen ablegte, um Richtung Regattabahn zu fahren, löste sich nicht nur unser Päckchen auf, sondern auch der Benzinschlauchanschluss des Aussenborders unseres Innen-Nachbarliegers. Blupp, Motor aus. Meine Order: „Lass mal die Spring und die Leinen dran, wir schleppen euch raus“. Das ging ganz gut, obwohl das Hafenbecken quasi voller Segelschiffe war. Draussen an der Mole warfen wir dann die Leinen los und fuhren nördlich, um keinen Regattateilnehmer im Weg zu sein. Bedenkt: Das alles bei bestem Sonnenschein gegen 12:30 Mittags und kaum, nein, eigentlich kein Wind. Das von mir gezeigte Bild machten wir, während wir rückwärts trieben, obwohl der schwache Wind so gerade unsere Segel füllen konnte.
Es waren schöne, erholsame Stunden auf der Jade, bis wir dann zurück in den Hafen motorten und uns in das neue Päckchen, dieses mal an einen Trimaran (Sun) legten.

Sonntag:
Heute war mehr Wind, aber immer noch Sonne. Hochwasser sollte gegen halb drei sein, also fährt man danach los. Der Tri neben uns wollte eher los, dann aber doch nicht. Wir schon. Warum im Hafen liegen, wenn man auch draussen auf dem Wasser sein kann?
Natürlich war uns (wir und die Kairos) klar, dass wir nicht irgendwie eher da sein werden, aber wir wollten schon mal auf dem Weg sein. Na denn: Wir fuhren los, holten früh die Segel hoch und freuten uns, gegen den Strom noch Fahrt durchs Wasser zu machen. Kreuzen mussten wir ja auf jeden Fall. Wir hatten Bordwind, aber das Wasser war glatt. Klar, war ja noch auflaufend. Als dann die Tide kippte, nahm auch der Wind etwas zu, es gab die eigentlich am Freitag erwartete Hack-See: Kurze, hohe, spitze Wellen. Ging aber, war nicht bedrohlich sondern schön aufregend. Wie schon erwartet kamen aus WHV nach und nach alle anderen Segler und holten nicht nur auf, sondern überholten uns auch. Aber die Letzten waren wir bei dieser heimlichen Regatta nicht, als wir vor der Schleuse in Hooksiel warteten. Könnte natürlich auch daran gelegen haben, dass wir nach der Hälfte der Strecke die Maschine mitlaufen liessen: So konnten wir mehr Höhe laufen und mit 322 Grad Hooksiel fast direkt ansteuern…. 😉
Die Schleuse war so voll, dass nicht alle Boote reinpassten. Ich hoffe, wir haben uns nicht vorgedrängelt. Immerhin durfte noch ein relativ kurzes Boot (9m?) nachrutschen, nachdem alle etwas zusammengerückt sind.

Fazit:
Auf dem letzten Stück am Sonntag haben wir noch mal viel Erfahrung gesammelt und es ist immer wieder schön, wenn man feststellt, wie robust das eigene Boot eigentlich ist, welches uns nicht nur über Wasser hält sondern auch unser mobiles Heim und Schutz auf See ist. Das Boot kann definitiv mehr ab als wir und das ist gut so.

Als wir dann nach einem wirklich perfekten Anleger zwischen die Dalben auf unserem Liegeplatz Nummer 301 lagen, kam das Gewitter: Der Wahnsinn, sowas hatte ich in meinen 51 Lebensjahren auch noch nicht oft erlebt. In dem Moment war es noch kuscheliger, im trockenen, warmen Rumpf unserer Slocum abzuwettern.

Ein Bild von der 111-Jubiläumsregatta des WSC

Dieses Bild fand ich ganz schön und ist auch irgendwie passend (wenn man dabei war und weiss, dass sich quasi eine Stunde lang nichts an dieser Situation ändert… 🙂  ) Wir waren ja etwas nördlich vom Regattafeld, damit wir niemanden beim Tonne-Runden stören, kamen aber mangels Wind nicht unter Segeln näher ran. Im Gegenteil, wie viele andere auch, fuhren wir Rückwärts…

Jubiläumsregatta 111 Jahre WSC

Überführung 2019 – letzter Teil

Da ich mit dem zweiten Teil der Reisebeschreibung nicht bis zur Ankunft in Hooksiel kam und einen dritten Teil ankündigte, möchte ich das hier noch nachreichen. Die meisten wichtigen Details kennt ihr schon: Bei den Helden der See erwähnte ich, wie wir „im Jaich“ verliessen und gute 25 Meilen weiter habe ich den Heinrich-Punkt erklärt, sogar noch vor dem zweiten Teil, oder?

Wir hatten also den Heinrich-Punkt hinter uns und waren auf der Jade. An einem Punkt, an dem wir bisher noch nicht waren, weil wir ja sonst immer die Mittelrinne fuhren. Aber wir wussten, wo wir hin müssen: Immer dem Tonnenstrich folgen, bis vor der Tonne 37 die Tonne H3 zur Ansteuerung von Hooksiel kommt. Aber das waren noch sooo viele Tonnen. Egal, oder besser: Fein! Die Sonne schien, der leichte Wind kam östlich, also nicht verkehrt, wenn man mit auflaufendem Wasser in die Jade will, wir hatten nix auszustehen und brauchten nur noch segeln und geniessen. Angela machte uns einen Kaffee, danach habe ich auf der Cockpitbank ein Nickerchen gemacht, denn es war fast 13:00 und wir waren seit über sieben Stunden unterwegs. Das Nickerchen wurde nur kurz getrübt, weil die nächste Tonne nicht gleich gesichtet wurde. Aber gut, die sind dort draussen noch recht weit auseinander. Und viel zu schnell waren wir dann doch da, wo wir hin wollten: Nahe der H3. Bis zur nächsten Schleusung um 16:00 war es noch fast eine Stunde, aber wir wollten irgendwie nicht mehr rumsegeln, um die Zeit zu vertreiben. Also fuhren wir in den Vorhafen und sahen, dass dort schon einige Segler lagen und warteten, die „besten“ Plätze waren vergeben. Ich wollte dann dort festmachen, wo die Helgoland-Fähre immer liegt, aber irgendwie kam ich nicht nahe genug mit dem Heck an die Spundwand (und Angela hatte doch so super die Leine über den Landseitigen Poller geworfen!) und musste abdrehen; zweimal. Nun war es nur noch eine gute halbe Stunde und ich dümpelte einfach im Vorhafen rum. Eigentlich auch schön, aber man muss halt immer gucken und nach und nach kamen mehr Boote. Die Schleuse war anschliessend recht voll!

Die Schleuse ging auf, es kamen etliche Boote raus, es wurde grün und wir konnten als dritte rein. Dann rausschleusen, alle Boote dampften auf ihre Liegeplätze und Ende der Überfahrt. Eigentlich. Aber fairerweise erwähne ich, dass wir nicht einfach so in unsere Box abgebogen sind und festgemacht haben, sondern: Wir hatten seitlichen Wind und bei der Einfahrt war ich der Meinung: Das haut so nicht hin! Also abgebrochen, die Boxengasse weiter rein um zu wenden und einen neuen Anlauf starten. Angela stand derweil auf dem Vorschiff, Tampen bereit in der Hand. Und dann war ich überrascht, wie schlecht ich in der Gasse wenden konnte. Offenbar machte die Slocum nicht, was ich erwartete. Da muss man sich nach einer Winterpause doch selbst neu anlernen. Mit viel Ausdauer und Vorsicht schafften wir es, das Boot zwischen den Dalben zu wenden und fuhren erneut in unsere Box. Wenn man erstmal dazwischen ist, hat man ja das gröbste geschafft und der Nachbar stand schon da, um die Leine anzunehmen: Geschafft, in Hooksiel angekommen!

Der Heinrich-Punkt

Letztes Jahr war ich bei unserem Heinrich mit an Bord, um sein Segelschiff von Horumersiel nach Oldenburg ins Winterlager zu überführen. Horumersiel liegt ja nur etwas nördlicher in der Jade als Hooksiel, den Weg kannte ich also (Heinrich fährt normalerweise auch nicht durch die Kaiserbalje). Aber wie wir so  die Jade hochschippern, da erkenne ich, das er nicht durch die Mittelrinne, also den Bogen um den Turm Mellumplate fährt, sondern Luftlinie auf die Doppeltonne 13 des Weser-Fahrwassers zu. Und das klappte einwandfrei.

Diesen Punkt hat er letztes Jahr auf der Karte „gefunden“, weil sich offenbar die Wattenhügel dort jedes Jahr etwas zurück bilden. Wenn man ein, zwei ältere Karten hat, dann kann man das im Vergleich mit einer aktuellen Karte sogar gut erkennen. An den entsprechenden Koordinaten hatte Heinrich sich einen Wegpunkt in den Plotter gesetzt und diesen habe ich in mein iPad übertragen, hier:

Wenn man klickt wirds gross und man kann die Koordinaten lesen….

Daheim hatte ich mir das mit Openseamap und dem freien Chartviewer von Navionics (wegen der Wassertiefe) angeschaut und da dieser Kurs nicht nur einfacher zu steuern sondern sogar etwas kürzer war, wollte ich ihn dieses Jahr auch mal fahren. Ich habe das im Artikel zur Überfahrt ja schon kurz angerissen: Sowas ist immer spannend!

Angela und ich näherten uns der Doppeltonne 13, mussten also das Fahrwasser queren. Da war es noch ordentlich tief. Vorher hatte ich Standlinienpeilungen am PC gemacht, die mir einen fahrbaren Korridor lieferten. Ich wollte möglichst dicht an die Tonnen heranfahren, weil das der Startpunkt für diesen Korridor ist. An Bord legte Angela noch die Seekarte bereit und trug sowohl den Heinrich-Punkt als auch die Kurslinie ein. 210° ergab das (unkorrigiert) von Tonne 13 aus. Mir war klar, das ich den nicht würde halten können, dafür schob die Tide schon zu sehr, wir waren ja immerhin eine Stunde nach NW „Alte Weser“ dort, das Wasser lief wieder auf (das wollte ich unbedingt so!). Aber als Anhaltspunkt ein guter Ansatz.
Also fuhren wir zunächst ab den Tonnen Kompasskurs und dann achtete ich darauf, das unsere Kurslinie in Navionics am iPad immer auf den Wegpunkt zeigte. Der Kompasskurs schwankte dadurch, war meist etwas drüber (217…). Ich wusste nur, dass wir bzw. die Slocum an dieser Stelle auf jeden Fall darüber kommen sollten, immerhin war ich im Herbst letzten Jahres auf einem anderen Schiff am selben Ort und dort sah ich selbst noch reichlich Wassertiefe am Echolot.
Wir näherten uns dem Punkt und die Wassertiefe ging zügig von 15+ auf unter 5 Meter. Wir hatten Groß und Fock hoch, aber der Motor lief mit, für alle Fälle (und eine Halse musste auf Grund des Kurswechsels ja auch noch kommen). Noch bevor wir das Fahrwasser querten, ging unsere Fahrt von gut 7 Knoten auf unter 4 runter, so konnten wir uns quasi an den Heinrichpunkt herantasten. Vorher hatte ich noch Angela erklärt, ich würde über Steuerbord wegdrehen, wenn irgendwas unklar und komisch käme, denn dort würde es wieder tiefer werden. Angela und ich starrten aufs Echolot, aufs iPad, auf die See (war da nicht ne Kräuselung?) und uns gegenseitig an: Mann, war das aufregend!
Nasa Target2 Echolot: 4.9, 4.8, 4.5… 4.2… uuund: Laut GPS waren wir über den Heinrich-Punkt hinweg, geschafft! Nun hatten wir diesen magischen Punkt, wir waren faktisch in der Jade, das Tiefwasser kann kommen!

Dachten wir. Unser Echolot zeigte tieferes Wasser, wurde aber wieder flacher… hä? 4.4, 4.2, 3.9, usw. Was ist da los? zweiachtzig, zweizwanzig, achduscheisse! Da ich keine Ahnung hatte, in welche Richtung ich steuern sollte, um tieferes Wasser zu kriegen, nahm ich Gas weg und fierte die Schoten, um möglichst Fahrt aus dem Boot zu nehmen. Ich wollte nicht mit Schmackes irgendwo gegen… das Echolot fiel weiter: 1.9, 1.7, 1.5, 1.3 und dann 1.1, wirklich kein schönes Gefühl. Ich sah uns schon langsam auf die Seite kippen und die Option, schnell den Anker zu werfen, die kam mir nicht (hätte vermutlich auch kaum was genutzt, oder wie schnell soll die kurze Kette Halt liefern?) geschadet hätte es aber auch nicht, und wir hätten auf mehr Flut warten können, ohne massive Schräglage befürchten zu müssen. Was man eben als Grübler alles denkt in solch einer Situation. Immerhin habe ich in aller Eile einen Waypoint am iPad gesetzt, um diese Stelle zu markieren, hier seht ihr es:

Der neue Heinrichpunkt

Um die Spannung rauszunehmen: Flacher als 1,10m (unterm Kiel wohlgemerkt) wurde es nicht und wenn man recht Süd steuert, macht man nichts falsch. Aber bedenkt: Wir waren eine Stunde nach NW dort, könnte also auch knapp werden. Dazu noch ein Aber: Es war auch Vollmond, also Spring, und einige Tage Ostwind. „Normal“ sollte es also auch locker passen.

Danach habe ich aber erstmal Angela die Anleitung vom Echolot gegeben, damit sie die Kieldifferenz dort wieder rausnimmt. Denn ich kann mit der Wassertiefe viel besser umgehen als mit dem Wasser unterm Kiel. Die oben angegebene Wassertiefe beträgt also jeweils einen Meter mehr 🙂

Und von dort aus ist man wirklich flott vor der H3 von Hooksiel, das Stück Jade ging viel schneller als sonst. Gut, wenn man z.B. die Schleuse noch erwischen will…

Horumersiel – Elsfleth

Holger

Heinrich (ja, das ist der Namensgeber der Heinrich-Brücke) liegt mit seinem Segelboot den Sommer über in Horumersiel. Das ist ein Stück nördlicher an der Jade als Hooksiel. Auch er wollte sein Boot zurück ins Winterlager holen und er segelt oft allein. Ich erfuhr vorher, dass er plante, letzten Sonntag Abend loszufahren, weil da eben die Tide passt. Und dann wollte er die Nacht über bis nach Bremerhaven segeln. Also bot ich ihm an, mitzufahren, denn vier Augen sehen mehr, was gerade im dunkeln wichtig ist, weil man die grünen unbeleuchteten Tonnen wirklich nur sehr schwer erkennen kann. Wir machten eine Startzeit ab und rechtzeitig hat Angela mich dort hin gebracht. Vorher gab es natürlich noch eine Schleusenpommes beim Vorhafen von Hooksiel.

Niedrigwasser sollte so gegen 22:40 sein, deswegen wollte Heinrich spätestens 20:30, lieber eher, los. Wer Horumersiel nicht kennt: Es führt ein Prickenweg von der Jade dorthin und bei NW fällt das alles trocken. Selbst Heinrichs Peqoud mit ihren Kimmkielen und knapp nen Meter Tiefgang (Westerly Centaur 26) muss da gucken, ob es passt. 20:10 warfen wir die Leinen los und ich stellte mich aufs Vorschiff. Es war schon dunkel und so half ich, indem ich mit einer Taschenlampe die Pricken suchte und anstrahlte. Nach 20 Minuten waren wir in tiefem Wasser und Heinrich sagte, viel später hätten wir auch gar nicht fahren dürfen, an der Barre war es schon knapp. Was schön war: Es war super mildes Wetter, das Wasser wirkte wie Öl, so gut wie keine Wellen und noch warme Luft, und das Mitte Oktober! Was nicht schön war: So wenig bis kein Wind, dass es sich nicht lohnte, ein Segel auszurollen. Aber da Heinrich sich entschieden hat, sich um seinen Motor (Volvo Penta MD2B) keine Sorgen zu machen, tuckerten wir Sorgenfrei mit dem ablaufenden Wasser grob Richtung Aussenweser.

Aber, wie ich erfuhr: Heinrich fährt nicht durch die Mittelrinne (den grossen Bogen um das Feuer Mellumplate mit den M-Tonnen, wie hier beschrieben) sondern quasi fast Luftlinie zur Doppeltonne 13 des Weserfahrwassers, irgendwo zwischen Jade und Mittelrinne. Es gab nur Kommunikationswirrungen zwischen Heinrich und mir, weil er seinen Wegpunkt im Plotter aus irgendeinem Grund „Tonne 9“ genannt hat 🙂

 

Auch fahrbar, dieser Weg

Auf dem Bild (wie immer: Anklicken für grösser) ist der Törn von Hooksiel aus geplant, aber es geht ja direkt an Horumersiel vorbei, gilt also für beide. Dieser Weg ist in der Tat fast zwei Meilen kürzer, das hätte ich nicht gedacht! An der Stelle, wo ich im Bild den roten Kreis eingezeichnet habe, hatten wir etwas vor Niedrigwasser (wir waren ja nach nur einer Stunde Fahrt dort!) noch locker 3m Wasser unterm Kiel. Diesen Weg werde ich nächstes mal auch nehmen, denn in der Mittelrinne muss man schon ganz schön gucken, dass man aufm Weg bleibt, auf beiden Seiten wird es schnell flach und die M-Tonnen sind weit auseinander. Ich muss dann nur sehen, dass ich die Koordinaten vom Kreis erwische, denn laut Karte ist auch da auf beiden Seiten nicht viel Wasser. Aber auf jeden Fall hat man nun zwei Möglichkeiten, die man sich ggf. ja auch je nach Windrichtung aussuchen kann, um zu segeln.

Wie schon erwähnt waren wir bereits um 21:30 dort oben, eigentlich zu früh. Aber so ist das in diesem Revier: Später hätten wir wegen dem Prickenweg nicht los gekonnt, die Alternative wäre nur Ankern gewesen. Damit hätte man keine Zeit aber Diesel gespart.
Wir tuckerten mit 3,2 Knoten die Aussenweser Richtung Bremerhaven, eben noch etwas gegen an. Dafür freuten wir uns alle halbe Stunde, wenn es wieder ein zehntel Knoten schneller ging. Später hatten wir locker sieben Knoten. Heinrich achtete darauf, dass wir immer knapp ausserhalb des Tonnenstrichs blieben, denn auch Nachts fahren die dicken Pötte auf der Weser, denen wir nicht im Weg sein wollten! Die Zeit wurde nicht langweilig, weil wir immer wieder nach den unbeleuchteten Tonnen Ausschau hielten (ungefähr jede Zweite ist ohne Feuer und das Grün nachts fast schwarz und nur wenige Tonnen reflektieren). Die Buhnen-Tonnen blinken ihr „Ost“ erst, wenn man schon an der langen Kaje mit den dicken Pötten vorbei fährt.

Nach sechs Stunden waren wir an der Columbus-Kaje vorbei und hatten den Zoo am Meer querab. Aber noch lief das Wasser auf, also warum nicht weiter? Hochwasser in Elsfleth war erst gegen 6:50, das war noch lange hin. Und da wir den Pinnenpiloten steuern liessen, musste keiner von uns permanent an der Pinne sitzen. So schön das ist, kann das manuelle Steuern auch anstrengend sein. Wir machten beide Ausguck und verglichen die Realität, die wir erkennen konnten, mit den Daten auf dem Plotter.

Zwischendurch gab es mal ne Kanne Tee und wir schafften die Fahrt bis Elsfleth über Nacht zwar am Ende müde aber nicht fix und fertig. Solche Nachtfahrten haben ja auch immer ihren Reiz und die Huntemündung Nachts ist auch schon ein kleines Erlebnis, was da so alles leuchtet… um halb sechs machten wir fest am Steg vom Stadthafen Elsfleth und hauten uns erstmal in die Kojen. Wir hatten Zeit bis nach halb Zwei, dann war Niedrigwasser durch.

Schlafen konnte ich aber nur wenige Stunden, dann wurde ich einfach wach. Die Sonne schien aber auch herrlich draussen! Heinrich ging es ähnlich. Irgendwann funkte er dann die Eisenbahnbrücke in Elsfleth an und als die sagten, gleich könne man öffnen, da legten wir wieder ab, die Hunte nach Oldenburg hoch. An der Eisenbahnbrücke OL mussten wir ne halbe Stunde warten, um die Öffnung um 16:40 zu bekommen und ein wenig später konnten wir im Stadthafen am Steg unseres OYC festmachen.

Wangerooge-Hooksiel Teil 2

Holger

Nun kamen die Tonnen der Telegraphen-Balje: T4, T6, T8. Immer schön an Backbord lassen. Aber da ist das Wasser ja auch noch ausreichend tief. Doch auch bei der Dreier-Pricke, der Beginn des Prickenweges, war noch ausreichend Wasser. Ganz im Detail weiss ich es nicht mehr, aber die flachste Stelle war später irgendwo mit 0,4m unterm Kiel. Und etwas Welle hatten wir ja auch. Ich bemühte mich, immer hinter Tim zu bleiben, da er mit seinen 1,3m Tiefgang jedenfalls fast so tief wie wir waren. An Steuerbord segelte derweil ein offensichtlich flachergehendes Boot vorbei, auch nett anzusehen. Ein paar Boote fuhren gleich von Anfang an ziemlich Südsüdost, als wenn die direkt auf Schillig zuhalten. Mag sicher bei denen gehen, die unter einen Meter sind und/oder einen Schwenkkiel haben. Wir nicht: Wir haben die Pricken mit der Fock gestreichelt.

da sind die drei Pricken

Kurz vor der Blauen Balje macht der Prickenweg noch nen Zickzack-Schlag, da muss man dann auf wenig Raum die Fock auf die andere Seite kriegen, und wieder zurück. Danach wird es aber schnell erstmal wieder ordentlich tief.
An Minsener Oog vorbei war ich etwas verwundert: Für mich allein hatte ich ausgeknobelt, das ich ziemlich dicht am „Strand“ vorbei fahren werde. aber Tim nahm das äussere Fahrwasser… ich bin dann einfach hinterher, wird schon richtig sein. Die letzten fünf Pricken vor der Jade machen noch mal einen nördlichen Knick, aber das schnibbelten wir und fuhren direkt in die Jade ein. Das alles hat mal gerade anderthalb Stunden gedauert, nicht mal.

Nun mussten wir noch bis Hooksiel kommen. Im Grunde hatten wir alle Zeit, denn die nächste Schleuse war ja erst gegen 14:00, es war gerade 12 Uhr irgendwas, wir hatten noch 6sm vor uns und das auflaufende Wasser schob uns. Weil aber der Westwind gerade ziemlich aufbriste, eine damit unangenehme See entstand und vor uns eine riesige dunkle Gewitterwolke von West nach Ost zog, wollte ich nicht bummeln und gewonnene Zeit lieber im Vorhafen warten.
Mit der Gewitterwolke hatten wir wirklich Glück: Sie zog vor uns vorbei, wir bekamen keinen (Regen-)Tropfen ab und dahinter kam schon etwas Sonne. Windig war es aber noch immer.

Und als ich so die Tonne H3 ansteuere (was ich auch bei Hochwasser mache, um mir keine doofe Schnibbelei dort anzugewöhnen) da sehe ich: Die Brücke der Schleuse geht hoch! Kurzer Blick auf die Uhr: 13:06 Uhr. „Schatz, guck, die schaffen wir noch!“ Hebel nach unten und los, so knatterten wir mit 5 Knoten in den Vorhafen. Hinter uns kam noch ein Segler. Das passte so genau, dass wir direkt in die Schleuse fahren konnten und der hinter uns auch noch reinpasste. Fein! Viel besser, als eine Stunde draussen zu warten 🙂

Binnen war, wie wir es schon kennen, eine andere Welt: Kaum Wind, die Sonne schien, alles ruhig. Leider verpassten wir durch die frühere Schleusung Freunde, die uns dort begrüssen wollten. Auf jeden Fall hatten wir unsere Urlaubsreise somit abgeschlossen und irgendwie war das ja auch fast „Rund Wangeroog“….

Wangerooge-Hooksiel

Holger

Irgendwann muss man mal zurück. Sonntag, den 26.08. war es für uns so weit. Unser Urlaub war zu Ende, das Wochenende auch, also ab nach Hooksiel. Ich war schon mal im Wattengebiet unterwegs, Angela noch gar nicht.
Auf jeden Fall habe ich grossen Respekt vor dem Prickenweg. So schön es ist, muss man doch recht pingelig planen und sich auch an die Pricken halten, die einem den Weg anzeigen. Und wir haben 1,45m Tiefgang. Zwar wird einem jeder alte erfahrene Skipper sagen „Ha, datt iss ja nix, wir sind damals mit…“, aber wenn man es selber noch nie auf eigenem Kiel gemacht hat, dann hilft einem solch ein Geprahle auch nicht weiter…

Auf keinen Fall wollte ich wieder aussen rum. Gründe dagegen gab es genug: Draussen war auch Dünung, der Weg war länger, man müsste bei recht flachem Wasser durch Seegatt und so weiter: Nee nee. So knobelte ich am Samstag über der Karte, mit Tidenkalender und den „Anweisungen“ von Helmut (einem erfahrenen Wangerooge-Fahrer, mit dem ich mich am Abend vorher allerfeinst unterhalten habe) an der Seite und im Kopf und kam zu dem Schluss, dass wir idealerweise um 10:57 Uhr starten müssen, um gut über die Telegraphen-Balje und innen an Minsener Oog vorbei zu kommen.

Da kommt Angela vom Duschen wieder und sagt: „Rate mal, wen ich getroffen habe!“ Offenbar eine rethorische Frage, denn woher sollte ich das wissen? Aber sie sprudelt gleich weiter, ich kürze das mal hier ab: Sie traf eine, die sie von Hooksiel kannte, weil die da mit ihrem Boot, der White Pearl (ja, echt), lagen, aber eigentlich in Wilhelmshaven liegen und die wollten morgen zurück (in die Jade, wo wir auch hin wollen) und die wollen um elf los.
Sag ich doch!
Und gerne dürfen wir sie begleiten.

Am nächsten Vormittag kam Tim gegen 10:44 zu mir und sagte: „Was sollen wir noch warten, Wasser ist genug da, lass uns los!“. Und da hatte er recht. Durch die westlichen Winde sind locker 20cm mehr Wasser aufgelaufen, also: Leinen los.
Ich hatte mir ein schönes Manöver ausgedacht, um sauber vom Steg weg zu kommen (Eindampfen in die Achterleine aussen belegt), aber alle anderen besorgten(?) Skipper warfen sich gegenseitig meine Leinen zu, so dass ich quasi vom Steg wegmanövriert wurde, ohne selbst viel zu tun. Man könnte sich fragen, ob die ihre eigenen Boote schützen wollten oder einfach nur helfen… nee, das fragt man nicht. Sehr nette, kameradschaftliche Leute!
Interessanter Nebeneffekt, wenn man ablegt: Auf einmal sind alle in Aufbruchstimmung, als wenn einer nur den Startschuss geben muss…

Hafeneinfahrt bei Niedrigwasser

Tim wies mich noch darauf hin, dass er durchaus auch segeln wollte, aber klar: Auch wenn die Maschine schiebt, kann die Fock ja noch etwas helfen. Ausserdem ist es etwas ruhiger an Bord, wenn ein Segel steht und cooler ist es so wie so 🙂

Bei der Ausfahrt aus dem Hafen wurde mir noch mal mulmig, weil es da eine flache Stelle gab (0,9m unterm Kiel, vielleicht sollte ich das Echolot erst später einschalten). Aber dann bogen wir nach Osten Richtung T-Tonnen ab.

Teil 2 findet ihr hier

Nach Wangerooge 1

Holger

Angela und ich hatten zwei Wochen Urlaub und wollten Richtung Holland segeln.  Leider bekam Angela Probleme mit dem Ohr, damit wollten wir vorsichtshalber nicht lossegeln. Also haben wir kurzentschlossen ein Wochenende mit „Kiel-Oslo-Kiel“ verbracht. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt! Schon allein das Fram- und das KonTiki-Museum waren es wert (Sollte ich darüber noch mal einen kurzen Bericht schreiben?).

So kam es, dass wir nur das Ende unserer geplanten Fahrt durchgeführt haben: Wangerooge auf eigenem Kiel. Das ist sowohl für uns als auch für unser Schiff was besonderes. Für die Slocum, weil sie dort gebaut wurde und weil der Vorbesitzer immer gern vor Wangerooge Ost geankert hat (so erzählt es uns jeder, der Peter kannte) und für uns, weil wir dort noch nie auf eigenem Kiel waren.

Törnplanung Hooksiel – Wangerooge aussen rum

Auf Grund der Tide sind wir „aussen rum“ nach Wangerooge gefahren: Erst die Jade hoch und oben, so ca. bei Tonne 17, nach Westen. An diesem Punkt kommt man dann auch an der langen Buhne von Minsener Oog vorbei. Niedrigwasser sollte dort gegen 16:00 sein. Das bedeutet, wir können mit dem ablaufenden Strom rausfahren, müssen dann aber, nördlich von Wangerooge, etwas gegenan.
Ob gut oder nicht weiss ich nicht, aber unsere Zeitplanung ging nicht ganz auf: Wir nahmen die 14:00-Schleuse (was auch problemlos und schnell klappte), kamen dann aber überraschend nicht aus dem Vorhafen raus, weil dort das Baggerschiff Seekrabbe seine Arbeit verrichtete. Schön, dass die Rinne dort immer frei gehalten wird, aber für uns bedeutete das: erstmal warten. Mit uns drehten noch zwei andere Segler ihre Kreise im Vorhafen. Relativ flott gegen 14:30 kam das Baggerschiff dann rein und wir konnten raus. Durch diese kleine Verzögerung (und weil wenig Wind war, wir hatten meist Maschine mitlaufen) war das Niedrigwasser schon vorbei, bevor wir ganz oben waren und mussten dann gegen den Strom weiter. Was aber auch gut war, denn: Wenn wir durchs Harle-Seegatt wollen, müssen wir bei ca. Tonne H4/H6 über die Barre, wo bei NW nur wenig Wasser steht (stehen soll, laut Karte etc.).

So tuckerten wir der Sonne entgegen und die Fahrt dauerte (ab dort gen Westen zeigte das GPS im Mittel 3,3 Kn) etwas länger als geplant. Zumal ich gerne den Motor aus habe… was solls, wir wollen ja segeln!

Weiter mit Teil 2

Bremerhaven – Hooksiel

Holger

So, um solch einen Törn vollständig zu beschreiben, kommt nun auch noch die andere Richtung. Wie zu erwarten ist sie fast identisch, aber es gibt ein paar Besonderheiten:

Wenn man bei Bremerhaven die Weser rausfährt, kommt man ja an der Columbus-Kaje vorbei, wo neben Kreuzfahrtschiffen auch riiieesige Frachtschiffe zum Ent- und Beladen liegen. Und hier müssen Sportboote die westliche Seite des Fahrwassers benutzen, also immer am grünen Tonnenstrich entlang! Da man ja kurz nach Hochwasser hier lang fährt, um den Tidenstrom zu nutzen, hat man auch immer genug Wasser unterm Kiel. Da kann man sich fast schon an den Buhnentonnen orientieren. Aber Segeln bei allen Winden sollte man dort dennoch nicht, denn meines Wissens ist auch Kreuzen dort untersagt. Es ist halt relativ eng und man muss ja auch mit Gegenverkehr rechnen. Nun, die Kaje ist fünf Kilometer lang und danach kommen auch rote Tonnen, an denen man sich orientieren kann, indem man die Fahrwasserseite wechselt. Ach ja: Wenn ihr dort nicht nur die Segel hoch sondern auch den Motor mitlaufen habt, dann setzt den Motorkegel. Die WaSchPo ist nicht weit und schnell da. Wir haben uns eh angewöhnt, (fast) immer den Kegel zu setzen.

Die Startzeit in Bremerhaven plant man auf das Niedrigwasser beim Leuchtfeuer „Alte Weser“. Es sind zwar gut 26 sm von BHV bis zur Tonne 13, aber Dank Tidenstrom geht das durchaus in drei bis vier Stunden.

Wer noch nie vorher dort war: Ich fand die Betonnung der Weser klar erkennbar, auch wenn es dort recht viele Seezeichen gibt. Westlich sind ja die Untiefentonnen, welche die Buhnen markieren. Dass östlich noch die Tegeler Rinne als weiteres Fahrwasser verläuft, habe ich aber nie wahrgenommen. Erst in der Karte fiel mir das mal auf. Dort sind aber auch sehr wenige Tonnen.

Auf der Weser, deren Fahrwasser dort „Hoher Weg Fahrwasser“ und „Fedderwarder Fahrwasser“ heisst, fahren neben kleineren Kümos, Arbeitsschiffen und Zubringern auch durchaus grosse Pötte mit beachtlicher Geschwindigkeit. Deswegen immer gut Ausguck halten, einige machen echt grossen Wellen (die riesigen Kastenförmigen Autotransporter machen komischerweise so gut wie keine Welle), die kleinere Boote schon gut durchschaukeln können. Und dann kommen dort Abschnitte, wo es so ziemlich direkt neben dem Fahrwasser schnell flach wird. Wie man auf dem Bild einigermassen erkennen kann, geht der Kurs so ziemlich Nordwest. Das bedeutet: Bei einer 5 aus NW wollt ihr da nicht mehr sein, Wind gegen Strom ist dann einfach zuviel Hack! Wir waren bei einer guten 4 da und hopsten auch schon ganz schön…

Aus der Ferne wird man schnell den Windpark „Nordergründe“ erkennen können (im Bild schwarz gestrichelt), den lassen wir links liegen und werden diesen auch nicht hinter uns lassen, denn: Bald kommt die rote Doppeltonne 16, oder noch besser; wir konnten vorher schon die Fahrwasserseite wechseln und sehen die grüne Doppeltonne 13. Spätestens dort können wir nach Westen zur Mittelrinne wechseln. Da muss man dann scharf Ausschau nach der roten Spierentonne M4 halten, die man (zumindest mit 1,45m TG) nicht westlich runden muss. Dort, in der Mittelrinne, hat man schon wieder südlichen Kurs und orientiert sich an den M-Tonnen. Bei guter Planung hat man genau jetzt wieder auflaufend Wasser und fährt mit dem Strom. Wind, der vorher nicht so günstig war, ist jetzt perfekt 🙂
Im grossen Bogen fährt man um den Leuchtturm Mellumplate und in der Jade, spätestens bei der M14 hat man wieder freie Fahrt.

Bei klarer Sicht sieht man früh die Muschelbänke und die Kaje der Raffinerien. An den weit ins Wasser ragenden Anlagen müssen wir nicht vorbei, wenn wir nach Hooksiel wollen. Bald schon kann man die Tonne H3 suchen, diese östlich runden und den Vorhafen über die Sichtzeichen (zwei Dreiecke übereinander bringen) ansteuern, Kompasskurs müsste 276 Grad sein. Steht auch in einigen Seekarten.  Dank auflaufendem Wasser sollte es hier aber nicht mehr all zu flach sein, ein Auflaufen ist recht unwahrscheinlich.

Achtet aber beim Ansteuern des Vorhafens auf den Querstrom, der euch „nach links“ schieben will! Immer gut auf die rechte Seite der Einfahrt zuhalten, dann sollte es passen. Lieber etwas mehr Gas geben (die Segel habt ihr ja schon vorher eingeholt, richtig?).

Wenn ihr merkt, dass ihr nach 11:00, aber weit vor 14:00 im Vorhafen sein werdet, dann entspannt euch und segelt noch etwas auf der Jade. Denn in dieser Zeit wird nicht geschleust.
Nachtrag: Es gibt Ausnahmen, z.B. mal eine 13Uhr-Schleusung. Ich weiss nun, dass das öfter mal vorkommt…