Die Saison geht zu Ende

Endlich haben wir es auch geschafft, unser Boot liegt wieder in der Nähe 🙂

Am Sonntag sind der Ehemann und ich in Hooksiel aufgebrochen um die Slocum nach Hause zu holen.
Geplant war die Überfahrt schon für letztes Wochenende, aber meistens kommt es anders als man denkt.

Die Überfahrt war problemlos. Nur in der Schleuse hab ich mich auf dem rutschigen Schwimmsteg abgelegt! Hui, was für ein Schreck! Aber es ist alles heile geblieben (außer meinem Stolz).

Auf der Jade schien sogar die Sonne. Ab der Weser zog der Himmel zu. Der Wind nahm vor Bremerhaven merklich ab. Alles lief so gut, dass wir uns entschlossen bis Elsfleth durchzufahren. Der Ehemann bereitet unter Deck eine kleine Mahlzeit zu, so blieben wir warm.

Hinter Nordenham fing es leicht an zu regnen. Da waren wir bereits knapp 8 Stunden unterwegs…

Bei Sandstedt wurde es langsam dunkel. Zum Glück sind die meisten Tonnen auf der Weser beleuchtet. Es regnete immer noch leicht.

Vor Brake kippte die Tide. Wir hatten Stillwasser und fast Windstille! Die Sonne hatte bis dahin einen zauberhaften Sonnenuntergang beschert. Nun war es komplett dunkel. Keine Sterne, kein Mond am Himmel, nur Wolken und leichter Regen.

Es wurde immer später und die Weser strömte gegen uns. Wir riefen den Sohn an, ob er uns wohl später aus Elsfleth mit dem Auto abholen wollte.
Außer uns schien kein Boot auf der Weser unterwegs zu sein.

Es wurde noch mal spannend, als wir in die Hunte abbiegen wollten! Das Sperrwerk ist so beleuchtet, dass mich die ganzen Lichter verwirrt haben! Ich hätte die Einfahrt verpasst, aber der Ehemann fuhr sicher durch das Lichtermeer. Dann tauchte vor uns endlich der Steg des Stadthafens auf.

Nach dem Erlebnis am Morgen hatte ich keine Lust mehr auf den Steg zu springen! Wir besprachen unsere Vorgehensweise während einer Ehrenrunde und legten das perfekte Anlegemanöver hin! Leider hat es zu der späten Stunde keiner gesehen 🙂

Tatsächlich erschien der Sohn mit dem Auto und brachte uns nach Hause. 12 Stunden auf dem Wasser, das ist Rekord für uns 🙂

Und schon wieder Wilhelmshaven

Wir waren doch neulich erst in Wilhelmshaven? Ja, genau! Und nun schon wieder. Die Entscheidung wurde uns relativ leicht gemacht:

  • Freitag Abend war das Sommerfest vom OYC, da konnten wir nicht nach Hooksiel zum Boot
  • Wilhelmshaven bzw. die Nassaubrücke ist ideal für einen kurzen Wochenendtörn, weil nahe bei und gut zu erreichen
  • In Wilhelmshaven war der Tag der Niedersachen
  • Die Tide passte perfekt

Also haben wir Freitag schön beim Bootshaus gefeiert, sind Samstag früher hoch als unseren Partygeschundenen Leibern gut tat und haben tatsächlich die 11-Uhr-Schleuse kriegen können. Hochwasser WHV sollte um 12:09 sein, also wäre die Schleusung eine Stunde eher seemännischer gewesen (aber StVO-mässig nicht vertretbar). Egal, sechs Knoten lagen immer an, und so schafften wir den Schlag in knapp zwei Stunden. Die Maschine lief mit, weil der schwache Wind aus Ost uns nicht allein nach vorne schieben konnte. Dafür wurden wir von Regen verschont, obwohl es angekündigt war. Von Liegeplatz zu Liegeplatz beträgt die Strecke übrigens exakt 11 Seemeilen, aber die Zeit messen wir eigentlich erst ab Hooksiel Vorhafen, weil das Schleusen ja doch immer etwas dauert. Na gut, dieses mal wollten nur zwei Boote raus und es ging flott…

die „Insel“: Ein Tankanleger in der Jade, siehe Fussnote

Das Seestück die Jade hoch war nicht so wild und wir sind wie fast immer westlich von der „Insel“ geblieben. Erst beim Anlegen an den Steg vom WSC wurde es wieder etwas spannend, weil der Wind von hinten uns rein in die Box und etwas seitlich drückte. Netterweise stand schon jemand bereit und nahm eine Leine an. Nach dem Ausbringen von Spring etc. (es sollte noch aufbrisen) gönnten wir uns ein Anlegebier und ich kochte Bratkartoffeln mit frischer Bratwurst (die kaufe ich vorher, friere sie ein und diese dient uns dann als Kühlakku bis zum Verzehr). Etwas ruhen, etwas aufhübschen und Angela zum Hafenmeister schicken, wir wollen ja bezahlen. Überraschung: Unser Boot ist grösser geworden! Dank der besten Ehefrau von allen hatten wir ein 35Fuss-Boot, auch mal klasse 🙂

Dann hatten wir uns aufgemacht, den Tag der Niedersachsen zu erkunden. Angela hat schon vorher festgestellt, wo wir auf jeden Fall hinwollten: Die Dire Strats, eine sehr bekannte Cover-Band, war für 20:00 auf Bühne 2 angekündigt. Wir latschten tapfer die Meilen ab, die zwischendurch auch sehr informativ waren, tranken noch nen Kaffee auf dem/der Wal (das Eisbrecherdampfschiff, männlich, oder?), ich holte mir noch ein Stück Pizza und entgegen der Erwartung fing die Band nicht erst weit nach 20 Uhr an, sondern schon 30 Sekunden vor Acht (nach meiner Funkgenauen G-Shock). Die Band war wie erwartet sehr gut, aber meiner Meinung nach schon  zu perfekt und genau. Nach exakt einer Stunde gab es eine Pause und dann spielten sie weiter. Angela und ich schafften unser drittes Bier und machten uns dann auf den (langen!) Rückweg

(mein Mac(!) kackte gerade ab und bevor ich hier alles aus Wut lösche, schreibe ich lieber morgen weiter.)

Fussnote (siehe Bild oben):
Die Insel ist ein künstliches Gebilde westlich des Jade-Fahrwassers. Man kann problemlos „innen“ durch, Raum ist dort genug und man stört keinen. Wenn man kreuzen muss, hilft dieses kleine Stück enorm. Koordinaten sieht man im Bild, aber wenn man vor Ort ist, wird man die Anlage nicht übersehen.

Fast ne Nachtfahrt

Wir hatten ja das Himmelfahrts-Wochenende in der „Marina Bremerhaven“ verbracht, es war eine Ausfahrt vom OYC. Die Marina im Fischereihafen ist toll, ich werde demnächst einen eigenen Beitrag darüber schreiben. Aber erstmal das hier.

Wie wir zwischen Hooksiel hin und her fahren, brauche ich wohl nicht mehr zu beschreiben, das gibt es hier ja mittlerweile zur Genüge. Wer das nachlesen will: Einfach das Suchfeld oder die Tag-Wolke links verwenden.
Weil Angela doch so gern mal bei Nacht fahren möchte, ergab sich nun eine gute Gelegenheit dafür. Nicht ideal, aber immerhin sollte es bei Abfahrt Nacht und Dunkel sein: Die Tide war so, dass beim Alte Weser-Leuchtfeuer um ca. 6:30 Uhr Niedrigwasser war. Also muss man in Bremerhaven zwischen zwei und drei Uhr in der Nacht losfahren. Wir lagen im „Neuen Hafen“ im Jaich am Kopfende von Steg C. Da wir erst gegen 21:55 angelegt hatten, würden wir nur vier Stunden bleiben. Angemeldet hätten wir uns dennoch, wenn das Büro noch besetzt gewesen wäre. War aber nicht, aber für die paar Stunden machten wir uns keine Gedanken. Eine Schleusung „zur ungewöhnlichen Zeit“ muss man nicht extra lange vorher ankündigen, das war mir noch von unserer Überfahrt an Ostern bekannt . Die kleine Schleuse wird ausserhalb der Betriebszeiten von der Kaiserschleuse über Ch 10 fernbedient. Dort ist immer jemand und ggf. eine halbe Stunde vorher kann man ruhig Bescheid sagen, das ist gut für die Planung. Machte ich. Oder besser: Versuchte ich. Dreimal mit Abstand von einigen Minuten habe ich die Schleuse angefunkt, aber keine Antwort. Beim vierten mal, es war schon 2:38 Uhr, eine Reaktion: „Was fürn Boot seid denn ihr?“ kam als Rückfrage (meine Vermutung: Der Diensthabende hatte ein verdientes Schläfchen gemacht und musste erstmal Zeit gewinnen, um sich zu orientieren). Egal: Wir sollten rankommen und er würde dann gleich öffnen. So geschah es auch. Die Schleuse ist sehr gut ausgeleuchtet und Dank solider Schwimmstege kein Problem. Und wir hatten die Schleuse für uns allein…

Die wahre Nachtfahrt begann dann, als wir aus der Schleuse raus fuhren. Ich weiss nicht, ob Angela nervös war, aber konzentriert angespannt war ich auf jeden Fall. Ich bin schon einige Male Nachts gefahren und mit etwas Übung ist das sogar einfacher als Tagsüber, denn es ist weniger Verkehr und alles Wichtige ist ja beleuchtet 🙂
Man muss nur die Lichter auseinander halten können und natürlich insbesondere auf die Betonnung achten. An der Columbus-Kaje sind alle grünen Tonnen (auf deren Seite Sportboote dort fahren sollen) beleuchtet und dahinter die erste rote Tonne auch. Kein Problem, besonders, wenn man die Tonnen am Plotter schon mal „vorverorten“ kann.

An der Kaje selbst ist es schon beeindruckend im Dunkeln, weil sowohl die Kräne als auch die  riesigen Schiffe sehr üppig beleuchtet sind. „Schon“ um 5 Uhr war Sonnenaufgang und wir waren aussen auf der Weser live dabei. Auf dem Foto sieht man zum einen Wremen weit hinten am Horizont als auch die Tonne im Tidenstrom (ca. 2,5kn an der Stelle). Über den Revierfunk wurde schon früh die Einfahrt der Mein Schiff 2 angekündigt und irgendwann schob sie sich majestätisch langsam an uns vorbei, die fuhren ja gegenan.
Und weil über den Revierfunk verkündet wurde, dass das Niedrigwasser drei Dezimeter geringer ausfällt als üblich, haben wir auf den Heinrich-Punkt verzichtet und sind ganz klassisch durch die Mittelrinne gefahren. Diese hat Angela sogar mehr als zur Hälfte allein gefahren, weil ich mich für ein Schläfchen hingelegt hatte… der Rest ist schnell erzählt: Auf der Weser musste die Maschine mitlaufen, weil 1 Bft leider nicht reichen. Aber die Jade haben wir dann allerfeinst kreuzend ersegelt, es briste eetwas auf. So erreichten wir die 9 Uhr-Schleusung superpünktlich, statt mit Motor und ohne Spass die um 8 Uhr zu versuchen. Dann Schleusen (wir und noch ein Segler: zwei Boote und viel Platz), danach zum Steg und Liegeplatz tuckern, dort super angelegt und erstmal klar Schiff machen. Dann kurz nachgedacht: Um kurz nach 12 wieder raus, aufs Hooksmeer und dort ankern! So konnten wir die Kairos bald begrüssen, denn Anja und Axel waren auf Wangerooge und die Tide würde sie gegen 14:00 in die Schleuse spülen. Fast. Denn die Kairos konnte erst gegen 15:00 in die Schleuse, es waren sooo viele Boote im Vorhafen, das eine Schleusung nicht reichte…. das war uns aber auch recht, denn so habe ich vor Anker noch Bratkartoffeln mit Leberkäse gebraten und wir futterten das im Cockpit unterm Bimini genüsslich auf 🙂

Die nächste Nachtfahrt werden wir bestimmt schon am Abend starten…

Überführung 2019 – letzter Teil

Da ich mit dem zweiten Teil der Reisebeschreibung nicht bis zur Ankunft in Hooksiel kam und einen dritten Teil ankündigte, möchte ich das hier noch nachreichen. Die meisten wichtigen Details kennt ihr schon: Bei den Helden der See erwähnte ich, wie wir „im Jaich“ verliessen und gute 25 Meilen weiter habe ich den Heinrich-Punkt erklärt, sogar noch vor dem zweiten Teil, oder?

Wir hatten also den Heinrich-Punkt hinter uns und waren auf der Jade. An einem Punkt, an dem wir bisher noch nicht waren, weil wir ja sonst immer die Mittelrinne fuhren. Aber wir wussten, wo wir hin müssen: Immer dem Tonnenstrich folgen, bis vor der Tonne 37 die Tonne H3 zur Ansteuerung von Hooksiel kommt. Aber das waren noch sooo viele Tonnen. Egal, oder besser: Fein! Die Sonne schien, der leichte Wind kam östlich, also nicht verkehrt, wenn man mit auflaufendem Wasser in die Jade will, wir hatten nix auszustehen und brauchten nur noch segeln und geniessen. Angela machte uns einen Kaffee, danach habe ich auf der Cockpitbank ein Nickerchen gemacht, denn es war fast 13:00 und wir waren seit über sieben Stunden unterwegs. Das Nickerchen wurde nur kurz getrübt, weil die nächste Tonne nicht gleich gesichtet wurde. Aber gut, die sind dort draussen noch recht weit auseinander. Und viel zu schnell waren wir dann doch da, wo wir hin wollten: Nahe der H3. Bis zur nächsten Schleusung um 16:00 war es noch fast eine Stunde, aber wir wollten irgendwie nicht mehr rumsegeln, um die Zeit zu vertreiben. Also fuhren wir in den Vorhafen und sahen, dass dort schon einige Segler lagen und warteten, die „besten“ Plätze waren vergeben. Ich wollte dann dort festmachen, wo die Helgoland-Fähre immer liegt, aber irgendwie kam ich nicht nahe genug mit dem Heck an die Spundwand (und Angela hatte doch so super die Leine über den Landseitigen Poller geworfen!) und musste abdrehen; zweimal. Nun war es nur noch eine gute halbe Stunde und ich dümpelte einfach im Vorhafen rum. Eigentlich auch schön, aber man muss halt immer gucken und nach und nach kamen mehr Boote. Die Schleuse war anschliessend recht voll!

Die Schleuse ging auf, es kamen etliche Boote raus, es wurde grün und wir konnten als dritte rein. Dann rausschleusen, alle Boote dampften auf ihre Liegeplätze und Ende der Überfahrt. Eigentlich. Aber fairerweise erwähne ich, dass wir nicht einfach so in unsere Box abgebogen sind und festgemacht haben, sondern: Wir hatten seitlichen Wind und bei der Einfahrt war ich der Meinung: Das haut so nicht hin! Also abgebrochen, die Boxengasse weiter rein um zu wenden und einen neuen Anlauf starten. Angela stand derweil auf dem Vorschiff, Tampen bereit in der Hand. Und dann war ich überrascht, wie schlecht ich in der Gasse wenden konnte. Offenbar machte die Slocum nicht, was ich erwartete. Da muss man sich nach einer Winterpause doch selbst neu anlernen. Mit viel Ausdauer und Vorsicht schafften wir es, das Boot zwischen den Dalben zu wenden und fuhren erneut in unsere Box. Wenn man erstmal dazwischen ist, hat man ja das gröbste geschafft und der Nachbar stand schon da, um die Leine anzunehmen: Geschafft, in Hooksiel angekommen!

Neulich unter der Dusche

Als ich letztens zuhause unter der Dusche stand, da kam mir folgender Gedanke:
Wie sehr ich mich doch darauf freue, endlich wieder unter der eigentlich ziemlich renovierungsbedürftigen Dusche in Hooksiel zu stehen.

Nicht, weil das meine Lieblingsdusche ist sondern weil es bedeutet, dass die Saison wieder angefangen hat und wir samt Boot wieder in Hooksiel an Steg 8 liegen 🙂

Wangerooge-Hooksiel

Holger

Irgendwann muss man mal zurück. Sonntag, den 26.08. war es für uns so weit. Unser Urlaub war zu Ende, das Wochenende auch, also ab nach Hooksiel. Ich war schon mal im Wattengebiet unterwegs, Angela noch gar nicht.
Auf jeden Fall habe ich grossen Respekt vor dem Prickenweg. So schön es ist, muss man doch recht pingelig planen und sich auch an die Pricken halten, die einem den Weg anzeigen. Und wir haben 1,45m Tiefgang. Zwar wird einem jeder alte erfahrene Skipper sagen „Ha, datt iss ja nix, wir sind damals mit…“, aber wenn man es selber noch nie auf eigenem Kiel gemacht hat, dann hilft einem solch ein Geprahle auch nicht weiter…

Auf keinen Fall wollte ich wieder aussen rum. Gründe dagegen gab es genug: Draussen war auch Dünung, der Weg war länger, man müsste bei recht flachem Wasser durch Seegatt und so weiter: Nee nee. So knobelte ich am Samstag über der Karte, mit Tidenkalender und den „Anweisungen“ von Helmut (einem erfahrenen Wangerooge-Fahrer, mit dem ich mich am Abend vorher allerfeinst unterhalten habe) an der Seite und im Kopf und kam zu dem Schluss, dass wir idealerweise um 10:57 Uhr starten müssen, um gut über die Telegraphen-Balje und innen an Minsener Oog vorbei zu kommen.

Da kommt Angela vom Duschen wieder und sagt: „Rate mal, wen ich getroffen habe!“ Offenbar eine rethorische Frage, denn woher sollte ich das wissen? Aber sie sprudelt gleich weiter, ich kürze das mal hier ab: Sie traf eine, die sie von Hooksiel kannte, weil die da mit ihrem Boot, der White Pearl (ja, echt), lagen, aber eigentlich in Wilhelmshaven liegen und die wollten morgen zurück (in die Jade, wo wir auch hin wollen) und die wollen um elf los.
Sag ich doch!
Und gerne dürfen wir sie begleiten.

Am nächsten Vormittag kam Tim gegen 10:44 zu mir und sagte: „Was sollen wir noch warten, Wasser ist genug da, lass uns los!“. Und da hatte er recht. Durch die westlichen Winde sind locker 20cm mehr Wasser aufgelaufen, also: Leinen los.
Ich hatte mir ein schönes Manöver ausgedacht, um sauber vom Steg weg zu kommen (Eindampfen in die Achterleine aussen belegt), aber alle anderen besorgten(?) Skipper warfen sich gegenseitig meine Leinen zu, so dass ich quasi vom Steg wegmanövriert wurde, ohne selbst viel zu tun. Man könnte sich fragen, ob die ihre eigenen Boote schützen wollten oder einfach nur helfen… nee, das fragt man nicht. Sehr nette, kameradschaftliche Leute!
Interessanter Nebeneffekt, wenn man ablegt: Auf einmal sind alle in Aufbruchstimmung, als wenn einer nur den Startschuss geben muss…

Hafeneinfahrt bei Niedrigwasser

Tim wies mich noch darauf hin, dass er durchaus auch segeln wollte, aber klar: Auch wenn die Maschine schiebt, kann die Fock ja noch etwas helfen. Ausserdem ist es etwas ruhiger an Bord, wenn ein Segel steht und cooler ist es so wie so 🙂

Bei der Ausfahrt aus dem Hafen wurde mir noch mal mulmig, weil es da eine flache Stelle gab (0,9m unterm Kiel, vielleicht sollte ich das Echolot erst später einschalten). Aber dann bogen wir nach Osten Richtung T-Tonnen ab.

Teil 2 findet ihr hier

Nach Wangerooge 1

Holger

Angela und ich hatten zwei Wochen Urlaub und wollten Richtung Holland segeln.  Leider bekam Angela Probleme mit dem Ohr, damit wollten wir vorsichtshalber nicht lossegeln. Also haben wir kurzentschlossen ein Wochenende mit „Kiel-Oslo-Kiel“ verbracht. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt! Schon allein das Fram- und das KonTiki-Museum waren es wert (Sollte ich darüber noch mal einen kurzen Bericht schreiben?).

So kam es, dass wir nur das Ende unserer geplanten Fahrt durchgeführt haben: Wangerooge auf eigenem Kiel. Das ist sowohl für uns als auch für unser Schiff was besonderes. Für die Slocum, weil sie dort gebaut wurde und weil der Vorbesitzer immer gern vor Wangerooge Ost geankert hat (so erzählt es uns jeder, der Peter kannte) und für uns, weil wir dort noch nie auf eigenem Kiel waren.

Törnplanung Hooksiel – Wangerooge aussen rum

Auf Grund der Tide sind wir „aussen rum“ nach Wangerooge gefahren: Erst die Jade hoch und oben, so ca. bei Tonne 17, nach Westen. An diesem Punkt kommt man dann auch an der langen Buhne von Minsener Oog vorbei. Niedrigwasser sollte dort gegen 16:00 sein. Das bedeutet, wir können mit dem ablaufenden Strom rausfahren, müssen dann aber, nördlich von Wangerooge, etwas gegenan.
Ob gut oder nicht weiss ich nicht, aber unsere Zeitplanung ging nicht ganz auf: Wir nahmen die 14:00-Schleuse (was auch problemlos und schnell klappte), kamen dann aber überraschend nicht aus dem Vorhafen raus, weil dort das Baggerschiff Seekrabbe seine Arbeit verrichtete. Schön, dass die Rinne dort immer frei gehalten wird, aber für uns bedeutete das: erstmal warten. Mit uns drehten noch zwei andere Segler ihre Kreise im Vorhafen. Relativ flott gegen 14:30 kam das Baggerschiff dann rein und wir konnten raus. Durch diese kleine Verzögerung (und weil wenig Wind war, wir hatten meist Maschine mitlaufen) war das Niedrigwasser schon vorbei, bevor wir ganz oben waren und mussten dann gegen den Strom weiter. Was aber auch gut war, denn: Wenn wir durchs Harle-Seegatt wollen, müssen wir bei ca. Tonne H4/H6 über die Barre, wo bei NW nur wenig Wasser steht (stehen soll, laut Karte etc.).

So tuckerten wir der Sonne entgegen und die Fahrt dauerte (ab dort gen Westen zeigte das GPS im Mittel 3,3 Kn) etwas länger als geplant. Zumal ich gerne den Motor aus habe… was solls, wir wollen ja segeln!

Weiter mit Teil 2

Bremerhaven – Hooksiel

Holger

So, um solch einen Törn vollständig zu beschreiben, kommt nun auch noch die andere Richtung. Wie zu erwarten ist sie fast identisch, aber es gibt ein paar Besonderheiten:

Wenn man bei Bremerhaven die Weser rausfährt, kommt man ja an der Columbus-Kaje vorbei, wo neben Kreuzfahrtschiffen auch riiieesige Frachtschiffe zum Ent- und Beladen liegen. Und hier müssen Sportboote die westliche Seite des Fahrwassers benutzen, also immer am grünen Tonnenstrich entlang! Da man ja kurz nach Hochwasser hier lang fährt, um den Tidenstrom zu nutzen, hat man auch immer genug Wasser unterm Kiel. Da kann man sich fast schon an den Buhnentonnen orientieren. Aber Segeln bei allen Winden sollte man dort dennoch nicht, denn meines Wissens ist auch Kreuzen dort untersagt. Es ist halt relativ eng und man muss ja auch mit Gegenverkehr rechnen. Nun, die Kaje ist fünf Kilometer lang und danach kommen auch rote Tonnen, an denen man sich orientieren kann, indem man die Fahrwasserseite wechselt. Ach ja: Wenn ihr dort nicht nur die Segel hoch sondern auch den Motor mitlaufen habt, dann setzt den Motorkegel. Die WaSchPo ist nicht weit und schnell da. Wir haben uns eh angewöhnt, (fast) immer den Kegel zu setzen.

Die Startzeit in Bremerhaven plant man auf das Niedrigwasser beim Leuchtfeuer „Alte Weser“. Es sind zwar gut 26 sm von BHV bis zur Tonne 13, aber Dank Tidenstrom geht das durchaus in drei bis vier Stunden.

Wer noch nie vorher dort war: Ich fand die Betonnung der Weser klar erkennbar, auch wenn es dort recht viele Seezeichen gibt. Westlich sind ja die Untiefentonnen, welche die Buhnen markieren. Dass östlich noch die Tegeler Rinne als weiteres Fahrwasser verläuft, habe ich aber nie wahrgenommen. Erst in der Karte fiel mir das mal auf. Dort sind aber auch sehr wenige Tonnen.

Auf der Weser, deren Fahrwasser dort „Hoher Weg Fahrwasser“ und „Fedderwarder Fahrwasser“ heisst, fahren neben kleineren Kümos, Arbeitsschiffen und Zubringern auch durchaus grosse Pötte mit beachtlicher Geschwindigkeit. Deswegen immer gut Ausguck halten, einige machen echt grossen Wellen (die riesigen Kastenförmigen Autotransporter machen komischerweise so gut wie keine Welle), die kleinere Boote schon gut durchschaukeln können. Und dann kommen dort Abschnitte, wo es so ziemlich direkt neben dem Fahrwasser schnell flach wird. Wie man auf dem Bild einigermassen erkennen kann, geht der Kurs so ziemlich Nordwest. Das bedeutet: Bei einer 5 aus NW wollt ihr da nicht mehr sein, Wind gegen Strom ist dann einfach zuviel Hack! Wir waren bei einer guten 4 da und hopsten auch schon ganz schön…

Aus der Ferne wird man schnell den Windpark „Nordergründe“ erkennen können (im Bild schwarz gestrichelt), den lassen wir links liegen und werden diesen auch nicht hinter uns lassen, denn: Bald kommt die rote Doppeltonne 16, oder noch besser; wir konnten vorher schon die Fahrwasserseite wechseln und sehen die grüne Doppeltonne 13. Spätestens dort können wir nach Westen zur Mittelrinne wechseln. Da muss man dann scharf Ausschau nach der roten Spierentonne M4 halten, die man (zumindest mit 1,45m TG) nicht westlich runden muss. Dort, in der Mittelrinne, hat man schon wieder südlichen Kurs und orientiert sich an den M-Tonnen. Bei guter Planung hat man genau jetzt wieder auflaufend Wasser und fährt mit dem Strom. Wind, der vorher nicht so günstig war, ist jetzt perfekt 🙂
Im grossen Bogen fährt man um den Leuchtturm Mellumplate und in der Jade, spätestens bei der M14 hat man wieder freie Fahrt.

Bei klarer Sicht sieht man früh die Muschelbänke und die Kaje der Raffinerien. An den weit ins Wasser ragenden Anlagen müssen wir nicht vorbei, wenn wir nach Hooksiel wollen. Bald schon kann man die Tonne H3 suchen, diese östlich runden und den Vorhafen über die Sichtzeichen (zwei Dreiecke übereinander bringen) ansteuern, Kompasskurs müsste 276 Grad sein. Steht auch in einigen Seekarten.  Dank auflaufendem Wasser sollte es hier aber nicht mehr all zu flach sein, ein Auflaufen ist recht unwahrscheinlich.

Achtet aber beim Ansteuern des Vorhafens auf den Querstrom, der euch „nach links“ schieben will! Immer gut auf die rechte Seite der Einfahrt zuhalten, dann sollte es passen. Lieber etwas mehr Gas geben (die Segel habt ihr ja schon vorher eingeholt, richtig?).

Wenn ihr merkt, dass ihr nach 11:00, aber weit vor 14:00 im Vorhafen sein werdet, dann entspannt euch und segelt noch etwas auf der Jade. Denn in dieser Zeit wird nicht geschleust.
Nachtrag: Es gibt Ausnahmen, z.B. mal eine 13Uhr-Schleusung. Ich weiss nun, dass das öfter mal vorkommt…

Hooksiel-Bremerhaven

Holger

Hier mal eine etwas technischere Beschreibung der Überfahrt. Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen, der (auch) zum ersten mal dort lang fahren möchte.

Egal, ob man von Hooksiel nach Bremerhaven oder anders rum fahren will: Man sollte die Reise immer so planen, dass man bei Niedrigwasser am Wendepunkt (Tonne 13) ist. Dann kann man immer von der Gezeitenströmung profitieren und muss nicht (oder nicht viel) Gegenan.

Ich nehme als „Peilmarke“ für NW in diesem Fall den Leuchtturm „Alte Weser“. Der ist zwar etwas weiter draussen, aber sooo genau kommts auch nicht drauf an. Dort ist NW eine Stunde vor Bremerhaven. Von der Schleuse Hooksiel bis zur Doppeltonne 13 in der Weser sind es ca. 14 sm. Bei 5 Knoten wären das knapp drei Stunden, aber Dank des Gezeitenstroms schafft man das locker in zwei Stunden.

Wir fahren durch die Mittelrinne. Also von Hooksiel ins Jadefahrwasser bis zur Tonne 24. Das ist dann auch gleich die M14 der Mittelrinne. Man kann auch etwas über die Schillig-Reede schnibbeln, Wasser ist da genug (wir fahren ja bei ablaufendem Wasser recht kurz nach HW). Noch ein Hinweis zur Ansteuerung Hooksiel bzw. der Rausfahrt aus dem Vorhafen: Man soll sich ja immer an die Tonne H3 halten (ist auch in den Seekarten eingetragen), weil es dort sandige Untiefen gibt. Zwei Stunden nach HW ist da aber genug Wasser (für uns mit immerhin 1,45m Tiefgang), um es nicht gaaanz so genau zu nehmen.
In der Mittelrinne folgt man den M-Tonnen (die ziemlich weit auseinander liegen), das pummelige Leuchtfeuer „Mellumplate“ lässt man immer an Backbord und fährt einen grossen westlichen Bogen. In der Ferne kann man östlich schon den Windpark Nordergründe erkennen. Der bleibt auch immer da 🙂

So, irgendwann ist man bei der M4 und spätestens hier kann man nach Osten abbiegen und ab der Tonne 13 wieder südlich, Richtung Bremerhaven gehen. Ich bin mir sicher, dass man auch schon etwas eher rüber kann, möchte diese Empfehlung aber nicht aussprechen (Tiefgangabhängig). Ich selbst werde jedes mal wenn ich da bin etwas mehr schnibbeln und loten und mich so rantasten…

Nun folgt man dem Tonnenstrich nach Bremerhaven und gut ist. Das sind ca. 26 Meilen, die man mit dem Flutstrom durchaus in reichlich drei Stunden schaffen kann. Eher dauert es aber vier Stunden. Und wenn man so fahren muss, dass man nicht genau das NW „unten an der Tonne 13“ erwischt, dann kann es auch länger dauern…

Hinweis:
Entscheidet euch immer rechtzeitig, auf welcher Seite ihr die Tonnen passieren wollt! Die kommen sehr schnell näher, wenn die Strömung schiebt (SOG von 8 Knoten und mehr ist nicht unüblich).