Überführung 2019

Die Überführung unserer Slocum in allen Details können wir uns wohl sparen, denn sooo viel ändert sich navigatorisch auch nicht in einem Jahr auf der Strecke Oldenburg-Elsfleth-Bremerhaven-Hooksiel. Aber doch, es gibt nun den Heinrich-Punkt dort zwischen Jade und Weser, dem werde ich aber noch einen weiteren Artikel gönnen. Ausserdem gibt es immer einiges zu erzählen, also los:

Auf Grund der Tide wollten wir (Kar)Freitag morgen um 8:00 los. Meine Überlegungen:

  • Niedrigwasser in Elsfleth ist um 09:48 Uhr
  • Wir brauchen für die Hunte ca. drei Stunden
  • Vor der Huntebrücke muss man warten, also sollte es da nicht so strömen
  • Bei NW kommen wir nicht durch die Schleuse in Elsfleth
  • all zu früh möchten wir auch nicht los

Das ergibt folgenden Plan: Wenn wir um 8 Uhr losfahren, dann haben wir noch einiges an Strömung mit uns, aber später an der Heinrich-, äh, Hunte-Brücke sollte die Tide kippen oder zumindest Stauwasser sein oder halt nicht mehr soviel nachströmen. Ab dort ist es nicht mehr weit bis zur Weser (ca. 4,5 sm), da ist Schiebestrom nicht zwingend nötig.

Wenn denn die Eisenbahnbrücke zur rechten Zeit öffnet! Und das tat sie. Ich hörte den Funk ab und bekam mit, dass wohl einige Binnenschiffer hin und her wollten. Ich mischte mich ein und fragte, ob wir auch noch mit durch könnten. Antwort: „Ja, klar, aber passt auf, euch kommen einige Containerschiffe entgegen!“ Witzbold… wir warfen die Leinen los, reihten uns in die Schlange und schlurften durch die Eisenbahnbrücke. 8 Uhr 9, das wäre schon mal geschafft. Ich stellte den Motor auf eine angenehme, eher ruhige Drehzahl und bald pendelte sich unsere SOG bei 5kn ein, wurde aber später mehr (ohne an der Drehzahl was zu ändern…).

Die Huntedeiche schoben sich an uns vorbei, die Sonne setzte sich durch, es war kalt aber schön. Die Hunte haut uns nicht mehr vom Hocker, aber Entspannung ist ja auch mal schön. Es kam sogar noch ein Binnenschiffer zu Berg, das war aber echt ein kleiner…
Bei Km 15 meldete ich uns bei der Hunte-Brücke an, die noch gute zwei Km entfernt war. Wie immer und überall sagte auch dieser Diensthabende sinngemäss: „Kommt erstmal näher ran“. Nach wenigen Minuten hatten wir die Kurven geschafft, ich funkte Bescheid und die Öffnung startete so zügig, dass wir weder aufstoppen noch Kreise drehen mussten, gut so.
Die Elsflether Eisenbahnbrücke ist dann nicht mehr weit entfernt, nach zwei Kurven fragte ich auch da an. Antwort: „Moment… ja, ich kann gleich aufmachen, kommt man her!“ Und wir konnten echt ohne Verzögerung durch die offene Brücke, wie schön! Dabei ist vor dieser Brücke echt mal Platz zum Kreise fahren und man könnte sogar an Dalben festmachen… wenn man so lange Leinen hat.

Hinter dieser Brücke gehen die Deiche ins Landesinnere und man kann am Ufer (bei NW) Wattenhügel sehen. Dank des vielen Ostwindes lief mehr Wasser ab als üblich und man fühlte sich beinahe, als ob man durch einen breiten Schlickgraben fährt. Aber ab da ist die Hunte jedenfalls wieder spannend! 🙂

Wir tuckerten an der Elsflether Werft vorbei (dessen aktuelle Entwicklung ich sehr bedauere), am Stadthafen und an der Lizzy, und fuhren durch das Huntesperrwerk. Und das um 10:28 Uhr! Wir hatten nicht mal zweieinhalb Stunden gebraucht, das ist mit der Slocum samt stehendem Mast ein sehr guter Wert.

Angela rief bei der Schleuse des SWE Elsfleth an und erfuhr, dass die nur ca. 80cm übern Drempel haben, wir also warten müssen. Versegeln wir die Zeit? Gute Idee, aber es war wirklich kaum Wind und auf der Weser oft aus der falschen Richtung…. so fuhren wir in die Weser ein, querten nicht das Fahrwasser, hielten Kurs und Peilung auf die gelbe Brücke an Backbord und bei Weser-Km 33 fiel unser Anker auf dort aktuelle 3,4 m Wassertiefe. Motor aus.
Herrlich, diese Ruhe und Idylle! Hier frühstückten wir in aller Ruhe mit Kaffee, Aufbackbrötchen und gekochten Eiern, ruhten uns aus und gegen 12 holten wir den Anker auf und schleusten in den alten Huntearm.

Und wie immer habe ich mich festgeplaudert und für die Überführung 2019 wird es noch einen weiteren Artikel geben…

AIS an Bord

AIS:
Schiffe mit einem AIS-Transponder senden ein Signal aus. Dieses Signal können (Sport-)Boote empfangen, auf ihrem Plotter in die Seekarte einblenden und wissen dadurch, welche (gewerblichen) Schiffe in der Nähe des eigenen Kurses sind. Des Weiteren kann man sehen, wie die Schiffe heissen, wo sie hin wollen und wie schnell sie in welche Richtung fahren.
Wer AIS schon mal genutzt hat, der weiss: Das ist eine feine Sache.  Wer es noch nicht kennt, der kann sich z.B. auf diesen Internetseiten ein Bild davon machen:

Auf Marinetraffic werden die bekannten AIS-Signale auf einer Weltkarte abgebildet und man kann sich Informationen zu den einzelnen Schiffen holen. Bei Openseamap (OSM) werden einfach „nur“ diese Signale in die Seekarte eingeblendet und ist über das Menü ein-/ausschaltbar. So in etwa sieht AIS dann auch an Bord aus, wenn man es z.B. über seinen Plotter einblendet.

AIS-Ziele (von mir) mit Pfeilen markiert

Die runden Punkte sind auch AIS-Signale, aber keine Schiffe sondern stationäre Objekte (siehe Windpark Nordergründe oben in der Mitte). Der Clou ist noch, dass man bei Annäherung eines solchen Signals einen Alarm einstellen kann. So wird man vor einer Kollision rechtzeitig gewarnt. Ursprünglich war AIS lediglich eine Ergänzung zum Radar, hat sich aber schnell etabliert und verselbstständigt. Schiffe, die ein aktives AIS-Signal aussenden, kann man so erkennen, auch wenn man selbst nur einen Empfänger hat, also nicht sein eigenes Signal aussendet.

Es gibt zwei Arten von AIS-Geräten:

  1. Senden des eigenen Signals und Empfangen aller fremden AIS-Signale
  2. Nur Empfang von AIS-Signalen

Die meisten Sportboote senden kein eigenes Signal. Sie empfangen AIS, zeigen „nur“ an, welche anderen AIS-Signale sich in der Nähe befinden. Bei gewerblich genutzten Schiffen ist aktives AIS (also auch Senden) dagegen vorgeschrieben. Das ist gut für die Sportboote, denn vor den dicken, schnellen Schiffen will man ja gewarnt werden. Ausserdem ist ein AIS-Transponder (also ein Sender) ziemlich teuer…

Ich war auf der Suche nach einer relativ einfach umzusetzenden und gerne auch günstigen Möglichkeit, AIS an Bord zu empfangen und sichtbar zu machen. Wenn man rumfragt bei Sportbootfahrern, dann hört man oft so was in der Art: „Ja, da musst du nur deinen AIS-Empfänger in dein NMEA-Netzwerk einbringen, und wenn du keine eigene AIS-Antenne verwenden willst, dann gehst du an die Funkantenne, brauchst aber noch einen Splitter. GPS kriegst du dann per NMEA vom Plotter oder einer Funke mit GPS oder eben einem extra GPS-Gerät, wenn dein AIS das nicht schon hat“.

Alles verstanden? Ich nicht sofort.
AIS-Signale werden auf UKW gesendet. Deswegen braucht man nicht zwingend eine eigene Antenne dafür, sondern kann die vom Funk mit verwenden. Man muss das Signal eben nur splitten, ganz einfach. Viele AIS-Empfänger haben sowas schon eingebaut und haben einen Antenneneingang und einen -ausgang, um das Antennensignal an das Funkgerät weiterzugeben. Diese Art von AIS funktioniert so, dass sie kein eigenes Display haben, sondern die AIS-Daten bereitstellen, um sie am Plotter etc. anzeigen zu können. Und das geschieht eben über NMEA. Im Grunde ganz einfach.
Um das weiter zu vereinfachen, gibt es Funkgeräte, die AIS schon drin haben. Damit spart man sich ein weiteres Gerät, Antennenkabel, Stromanschluss, etc.
Viele Funkgeräte bieten sogar die Funktion, das AIS-Signal direkt auf dem eigenen Display auszugeben. Dann natürlich ohne Seekarte sondern mit Entfernungsringen, die aussehen wie eine Zielscheibe. Damit könnte man schon erkennen, ob und wie nah andere Schiffe dem eigenen Kurs kommen. Mir würde das erstmal reichen, auch wenn das sicher nicht komfortabel ist.
Der Irrsinn der Geräte-Hersteller: Aus irgendwelchen Gründen (Kosten? Wettbewerb?) wurde meist kein GPS verbaut. Man kann das interne AIS also gar nicht „out of the Box“ nutzen! Denn wenn das Funkgerät nicht weiss, wo man selber ist, dann kann es auch nicht den Abstand zu den anderen erkennen. Also muss man wieder per NMEA ein GPS-Gerät einbinden, um das vorhandene AIS in der Funke verwenden zu können. Wenn ich mir aber GPS vom Plotter hole, dann kann ich dem auch gleich das AIS-Signal geben und sehe das dann auf der Karte im Plotter. Ja klar, feine Sache. Aber ich bin kein Freund von vernetzten Geräten, die von anderen abhängig sind. Wenn nämlich eines der Geräte (warum auch immer) ausfällt, dann ist das andere auch gleich unbrauchbar oder zumindest eingeschränkt.
Das Signal darf von mir aus gerne auch auf dem Plotter angezeigt werden, aber ich würde mir wünschen, dass das Funkgerät das auch aus eigener Kraft kann. Besser ist das! Zum Glück ist es, wenn ich mich nicht irre, seit Anfang 2019 nur noch zulässig, neue Seefunkgeräte inkl. GPS zu verkaufen. Wer sich also gewundert hat, dass Geräte wie das Lowrance Link-8 auf einmal mit enormen Rabatten verkauft wurde, der ahnt nun, warum.

Vermutlich darf Lagerware noch abverkauft werden: Integriertes GPS= Nein!

Ich wäre fast darauf reingefallen. Dabei habe ich doch noch ein relativ junges Lowrance-Funkgerät, immerhin auch ohne GPS.

Und weil dieser Text sich doch etwas in die Länge zieht (ich möchte hier nichts wichtiges weg lassen), werde ich noch einen zweiten Teil dazu schreiben. Bald.

Das Lied der Hunte

Holger

Wir lagen bei schönstem Sonnenschein im Stadthafen von Elsfleth, mampften ne Stulle mit Brot und warteten. Gar nicht so sehr auf das auflaufende Wasser sondern eher, dass die Eisenbahnbrücke Elsfleth sich öffnen würde. Denn die Hunte hat drei für den Segler relevante Brücken (Ich beschreibe nun ein paar Details, die vermutlich nur für Neulinge in dem Revier interessant sind):

  1. die Eisenbahnbrücke Elsfleth
  2. die „neue“ Hunte-Klappbrücke (Vereinsintern „Heinrich-Brücke“)
  3. die Eisenbahnbrücke Oldenburg

Alle drei sind über den Funkkanal 73 zu erreichen. Und da die beiden Eisenbahnbrücken natürlich vom jeweiligen Fahrplan abhängen, gibt es dort gewisse Öffnungszeiten (habe ich oben verlinkt). Die „Heinrich-Brücke“ öffnet nach Bedarf. Man findet übrigens immer wieder den Hinweis, dass eine Öffnung mit dem Ruf des offiziellen Namens „Elsfleth Bridge“ oder „Hunte Bridge“ erfolgen muss. Aber wenn man z.B. sagt „Oldenburg Eisenbahnbrücke“, dann klappt das ganz hervorragend, denn es sind ja alle Deutschsprachig. Ich habe das mit „Bridge“ nur sehr selten über Funk gehört, meistens von Revierfremden. Nicht schlimm.

Damit sind wir wieder beim Thema: Wir warteten auf die Brücke. Doch man sollte beachten: Aus Erfahrung weiss ich, dass die Brücken nicht nur zu den offiziellen Zeiten öffnen, sondern auch mal dazwischen. Gerade in Elsfleth, dort fahren ja auch nicht so viel Züge wie in Oldenburg. Und aber ich weiss auch, dass Züge gern mal Verspätung haben und sich die Öffnungen damit auch mal verschieben 🙂 Anfunken und fragen hilft.

Wir mussten ca. 40 Minuten warten, um laut Fahrplan durchzukommen. Vom Stadthafen sind es „nur“ ca. 1,5 Seemeilen zur Brücke, aber mit 5 Knoten ist das immer noch mehr als eine Viertelstunde Fahrt. Über Funk hörte ich nun, wie ein anderer Segler die Brücke anfunkte und er bekam die Antwort, dass es ca. 14:20 eine Öffnung geben wird. Also schon mal etwas später als vorgesehen. Viel zu rechtzeitig legten wir ab und tuckerten da hin. Der andere Segler kam dann auch gleich. Während wir warteten, kam noch ein Binnenschiff von hinten und fuhr schon mal durch die Brücke. Tja, der kann sein Deckshaus einziehen… um es kurz zu machen: Der erwartete Zug verspätete sich, wir malten noch zwei weitere Kreise auf den Plotter.

Ein paar Huntekurven weiter kommt auch schon die Huntebrücke (die größte einflüglige Klappbrücke in Deutschland). Der Brückenwärter freut sich immer, wenn die Segler im Rudel kommen, dann klappt das besser 🙂 Wir waren immerhin zu zweit, der andere war sogar mit 16m noch einiges höher als unsere Slocum. Hier ist es recht spannend auf der Hunte, weil sie an dieser Stelle ziemlich schmal ist und so das Wasser noch einiges schneller strömt (drei Knoten sind keine Übertreibung!). Wie auch immer, wir mussten nicht lange warten und erhielten über Funk die Anweisung „fahrt durch, wenn es passt“.
Ich kann leider Höhen sehr schlecht schätzen und an der Brücke ist auch keine Skala, aber der andere durfte zuerst durch und der passte. Der wurde nach der Passage einen halben Knoten schneller als wir und zog von dannen.

Archivbild: Die alte Hubbrücke im Hintergrund steht nicht mehr

Nach der Brücken-Passage wurde es geradezu langweilig. Wer die Hunte einige male mit dem Boot gefahren ist, der weiss, was ich meine. Irgendwann kann man die Autobahnbrücke sehen (Km 4) und wenn man dort unter durch ist, dann ist man schon fast in Oldenburg. Sobald ich um die letzte Kurve herum bin und die Eisenbahnbrücke sehen kann, funke ich die an. In diesem Fall lief das so ab:

Ich: Oldenburg Eisenbahnbrücke, hier ist Segelyacht Slocum, bitte kommen.
EBB: Brücke hört?
Ich: Wir möchten gleich die Brücke passieren, wann ist denn die nächste Öffnung?
EBB: Wo seid ihr denn?
Ich: Du müsstest uns schon sehen können, sind am Pegel vorbei…
EBB: Ah, unsere Monitore sind nicht so gut… aber kommt man ran. Gleich kommt noch der Zug aus (unverständlich) und dann sag ich bescheid
Ich: Prima, danke, wir kommen langsam näher
Anderer Segler: Eisenbahnbrücke, wir wollen auch durch, aber brauchen noch ne halbe Stunde!
EBB: Ja, aha…
(Kurze Zeit später, der Zug fuhr gerade rüber)
EBB: So, ich mache auf, wenn es passt einfach durchfahren
Ich: Danke, schöne Wache!
Anderer Segler: Wie, was, wann geht die Brücke auf???
EBB: Na, jetzt!
Anderer Segler: (murmeltwasunverständliches)

So tuckerten wir unter der halb offenen Brücke durch und konnten wenige Minuten später am Steg unseres OYC festmachen. An der Innenseite, denn aussen war alles belegt. Die ganze Fahrt dauerte inkl. Warten vor den Brücken ca. drei Stunden.

Damit ist die Segelsaison wohl beendet für uns.