Das Lied der Hunte

Holger

Wir lagen bei schönstem Sonnenschein im Stadthafen von Elsfleth, mampften ne Stulle mit Brot und warteten. Gar nicht so sehr auf das auflaufende Wasser sondern eher, dass die Eisenbahnbrücke Elsfleth sich öffnen würde. Denn die Hunte hat drei für den Segler relevante Brücken (Ich beschreibe nun ein paar Details, die vermutlich nur für Neulinge in dem Revier interessant sind):

  1. die Eisenbahnbrücke Elsfleth
  2. die „neue“ Hunte-Klappbrücke (Vereinsintern „Heinrich-Brücke“)
  3. die Eisenbahnbrücke Oldenburg

Alle drei sind über den Funkkanal 73 zu erreichen. Und da die beiden Eisenbahnbrücken natürlich vom jeweiligen Fahrplan abhängen, gibt es dort gewisse Öffnungszeiten (habe ich oben verlinkt). Die „Heinrich-Brücke“ öffnet nach Bedarf. Man findet übrigens immer wieder den Hinweis, dass eine Öffnung mit dem Ruf des offiziellen Namens „Elsfleth Bridge“ oder „Hunte Bridge“ erfolgen muss. Aber wenn man z.B. sagt „Oldenburg Eisenbahnbrücke“, dann klappt das ganz hervorragend, denn es sind ja alle Deutschsprachig. Ich habe das mit „Bridge“ nur sehr selten über Funk gehört, meistens von Revierfremden. Nicht schlimm.

Damit sind wir wieder beim Thema: Wir warteten auf die Brücke. Doch man sollte beachten: Aus Erfahrung weiss ich, dass die Brücken nicht nur zu den offiziellen Zeiten öffnen, sondern auch mal dazwischen. Gerade in Elsfleth, dort fahren ja auch nicht so viel Züge wie in Oldenburg. Und aber ich weiss auch, dass Züge gern mal Verspätung haben und sich die Öffnungen damit auch mal verschieben 🙂 Anfunken und fragen hilft.

Wir mussten ca. 40 Minuten warten, um laut Fahrplan durchzukommen. Vom Stadthafen sind es „nur“ ca. 1,5 Seemeilen zur Brücke, aber mit 5 Knoten ist das immer noch mehr als eine Viertelstunde Fahrt. Über Funk hörte ich nun, wie ein anderer Segler die Brücke anfunkte und er bekam die Antwort, dass es ca. 14:20 eine Öffnung geben wird. Also schon mal etwas später als vorgesehen. Viel zu rechtzeitig legten wir ab und tuckerten da hin. Der andere Segler kam dann auch gleich. Während wir warteten, kam noch ein Binnenschiff von hinten und fuhr schon mal durch die Brücke. Tja, der kann sein Deckshaus einziehen… um es kurz zu machen: Der erwartete Zug verspätete sich, wir malten noch zwei weitere Kreise auf den Plotter.

Ein paar Huntekurven weiter kommt auch schon die Huntebrücke (die größte einflüglige Klappbrücke in Deutschland). Der Brückenwärter freut sich immer, wenn die Segler im Rudel kommen, dann klappt das besser 🙂 Wir waren immerhin zu zweit, der andere war sogar mit 16m noch einiges höher als unsere Slocum. Hier ist es recht spannend auf der Hunte, weil sie an dieser Stelle ziemlich schmal ist und so das Wasser noch einiges schneller strömt. Wie auch immer, wir mussten nicht lange warten und erhielten über Funk die Anweisung „fahrt durch, wenn es passt“.
Ich kann leider Höhen sehr schlecht schätzen und an der Brücke ist auch keine Skala, aber der andere durfte zuerst durch und der passte. Der wurde nach der Passage einen halben Knoten schneller als wir und zog von dannen.

Archivbild: Die alte Hubbrücke im Hintergrund steht nicht mehr

Nach der Brücken-Passage wurde es geradezu langweilig. Wer die Hunte einige male mit dem Boot gefahren ist, der weiss, was ich meine. Irgendwann kann man die Autobahnbrücke sehen (Km 4) und wenn man dort unter durch ist, dann ist man schon fast in Oldenburg. Sobald ich um die letzte Kurve herum bin und die Eisenbahnbrücke sehen kann, funke ich die an. In diesem Fall lief das so ab:

Ich: Oldenburg Eisenbahnbrücke, hier ist Segelyacht Slocum, bitte kommen.
EBB: Brücke hört?
Ich: Wir möchten gleich die Brücke passieren, wann ist denn die nächste Öffnung?
EBB: Wo seid ihr denn?
Ich: Du müsstest uns schon sehen können, sind am Pegel vorbei…
EBB: Ah, unsere Monitore sind nicht so gut… aber kommt man ran. Gleich kommt noch der Zug aus (unverständlich) und dann sag ich bescheid
Ich: Prima, danke, wir kommen langsam näher
Anderer Segler: Eisenbahnbrücke, wir wollen auch durch, aber brauchen noch ne halbe Stunde!
EBB: Ja, aha…
(Kurze Zeit später, der Zug fuhr gerade rüber)
EBB: So, ich mache auf, wenn es passt einfach durchfahren
Ich: Danke, schöne Wache!
Anderer Segler: Wie, was, wann geht die Brücke auf???
EBB: Na, jetzt!
Anderer Segler: (murmeltwasunverständliches)

So tuckerten wir unter der halb offenen Brücke durch und konnten wenige Minuten später am Steg unseres OYC festmachen. An der Innenseite, denn aussen war alles belegt. Die ganze Fahrt dauerte inkl. Warten vor den Brücken ca. drei Stunden.

Damit ist die Segelsaison wohl beendet für uns.