Wann hört das eigentlich auf?

Mit der Frage im Titel meine ich natürlich nicht das segeln sondern die ganzen Basteleien an Bord. Es sind ja nicht nur die Dinge, die einfach mal repariert oder getauscht werden müssen, wie z.B. der große Schlauch an der Toilette (ausgebaut ist der alte schon, muss nur noch einen neuen besorgen und wieder einbauen) oder ein Kabel, das sich gelöst hat. Nein, dazu kommen die ganzen Ideen, wie man was anders und besser machen könnte. Was ich so aktuell aufm Zettel habe:

  • Badeleiter: An Bord befindet sich „nur“ eine Strickleiter. Die ist sehr solide und auch lang, aber es ist nicht so leicht, damit an Bord zu klettern. Da muss also was festes her. Zufälligerweise bekamen wir neulich eine geschenkt: Vier Stufen und zweiteilig zum Klappen, aus Aluminium. Aber die kann ich nicht einfach anschrauben und feddich, nein, das muss genau angepasst werden, ein Halter gefertigt und überhaupt erstmal sehen, wo die hin kann und/oder soll.
  • Schlauchboot: Für unsere Gudrun habe ich nach einigem hin- und hergrübeln einen Elektro-Aussenborder besorgt. Ich wundere mich immer wieder, wie groß diese Dinger sind. Nun muss dieser Motor ja auch an Bord gelagert werden. Und er benötigt  (Auto-)Batterien. Mindestens eine, besser zwei wegen Wechseln. Die dürfen nicht so schwer sein, Mann und Frau wollen die ja noch gut wuppen können. Und die müssen auch irgendwo gelagert werden. Und die müssen geladen werden können, sonst machts keinen Sinn. Da muss ich gucken, denken und dann was bauen.
  • Unter anderem wegen den eben erwähnten Batterien habe ich nicht nur ein neues sondern auch ein etwas grösseres Solarpanel erworben. Das kommt vermutlich erstmal wieder auf das Kajütendach vor den Niedergang, muss da befestigt und ans Stromnetz angeschlossen werden.
  • Ein neues Windrad auch noch, wir wollen ja so autark wie möglich sein können. Dieses muss auf einen Mast, dieser muss irgendwo (am Heck) fest und natürlich muss das auch verkabelt werden
  • Ich verwende ein Windows10-Tablet für OpenCPN und AIS. Eine feine Sache, aber das liegt immer im Weg. Was liegt näher, als eine Halterung zu bauen, so dass es elegant unten neben dem Niedergang hängt und man schnell draufschauen kann? Muss nur noch gebaut werden (im Kopf ist das schon geplant).
  • Die Beine vom Bimini will ich kürzen, damit der Baum drüber weg schwenken kann. Ist eigentlich schnell gemacht…
  • Von der Pepino habe ich noch zwei Fenderkörbe über. Das sind praktische Dinger, einen habe ich schon ans Heck der Slocum gebaut. Der andere muss noch, wie sieht das sonst aus? Leider finde ich die entsprechenden Halter nicht, aber die liegen ganz sicher irgendwo!
  • In die Kojendeckel sollen kleine Auschnitte, damit man nicht immer die ganze Koje hochklappen muss, um an den Stauraum darunter zu kommen.
  • Dazu kommen noch viele Kleinigkeiten, die nicht müssen, aber schon besser wären. Ausserdem habe ich in der Auflistung ganz bestimmt was vergessen.

Und aber eigentlich muss davon gar nix, segeln kann man auch so. Einfach weglassen, dann hat man weniger Sorgen und mehr Platz?

Hmmmmm…..

Sommerlicher Zwischenbericht

Wer hier fleissig mitliest, der wird (hoffentlich) bemerken: Wir versuchen, immer alles rund um das Boot, Segeln und dem Revier hier zu erwähnen. Ja, das stimmt. Und was wir noch versuchen: Das Boot so oft wie möglich zu nutzen, und das nicht nur als schwimmende Laube (was natürlich auch mal schön ist).

Wenn man die Nutzungsdauer eines Bootes mal nüchtern durchrechnet, dann ist das geradezu erschütternd: Ein halbes Jahr sind die meisten Sportboote eh an Land, weil Winter ist. Wenn man es denn schafft, das Boot im April ins Wasser zu bekommen (Farbe kann man halt bei Frost nicht streichen und streichen muss man jedes Jahr irgendwas), dann ist man schon gut dran. Nun muss der gewöhnliche Mensch arbeiten, die meisten von Montag bis Freitag, die meisten um die 35 bis 40 Stunden. Also kann man das Boot maximal am Wochenende nutzen. Also an zwei von sieben Tagen. Im Idealfall! Zwei von Sieben macht ca. 28 %. Wenn man es schafft, Freitag schon los zu kommen, dann hat man fast ein Drittel der Woche. Und aber es gibt ja noch Leben ausserhalb des Bootes: Garten, Familie, Freunde. Vielleicht schaffen wir es, drei von vier Wochenenden im Monat aufs Boot zu kommen? Das wäre schon sportlich, vermutlich ist es eher zwei von vier.

So, Mathe: Die Hälfte (der Wochenenden) von einem Drittel (der Woche) von der Hälfte (des Jahres) macht unterm Strich rund 25 Tage im Jahr. Von 365! Das sind nicht mal sieben Prozent des Jahres und ich habe Idealfälle angenommen. Realistisch bei vielen Booten sind Werte, die vielleicht bei der Hälfte (von 25 Tagen im Jahr) liegen.

Andersrum: Über 330 Tage im Jahr liegt das Boot ungenutzt rum und verursacht höchstens Kosten. Klingt alles sehr ernüchternd? Ja nee! Zum einen versuchen Angela und ich wirklich, möglichst oft an Bord zu sein und das Boot auch zu nutzen und schaffen das auch bisher recht gut, ohne den Garten zuwuchern zu lassen und zum anderen ist es eben ein Hobby: Es macht uns ja Spass, unsere Freizeit so zu verbringen. Und viele Hobbys sind aufwändig in Zeit und/oder Geld: Ob Reitpferd, Oldtimer-Auto oder seltenes Porzellan, Zinnfiguren und Briefmarken; alles hat seine Vor- und Nachteile und darum geht es eigentlich gar nicht. Früher mal bin ich Rasentreckerrennen gefahren, da war das Verhältnis „Schrauben zu Fahren“ mindestens 20:1, üblicher waren 50:1 und wenn man das Tüfteln im Winter einrechnete kam man auf 200:1 oder so…. war ne schöne Zeit 🙂

Egal. Wir nutzen unsere Slocum so gut, wie wir das eben hinkriegen und erfreuen uns daran. Und wenn wir hier darüber schreiben, dann könnt ihr euch vielleicht auch dran erfreuen (oder Anregungen oder neue Ideen holen). Und nun komme ich zu dem Grund, warum ich diesen Artikel überhaupt schreiben wollte: Das Wochenende (22.-23.06.19) ist vorbei, wir waren mal eben schnell auf Wangerooge und aber ich habe gerade erst das letzte Wochenende „verdaut“ (also Schreibtechnisch fertiggestellt).

Weil Angela und ich aber finden, dass das letzte Wochenende so toll war, dass wir das „bloggen“ sollten, machen wir das auch. Das dauert aber vermutlich einige Tage und hoffentlich nur bis maximal Freitag, denn fürs kommende Wochenende haben wir schon neue Pläne mit uns und dem Boot… und tolle Bilder haben wir auch gemacht, die sollte ich mal mit einbauen.

Und leider weiss man immer nie, für wen man das alles schreibt, weil Kommentare ja nicht soo üblich sind. Wäre vermutlich anders, wenn ich bei FB rumhampeln würde; will ich aber nicht. Aber über ein nettes Kommentar hier freuen wir uns natürlich und kostet auch nichts, ehrlich!

Ein ganz normaler Segelwochentag

Heute (Dienstag, 18.06.) war ja echt mal schönes Wetter und ausserdem hatte ich letztes mal mein Portmo, äh, Portemo, äh, meinen Geldbeutel im Boot liegen lassen. Da mussten wir also noch mal hin und den holen!

Schon gegen Mittag per Mail abgesprochen, dann Feierabend, zuhause umziehen, Kinder zusammenscheissen, Frau einfangen und ab auf die Autobahn Richtung Jadebusen. Den Chevy mal etwas mehr Gas gegönnt, der Tempomat wurde erst bei 116 km/h eingeschaltet 🙂 (ganz am Rande: Damit dauert die Fahrt eine gute Dreiviertelstunde. Als ich neulich mal mit unserem BMW nach Hooksiel geballert bin, brauchte ich 36 Minuten von Haustür zu Schranke und hatte ca. 225km/h aufm Tacho, also was soll die Jagerei).

Am Boot angekommen haben wir alles klariert (Persennings ab, Kabel wech etc) und sind aus der Box, aus unserer Stegreihe und aus unserer Bucht getuckert. Noch einmal links abbiegen und wir zogen gleich das Gross hoch. Was fiel uns auf? Oh, ein betonntes Fahrwasser auf dem Hooksmeer! Spät dran dieses Jahr, dafür neue richtig rote und grüne „Tönnchen“. Und ausserdem trieb da am (neuen) Fahrwasserrand etwas, das auf Anhieb und aus der Ferne aussah wie ein schwimmendes Garagentor.
Das war aber einer der Schleusenwärter mit noch einer helfenden Hand auf einem Stück Schwimmsteg, angetrieben durch einen niedlichen Elektro-Motor. Offenbar hatten diese gerade die Tonnen ausgebracht, wir hatten also einen waschechten Tonnenleger vor uns. Und dieser sprach uns vorsichtig an, als wir uns näherten: „Könnt ihr uns vielleicht bis zur Schleuse mitnehmen, also schleppen?“

Wir konnten, warum auch nicht. Ausser Segeln hatten wir ja nix vor 🙂
Also Gross wieder runter und „den Steg“ wieder näherkommen lassen, weil wir schon vorbei waren und unsere Slocum rückwärts nicht besonders gut zu steuern ist. Bei einigen Metern Nähe warfen die Jungs ihren Tampen rüber, ich machte einen Hahnepot über die achterlichen Klampen und wir gaben vorsichtig Gas: Das Ding war mehr Treibanker als Steg. Wo wir sonst 4 Knoten schafften, kamen wir nun knapp an die 3 ran. Aber nach der Waldabdeckung am Ufer rollten wir die Fock aus und die brachte in der Tat noch nen halben Knoten mehr auf die Logge. Die Jungs auf dem Steg blieben entspannt, also nahmen wir auch keinen Speed raus. Dennoch dauerte die Fahrt zur Schleuse locker 20 Minuten, zumal ich mich auf Grund der Wasserabsenkung dem Ufer nur vorsichtig näherte. Kurz vor der Schleuse plante ich eine Wende, in der ich gleichzeitig das zauberhafte Floss loswerfen wollte.
Ich informierte meine Vorschoterin und die beiden Verschleppten, nahm Gas weg und sprach: „Reee!“

Es geschah wie geplant, wir hatten „einen gut“ beim Schleusenwärter, der Tampen kam nicht in die Schraube und nachdem wir sauber durch die Wende liefen machten wir sogar 2,5 Knoten Fahrt. Aber nun fiel uns wieder zweierlei auf: Mit wenig Wind und viel Abdeckung ist Segeln nicht soo spannend (auf nem Dickschiff) und: Schleppen macht hungrig.

So steuerten wir (unter Segel!) einen Ankerplatz an und fast noch im Fahrwasser liess ich den Anker dann fallen. Die Segel klarieren geht uns noch nicht total locker von der Hand, aber wir wissen, was zu tun ist. So konnte ich bald Nudelwasser zum Kochen bringen (über Wasser- und Lebensmittelvorrat an Bord schreibe ich auch noch einen, nein, zwei Artikel…) und dazu eine Soße zaubern. Nicht nur wegen Wilfried Erdmann stehe ich auf Zwiebeln an Bord. Damit hat man einfach immer was Frisches zum kochen…

Angela und ich haben lecker und satt gespeist und während Angela danach versuchte, ein echt kniffeliges Mahjong am iPad 1 zu lösen, versuchte ich mich daran, allein und nur mit Segel vom Legerwall-Ankerplatz weg zu kommen. Hat nicht ganz geklappt, weil ich durch das Anker-aufholen immer das Boot „falsch“ durch den Wind gezogen habe, die Fock dann Back stand und… ach, es ist eben nicht so einfach (aber deswegen übe ich das ja). Dann Maschine an und versucht, kontrolliert rückwärts zu fahren. So richtig gut wird das nie gehen mit der Slocum, sie bricht schnell mal aus und man muss die Pinne sehrsehr behutsam bewegen. Aber mit Geduld und etwas Zeit und etwas mehr Raum kommt man schon dahin wo man hin will.

Nun mit Fock und Maschine zum Liegeplatz zurück und Angela hat schon während der Fahrt den Grossbaum mit der Persenning eingepackt. Das Anlegen zwischen den Dalben ist für mich wirklich schon zur Routine geworden, Angela ist nur noch etwas hibbelig, aber das legt sich auch bei jedem mal um einiges 🙂

Dann mussten wir noch den Abwasch machen und so war es schon 21:00 Uhr und die Fahrt nach Hause steht ja auch noch bevor. Ich wollte los, bevor es zu romantisch wird und so waren wir nach ca. 5 Stunden wieder da, wo wir vorher waren. Nur viel entspannter, weil wir auf dem Wasser waren und sogar segeln konnten (und ganz nebenbei etwas Karma sammeln).

Helden der See

Gleich vorweg: Der Titel dieses Beitrages ist sarkastisch gemeint.

Wir lagen „im Jaich“ in BHV und wollten früh raus. Deswegen funkte ich die Kaiserschleuse an und der fragte mich auf Kanal 10, ob da noch mehr Boote raus wollten? Das konnte ich nicht beantworten, aber es meldete sich auch keiner mehr über Funk. Als ich rückwärts aus unsere Box rausfahren wollte, da sah ich, wie das gegenüberliegende Segelboot (eine recht neue Dehler mit dem Namen Balu) genau das gleiche zu starten schien. Sie kümmerten sich um ihre Leinen und Fender und wie sie sauber vom Steg weg kommen, hatten aber kein Auge für andere Boote, die vielleicht in die Quere kommen könnten oder einfach da waren, wie eben wir. Naja, war ja noch früh (5:40). Ich rief rüber „na, wo wollt ihr denn hin“ und bekam leider eine Antwort, die ich nicht verstand. Egal, ich wollte ja nur, dass die eben Notiz von uns nehmen. Ich liess sie rausfahren und manövrierte dann auch aus der Box, aus der Gasse und Richtung Schleuse „neuer Hafen“. Die Dehler war gerade im Begriff, innen an StB festzumachen, da ging das Licht von Grün auf Rot und das Schleusentor zu!? Gleich schnappte ich die Funke und rief Bescheid, dass wir gerade reinfahren wollten, was das denn solle?! Tatsache: Die anderen hatten sich nicht angemeldet und einfach vorgedrängelt und der Schleusenwärter nahm an, es wäre das einzige Boot (eben wir, die sich gemeldet hatten). Ich durfte noch rein (durch das halb geschlossene Tor) und machte an BB fest. Der Schleusenvorgang an sich ging flott und ich guckte frontal zur Dehler, um Augenkontakt zu finden, damit man sich eben abstimmt, wer denn zuerst rausfährt. Nach meiner Erfahrung ist das üblich und sinnvoll und… wer zuerst raus darf, war für die andere Crew wohl schon klar, denn ohne uns auch nur einen Blick zu gönnen, warfen sie ihre Leinen los und fuhren aus der Schleuse.

Wäre ich auch so ein arrogantes Arxxxx, dann hätte es wohl richtig Zoff gegeben. Bin ich aber nicht, da stehe ich wirklich drüber, sowas ist mir schlicht zu doof, affig und zehrt nur an der Lebensqualität.

Und aber das sind sicher auch die gleichen Typen, die immer wieder dafür sorgen, dass es zwischen den verschiedenen Fraktionen der Wassersportler (oft MoBo vs. Segler) immer wieder unnötige Fronten gibt.