Bremerhaven

Angela

Heute soll es wieder nach Bremerhaven gehen. Die Wind- und Wettervorhersage sind gut. Die Tide passt auch, also um 8:00 Uhr die Schleuse raus aus dem Hooksmeer genommen. Dann im Vorhafen gefrühstückt und gegen 10:00 Uhr raus auf die Jade. Unser Freund Axel hat uns mit der Kairos begleitet. Leider ohne seine Frau, die auf der Arbeit unabkömmlich war.

Die Sonne schien und der Wind kam günstig, so dass es ein schöner Törn war. In der Mittelrinne war der Wind dann etwas unsted, so dass wir den Motor mitlaufen ließen. Als endlich die grünen Doppeltonnen der Weser auftauchten, war das Wasser recht kabbelig, so dass wir froh waren, die Richtung ändern zu können um dem Fahrwasser der Weser zu folgen. Wir haben auch nicht vor der letzten Tonne groß abgekürzt, auf Grund sitzen ist doof…

Je weiter es Richtung Bremerhaven ging um so besser wurde es. Wind passte und Sonne schien. Ein toller Törn, sogar die Schleuse öffnete fast umgehend😉

Bremerhaven – Hooksiel

Holger

So, um solch einen Törn vollständig zu beschreiben, kommt nun auch noch die andere Richtung. Wie zu erwarten ist sie fast identisch, aber es gibt ein paar Besonderheiten:

Wenn man bei Bremerhaven die Weser rausfährt, kommt man ja an der Columbus-Kaje vorbei, wo neben Kreuzfahrtschiffen auch riiieesige Frachtschiffe zum Ent- und Beladen liegen. Und hier müssen Sportboote die westliche Seite des Fahrwassers benutzen, also immer am grünen Tonnenstrich entlang! Da man ja kurz nach Hochwasser hier lang fährt, um den Tidenstrom zu nutzen, hat man auch immer genug Wasser unterm Kiel. Da kann man sich fast schon an den Buhnentonnen orientieren. Aber Segeln bei allen Winden sollte man dort dennoch nicht, denn meines Wissens ist auch Kreuzen dort untersagt. Es ist halt relativ eng und man muss ja auch mit Gegenverkehr rechnen. Nun, die Kaje ist fünf Kilometer lang und danach kommen auch rote Tonnen, an denen man sich orientieren kann, indem man die Fahrwasserseite wechselt. Ach ja: Wenn ihr dort nicht nur die Segel hoch sondern auch den Motor mitlaufen habt, dann setzt den Motorkegel. Die WaSchPo ist nicht weit und schnell da. Wir haben uns eh angewöhnt, (fast) immer den Kegel zu setzen.

Die Startzeit in Bremerhaven plant man auf das Niedrigwasser beim Leuchtfeuer „Alte Weser“. Es sind zwar gut 26 sm von BHV bis zur Tonne 13, aber Dank Tidenstrom geht das durchaus in drei bis vier Stunden.

Wer noch nie vorher dort war: Ich fand die Betonnung der Weser klar erkennbar, auch wenn es dort recht viele Seezeichen gibt. Westlich sind ja die Untiefentonnen, welche die Buhnen markieren. Dass östlich noch die Tegeler Rinne als weiteres Fahrwasser verläuft, habe ich aber nie wahrgenommen. Erst in der Karte fiel mir das mal auf. Dort sind aber auch sehr wenige Tonnen.

Auf der Weser, deren Fahrwasser dort „Hoher Weg Fahrwasser“ und „Fedderwarder Fahrwasser“ heisst, fahren neben kleineren Kümos, Arbeitsschiffen und Zubringern auch durchaus grosse Pötte mit beachtlicher Geschwindigkeit. Deswegen immer gut Ausguck halten, einige machen echt grossen Wellen (die riesigen Kastenförmigen Autotransporter machen komischerweise so gut wie keine Welle), die kleinere Boote schon gut durchschaukeln können. Und dann kommen dort Abschnitte, wo es so ziemlich direkt neben dem Fahrwasser schnell flach wird. Wie man auf dem Bild einigermassen erkennen kann, geht der Kurs so ziemlich Nordwest. Das bedeutet: Bei einer 5 aus NW wollt ihr da nicht mehr sein, Wind gegen Strom ist dann einfach zuviel Hack! Wir waren bei einer guten 4 da und hopsten auch schon ganz schön…

Aus der Ferne wird man schnell den Windpark „Nordergründe“ erkennen können (im Bild schwarz gestrichelt), den lassen wir links liegen und werden diesen auch nicht hinter uns lassen, denn: Bald kommt die rote Doppeltonne 16, oder noch besser; wir konnten vorher schon die Fahrwasserseite wechseln und sehen die grüne Doppeltonne 13. Spätestens dort können wir nach Westen zur Mittelrinne wechseln. Da muss man dann scharf Ausschau nach der roten Spierentonne M4 halten, die man (zumindest mit 1,45m TG) nicht westlich runden muss. Dort, in der Mittelrinne, hat man schon wieder südlichen Kurs und orientiert sich an den M-Tonnen. Bei guter Planung hat man genau jetzt wieder auflaufend Wasser und fährt mit dem Strom. Wind, der vorher nicht so günstig war, ist jetzt perfekt 🙂
Im grossen Bogen fährt man um den Leuchtturm Mellumplate und in der Jade, spätestens bei der M14 hat man wieder freie Fahrt.

Bei klarer Sicht sieht man früh die Muschelbänke und die Kaje der Raffinerien. An den weit ins Wasser ragenden Anlagen müssen wir nicht vorbei, wenn wir nach Hooksiel wollen. Bald schon kann man die Tonne H3 suchen, diese östlich runden und den Vorhafen über die Sichtzeichen (zwei Dreiecke übereinander bringen) ansteuern, Kompasskurs müsste 276 Grad sein. Steht auch in einigen Seekarten.  Dank auflaufendem Wasser sollte es hier aber nicht mehr all zu flach sein, ein Auflaufen ist recht unwahrscheinlich.

Achtet aber beim Ansteuern des Vorhafens auf den Querstrom, der euch „nach links“ schieben will! Immer gut auf die rechte Seite der Einfahrt zuhalten, dann sollte es passen. Lieber etwas mehr Gas geben (die Segel habt ihr ja schon vorher eingeholt, richtig?).

Wenn ihr merkt, dass ihr nach 11:00, aber weit vor 14:00 im Vorhafen sein werdet, dann entspannt euch und segelt noch etwas auf der Jade. Denn in dieser Zeit wird nicht geschleust.
Nachtrag: Es gibt Ausnahmen, z.B. mal eine 13Uhr-Schleusung. Ich weiss nun, dass das öfter mal vorkommt…

Hooksiel-Bremerhaven

Holger

Hier mal eine etwas technischere Beschreibung der Überfahrt. Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen, der (auch) zum ersten mal dort lang fahren möchte.

Egal, ob man von Hooksiel nach Bremerhaven oder anders rum fahren will: Man sollte die Reise immer so planen, dass man bei Niedrigwasser am Wendepunkt (Tonne 13) ist. Dann kann man immer von der Gezeitenströmung profitieren und muss nicht (oder nicht viel) Gegenan.

Ich nehme als „Peilmarke“ für NW in diesem Fall den Leuchtturm „Alte Weser“. Der ist zwar etwas weiter draussen, aber sooo genau kommts auch nicht drauf an. Dort ist NW eine Stunde vor Bremerhaven. Von der Schleuse Hooksiel bis zur Doppeltonne 13 in der Weser sind es ca. 14 sm. Bei 5 Knoten wären das knapp drei Stunden, aber Dank des Gezeitenstroms schafft man das locker in zwei Stunden.

Wir fahren durch die Mittelrinne. Also von Hooksiel ins Jadefahrwasser bis zur Tonne 24. Das ist dann auch gleich die M14 der Mittelrinne. Man kann auch etwas über die Schillig-Reede schnibbeln, Wasser ist da genug (wir fahren ja bei ablaufendem Wasser recht kurz nach HW). Noch ein Hinweis zur Ansteuerung Hooksiel bzw. der Rausfahrt aus dem Vorhafen: Man soll sich ja immer an die Tonne H3 halten (ist auch in den Seekarten eingetragen), weil es dort sandige Untiefen gibt. Zwei Stunden nach HW ist da aber genug Wasser (für uns mit immerhin 1,45m Tiefgang), um es nicht gaaanz so genau zu nehmen.
In der Mittelrinne folgt man den M-Tonnen (die ziemlich weit auseinander liegen), das pummelige Leuchtfeuer „Mellumplate“ lässt man immer an Backbord und fährt einen grossen westlichen Bogen. In der Ferne kann man östlich schon den Windpark Nordergründe erkennen. Der bleibt auch immer da 🙂

So, irgendwann ist man bei der M4 und spätestens hier kann man nach Osten abbiegen und ab der Tonne 13 wieder südlich, Richtung Bremerhaven gehen. Ich bin mir sicher, dass man auch schon etwas eher rüber kann, möchte diese Empfehlung aber nicht aussprechen (Tiefgangabhängig). Ich selbst werde jedes mal wenn ich da bin etwas mehr schnibbeln und loten und mich so rantasten…

Nun folgt man dem Tonnenstrich nach Bremerhaven und gut ist. Das sind ca. 26 Meilen, die man mit dem Flutstrom durchaus in reichlich drei Stunden schaffen kann. Eher dauert es aber vier Stunden. Und wenn man so fahren muss, dass man nicht genau das NW „unten an der Tonne 13“ erwischt, dann kann es auch länger dauern…

Hinweis:
Entscheidet euch immer rechtzeitig, auf welcher Seite ihr die Tonnen passieren wollt! Die kommen sehr schnell näher, wenn die Strömung schiebt (SOG von 8 Knoten und mehr ist nicht unüblich).

Teil 3 der Hooksielreise

Holger

Am Montag kam die nächste Etappe von Elsfleth nach Bremerhaven die Weser runter, ca. drei bis vier Stunden Fahrt. Nachts hatte es gewittert und gehagelt und wir hofften, dass die Wettervorhersage sich doch noch erfüllt… und so war es auch: Bis mittag drehte der Wind günstig für uns, auch wenn es ständig nach Regen aus sah.

Gegen 15:00 Uhr legten wir ab Richtung Schleuse. Das Schleusen war keine große Sache, denn die Weser hatte fast Hochwasser. Draußen machten wir Fender und Leinen klar und zogen die Fock hoch. Bald könnten wir den Motor aus machen und machten um die vier Knoten Fahrt, dabei fuhren wir noch etwas gegenan. Vor Brake war die Weser sehr kabbelig. Das Wasser rauschte am Bug der Slocum vorbei… Hinter der Fähre Sandstedt dann entschieden wir uns, auch das Groß hoch zu ziehen. Am Tag vorher hatten wir noch ein Reff ins Gross gebunden, weil  ich das noch nie bei diesem Boot gemacht hatte und vorbereitet sein wollte. Ich liess es drinnen, denn Reff ausschütten kann man ja immer, wenn nötig. Jetzt, mit dem gerefften Gross dazu segelten wir mit 7+ Knoten. Ab und zu zeigte sich sogar die Sonne!

Leider ging die Fahrt nach ziemlich 3,5 Stunden zu Ende. In Bremerhaven angekommen, holten wir die Segel ein und die Schleuse in den Neuen Hafen hatte schon geöffnet. Das war noch recht spannend, denn unser kleiner Bukh musste ganz schön ackern, um uns gegen das ablaufende Wasser voran zu bringen. Leider öffnete mit dem Schleusentor auch der Himmel seine Schleusen und es regnete wie aus Eimern und der Wind fühlte sich an wie Sturm! Wo kam das denn her? Hatten sie im Jaich das schlechte Wetter eingefangen? Anlegen gegen „Sturm“ und Regen muss man auch mal gemacht haben…. wer es kennt, der weiss, wie hart das ist und einem Laien braucht man es nicht erklären. Selbstverständlich kam nach dem Anlegemanöver wieder die Sonne raus und der Wind lies nach.

Am Dienstag fuhren wir mit dem Wesersprinter nach Hause und am Freitag werden wir wieder zum Boot fahren. Der Plan: Samstag gehts auf die letzte Etappe nach Hooksiel!