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das war der Plan

Seewetterbericht herausgegeben vom Seewetterdienst Hamburg
20.10.2019, 06 UTC:
Vorhersage gültig bis heute Nacht:
Deutsche Bucht :
Südwest 4, vorübergehend schwachwindig, später Nordost 3
bis 4, anfangs Schauerböen, strichweise Gewitter, See 1 Meter.

Das war das Wetter für unsere Überfahrt am Sonntag. Wir waren ja schon Freitag nach Hooksiel gereist bzw. haben uns bringen lassen. Dort zogen wir noch das alte Vorsegel in die neue Rollanlage und steckten ein Reff ins Groß, weil wir eigentlich am nächsten Tag los wollten und aber für Samstag starke Winde angesagt waren. Sowohl über Jade Traffic als auch vom DWD. Leider habe ich die passende Mail nicht mehr. Wir wollten gleich die erste Schleuse um 9 nehmen, dann durch Jade und Mittelrinne zur Doppeltonne und Richtung Bremerhaven segeln, wie wir es schon oft gemacht haben. Samstag morgen, noch im Bett, checkten wir Windfinder, nachdem wir die UKW-Meldung auf Ch63 gehört hatten:

Browserbild von Windfinder

Sechs Bft in Böen kriegen wir ja noch gut hin, zumal unsere Slocum sowieso einiges an Wind braucht, aber: 6er Böen aus Süd, wo wir auflaufendes Wasser in der Weser haben? Wind gegen Strom will man da echt nicht. Wir hatten das schon mit weniger Wind in die andere Richtung erlebt und das war übler als nur unbequemes Gehopse. Da die Funkansagen noch unvorteilhafter klangen, fasste ich den Beschluss nach Kopfnicken meiner Frau: Nein, heute fahren wir nicht, denn genau, wenn wir „ganz oben draussen“ sind, soll es am dööfsten sein. Ganz nebenbei wurden noch Wellenhöhen von 1,6m angesagt. Da wird es ja schon schwer, die Tonnen zu finden und schnibbeln bei der M4 oder gar M6 sollte man auch nicht…. für Sonntag dagegen sah das vielviel besser aus und:

So machten wir am Samstag noch einen weiteren Tüdeltag, duschten ausgiebig, kochten lecker an Bord (Nudeln mit Truthahnfleischgemüsemixtomatensosse), klarierten Leinen und Kabel, schütteten das Reff wieder aus dem Groß und Sonntag traten wir dann die Reise an, welche Angela beschrieb. Leider blieb die südliche Komponente im Wind, so dass wir auf der Weser nicht richtig in Fahrt kamen, die dazu erforderliche Höhe können wir einfach nicht laufen. Mit Maschine (und Motorkegel!) ging es dann, trotzdem haben wir das Fahrwasser noch einige Male gekreuzt.Dadurch waren wir letztendlich auch langsamer als gedacht, obwohl die Eckdaten eigentlich grob passten: Wir waren 12:08 oben in der Weser (aber hat schon drei Stunden gedauert, nicht weniger, was besser für die Planung gewesen wäre), hatten die Doppeltonne 13 hinter uns und machten die Maschine aus (da dachten wir noch, wir könnten einige Stunden nur segeln), gegen 16:00 waren wir an der Columbus-Kaje und halb fünf hatten wir die Schleuse „Neuer Hafen“ quer ab. Aber wir wollten da nicht rein, weil der angekündigte Regen nicht kam, wir hatten nicht viel zu tun, weil Andreas meistens steuerte (Angela sitzt gern mal an der Pinne, ich lass lieber den Automaten ran), konnten also durchaus noch weiter fahren. Langes Segeln, kurzer Sinn: Wir hatten schon zu viel Zeit gegen die Tide verloren.

Norwegian Encore – das neueste Kreuzfahrtschiff der Meyerwerft in BHV

Noch ein Wort zu den Fotos, die Angela im Beitrag hat: Der Profi mag sich wundern, dass das Unterliek des Vorsegels recht bauchig wirkt, wo wir doch hoch am Wind fahren sollten? Richtig, die Erklärung lautet: Die alte Genua hat ein etwas längeres Vorliek, weil die Trommel damals tiefer saß. Nun hatte ich unten zu viel Tuch und zwischen dem Ende der Keder und der Schlaufe zum Einpicken des Vorsegels entstand eben jene Wölbung. Ein Stückchen höher nur sah es viel besser aus.

Die Saison geht zu Ende

Endlich haben wir es auch geschafft, unser Boot liegt wieder in der Nähe 🙂

Am Sonntag sind der Ehemann und ich in Hooksiel aufgebrochen um die Slocum nach Hause zu holen.
Geplant war die Überfahrt schon für letztes Wochenende, aber meistens kommt es anders als man denkt.

Die Überfahrt war problemlos. Nur in der Schleuse hab ich mich auf dem rutschigen Schwimmsteg abgelegt! Hui, was für ein Schreck! Aber es ist alles heile geblieben (außer meinem Stolz).

Auf der Jade schien sogar die Sonne. Ab der Weser zog der Himmel zu. Der Wind nahm vor Bremerhaven merklich ab. Alles lief so gut, dass wir uns entschlossen bis Elsfleth durchzufahren. Der Ehemann bereitet unter Deck eine kleine Mahlzeit zu, so blieben wir warm.

Hinter Nordenham fing es leicht an zu regnen. Da waren wir bereits knapp 8 Stunden unterwegs…

Bei Sandstedt wurde es langsam dunkel. Zum Glück sind die meisten Tonnen auf der Weser beleuchtet. Es regnete immer noch leicht.

Vor Brake kippte die Tide. Wir hatten Stillwasser und fast Windstille! Die Sonne hatte bis dahin einen zauberhaften Sonnenuntergang beschert. Nun war es komplett dunkel. Keine Sterne, kein Mond am Himmel, nur Wolken und leichter Regen.

Es wurde immer später und die Weser strömte gegen uns. Wir riefen den Sohn an, ob er uns wohl später aus Elsfleth mit dem Auto abholen wollte.
Außer uns schien kein Boot auf der Weser unterwegs zu sein.

Es wurde noch mal spannend, als wir in die Hunte abbiegen wollten! Das Sperrwerk ist so beleuchtet, dass mich die ganzen Lichter verwirrt haben! Ich hätte die Einfahrt verpasst, aber der Ehemann fuhr sicher durch das Lichtermeer. Dann tauchte vor uns endlich der Steg des Stadthafens auf.

Nach dem Erlebnis am Morgen hatte ich keine Lust mehr auf den Steg zu springen! Wir besprachen unsere Vorgehensweise während einer Ehrenrunde und legten das perfekte Anlegemanöver hin! Leider hat es zu der späten Stunde keiner gesehen 🙂

Tatsächlich erschien der Sohn mit dem Auto und brachte uns nach Hause. 12 Stunden auf dem Wasser, das ist Rekord für uns 🙂

Die Sache hatte einen Haken

Und zum Titel dieses Beitrages muss man hinzufügen: Zum Glück war da ein Haken!
Heute wollten wir (eben schnell) die Segel wieder anbringen. Dazu sollte ich erwähnen, dass wir neulich den Mast (eben schnell) legten, weil wir eine Rollreffanlage bekamen und dazu ein Vorstag getauscht werden musste (wir haben zwei Vorstagen). Also mussten wir alle Segel abschlagen, Baum ab und mit dem Spibaum den Mast legen. Ging gut. Aufstellen war auch kein Problem. Und eben die Segel wieder antüdeln ist doch auch ein Klacks. Eigentlich. Ich machte mich ans (alte) Vorsegel, welches ich an die (alte) Topreff-Rollanlage (hier erwähnt) baute und Angela sollte/durfte/musste das Großsegel anschlagen. Hat sie so noch nicht gemacht und wir dachten: „Mach mal, ist nicht schwer und dann weisst du, wie das geht“. So weit, so gut. Und aber dann passierte was, was wohl jedem Segler irgendwann mal passiert: Das Groß wurde ein Stück hochgezogen und *zack*, kam es wieder runter. Das Großfall aber nicht. Für die Laien, die hier mitlesen: Das Großfall ist das Seil, mit dem man das Segel hochzieht und natürlich auch wieder langsam, kontrolliert, runterlassen kann. Wenn das nun aber ohne Verbindung zum Segel oben bleibt, dann kriegt man es nicht wieder runter. Am Seil schieben geht ja nicht. Nicht mal bei uns, wo wir ein Drahtseil statt einer „Leine“ als Fallen haben. Nun baumelte also der Schnappschäkel in gut 10m Höhe. Angela und ich guckten uns an und dachten wohl das gleiche. Angela sprach es auch gleich aus: „Dann musst du mich wohl mit dem Bootsmannstuhl hochziehen“. Und ging schon in die Kajüte, um den ausm Schrank zu holen. Tapfer stieg Angela da hinein und musste voll lachen, als ich anfing, sie hochzukurbeln. Das hörte aber nach gut 2 Metern auf. Und ich musste echt ackern, denn das Kurbeln an der Winsch ging immer schwerer. Vermutlich, weil sich das Drahtseil selbst einklemmt, wenn da Last drauf ist. Leider konnte ich sie nicht bis nach oben kurbeln und trotz Teleskop-Bootshaken kam sie nicht ganz oben ran. Und etwas mulmig war ihr auch, was ich absolut verstehen kann, denn die wenigen Meter machen an so einem Mast und überm Wasser doch schon was aus. Nee, das geht so nicht. Langsam kurbelte ich sie wieder runter und anschliessend standen wir da und glotzten einige Zeit mit offenen Mündern zum Masttopp. Ich ging im Kopf einige verrückte Optionen durch, unter anderem grübelten wir, wo wir denn flott ein Kind herbekämen, das wir sicher eben ganz leicht und schnell da hochziehen können.

Dann entschieden wir uns für die Methode TGZH: „Tüdeln mit Geschick, Zufall und Hoffnung“. Dazu nahmen wir die Dirk, banden dort einen dicken Wust aus Tampen dran und vermuteten, dass ganz vielleicht ja der offene Schäkel sich in diesem Wust verhakt und wir das so runter kriegen können. Von wegen. Wir versuchten noch einige andere Ideen, wie z.B., eine Schlinge mit einer dünnen Leine an die Dirk zu binden, das dann hochzuziehen, die Schlinge über den Großfallschäkel ziehen zu können, dann die Schlinge zu und alles wieder runter lassen. Gute Idee? Richtig, aber funktioniert hat es nicht. Was dann schliesslich entwickelt wurde und geklappt(!) hat, war, Ta-taa!, das hier:

Zur Ehrung nennen wir diesen Kleiderbügel nun Hook

Wir banden den Kleiderbügel so an die Dirk, dass wir ihn mit einer Hilfsleine, links unten und rechts oben im Bild erkennbar, quer stellen konnten. Mit einem kurzen Tampen sorgten wir dafür, das er auch noch horizontal „lag“. Wie man auf dem Foto vielleicht erkennen kann, hat sich in der Tat unser Hook am Querbolzen des Schäkels verhakt. Dass das überhaupt gehalten und funktioniert hat! Toll, weil die nächste Option wäre auch noch gewesen, zur Schleuse zu fahren und den Schleusenwärter zu bitten, sich aus seinem Fenster im Turm zu lehnen und das zu klarieren. Wir hätten ja noch einen gut bei ihm 🙂

Nun überlege ich, ob ich an das Großfall eine dünne Sorgleine binden soll, oder ob die wiederum wo anders stören könnte… ich werde das mal testen, denn ein ausgerauschtes Fall kann immer mal passieren und meistens dann, wenn man es gar nicht gebrauchen kann.

Ein Segeltörn an der Ostsee

Dieses Mal sind meine Mädels mitgefahren zum Segeln auf der Ostsee. Alle freiwillig und drei ohne Segel- Erfahrung. Wir sind Donnerstag schon gestartet mit dem Van eines lieben Bekannten, damit wir nur ein Auto brauchten.

Der Törn startete in Stralsund. Wir durften eine Nacht vor Beginn der Reise an Bord übernachten, damit es auch pünktlich losgehen konnte. Es sollte rund Rügen gehen. Auf Grund des starken Windes wurde aber umgeplant. Es ging in den Greifswalder Bodden. Für mich super, denn so lernte ich 2 weitere Häfen kennen (Rund Hiddensee und Rügen hatte ich ja bereits im Mai absolviert). Der erste Schlag war mit Windstärke 6 schon ganz ordentlich! Alle Mädels seefest 🙂

Der Wind kam achterlich (von hinten), somit war es an Bord merklich angenehmer als befürchtet.

Die Skipperin hatte einen Hafen in der Peene gewählt. Sehr schön gelegen. Das Wetter war phantastisch und wir konnten bis in die Hafeneinfahrt von Karlshagen segeln.

Am nächsten Tag ging es über den Bodden nach Rügen. Eine ruhige Überfahrt. Sehr entspannend. Als wir im Bodden ein anderes Boot überholten, bekamen wir Anerkennung gezollt. Wir, das Mädel-Boot segelten unter vollen Segeln, während die Bavaria motorte, wir wurden sogar fotografiert.

Abends lagen wir in Lauterbach. Dort ist die Vilm-Werft ansässig.

Es lagen einige schöne Vilm-Yachten im Hafen❤️ Wir sind ein geiles Anlegemanöver gefahren!

Am letzten Tag habe ich meine Mädels allein gelassen und bin auf dem 2. Boot mitgefahren. Dort geht es sportlicher zur Sache und es wurde (leider) weniger gelacht. Aber ich hatte Spaß!

Eine Segelfahrt mit so viel Lage habe ich noch nicht mitgemacht! Windstärke 7 in Böen 8! Es war so toll!

Vor Stralsund mussten wir die Brückenöffnung abwarten. Die Boote wurden nebeneinander gelegt und es gab noch mal Kaffee an Bord. Während wir warteten, kam eine dritte Yacht längsseits und bat darum mit durch die Brücke gezogen zu werden.

Kein Problem für den Skipper!

Eine liebe Freundin überredete mich dann, mir ein Meilenbuch ausstellen zu lassen.

Das Wochenende war wunderschön, den Mädels hat es auch gefallen 😉

www.seatrips.de

Urlaub im August 2. Woche 2. Teil

aus Sicht von Angela

Mittwoch war geplant: Heimreise über Nacht mit Schlafen im Schleusenvohafen Hooksiel. Aber, wie schon so oft in diesem Urlaub: die Vorhersagen änderten sich und es klang wenig attraktiv… also Mittwoch durchs Watt bis Spiekeroog. Sehr schöne Überfahrt! Gesegelt auf dem Prickenweg, Sonne…

Donnerstag nun 30 Seemeilen segeln nach Hooksiel. Vorhergesagt war leichter Wind aus West. Musste doch ne nette Überfahrt werden! Also ich sag mal so: es war ok. Wir sind zwar von einer mords Dünung vor Wangerooge überrascht worden und haben dank eingeschlafenem Wind ewig gebraucht, aber entschädigt wurden wir von einem tollen Sonnenuntergang, einem unbeschreiblich schönen Mond, einer seichten Jade und einer Nacht vor Anker, die mit einem super Sonnenaufgang endete. Durch die Dünung vor Wangerooge ist einiges durcheinander gepurzelt an Bord! Das war doof.

Im Hooksmeer angelegt, haben wir erst mal eine Mütze Schlaf nachgeholt und später das schöne Wetter genossen. Samstag dann suppen bis in den alten Hafen und am Strand Bier und baden, geil!

Sonntag: das letzte Frühstück an Bord wurde genossen und der Tag voll ausgenutzt 😉

Dieses Mal sind wir mit Gudrun und Boris Richtung Insel im Hooksmeer aufgebrochen. Was für ein herrlicher Sommertag! Vor der Insel vor Anker lagen Freunde von uns, die uns zum Urlaubsende ein Bier ausgaben, sehr schön!

Urlaub – Fluch der Küstenverkehrszone

Teil zwei (hier ist Teil eins)

Aber erstmal mussten wir dort sein, das war noch ein recht weiter Weg. Zwei Sachen mit dem Wind waren aber blöder als man denkt: Er war nicht besonders stark und er kam zu weit achterlich. Für die Leser, die noch nicht gesegelt sind: Wenn der Wind genau von hinten kommt, dann liegt das Vorsegel vor dem Gross im Windschatten und flappt (extrem nervenaufreibend) hin und her. Dafür gibt es diverse Lösungen: Nur mit Vorsegel fahren. Dazu sollte man aber ein recht grosses (eine so genannte Genua) nehmen, um den Wind gut auszunutzen. Oder gleich ein Leichtwindsegel (Gennaker, Spinnaker, Blister und wie sie alle heissen). Beides hatten wir nicht an Bord. Es gibt noch eine weitere Möglichkeit: Schmetterlingssegeln. Dabei sind Gross- und Vorsegel jeweils zu einer Seite des Bootes ausgebracht. Dieses Manöver hat aber auch seine Nachteile: Man sollte das Vorsegel ausbaumen und das Gross mit einem Tampen (Bullenstander) sichern, damit ein Winddreher nicht das Segel auf die andere Seite rauschen bzw. sausen lässt. Sowas kann fatal sein! Dazu kommt, dass so ein Kurs schwer zu steuern ist: Immer ziemlich den Wind genau achterlich, das schafft ein Pinnenpilot nicht. Und was mich dabei eigentlich noch mehr stört: Das Boot rollt hin und her, leider ohne Rythmus. Dabei ändert sich auch immer der scheinbare Wind auf den Segeln und sie stehen nicht immer gut usw usf. Kurz: Ich mache das nicht gern. Lieber kreuze ich etwas vor dem Wind, so dass er immer etwas seitlich auf das Boot trifft. Dadurch kriegen beide Segel genug Schub.
Jetzt hatten wir Spiekeroog an Steuerbord und es geschahen zwei Dinge auf einmal, die sich nicht gut ergänzen: Der Wind liess noch mehr nach (deutlich unter 3 Bft) und von irgendwo aus Nordwest der Nordsee rollte eine kräftige Dünung an, locker 1,5m Höhe. So schräg von hinten wurde die Slocum angehoben, kippte zur Seite, rollte, surfte den Wellenkamm ab und rollte auf die andere Seite. Wenn dann nicht Fahrt genug im Boot ist, dann ist das nicht nur nervig sondern schon gefährlich! Unten in der Kajüte fingen die Dinge an, aus ihren vorgesehenen Stauräumen zu fliegen und kullerten auf dem Boden umher, wenn sie nicht schon vorher zerbrachen (so wie unsere Pfeffermühle, überall kleine Scherben und Pfefferkörner) oder ihren Inhalt verteilten (Logbuch, Stifte, Zettel etc.). Wir machten die Maschine wieder an, fanden aber weder die richtige Geschwindigkeit noch Kurs, um die Lage zu verbessern. Wir hatten ja das ablaufende Wasser gegen uns und die Geschwindigkeit der Wellen hätten wir unter Maschine (20 PS) nie erreichen können. Also lieber wieder Motor aus, etwas näher unter Land und das beste daraus machen. Ab der Sechs-Meter-Tiefenlinie wurde es erheblich ruhiger, aber den anliegenden Kurs konnten wir nicht halten. Irgendwann mussten wir noch einen nördlichen Schlag machen und kamen natürlich wieder in die laufende Dünung, so ca. ab der 10m-Linie. Nützt ja nix. Wir passierten den Pegel dort und konzentrierten uns darauf, an der nördlichen Buhne von Minsener Oog vorbei zu kommen, ohne ins Jade-Fahrwasser zu geraten. Dort kam auch schon ein dicker Pott von hinten näher. Nicht, dass dort permanten riesen Schiffe hin und her fahren, neinnein. Die machen das immer nur dann, wenn man es eigentlich gerade nicht gebrauchen kann. Immerhin helfen die Pötte einem (indirekt), die Tonnen zu finden. Ihr müsst wissen: Wenn man von Westen kommt, dann ist dort am Horizont von Nord nach Süd und noch weiter alles voller Lichter! Da muss man erstmal erkennen, was Windrad, Tonne, Schiff oder Stern ist. Wir hoppelten also auf die Jade zu und ich konnte es kaum erwarten, um die Ecke zu kommen, weil dahinter ganz sicher die Dünung aufhörte. So war es auch, aber diese knappe Kurve mit ihren Untiefentonnen hat es nun mal in sich. Vermutlich war es gut, dass es schon dunkel war, als wir dort waren und das Buhnentürmchen nur noch als schwachen Schemen erkennen konnten, wenn man wusste, wo man hingucken sollte und was man eigentlich sucht.
Nach dem Abbiegen in die Jade legte ich mich erstmal lang ins Cockpit und ruhte ein wenig. Angela übernahm die Wache und hatte sowohl den grünen Tonnenstrich als auch die Reedetonnen gut im Griff. Der Bukh knatterte vorsich hin, das Segel stand gut, die wilde Dünung wurde duch schwachen Schwell ersetzt: So kann man schlummern!
Irgendwann kam dann das Muschelfeld in Sicht (die Ecktonnen sind gelbblinkend beleuchtet und wir bereiteten uns auf die kommenden Manöver vor: Segel bergen und danach ankern. Um es vorweg zu nehmen: Beides klappte wie erwartet. Das Segel band ich am Baum fest und dirigierte Angela, die an der Pinne sass, zum geplanten Ankerplatz. Es war 1:00 Uhr Nachts, wir waren zehn Stunden unterwegs, das Niedrigwasser war durch, die Flut kam. Wir fanden eine Stelle, wo es 4,6m tief war. Das passte ganz gut. Wenn die Flut noch gute drei Meter dazu packt, sind wir bei knapp 8 Meter Wassertiefe. Also liess ich einfach die ganzen 30m Ankerkette auslaufen, schadet ja nicht. Wir brauchten nicht mal richtig eindampfen, der Flutstrom grub unseren Anker ein, denn flucks hatten wir stehende Peilungen.
Ich übernahm die erste Wache und Angela legte sich unten in der Kajüte hin. Ich machte es mir im Cockpit gemütlich, schaute auf Land, Wasser, Beleuchtung, Sterne und den halben Mond und liess die Fahrt Revue passieren: Das war es wert!

zu klein, um die Route zu sehen?

Gegen halb vier ging ich nach unten und machte mir ein Brot mit Wurst, ich hatte ja seit Spierkoog nix mehr gegessen. Angela wachte auf und wir machten Wachwechsel. Wie schön kann eine schmale Koje mit einer warmen Decke sein! Als ich erwachte, da war es schon hell. Das Hochwasser war etwas eher als wir dachten und so konnte Angela live erleben, wie unser Boot sich vor Anker drehte und dieser sich einfach in neuer Richtung neu eingrub. Cool! Wir hatten nur 2m mehr Wassertiefe danach. Aber der Anker hielt!
Da um acht die erste Schleusung ist, fingen wir um 7:05 an, den Anker aufzuholen. Mit Hand und Ankerwinde die ganze Edelstahlkette einholen, ist nicht ohne! Aber dennoch dauerte es nur Minuten und um 7:13 waren wir frei und nahmen Kurs auf den Vorhafen bzw. erstmal die Tonne H3, die nun ein Stück voraus lag. Schon um 7:20 waren wir im Vorhafen und machten kurz an der Spundwand fest (die Fischerkähne wurden gerade gereinigt). Aus der Schleuse kamen in der Tat drei Segler und wir konnten rein. Um 8:13 Uhr fuhren wir schon wieder raus ins Hooksmeer, es gab nur 30cm Schleusenhub. Punkt 8:40 haben wir an unserem Platz an Steg 8 festgemacht und da wir eh unter Jetlag litten, teilten wir uns erstmal ein Schöffehofer Grapefruit, bevor noch für ein paar Stunden in die Koje gingen.
Am 22.08. um 15:00 fuhren wir los und kamen am 23.08. um kurz vor neun an:
Ende des Törns, aber nicht unseres Urlaubs!

Urlaub – Slocum, quo vadis

Slocum, quo vadis?
(Fotos folgen)
Wir hatten gleich für zwei Tage beim Hafenmeister auf Langeoog bezahlt. Wenn wir es besser gewusst hätten, dann wären wir nur eine Nacht geblieben und wären den nächsten Tag nach Baltrum und darauf nach Norderney gefahren. Sind wir aber nicht. Eigentlich hatten wir keine Lust mehr, durch Watten und Pricken von Insel zu Insel zu hüpfen, lieber wollten wir mal einen entspannten längeren Schlag segeln. Dazu bietet es sich an, aussen rum zu fahren. Wir studierten Wetter und Gezeiten, verglichen und rechneten und wägten ab: Mit einem langen Schlag von Langeoog nach Hooksiel! Das sind 38sm, da brauchen wir locker über 10 Stunden, zumal man ja erstmal durch das Gatt fahren muss. Vermutlich brauchen wir noch länger aber das ist ja ganz gut so, weil Angela auch mal nachts unterwegs sein möchte und wir das für unseren nächsten grossen Törn auch mal trainieren können. Das Finden und Erkennen von Schiffen, Tonnen und anderen Seezeichen ist nachts nämlich eine Eigenheit für sich.

Es ergab sich aber, dass am geplanten Tag der Wind ziemlich einschlafen sollte und zudem danach aus der „falschen“ Richtung kommen sollte (im Gegensatz zur ersten Woche unseren Urlaubes, wo er so unstet und zu kräftig war). Da hätten wir viel motoren müssen und genau das wollten wir nicht. Lieber wollten wir Segel hoch, Andreas eingestellt und sinnig übers Wasser gleiten. Also haben wir noch mal die Tide gerechnet und Windfinder bemüht, sind dann nochmal zum Hafenmeister und haben den Aufenthalt um eine Nacht verlängert. Am nächsten Tag sind wir dann wieder durch das Watt nach Spiekeroog. Und das war eine ganz schöne Fahrt! Wiedermal kam uns mitten auf dem Prickenweg ein dicker Tonnenleger entgegen, sowas!

Dem weicht man auch bei den Pricken besser aus

Spiekeroog ist schon fein: Die Zufahrt nicht abenteuerlich aber Besonders, der Ort liegt direkt am Hafen, klein kuschelig und genug Restaurants etc., um den Tag zu verbringen. Wir waren abends beim Italiener neben der Museumsinselbahn. Den nächsten Vormittag haben wir noch am Strand verbracht, denn ich liebe es, wenn das auflaufende Wasser meine Füsse umspült und ich mal so garnix denken muss sondern schweifen kann.
Wir lagen mit dem Boot wieder aussen am Steg, dennoch war das Niedrigwasser so niedrig, dass man auch um unsere Slocum den trockenfallenden Meeresgrund sehen und riechen konnte. Interessant, das war letzte Woche nicht so. Da wir nur eine Nacht bleiben wollten, verzichteten wir auf die Drei Euro Strompauschale. Ein, zwei Tage können wir locker mit Bordstrom auskommen.
Von hier aus sind es ca. 32sm bis nach Hooksiel. Mit dem Routerplaner von Navionics sogar nur 30sm. HW sollte gegen 16:45 sein. Also wollte ich zwei Stunden vorher los (wie immer und überall im Wattengebiet). Angela und ich wägten ab: Eher los und sich gegen den Strom durchs Gatt drücken oder nach Hochwasser los und vom Ebbstrom rausziehen lassen? Hat alles sein für und wider. Ich entschied mich für das erste, denn durch das Gatt bin ich noch nicht gefahren. Und obwohl es viel breiter ist als z.B. Das Seegat bei Wangerooge wollte ich vorsichtig sein. Auch wenn man nicht so flott voran kommt (2 Knoten Strom sind nicht ungewöhnlich und damit verschenkt man bei 4 Knoten Fahrt quasi 50% seines Kraftstoffverbrauches).
Die Fahrt durch die Otzumer Balje lief wie erwartet. Fast: Es gibt noch eine Tonne OB2A?! Da mussten wir einen kräftigen Linkshaken schlagen, um die noch zu kriegen und nicht auf irgendein Flach zu donnern. Gut, dass ich das Echolot immer im Auge habe und mich wunderte, dass es langsam immer flacher wurde… in der Navionics-Karte hatte ich diese Tonne gar nicht wahrgenommen und direkt den Kurs gerade aus abgesteckt. So schafften wir das Gatt aber gut. Wir hatten schon nach der Inselzufahrt das Gross hochgeholt, welches den Motor gut unterstützte. Nebenbei erwarteten wir, dass das Großsegel ein ggf. auftretendes Rollen etwas dämpfen würde. Das war auch so. Nach dem Gatt bogen wir rechts ab und aktivierten den PiPi, liefen unter Segel und machten die Maschine aus. Es war 17:09 Uhr. Da hat uns die Otzumer Balje doch mehr Zeit gekostet als wir dachten. Das war aber nicht schlimm, denn: Niedrigwasser bei Hooksiel sollte gegen 23:20 sein. Vorher würden wir das eh nie schaffen, also ist es gut, wenn wir später dort sind. Denn dann kann uns das auflaufende Wasser etwas schieben. Ausserdem hatten wir die Idee, nicht im dunkeln und kurz nach NW in den Vorhafen zu tuckern und dort für den Rest der Nacht einen Platz zum Liegen zu suchen sondern wir wollten vor dem Hooksieler Strand ankern. Dazu ist es gut, wenn die Tide schon gekippt ist, das macht die Sache einfacher. Unsere so praktischen wie hübschen Taschenlampen hatten wir uns schon parat gelegt.

(Ende Teil 1, hier gehts weiter)

Jubiläums-Unterbrechung

Ich muss mal eben aus besonderem Anlass eine wichtige Information zwischen unsere Urlaubs-Beiträge schieben:

Wir hatten Jubiläum! Und zwar war dieser hier der hunderste Artikel in unserem kleinen Boote-Blog! Das hätte ich noch gar nicht erwartet. Aber gut, wollen wir gar nicht lange drüber sinnieren sondern uns lieber auf die nächsten 100 freuen, die hoffentlich noch kommen werden 🙂

Urlaub – Good morning, Langeoog

Na gut, eigentlich war es nicht morgens sondern Nachmittag, als wir auf Langeoog ankamen. Aber da meine letzten beiden Beiträge Buch- bzw. Filmtitel im Namen hatten (falls es überhaupt jemand bemerkt hat), wollte ich das bei diesem auch machen und mir fiel nichts passenderes ein.
Gegen 14:30 sollte auf Langeoog Hochwasser sein, also machten wir uns ab 12:15 auf Spiekeroog startklar. Der Weg am Seegat vorbei war etwas zäh und hubbelig, aber der Rest war Prickenwegmässig seicht (bis auf ein paar überraschende grössere Wellen und einem an den Pricken entgegenkommenden Ausflugsdampfer…). Wasser hatten wir immer genug, nie weniger als 1m unterm Kiel. So konnten wir um 15:10 im Hafen von Langeoog festmachen.

Ohne Pfeil nicht zu finden, die Slocum

Die Wettervorhersagen war immer noch wechselhaft und unsicher, man konnte keine Weiterfahrt planen. Also machten wir: Urlaub. Der Ort von Langeoog hat viel zu gucken, wenn er auch ein Stück vom Hafen entfernt ist. und der Strand ist auch toll. Ich halte doch so gern meine Füsse ins auflaufende Wasser, hier hinterm Wasserturm konnte ich das wieder geniessen. Noch ein Restaurand-Tipp: Die Kajüte am Hafen. Um lecker zu essen muss man nicht in den Ort…
Dienstag entschlossen wir uns, am nächsten Tag aussen rum in einem Rutsch nach Hooksiel zu segeln. Mittwoch stellten wir fest, dass der Wind nicht nur nachliess sondern auch später auf Süd drehen sollte. Das konnten wir gar nicht gebrauchen. Also: Mittwoch erstmal wieder nach Spiekeroog und dann weitersehen. Immerhin scheint die Sonne, ist ja eher ungewöhnlich im August.

2. Woche 1. Teil

aus Sicht von Angela 😉

Samstag (17.08.) wachte ich durch Regenprasseln und Windheulen auf. Dieses Mal stimmte die Vorhersage also 😉

Gegen Mittag hörte der Regen auf und der Ehemann machte mir das Klapprad klar.

Ich umrundete mit Rückenwind die Insel und freute mich am Strand über einen Augenblick Sonne. Im Inseldorf hatten viele Geschäfte bereits geschlossen, es war Samstag- Mittag…

Zurück an Bord gab es einen kleinen Imbiss und es fing an zu schütten wie aus Eimern, Glück gehabt! Wir legten eine Siesta ein, denn abends ging es ins Pub auf Bier und Burger 🙂

Sonntag planten wir die Weiterfahrt nach Langeoog.

Oder Montag? Wir waren schon so im Urlaubsmodus, dass wir die Tage nicht mehr wussten 😉 Weiterfahrt war Sonntag, ist ja wichtig für die Tidenberechnung!

Das Wattfahwasser vor Langeoog war nicht spektakulär, was auch am wolkenverhangen Himmel liegen konnte. Ich sah wieder jede Menge Seehunde und wir hatten ordentlich Welle.

Das Boot Mr Krabbs hatte fast eine Stunde nach uns Spiekeroog verlassen, holte uns aber am Wattenhoch ein. Als wir wieder tieferes Wasser unterm Kiel hatten, überholte Mr. Krabbs. Das Gute war, als wir in den Hafen einliefen, standen die beiden Skipper am Steg und halfen uns beim Anlegen, vielen Dank dafür 🙂

Am darauffolgenden Tag liefen wir in den Ort 3,7 km!

Ich war ohne Jacke losgezogen und prompt wurden wir auf die letzten Meter nass! Also kaufte ich für 30,- Euro eine Regenjacke bzw besseres Wetter, denn natürlich regnete es nicht mehr😂

Spontan stiegen wir am Bahnhof in eine Kutsche zur Meierei am Ostende der Insel. Dort hatten wir 1 Std Aufenthalt mit lecker Brotzeit und Blick über die Dünen auf die Nordsee.

Zurück im Ort kauften wir ordentlich ein und erwischten einen Zug der Inselbahn zurück zum Hafen.

Für Mittwoch planten wir die Rückreise nach Hooksiel. Ab Donnerstag war mit Ostwind zu rechnen und die Tide wurde sehr ungünstig für eine spätere Rückfahrt.