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Ein ganz normaler Segelwochentag

Heute (Dienstag, 18.06.) war ja echt mal schönes Wetter und ausserdem hatte ich letztes mal mein Portmo, äh, Portemo, äh, meinen Geldbeutel im Boot liegen lassen. Da mussten wir also noch mal hin und den holen!

Schon gegen Mittag per Mail abgesprochen, dann Feierabend, zuhause umziehen, Kinder zusammenscheissen, Frau einfangen und ab auf die Autobahn Richtung Jadebusen. Den Chevy mal etwas mehr Gas gegönnt, der Tempomat wurde erst bei 116 km/h eingeschaltet 🙂 (ganz am Rande: Damit dauert die Fahrt eine gute Dreiviertelstunde. Als ich neulich mal mit unserem BMW nach Hooksiel geballert bin, brauchte ich 36 Minuten von Haustür zu Schranke und hatte ca. 225km/h aufm Tacho, also was soll die Jagerei).

Am Boot angekommen haben wir alles klariert (Persennings ab, Kabel wech etc) und sind aus der Box, aus unserer Stegreihe und aus unserer Bucht getuckert. Noch einmal links abbiegen und wir zogen gleich das Gross hoch. Was fiel uns auf? Oh, ein betonntes Fahrwasser auf dem Hooksmeer! Spät dran dieses Jahr, dafür neue richtig rote und grüne „Tönnchen“. Und ausserdem trieb da am (neuen) Fahrwasserrand etwas, das auf Anhieb und aus der Ferne aussah wie ein schwimmendes Garagentor.
Das war aber einer der Schleusenwärter mit noch einer helfenden Hand auf einem Stück Schwimmsteg, angetrieben durch einen niedlichen Elektro-Motor. Offenbar hatten diese gerade die Tonnen ausgebracht, wir hatten also einen waschechten Tonnenleger vor uns. Und dieser sprach uns vorsichtig an, als wir uns näherten: „Könnt ihr uns vielleicht bis zur Schleuse mitnehmen, also schleppen?“

Wir konnten, warum auch nicht. Ausser Segeln hatten wir ja nix vor 🙂
Also Gross wieder runter und „den Steg“ wieder näherkommen lassen, weil wir schon vorbei waren und unsere Slocum rückwärts nicht besonders gut zu steuern ist. Bei einigen Metern Nähe warfen die Jungs ihren Tampen rüber, ich machte einen Hahnepot über die achterlichen Klampen und wir gaben vorsichtig Gas: Das Ding war mehr Treibanker als Steg. Wo wir sonst 4 Knoten schafften, kamen wir nun knapp an die 3 ran. Aber nach der Waldabdeckung am Ufer rollten wir die Fock aus und die brachte in der Tat noch nen halben Knoten mehr auf die Logge. Die Jungs auf dem Steg blieben entspannt, also nahmen wir auch keinen Speed raus. Dennoch dauerte die Fahrt zur Schleuse locker 20 Minuten, zumal ich mich auf Grund der Wasserabsenkung dem Ufer nur vorsichtig näherte. Kurz vor der Schleuse plante ich eine Wende, in der ich gleichzeitig das zauberhafte Floss loswerfen wollte.
Ich informierte meine Vorschoterin und die beiden Verschleppten, nahm Gas weg und sprach: „Reee!“

Es geschah wie geplant, wir hatten „einen gut“ beim Schleusenwärter, der Tampen kam nicht in die Schraube und nachdem wir sauber durch die Wende liefen machten wir sogar 2,5 Knoten Fahrt. Aber nun fiel uns wieder zweierlei auf: Mit wenig Wind und viel Abdeckung ist Segeln nicht soo spannend (auf nem Dickschiff) und: Schleppen macht hungrig.

So steuerten wir (unter Segel!) einen Ankerplatz an und fast noch im Fahrwasser liess ich den Anker dann fallen. Die Segel klarieren geht uns noch nicht total locker von der Hand, aber wir wissen, was zu tun ist. So konnte ich bald Nudelwasser zum Kochen bringen (über Wasser- und Lebensmittelvorrat an Bord schreibe ich auch noch einen, nein, zwei Artikel…) und dazu eine Soße zaubern. Nicht nur wegen Wilfried Erdmann stehe ich auf Zwiebeln an Bord. Damit hat man einfach immer was Frisches zum kochen…

Angela und ich haben lecker und satt gespeist und während Angela danach versuchte, ein echt kniffeliges Mahjong am iPad 1 zu lösen, versuchte ich mich daran, allein und nur mit Segel vom Legerwall-Ankerplatz weg zu kommen. Hat nicht ganz geklappt, weil ich durch das Anker-aufholen immer das Boot „falsch“ durch den Wind gezogen habe, die Fock dann Back stand und… ach, es ist eben nicht so einfach (aber deswegen übe ich das ja). Dann Maschine an und versucht, kontrolliert rückwärts zu fahren. So richtig gut wird das nie gehen mit der Slocum, sie bricht schnell mal aus und man muss die Pinne sehrsehr behutsam bewegen. Aber mit Geduld und etwas Zeit und etwas mehr Raum kommt man schon dahin wo man hin will.

Nun mit Fock und Maschine zum Liegeplatz zurück und Angela hat schon während der Fahrt den Grossbaum mit der Persenning eingepackt. Das Anlegen zwischen den Dalben ist für mich wirklich schon zur Routine geworden, Angela ist nur noch etwas hibbelig, aber das legt sich auch bei jedem mal um einiges 🙂

Dann mussten wir noch den Abwasch machen und so war es schon 21:00 Uhr und die Fahrt nach Hause steht ja auch noch bevor. Ich wollte los, bevor es zu romantisch wird und so waren wir nach ca. 5 Stunden wieder da, wo wir vorher waren. Nur viel entspannter, weil wir auf dem Wasser waren und sogar segeln konnten (und ganz nebenbei etwas Karma sammeln).

Und schon wieder Wilhelmshaven

Wir waren doch neulich erst in Wilhelmshaven? Ja, genau! Und nun schon wieder. Die Entscheidung wurde uns relativ leicht gemacht:

  • Freitag Abend war das Sommerfest vom OYC, da konnten wir nicht nach Hooksiel zum Boot
  • Wilhelmshaven bzw. die Nassaubrücke ist ideal für einen kurzen Wochenendtörn, weil nahe bei und gut zu erreichen
  • In Wilhelmshaven war der Tag der Niedersachen
  • Die Tide passte perfekt

Also haben wir Freitag schön beim Bootshaus gefeiert, sind Samstag früher hoch als unseren Partygeschundenen Leibern gut tat und haben tatsächlich die 11-Uhr-Schleuse kriegen können. Hochwasser WHV sollte um 12:09 sein, also wäre die Schleusung eine Stunde eher seemännischer gewesen (aber StVO-mässig nicht vertretbar). Egal, sechs Knoten lagen immer an, und so schafften wir den Schlag in knapp zwei Stunden. Die Maschine lief mit, weil der schwache Wind aus Ost uns nicht allein nach vorne schieben konnte. Dafür wurden wir von Regen verschont, obwohl es angekündigt war. Von Liegeplatz zu Liegeplatz beträgt die Strecke übrigens exakt 11 Seemeilen, aber die Zeit messen wir eigentlich erst ab Hooksiel Vorhafen, weil das Schleusen ja doch immer etwas dauert. Na gut, dieses mal wollten nur zwei Boote raus und es ging flott…

Das Seestück die Jade hoch war nicht so wild, wir sind wie fast immer rechts von der „Insel“ geblieben. Erst beim Anlegen an den Steg vom WSC wurde es wieder etwas spannend, weil der Wind von hinten uns rein in die Box und etwas seitlich drückte. Netterweise stand schon jemand bereit und nahm eine Leine an. Nach dem Ausbringen von Spring etc. (es sollte noch aufbrisen) gönnten wir uns ein Anlegebier und ich kochte Bratkartoffeln mit frischer Bratwurst (die kaufe ich vorher, friere sie ein und diese dient uns dann als Kühlakku bis zum Verzehr). Etwas ruhen, etwas aufhübschen und Angela zum Hafenmeister schicken, wir wollen ja bezahlen. Überraschung: Unser Boot ist grösser geworden! Dank der besten Ehefrau von allen hatten wir ein 35Fuss-Boot, auch mal klasse 🙂

Dann hatten wir uns aufgemacht, den Tag der Niedersachsen zu erkunden. Angela hat schon vorher festgestellt, wo wir auf jeden Fall hinwollten: Die Dire Strats, eine sehr bekannte Cover-Band, war für 20:00 auf Bühne 2 angekündigt. Wir latschten tapfer die Meilen ab, die zwischendurch auch sehr informativ waren, tranken noch nen Kaffee auf dem/der Wal (das Eisbrecherdampfschiff, männlich, oder?), ich holte mir noch ein Stück Pizza und entgegen der Erwartung fing die Band nicht erst weit nach 20 Uhr an, sondern schon 30 Sekunden vor Acht (nach meiner Funkgenauen G-Shock). Die Band war wie erwartet sehr gut, aber meiner Meinung nach schon  zu perfekt und genau. Nach exakt einer Stunde gab es eine Pause und dann spielten sie weiter. Angela und ich schafften unser drittes Bier und machten uns dann auf den (langen!) Rückweg

(mein Mac(!) kackte gerade ab und bevor ich hier alles aus Wut lösche, schreibe ich lieber morgen weiter.)

Iris

Wo wir gerade bei Namen sind (hier): Eine Iris ist auch noch dazu gekommen. Und diese Namensgebung ist durchaus naheliegend, denn ich habe als Ersatz und aus Neugier einen weiteren Pinnenpiloten gekauft. Nichts neues, sondern was recht altes von einem älteren Herren, der leider nicht mehr segeln kann und so nach und nach alles verkauft. Das besondere an diesem Pinnenpiloten (auch ein Autohelm-Gerät, aber anderes Modell): Es gibt sogar eine Windfahnensteuerung und sowas wollte ich immer schon mal haben bzw. ausprobieren! Und laut dem Herren wurde diese nie benutzt. Ich bin da zwar auch noch nicht zu gekommen, uns mal vom Wind steuern zu lassen, aber wir sind kurz davor…

Auf jeden Fall hat unser Andreas aktuell leider einen Wackelkontakt im Anschlußkabel (weil ich nicht gut löten kann), also war es die Gelegenheit, den Ersatzpiloten einzusetzen. Dieser funktioniert etwas anders als der neuere: Beim neuen muss man nur auf Auto schalten und er steuert den anliegenden Kurs. Das ältere Modell hat oben drauf eine Kompassrose, mit welcher man den gewünschten Kurs einstellen muss. Das ist schon deswegen tricky, weil Bordkompass und Pilotenkompass nicht 100% übereinstimmen. Und wenn man dann den Pinnenpiloten aktiviert und der macht erstmal eine Kursänderung von 10 Grad, dann muss man entsprechend richtig(!) nachjustieren. Außerdem reagiert dieses Gerät etwas träger auf Kursanpassungen und im Allgemeinen ist es im Umgang etwas empfindlicher, aber mit so robustem wie schlanken Gehäuse.

Tja, und wenn wir den Andreas haben, wie heisst dann das Gerät an seiner Seite? Na, Iris natürlich!

Schlecht geknipst, aber alles wichtige drauf von Iris

Fast ne Nachtfahrt

Wir hatten ja das Himmelfahrts-Wochenende in der „Marina Bremerhaven“ verbracht, es war eine Ausfahrt vom OYC. Die Marina im Fischereihafen ist toll, ich werde demnächst einen eigenen Beitrag darüber schreiben. Aber erstmal das hier.

Wie wir zwischen Hooksiel hin und her fahren, brauche ich wohl nicht mehr zu beschreiben, das gibt es hier ja mittlerweile zur Genüge. Wer das nachlesen will: Einfach das Suchfeld oder die Tag-Wolke links verwenden.
Weil Angela doch so gern mal bei Nacht fahren möchte, ergab sich nun eine gute Gelegenheit dafür. Nicht ideal, aber immerhin sollte es bei Abfahrt Nacht und Dunkel sein: Die Tide war so, dass beim Alte Weser-Leuchtfeuer um ca. 6:30 Uhr Niedrigwasser war. Also muss man in Bremerhaven zwischen zwei und drei Uhr in der Nacht losfahren. Wir lagen im „Neuen Hafen“ im Jaich am Kopfende von Steg C. Da wir erst gegen 21:55 angelegt hatten, würden wir nur vier Stunden bleiben. Angemeldet hätten wir uns dennoch, wenn das Büro noch besetzt gewesen wäre. War aber nicht, aber für die paar Stunden machten wir uns keine Gedanken. Eine Schleusung „zur ungewöhnlichen Zeit“ muss man nicht extra lange vorher ankündigen, das war mir noch von unserer Überfahrt an Ostern bekannt . Die kleine Schleuse wird ausserhalb der Betriebszeiten von der Kaiserschleuse über Ch 10 fernbedient. Dort ist immer jemand und ggf. eine halbe Stunde vorher kann man ruhig Bescheid sagen, das ist gut für die Planung. Machte ich. Oder besser: Versuchte ich. Dreimal mit Abstand von einigen Minuten habe ich die Schleuse angefunkt, aber keine Antwort. Beim vierten mal, es war schon 2:38 Uhr, eine Reaktion: „Was fürn Boot seid denn ihr?“ kam als Rückfrage (meine Vermutung: Der Diensthabende hatte ein verdientes Schläfchen gemacht und musste erstmal Zeit gewinnen, um sich zu orientieren). Egal: Wir sollten rankommen und er würde dann gleich öffnen. So geschah es auch. Die Schleuse ist sehr gut ausgeleuchtet und Dank solider Schwimmstege kein Problem. Und wir hatten die Schleuse für uns allein…

Die wahre Nachtfahrt begann dann, als wir aus der Schleuse raus fuhren. Ich weiss nicht, ob Angela nervös war, aber konzentriert angespannt war ich auf jeden Fall. Ich bin schon einige Male Nachts gefahren und mit etwas Übung ist das sogar einfacher als Tagsüber, denn es ist weniger Verkehr und alles Wichtige ist ja beleuchtet 🙂
Man muss nur die Lichter auseinander halten können und natürlich insbesondere auf die Betonnung achten. An der Columbus-Kaje sind alle grünen Tonnen (auf deren Seite Sportboote dort fahren sollen) beleuchtet und dahinter die erste rote Tonne auch. Kein Problem, besonders, wenn man die Tonnen am Plotter schon mal „vorverorten“ kann.

An der Kaje selbst ist es schon beeindruckend im Dunkeln, weil sowohl die Kräne als auch die  riesigen Schiffe sehr üppig beleuchtet sind. „Schon“ um 5 Uhr war Sonnenaufgang und wir waren aussen auf der Weser live dabei. Auf dem Foto sieht man zum einen Wremen weit hinten am Horizont als auch die Tonne im Tidenstrom (ca. 2,5kn an der Stelle). Über den Revierfunk wurde schon früh die Einfahrt der Mein Schiff 2 angekündigt und irgendwann schob sie sich majestätisch langsam an uns vorbei, die fuhren ja gegenan.
Und weil über den Revierfunk verkündet wurde, dass das Niedrigwasser drei Dezimeter geringer ausfällt als üblich, haben wir auf den Heinrich-Punkt verzichtet und sind ganz klassisch durch die Mittelrinne gefahren. Diese hat Angela sogar mehr als zur Hälfte allein gefahren, weil ich mich für ein Schläfchen hingelegt hatte… der Rest ist schnell erzählt: Auf der Weser musste die Maschine mitlaufen, weil 1 Bft leider nicht reichen. Aber die Jade haben wir dann allerfeinst kreuzend ersegelt, es briste eetwas auf. So erreichten wir die 9 Uhr-Schleusung superpünktlich, statt mit Motor und ohne Spass die um 8 Uhr zu versuchen. Dann Schleusen (wir und noch ein Segler: zwei Boote und viel Platz), danach zum Steg und Liegeplatz tuckern, dort super angelegt und erstmal klar Schiff machen. Dann kurz nachgedacht: Um kurz nach 12 wieder raus, aufs Hooksmeer und dort ankern! So konnten wir die Kairos bald begrüssen, denn Anja und Axel waren auf Wangerooge und die Tide würde sie gegen 14:00 in die Schleuse spülen. Fast. Denn die Kairos konnte erst gegen 15:00 in die Schleuse, es waren sooo viele Boote im Vorhafen, das eine Schleusung nicht reichte…. das war uns aber auch recht, denn so habe ich vor Anker noch Bratkartoffeln mit Leberkäse gebraten und wir futterten das im Cockpit unterm Bimini genüsslich auf 🙂

Die nächste Nachtfahrt werden wir bestimmt schon am Abend starten…

Gudrun

Von Joshua hatte ich schon erzählt. Aber wer ist Gudrun? Nun, schaut euch dieses Bild an:

Gudrun darf vorne liegen

Es ist zwar kein „schönes“ Bild, aber man kann Gudruns Hintern 🙂 gut erkennen… ganz klar: Es handelt sich um ein Schlauchboot. Aber warum machen wir das, wo wir doch den schönen segelnden Opti haben?
Nun, zum einen wollte ich den Optimisten noch etwas aufhübschen, bin dazu aber noch gar nicht gekommen. Wir könnten ihn auch so mitnehmen, aber… nee. Zum anderen hat Angela berechtigte Sorge geäußert, der Opti sei doch zu schwer, als das sie ihn an Bort wuppen könne. Ich, ganz Seemann, denke da gleich an Verwendung von Winschen und Tampen an Bord und das man damit eigentlich alles bewegen kann, aber: Sie hat ja recht.

Weitere Vorteile vom Schlauchi: Es ist eine Tasche dabei und wenn man will kann man die Luft komplett ablassen und das ganze Ding(i) verstauen, damit es weniger stört (z.B. bei viel Wind oder wenn man sich selbst länger auf dem Vorschiff aufhalten will). Und so ein Boot ist naturgegeben weich, hinterlässt also keine Spuren, wenn man mal wo gegen bumpert. Vielleicht kann ich es statt vor dem Mast auch hinten hochkant am Heck transportieren, mal probieren. Und hinterher schleppen kann man so ein Schlauchboot auch besser als einen Optimisten. Bei dem sollte man den Schwertschacht dafür abdichten etc.

Als ich mich dazu entschloss, das Schlauchi auszuwählen und zu bestellen, da waren es nur noch wenige Tage bis zum SeeStadtfest in Bremerhaven. Da sollte es natürlich schon dabei sein. Dabei machte ich eine Feststellung: Man kann einfach alles im Internet so bestellen, dass es am nächsten Werktag geliefert wird. Außer Schlauchboote.
Es ist so schon nicht einfach, online das richtige gewünschte Beiboot zu finden, denn es gibt einiges zu beachten: Länge? Spiegelbrett für einen Motor vorhanden? Material? Schlauchdurchmesser? Woraus ist der Boden? Zubehör? Und nun auch noch: Lieferbar ja, nein und wann? Ich fand dann ein kleines (das war Vorrausetzung, damit es eben vor dem Mast lagern kann und im Allgemeinen nicht so sperrig ist) mit 2,3m und angeblich bis drei Personen belastbares (naja, lieber max. zwei). Der Boden besteht aus breiten Brettern, die beim einpacken drin bleiben können. Es ist kein durchgehender Boden, aber recht stabil, man kann stehen! Dazu eine solide Tasche und zwei Paddel, eine Fußpumpe (die geht gut!) und wasserdicht verpacktes Flickzeug und alles Lieferbar innerhalb von 2-3 Tagen (es war Dienstag, also Liefertermin Samstag: Hä?) und dazu sogar unter dreihundert Euro inkl. Versand. Ich habe es dann einfach bestellt, weil es alle Bedingungen erfüllte und wenn es eben nicht rechtzeitig geliefert werden kann, dann ist das eben so. Wird ja auch ein grosses Paket sein, kann man nicht mal eben so verschicken.
Freitag vormittag kam es sogar noch an und konnte mit auf die Reise! Aufgepumpt und getestet haben wir es aber erst in Elsfleth, da bin ich mal eben über das ganze SWE-Becken gerudert und konnte direkt von Bord ins Schlauchi bzw. andersrum. Schön, dass das geht.

Und warum nun Gudrun? Ganz einfach: Joshua Slocum war der erste Mann, der die Welt einhand umsegelte. Gudrun Calligaro war die erste deutsche Frau, die einhand um die Welt segelte. Und Wilfried fand ich als Name für unseren Tender einfach unpassend…

Den Joshua behalte ich aber trotzdem und mindestens auf dem Hooksmeer werden wir damit mal rumsegeln!

Intensiv

Von Hooksiel nach BHV war es toll: auf der Weser achterliche Winde und nur mit Gross machten wir bald gute 8kn, in Spitze sogar 9,1kn. Das Vorsegel konnten wir nicht sinnvoll nutzen, da dort nicht genug Wind ankam, aber was solls, bei der Fahrt.
Dann noch in den Vorhafen der Schleuse, das war nicht einfach, wegen Wind, Strom und der Mir, die dort am Kai lag. Aber mittlerweile kriegen wir das ohne Stress hin. Wir haben sogar noch einen guten Liegeplatz an Steg E gefunden, obwohl es recht voll war. Schiff klariert, geduscht und mit den anderen übers Fest gebummelt. Sweety Glitter war echt cool, die Musik war sehr gut gespielter 70er Jahre Rock und das Wetter spielte auch noch mit. Irgendwann gegen halb zwölf sind wir dann bei uns an Bord, tranken noch einen Absacker, gingen ins Bett und den Samstag verbrachten wir dann auf der Intensivstation.

Bitte?! Ja, genau! Ich erzähle es mal so, dass es nicht so dramatisch klingt: Wir hatten eine CO-Vergiftung und im Krankenhaus wurde uns mit Sauerstoff-Masken und 80% Sauerstoff das CO aus unserem Blut gewaschen.
Wir hatten nicht viel anders gemacht als sonst: Mit der Blumenpott-Methode den Herd als Ofen benutzt und so einiges an Behaglichkeit geschaffen. Das machen wir häufig. Dieses mal kamen aber einige ungünstige Umstände zusammen, so dass unser Boot nicht ausreichend belüftet wurde. Ich bemerkte das rechtzeitig, rief über Handy die 112 und die Sanitäter holten uns aus dem Vorschiff. Im Cockpit an der frischen Luft ging es mir schon viel besser. Aber nix da: Mit Rettungswagen ins Krankenhaus und dort 24h Überwachung auf der Intensivstation. Das alles wäre detailliert einen mehrteiligen Beitrag wert, aber erstmal freuen wir uns, dass es gut für uns ausgegangen ist.

Und wenn noch einer fragt: „Habt ihr keinen CO-Warner?“ Dann lösche ich diesen Beitrag und verbiete jedem, über das Geschehene zu reden…

Kreuzkurse

Auf dem Rückweg vom WSC nach Hooksiel kam der Wind ja so nördlich, dass wir  Segler kreuzen mussten und leider den Kurs nicht direkt anlegen konnten. Was sofort auffiel: Alle anderen „neueren“ Boote konnten viel mehr Höhe laufen als wir. Ich nehme an, das liegt hauptsächlich an neueren Segeln… wir haben ja alte Lappen, die vermutlich schon 30 Jahre und älter sind. Und Wanten und Stage muss ich auch dringend nachspannnen. Natürlich kommt noch hinzu, dass wir keine besonders guten oder erfahrenen Segler sind. Und unsere Slocum ist auch recht schwerfällig, die braucht ne Weile, um in Schwung zu kommen. Wenn wir also nach einer Wende zu hoch an den Wind gehen oder sicherheitshalber einem anderen, der sich von querab nähert, ausweichen, dann braucht es eine Zeit, um wieder ordentlich Fahrt aufzunehmen.

Aber eins wissen wir: Besser ist es, nicht so hoch wie möglich, sondern eher „voll und bei“ zu segeln, das ist schneller. Wir haben drauf geachtet: in der Tat ein ganzer Knoten mehr Fahrt. 3,5 zu 4,5 kn ist schon ein Unterschied. Aber: durch den grösseren Wendewinkel wird ja auch der Weg länger, lohnt die Mehrgeschwindigkeit also überhaupt? Um das näherungsweise festzustellen, habe ich das mal aufskizziert:

Der rote Kurs hat einen Wendewinkel von 90 Grad, der grüne von 100 Grad. Beide starten links am selben Punkt und enden rechts auch am gleich. Das grosse Rechteck simuliert zum einen durch die Länge von links nach rechts eine Fahrstrecke von 8,7sm (zufälligerweise die Entfernung Nassaubrücke – Hooksiel) und die Breite deutet einen fahrbaren Korridor von 4sm an. Der Grüne muss eine Wende mehr fahren, um zum gleichen rechten Punkt zu gelangen wie der rote. So weit, so gut. Nun habe ich die einzelnen Streckenabschnitte addiert: Rot hat einen Weg von 12,3 sm, Grün 13,5sm (für einen direkten Weg von 8,7sm!). Aber da Grün einen Knoten schneller segeln kann, braucht es für die gesamte Strecke nur 3 Stunden, Rot benötigt für 1,2sm weniger eine halbe Stunde länger!
Das kann man nicht beliebig ausdehnen, denn der Speed-Gewinn wird natürlich geringer, je mehr man abfällt und der Weg ja auch immer länger. Bei Gelegenheit werde ich mich mal grafisch an einen maximal sinnvollen Wendewinkel rantasten.

Nicht berücksichtigt sind Einflüsse wie Tide, Wellengang und Landabdeckung. Dadurch kann der eine oder der andere Kurs sicherlich sinnvoller werden, als die Mathematik es vermuten lässt. Aber es ist allemal ein guter Anhaltspunkt!

(gezeichnet und gemessen mit QCad)

Hooksiel-Nassauhafen-Hooksiel

Ich möchte gern noch eine eher technische Beschreibung unseres Wochenend-Trips zur Nassau-Brücke liefern, nachdem Angela von diesen Tagen so schön geschrieben hat.

Eine Woche vorher:
Anja und Axel fragten uns, ob wir auch kommen wollen, wegen Jubiläum und Regatta und so und wir wollten gern. Nur, wie das bei uns im Revier immer so ist: Die Tide schert sich nicht um Arbeitszeiten. Deswegen konnten wir nicht allerfeinst Freitag vormittag mit der Tide hoch nach WHV, aber auch nicht am Samstag, weil dann schon die Regatta begann und die Jade voller Boote sein wird.

Im Laufe der Woche:
So guckte und plante ich, wie wir es am besten machen konnten. Das nächste Niedrigwasser (am Freitag) wäre um 18:50, aber dann wären wir frühestens um 21:00 angekommen. Etwas spät, fand ich. Weiter geguckt, gegrübelt: Wetter? Östliche Winde und nicht halb so stark, wie angekündigt. Einige Tage vorher wurden noch 5Bft angekündigt, nun war es eher eine 3. Und Wind aus Ost: Das sollte den Strom nicht so beeinflussen, kein Hack zu erwarten (oder nicht all zu sehr…). Zack, ein Beschluß: Wir schleusen um 16:00 und gucken, wie es draussen auf der Jade ist. Wenns geht, dann los, wenn nicht, dann eben nicht.

Freitag nachmittag:
Gut, dass wir das gemacht haben! Draussen war fast ölige See, nix mit Hack, und wir konnten beinahe bis zur Flutmole vom Nassauhafen segeln, sogar mit Gross in den Hafen hinein. Das war feines Segeln, und so unerwartet! Der Hafen war natürlich Proppevoll und wir konnten uns ins Päckchen legen, immerhin als Vierter… Landstrom gab es nicht, aber den brauchten wir auch nicht. Einen Tag schaffen wir locker aus den Akkus.
Abends gab es dann noch die Steuermannsbesprechung, wir bekamen tolle T-Shirts und Geschenke und… ein schwarzes Bändchen. Dieser Trauerflor sollte am Achterstag gefahren werden, um der vor kurzem in unserem Revier verstorbenen Seglerin zu gedenken.

Samstag morgen:
Die angekündigten fünf Windstärken kamen in Form von Sonnenstrahlen und wolkenlosem Himmel daher. Jeder Regattateilnehmer lief im neuen T-Shirt rum. Als langsam alle nervös wurden und einer nach dem anderen ablegte, um Richtung Regattabahn zu fahren, löste sich nicht nur unser Päckchen auf, sondern auch der Benzinschlauchanschluss des Aussenborders unseres Innen-Nachbarliegers. Blupp, Motor aus. Meine Order: „Lass mal die Spring und die Leinen dran, wir schleppen euch raus“. Das ging ganz gut, obwohl das Hafenbecken quasi voller Segelschiffe war. Draussen an der Mole warfen wir dann die Leinen los und fuhren nördlich, um keinen Regattateilnehmer im Weg zu sein. Bedenkt: Das alles bei bestem Sonnenschein gegen 12:30 Mittags und kaum, nein, eigentlich kein Wind. Das von mir gezeigte Bild machten wir, während wir rückwärts trieben, obwohl der schwache Wind so gerade unsere Segel füllen konnte.
Es waren schöne, erholsame Stunden auf der Jade, bis wir dann zurück in den Hafen motorten und uns in das neue Päckchen, dieses mal an einen Trimaran (Sun) legten.

Sonntag:
Heute war mehr Wind, aber immer noch Sonne. Hochwasser sollte gegen halb drei sein, also fährt man danach los. Der Tri neben uns wollte eher los, dann aber doch nicht. Wir schon. Warum im Hafen liegen, wenn man auch draussen auf dem Wasser sein kann?
Natürlich war uns (wir und die Kairos) klar, dass wir nicht irgendwie eher da sein werden, aber wir wollten schon mal auf dem Weg sein. Na denn: Wir fuhren los, holten früh die Segel hoch und freuten uns, gegen den Strom noch Fahrt durchs Wasser zu machen. Kreuzen mussten wir ja auf jeden Fall. Wir hatten Bordwind, aber das Wasser war glatt. Klar, war ja noch auflaufend. Als dann die Tide kippte, nahm auch der Wind etwas zu, es gab die eigentlich am Freitag erwartete Hack-See: Kurze, hohe, spitze Wellen. Ging aber, war nicht bedrohlich sondern schön aufregend. Wie schon erwartet kamen aus WHV nach und nach alle anderen Segler und holten nicht nur auf, sondern überholten uns auch. Aber die Letzten waren wir bei dieser heimlichen Regatta nicht, als wir vor der Schleuse in Hooksiel warteten. Könnte natürlich auch daran gelegen haben, dass wir nach der Hälfte der Strecke die Maschine mitlaufen liessen: So konnten wir mehr Höhe laufen und mit 322 Grad Hooksiel fast direkt ansteuern…. 😉
Die Schleuse war so voll, dass nicht alle Boote reinpassten. Ich hoffe, wir haben uns nicht vorgedrängelt. Immerhin durfte noch ein relativ kurzes Boot (9m?) nachrutschen, nachdem alle etwas zusammengerückt sind.

Fazit:
Auf dem letzten Stück am Sonntag haben wir noch mal viel Erfahrung gesammelt und es ist immer wieder schön, wenn man feststellt, wie robust das eigene Boot eigentlich ist, welches uns nicht nur über Wasser hält sondern auch unser mobiles Heim und Schutz auf See ist. Das Boot kann definitiv mehr ab als wir und das ist gut so.

Als wir dann nach einem wirklich perfekten Anleger zwischen die Dalben auf unserem Liegeplatz Nummer 301 lagen, kam das Gewitter: Der Wahnsinn, sowas hatte ich in meinen 51 Lebensjahren auch noch nicht oft erlebt. In dem Moment war es noch kuscheliger, im trockenen, warmen Rumpf unserer Slocum abzuwettern.

Ein Bild von der 111-Jubiläumsregatta des WSC

Dieses Bild fand ich ganz schön und ist auch irgendwie passend (wenn man dabei war und weiss, dass sich quasi eine Stunde lang nichts an dieser Situation ändert… 🙂  ) Wir waren ja etwas nördlich vom Regattafeld, damit wir niemanden beim Tonne-Runden stören, kamen aber mangels Wind nicht unter Segeln näher ran. Im Gegenteil, wie viele andere auch, fuhren wir Rückwärts…

Jubiläumsregatta 111 Jahre WSC

Wilhelmshaven feiert

… und wir mit dabei! Der Segel- Club Wilhelmshaven wurde 111 Jahre alt und WHV selber 150 Jahre. Für das Jubiläum hatte sich der Segelclub gewünscht, zur Regatta 111 Boote angemeldet zu bekommen. Leider meldeten sich „nur“ etwa 60, aber man konnte sich auch als Begleit- Boot melden und das haben wir dann getan 😊

Freitag nach der Arbeit sind wir schnell nach Hooksiel gefahren damit wir um 16:00 Uhr die Schleuse nehmen konnten.

Gemütlich ging es auf der Jade Richtung WHV. Mit uns hatten noch 2 weitere Segler den selben Weg.

Die Vorhersagen waren für dieses Wochenende mit sehr viel Wind, aber es kam genau anders!

Die Steuermannsbesprechung konnten wir pünktlich besuchen. Der Liegeplatz war für das Wochenende kostenlos. Danke WSC! T-Shirts gab es auch noch obendrauf.

Morgens wurde Frühstück im Bootshaus angeboten.

Bei der Regatta selber konnten wir noch behilflich sein, unser Päckchen- Nachbar hatte ein Problem mit seinem Motor und ließ sich von uns rausschleppen. Hauptsache dabei sein👍

 

 

 

 

Später am Abend gab es eine Regatta- Fete mit Johnny Glut und eine Lichter- Show mit Wasser- Schiff. Sehr schön!

Sonntag sind wir zum Glück recht zeitig aufgebrochen.

Als wir im Hafen fest lagen, kam ein dolles Gewitter runter, mensch, waren wir froh nich mehr draußen zu sein!