Nicht mal eben nach Spiekeroog

Angela hatte es ja schon erwähnt: Wir wollten am Wochenende nach Spiekeroog segeln, aber leider hat das nicht ganz geklappt. Und ich erzähle euch nun, warum.

sorgfältige Törnplanung ist alles (auf der Rückseite sind die Distanzen)

Die Planung war perfekt: Von Hooksiel aus zum Südzipfel von Minsener Oog. Das sind ca. 6sm. Dann über den Prickenweg und Telegraphenbalje zum Wangerooger Hafen. Über das Wattenhoch dauert es ungefähr 1,5 Stunden. Und die ersten 6sm über die Jade dauern etwas länger, weil man ja gegen das auflaufende Wasser fahren muss. Ich ging von 3 Knoten Fahrt aus, das wären dann zwei Stunden. Rückwärts gerechnet: 21:00 ist HW in Wangerooge, also müssen wir 19:30 an der Einfahrt sein. Nochmal zwei Stunden dazu und wir sind bei 17:30 Uhr. Da kriegen wir sogar noch eine knappe halbe Stunde geschenkt, weil wir ja die 17:00-Schleuse nehmen müssen. Alles klar und prima, schleusen hat wie immer gut hingehauen, also raus auf die Jade. Uns war bekannt, dass etwas mehr Wind als nötig draussen war, aber bei einer 4 kann man doch noch raus? Wir fuhren aus dem Vorhafen und noch vor der Tonne H3 bogen wir links ab, die Jade raus, schön am Ufer entlang. Das Fahrwasser müssen wir ja nicht unbedingt queren. Und weil nun Wind gegen Strom stand, war ganz schön Hack da draussen. Nicht schön, aber auch nicht sooo schlimm. Das kennen wir und haben das schon schlimmer erlebt. Für Nicht-Segler wäre das aber sicher ein Abenteuer: Das Vorschiff wird immer wieder hoch aus dem Wasser gehoben und „knallt“ dann in die nächste Welle. Von aussen könnte man dann sehen, ob das Unterwasserschiff noch sauber ist… was wir nicht bedacht hatten: Sowas bremst mehr als man glaubt. Statt der erwarteten drei Knoten waren wir weit darunter: 2 kn, 2,2 kn, ab und zu nur 1,8 oder 1,6 Knoten. Ich hätte noch ein wenig mehr Gas geben können, aber auf drei Knoten wären wir mit 20 PS und über 5 Tonnen bestimmt nicht gekommen. An Segeln war ja nicht zu denken, weil der Wind genau daher blies, wo wir hin wollten. Kreuzen könnten wir, aber dann wird ja der Weg länger und nichts ist gewonnen. Angela und ich guckten uns an: So kommen wir nie rechtzeitig an. Eigentlich wollten wir gleich morgens am nächsten Tag früh mit dem ersten Hochwasser den Schlag von Wangerooge nach Spiekeroog machen, aber dazu müssen wir eben erstmal nach Wangerooge kommen. Wir haben diesen Weg innen rum auch noch nie in dieser Richtung gemacht, und wenn wir da sind ist Abend und wenn dann irgendwas sein sollte wird es dunkel und… nee. Wir haben es versucht und gute Seemannschaft ist, etwas auch mal nicht unbedingt durchzuziehen. Abbrechen ist nicht feige sondern mutig. Also drehten wir um und gleich wurde es ruhiger: Wir machten auf einmal, ohne am Gashebel was verstellt zu haben, 6,2 statt 2,2 Knoten Fahrt,  der Wind von hinten war nicht mehr so dolle und wir hätten sogar das Vorsegel ausgerollt, wenn wir nicht gleich wieder den Hafen ansteuern müssten, damit wir die nächste Schleuse erwischen. Nach der Schleuse auf dem Hooksmeer habe ich aber doch noch die Fock ausgerollt, bis wir auf einen Besuch abgebogen sind.

Was wir dann stattdessen am Wochenende gemacht haben, schreibe ich im nächsten Bericht.

Wann hört das eigentlich auf?

Mit der Frage im Titel meine ich natürlich nicht das segeln sondern die ganzen Basteleien an Bord. Es sind ja nicht nur die Dinge, die einfach mal repariert oder getauscht werden müssen, wie z.B. der große Schlauch an der Toilette (ausgebaut ist der alte schon, muss nur noch einen neuen besorgen und wieder einbauen) oder ein Kabel, das sich gelöst hat. Nein, dazu kommen die ganzen Ideen, wie man was anders und besser machen könnte. Was ich so aktuell aufm Zettel habe:

  • Badeleiter: An Bord befindet sich „nur“ eine Strickleiter. Die ist sehr solide und auch lang, aber es ist nicht so leicht, damit an Bord zu klettern. Da muss also was festes her. Zufälligerweise bekamen wir neulich eine geschenkt: Vier Stufen und zweiteilig zum Klappen, aus Aluminium. Aber die kann ich nicht einfach anschrauben und feddich, nein, das muss genau angepasst werden, ein Halter gefertigt und überhaupt erstmal sehen, wo die hin kann und/oder soll.
  • Schlauchboot: Für unsere Gudrun habe ich nach einigem hin- und hergrübeln einen Elektro-Aussenborder besorgt. Ich wundere mich immer wieder, wie groß diese Dinger sind. Nun muss dieser Motor ja auch an Bord gelagert werden. Und er benötigt  (Auto-)Batterien. Mindestens eine, besser zwei wegen Wechseln. Die dürfen nicht so schwer sein, Mann und Frau wollen die ja noch gut wuppen können. Und die müssen auch irgendwo gelagert werden. Und die müssen geladen werden können, sonst machts keinen Sinn. Da muss ich gucken, denken und dann was bauen.
  • Unter anderem wegen den eben erwähnten Batterien habe ich nicht nur ein neues sondern auch ein etwas grösseres Solarpanel erworben. Das kommt vermutlich erstmal wieder auf das Kajütendach vor den Niedergang, muss da befestigt und ans Stromnetz angeschlossen werden.
  • Ein neues Windrad auch noch, wir wollen ja so autark wie möglich sein können. Dieses muss auf einen Mast, dieser muss irgendwo (am Heck) fest und natürlich muss das auch verkabelt werden
  • Ich verwende ein Windows10-Tablet für OpenCPN und AIS. Eine feine Sache, aber das liegt immer im Weg. Was liegt näher, als eine Halterung zu bauen, so dass es elegant unten neben dem Niedergang hängt und man schnell draufschauen kann? Muss nur noch gebaut werden (im Kopf ist das schon geplant).
  • Die Beine vom Bimini will ich kürzen, damit der Baum drüber weg schwenken kann. Ist eigentlich schnell gemacht…
  • Von der Pepino habe ich noch zwei Fenderkörbe über. Das sind praktische Dinger, einen habe ich schon ans Heck der Slocum gebaut. Der andere muss noch, wie sieht das sonst aus? Leider finde ich die entsprechenden Halter nicht, aber die liegen ganz sicher irgendwo!
  • In die Kojendeckel sollen kleine Auschnitte, damit man nicht immer die ganze Koje hochklappen muss, um an den Stauraum darunter zu kommen.
  • Dazu kommen noch viele Kleinigkeiten, die nicht müssen, aber schon besser wären. Ausserdem habe ich in der Auflistung ganz bestimmt was vergessen.

Und aber eigentlich muss davon gar nix, segeln kann man auch so. Einfach weglassen, dann hat man weniger Sorgen und mehr Platz?

Hmmmmm…..

Eben weg von Wangerooge

Hier will ich schnell den Rest dieses Wochenend-Trips erzählen, nachdem der erste Teil wieder mal so lang wurde. Samstag abend liehen wir uns von Tom ein Fahrrad und ich klappte das Bordrad auseinander. Eigentlich wollten wir zu Fuss in den Ort aber m.M.n. ist das einfach ein Stück zu weit. Mit dem Rad gehts und genau für sowas schluren wir ja auch das Bordrad mit (Memo an mich: Artikel über das Rad schreiben). So konnten wir fein im Kreta griechisch essen und waren noch rechtzeitig für ein, zwei Bierchen wieder bei Toms Hütte. Dort gab es als Besonderheit mal Kölsch und ich konnte einige schmale Gläschen davon geniessen (war echt schmackhaft!). Dann sind wir aufs Boot und haben uns fertig für die Nacht gemacht.

Und diese Nacht war für mich erstaunlich kurz: Das erste mal bin ich aufgewacht, weil der Wind unerwartet aufbriste. Zwar wie angekündigt aus Ost, aber viel stärker als erwartet. Dann musste ich irgendwann um halb zwei aufstehen, weil unser Windrad Radau machte (und ich brauchte einen langen Moment, um das festzustellen). Ich habe es schliesslich mit einem Bändsel festgeschnürt. Nun musste ich noch die Fallen sichern, die sehr laut klappern können, wenn man ziemlich genau darunter liegt und schlafen will. Sowohl Windrad als auch Fallen musste ich später in der Nacht nochmals nachsichern, und als ich gegen halb fünf das letzte mal auf dem Deck rumschlurfte um noch was festzutüdeln, war ich natürlich noch total unausgeschlafen. War aber nicht schlimm, denn wir konnten ja erst nachmittag los, also blieben wir lange in der Koje und frühstückten auch lange und behutsam.

Unseren Rückweg nach Hooksiel muss ich eigentlich auch nicht beschreiben, denn der war auch wie beim letzten mal. Aber dieses mal traute ich mir das durchaus ohne Führung zu (Um Hochwasser ist man eh nie allein auf dem Prickenweg, aber bedenke: man weiss nicht, welchen Tiefgang die anderen haben). Spannender war da noch das Ablegen vom Steg: Ich wollte wohl eine Achterleine auf der Außenklampe nehmen und rausdrehen, aber das hat überhaupt nicht geklappt. Also doch die geschulte Methode: Eindampfen in die Vorspring! Dieses Manöver kam dann gegen den Legerwall-Wind direkt auf den Steg an und wir drehten mit dem Heck vom Steg weg. Nun mussten wir nur noch an der Mole vorbei und Richtung Telegraphen-Balje tuckern. Das war kein Problem und wir hatten immer reichlich Wasser unterm Kiel. Startzeit: Ungefähr zwei Stunden vor lokalem Hochwasser. Damit hat man bis hinter Minsener Oog immer auflaufendes Wasser, denn die Fahrt über die Wattengebiete dauert ca. 1,5 Stunden (für uns bei um die vier Knoten). Flache Boote können eher los, müssen aber nicht. Auf der Telegraphen-Balje neben Wangerooge hatten wir Wind „vonvorn“ (Windrichtung mit sieben Buchstaben) und konnten auf der Hälfte noch die entgegenkommende Kairos unter vollen Segeln grüssen. Als wir vor der Blauen Balje südlich abbogen, rollte ich auch unser Vorsegel raus: Es ist irgendwie schön, im Wattengebiet zu segeln als zu motoren (Maschine lief aber weiter). Was wir dieses mal anders machten: Immer schön den grünen Tonnen bei Minsener Oog folgen. Tim hat letztes Jahr extrem geschnibbelt und ich habe das (leider) nicht mitgeplottet. Wenn man den grünen Tonnen folgt, meist dicht an der Kante der Insel mal links rum und mal rechts rum, muss man an den Strom denken, weil man schnell versetzt wird und dann nicht mehr im Fahrwasser bleibt. Und wer weiss, wie flach das an den Seiten wird? Aber als der Prickenweg kurz vor der Jade einen Knick nach Norden machte, da haben wir auch darauf gepfiffen: Kompasskurs 100° auf Mellum zu, dann kommt man da gut rüber. Wir mit 1,40m TG hatten keine Probleme, laut Karte sind dort plus 1,2 bzw plus 1,1m „Tiefe“ und wir waren ziemlich um Hochwasser dort…

Viel los auf dem Prickenweg: Finde die Kairos!

Auf der Jade holten wir dann auch das Gross hoch, machten Maschine aus und freuten uns, dass das so schön geklappt hat. Die genauen Zeiten habe ich gar nicht mehr parat (müsste ins Logbuch schauen), aber wir hatten Zeit genug bis zur nächsten Schleusung und sind gemütlich gesegelt. Im Vorhafen sammelten sich dann einige Boote, so dass wir gemeinsam um 18:00 Schleusen konnten.

Uns selbst kam das alles viel länger vor und das ist auch gut so: Eine Woche Erholung in zwei Tagen, Klasse!

Eben nach Wangerooge

Da sind wir also mal eben ein Wochenende nach Wangerooge gesegelt. Ist auch keine grosse Entfernung, kann man immer mal machen. Den Hinweg muss ich eigentlich gar nicht erwähnen, wir sind wie beim letzten mal außen rum gesegelt. Ich hätte es auch innen durch versucht, aber wir waren viel zu früh an der entsprechenden Stelle vor Minsener Oog. Man hätte dort natürlich ankern können oder Kreise segeln, bis die Tide mehr aufgelaufen ist, aber wir hatten bei unserer Törnplanung noch etwas nicht bedacht. Doch ich erzähl mal von vorn:

Wir wollten die Schleuse um 8:00 Uhr morgens nehmen. Rechnerisch hätten wir auch später losgekonnt, aber gegen 10 Uhr war Niedrigwasser in Hooksiel, da wollte ich nicht durch das schmale, flache Wasser bei der Zufahrt zum Hafen (jetzt weiss ich, dass das passt, es wurde wieder gebaggert). So schleusten wir früh mit überraschend vielen Booten und freuten uns, dass wir auf der Jade noch das ablaufende Wasser mitnehmen konnten. Als wir dann draussen waren, die Segel hoch und uns über die frühe Sonne freuten, da bemerkten wir noch was: Es waren wirklich sehr viele Segelboote auf der Jade. Angela fiel es sofort ein: Es ist doch Horum-Regatta, und da die fünfzigste! Ich suchte die üblichen Funkkanäle ab und auf Ch72 konnten wir schon Regattaleitung etc. hören. So querten wir noch deutlich vor Horumersiel das Fahrwasser, um den Regattabooten nicht im Wege zu sein. Für unseren Kurs am Wind war es auch besser, den es herrschte Ostwind. Es war herrliches Segeln bei herrlichem Wetter, wir liessen Andreas steuern (seinen Wackelkontakt habe ich genial simpel behoben) und guckten uns die anderen Segler an, mal mit mal ohne Fernglas. Dass wir über Funk daran erinnert wurden, dass auch die Weser-Jade-Regatta am selben Tag statt findet (Ziel: Hooksiel), war schon fast nebensächlich.

Ein Klick aufs Bild sollte ein Video öffnen, 30 Sek. 12,5MB mit Seglern auf der Jade

Nun waren wir also von Segelbooten umzingelt und wollten deswegen nicht bei der Einfahrt zum Wattfahrwasser rumeiern. So war es auch gut. Nur, dass später der Wind einschlief und wir gegen die Tide tuckern mussten. Aber wir hatten ja Zeit genug und fanden irgendwann die Harle-Tonnen (Einfahrt ins Seegatt). Die sind so unglaublich schwer zu erkennen, diese Spierentonnen! Auf jeden Fall mussten wir nicht bis zur Ansteuerungstonne fahren, sondern sind wieder zwischen der H4 und H6 links abgebogen. Dort hatten wir schon lange ausreichend Wasser und wieder schob uns der Strom an der Buhne H vorbei. Dieses mal sind wir auch ohne Grundberührung in den Hafen gekommen (im Jan Werner steht die Ansteuerung in den Hafen nämlich etwas verwirrend beschrieben, wenn man sich nicht auskennt). Tom stand schon am Gästesteg und dirigierte uns zu einem freien Platz. Ein sehr enger Liegeplatz, aber alle am Steg halfen mit und so kamen wir da problemlos rein. Und wir waren lange nicht die letzten, viele Plätze waren im Päckchen belegt. So kam bei uns noch ein Boot längsseits, mit einem netten niederländischen Paar.

Der Steg ist gut gefüllt

Und weil ich wieder nichts auslassen konnte, ist es wieder lang geworden. Dann gibt es eben wieder einen zweiten Teil.

Sommerlicher Zwischenbericht

Wer hier fleissig mitliest, der wird (hoffentlich) bemerken: Wir versuchen, immer alles rund um das Boot, Segeln und dem Revier hier zu erwähnen. Ja, das stimmt. Und was wir noch versuchen: Das Boot so oft wie möglich zu nutzen, und das nicht nur als schwimmende Laube (was natürlich auch mal schön ist).

Wenn man die Nutzungsdauer eines Bootes mal nüchtern durchrechnet, dann ist das geradezu erschütternd: Ein halbes Jahr sind die meisten Sportboote eh an Land, weil Winter ist. Wenn man es denn schafft, das Boot im April ins Wasser zu bekommen (Farbe kann man halt bei Frost nicht streichen und streichen muss man jedes Jahr irgendwas), dann ist man schon gut dran. Nun muss der gewöhnliche Mensch arbeiten, die meisten von Montag bis Freitag, die meisten um die 35 bis 40 Stunden. Also kann man das Boot maximal am Wochenende nutzen. Also an zwei von sieben Tagen. Im Idealfall! Zwei von Sieben macht ca. 28 %. Wenn man es schafft, Freitag schon los zu kommen, dann hat man fast ein Drittel der Woche. Und aber es gibt ja noch Leben ausserhalb des Bootes: Garten, Familie, Freunde. Vielleicht schaffen wir es, drei von vier Wochenenden im Monat aufs Boot zu kommen? Das wäre schon sportlich, vermutlich ist es eher zwei von vier.

So, Mathe: Die Hälfte (der Wochenenden) von einem Drittel (der Woche) von der Hälfte (des Jahres) macht unterm Strich rund 25 Tage im Jahr. Von 365! Das sind nicht mal sieben Prozent des Jahres und ich habe Idealfälle angenommen. Realistisch bei vielen Booten sind Werte, die vielleicht bei der Hälfte (von 25 Tagen im Jahr) liegen.

Andersrum: Über 330 Tage im Jahr liegt das Boot ungenutzt rum und verursacht höchstens Kosten. Klingt alles sehr ernüchternd? Ja nee! Zum einen versuchen Angela und ich wirklich, möglichst oft an Bord zu sein und das Boot auch zu nutzen und schaffen das auch bisher recht gut, ohne den Garten zuwuchern zu lassen und zum anderen ist es eben ein Hobby: Es macht uns ja Spass, unsere Freizeit so zu verbringen. Und viele Hobbys sind aufwändig in Zeit und/oder Geld: Ob Reitpferd, Oldtimer-Auto oder seltenes Porzellan, Zinnfiguren und Briefmarken; alles hat seine Vor- und Nachteile und darum geht es eigentlich gar nicht. Früher mal bin ich Rasentreckerrennen gefahren, da war das Verhältnis „Schrauben zu Fahren“ mindestens 20:1, üblicher waren 50:1 und wenn man das Tüfteln im Winter einrechnete kam man auf 200:1 oder so…. war ne schöne Zeit 🙂

Egal. Wir nutzen unsere Slocum so gut, wie wir das eben hinkriegen und erfreuen uns daran. Und wenn wir hier darüber schreiben, dann könnt ihr euch vielleicht auch dran erfreuen (oder Anregungen oder neue Ideen holen). Und nun komme ich zu dem Grund, warum ich diesen Artikel überhaupt schreiben wollte: Das Wochenende (22.-23.06.19) ist vorbei, wir waren mal eben schnell auf Wangerooge und aber ich habe gerade erst das letzte Wochenende „verdaut“ (also Schreibtechnisch fertiggestellt).

Weil Angela und ich aber finden, dass das letzte Wochenende so toll war, dass wir das „bloggen“ sollten, machen wir das auch. Das dauert aber vermutlich einige Tage und hoffentlich nur bis maximal Freitag, denn fürs kommende Wochenende haben wir schon neue Pläne mit uns und dem Boot… und tolle Bilder haben wir auch gemacht, die sollte ich mal mit einbauen.

Und leider weiss man immer nie, für wen man das alles schreibt, weil Kommentare ja nicht soo üblich sind. Wäre vermutlich anders, wenn ich bei FB rumhampeln würde; will ich aber nicht. Aber über ein nettes Kommentar hier freuen wir uns natürlich und kostet auch nichts, ehrlich!

Und schon wieder Wilhelmshaven Teil 2

Mein Mac hat sich beruhigt, ich auch, also kann ich unser Wilhelmshaven-Wochenende zu ende erzählen:

Von der Bühne 2 am Valoisplatz bis zur Nassau-Brücke sind es locker drei Kilometer, mir kam es sogar noch länger vor. Wir beide waren müde und freuten uns auf unsere Koje. Das ist immer soooo gemütlich!

Am nächsten Morgen machte ich Frühstück, es gab Aufbackbrötchen und Müsli. Lecker. Dann gingen wir noch Duschen (immerhin haben wir 50 Euro Pfand für den Schlüssel hinterlegt). Die Dusche selbst ist OK (50 Cent für fünf Minuten, die man nicht pausieren kann), aber leider lief das Wasser nicht gut ab und man stand immer mit nassen Füssen da. Außerdem muss man durch den Duschraum gehen, um zur Toilette zu gelangen. Als ich dabei war, mich abzutrocknen kam doch glatt einer rein und wollte… er hat dann aber draußen gewartet. Danke.

Wir genossen den Vormittag im Cockpit, weil es wirklich super mildes Wetter mit schönster Sonne war. Um 13:12 Uhr sollte Hochwasser sein, danach wollten wir los. Schön mit ablaufend Wasser nach Hooksiel. Alle Stunde (+10 min.) hörten wir Jade-Traffic auf Kanal 63 ab, die berichteten aber nichts schlimmes. Nur eine Windwarnung für die Ostfriesische Küste mit Böen bis 7… hui. Wann das genau kommen sollte wurde nicht gesagt.

Als es so weit war, legten wir bei fast Flaute und viel Sonne ab, zogen im Hafen noch das Groß hoch und eierten raus. Es war zwar wenig Wind, aber immerhin kam er nicht von vorn sondern schön halb, so Südost. Einige Zeit bevor wir ablegten, zog eine dunkle Wolkenschicht über uns hinweg. Die sah nach Regen aus, aber nichts geschah. Nun auf der Jade holten wir diese Wolken so langsam wieder ein und die Sonne wurde verdunkelt. Noch vor dem JadeWeserPort drehte der Wind plötzlich auf Nordwest und nahm zu. In Böen ne 5, locker. Gut, dass wir das „gerochen“ hatten und schon vorher das Groß runter nahmen. Maschine liessen wir mitlaufen, für alle Fälle und nur mit der Fock segelten wir Richtung Hooksiel. Nun Wind gegen Strom, der Revierkundige Segler kennt das: Kurze Hackwellen mit Schaumkämmen. Unsere Slocum hoppelte da sicher durch, vermutlich ist die für genau so was gebaut 🙂

Wir steuerten die H3 an, konnten auf dem Weg das Segel einrollen und von dort aus auf den Vorhafen zufahren (immer etwas vorhalten, wegen dem ablaufenden Wasser!). Wieder hatten wir ungefähr zwei Stunden für die gut 9sm gebraucht. Das will ich aber irgendwann mal schneller schaffen…

Nun noch durch die Schleuse, die ja keine Hürde darstellt und wer es nicht kennt, der glaubt es nicht: Im Hooksmeer war Sonne, kaum Wind, Schmetterlinge flatterten übers Cockpit. Irgendwie muss die Schleuse eine Wettergrenze bilden, denn egal, wie es draussen bläst und schäumt, auf dem Hooksmeer ist es mild und angenehm. Ach, irgendwie finden wir das total gut so! 😉

Wenn es ein Fazit geben sollte:
Wilhelmshaven und dort die Nassaubrücke ist immer eine gute Alternative, wenn man mal übers Wochenende einen kleinen Schlag machen möchte. Das wird von Horumersiel auch genauso gehen, man muss nur rechtzeitig dort rauskommen. Wir werden das auf jeden Fall nun öfter in Betracht ziehen, denn auch bei etwas mehr Wind kann man es Richtung Jadebusen noch gut aushalten und die Nassaubrücke hat so wie so ihren eigenen Charme.

Ein ganz normaler Segelwochentag

Heute (Dienstag, 18.06.) war ja echt mal schönes Wetter und ausserdem hatte ich letztes mal mein Portmo, äh, Portemo, äh, meinen Geldbeutel im Boot liegen lassen. Da mussten wir also noch mal hin und den holen!

Schon gegen Mittag per Mail abgesprochen, dann Feierabend, zuhause umziehen, Kinder zusammenscheissen, Frau einfangen und ab auf die Autobahn Richtung Jadebusen. Den Chevy mal etwas mehr Gas gegönnt, der Tempomat wurde erst bei 116 km/h eingeschaltet 🙂 (ganz am Rande: Damit dauert die Fahrt eine gute Dreiviertelstunde. Als ich neulich mal mit unserem BMW nach Hooksiel geballert bin, brauchte ich 36 Minuten von Haustür zu Schranke und hatte ca. 225km/h aufm Tacho, also was soll die Jagerei).

Am Boot angekommen haben wir alles klariert (Persennings ab, Kabel wech etc) und sind aus der Box, aus unserer Stegreihe und aus unserer Bucht getuckert. Noch einmal links abbiegen und wir zogen gleich das Gross hoch. Was fiel uns auf? Oh, ein betonntes Fahrwasser auf dem Hooksmeer! Spät dran dieses Jahr, dafür neue richtig rote und grüne „Tönnchen“. Und ausserdem trieb da am (neuen) Fahrwasserrand etwas, das auf Anhieb und aus der Ferne aussah wie ein schwimmendes Garagentor.
Das war aber einer der Schleusenwärter mit noch einer helfenden Hand auf einem Stück Schwimmsteg, angetrieben durch einen niedlichen Elektro-Motor. Offenbar hatten diese gerade die Tonnen ausgebracht, wir hatten also einen waschechten Tonnenleger vor uns. Und dieser sprach uns vorsichtig an, als wir uns näherten: „Könnt ihr uns vielleicht bis zur Schleuse mitnehmen, also schleppen?“

Wir konnten, warum auch nicht. Ausser Segeln hatten wir ja nix vor 🙂
Also Gross wieder runter und „den Steg“ wieder näherkommen lassen, weil wir schon vorbei waren und unsere Slocum rückwärts nicht besonders gut zu steuern ist. Bei einigen Metern Nähe warfen die Jungs ihren Tampen rüber, ich machte einen Hahnepot über die achterlichen Klampen und wir gaben vorsichtig Gas: Das Ding war mehr Treibanker als Steg. Wo wir sonst 4 Knoten schafften, kamen wir nun knapp an die 3 ran. Aber nach der Waldabdeckung am Ufer rollten wir die Fock aus und die brachte in der Tat noch nen halben Knoten mehr auf die Logge. Die Jungs auf dem Steg blieben entspannt, also nahmen wir auch keinen Speed raus. Dennoch dauerte die Fahrt zur Schleuse locker 20 Minuten, zumal ich mich auf Grund der Wasserabsenkung dem Ufer nur vorsichtig näherte. Kurz vor der Schleuse plante ich eine Wende, in der ich gleichzeitig das zauberhafte Floss loswerfen wollte.
Ich informierte meine Vorschoterin und die beiden Verschleppten, nahm Gas weg und sprach: „Reee!“

Es geschah wie geplant, wir hatten „einen gut“ beim Schleusenwärter, der Tampen kam nicht in die Schraube und nachdem wir sauber durch die Wende liefen machten wir sogar 2,5 Knoten Fahrt. Aber nun fiel uns wieder zweierlei auf: Mit wenig Wind und viel Abdeckung ist Segeln nicht soo spannend (auf nem Dickschiff) und: Schleppen macht hungrig.

So steuerten wir (unter Segel!) einen Ankerplatz an und fast noch im Fahrwasser liess ich den Anker dann fallen. Die Segel klarieren geht uns noch nicht total locker von der Hand, aber wir wissen, was zu tun ist. So konnte ich bald Nudelwasser zum Kochen bringen (über Wasser- und Lebensmittelvorrat an Bord schreibe ich auch noch einen, nein, zwei Artikel…) und dazu eine Soße zaubern. Nicht nur wegen Wilfried Erdmann stehe ich auf Zwiebeln an Bord. Damit hat man einfach immer was Frisches zum kochen…

Angela und ich haben lecker und satt gespeist und während Angela danach versuchte, ein echt kniffeliges Mahjong am iPad 1 zu lösen, versuchte ich mich daran, allein und nur mit Segel vom Legerwall-Ankerplatz weg zu kommen. Hat nicht ganz geklappt, weil ich durch das Anker-aufholen immer das Boot „falsch“ durch den Wind gezogen habe, die Fock dann Back stand und… ach, es ist eben nicht so einfach (aber deswegen übe ich das ja). Dann Maschine an und versucht, kontrolliert rückwärts zu fahren. So richtig gut wird das nie gehen mit der Slocum, sie bricht schnell mal aus und man muss die Pinne sehrsehr behutsam bewegen. Aber mit Geduld und etwas Zeit und etwas mehr Raum kommt man schon dahin wo man hin will.

Nun mit Fock und Maschine zum Liegeplatz zurück und Angela hat schon während der Fahrt den Grossbaum mit der Persenning eingepackt. Das Anlegen zwischen den Dalben ist für mich wirklich schon zur Routine geworden, Angela ist nur noch etwas hibbelig, aber das legt sich auch bei jedem mal um einiges 🙂

Dann mussten wir noch den Abwasch machen und so war es schon 21:00 Uhr und die Fahrt nach Hause steht ja auch noch bevor. Ich wollte los, bevor es zu romantisch wird und so waren wir nach ca. 5 Stunden wieder da, wo wir vorher waren. Nur viel entspannter, weil wir auf dem Wasser waren und sogar segeln konnten (und ganz nebenbei etwas Karma sammeln).

Und schon wieder Wilhelmshaven

Wir waren doch neulich erst in Wilhelmshaven? Ja, genau! Und nun schon wieder. Die Entscheidung wurde uns relativ leicht gemacht:

  • Freitag Abend war das Sommerfest vom OYC, da konnten wir nicht nach Hooksiel zum Boot
  • Wilhelmshaven bzw. die Nassaubrücke ist ideal für einen kurzen Wochenendtörn, weil nahe bei und gut zu erreichen
  • In Wilhelmshaven war der Tag der Niedersachen
  • Die Tide passte perfekt

Also haben wir Freitag schön beim Bootshaus gefeiert, sind Samstag früher hoch als unseren Partygeschundenen Leibern gut tat und haben tatsächlich die 11-Uhr-Schleuse kriegen können. Hochwasser WHV sollte um 12:09 sein, also wäre die Schleusung eine Stunde eher seemännischer gewesen (aber StVO-mässig nicht vertretbar). Egal, sechs Knoten lagen immer an, und so schafften wir den Schlag in knapp zwei Stunden. Die Maschine lief mit, weil der schwache Wind aus Ost uns nicht allein nach vorne schieben konnte. Dafür wurden wir von Regen verschont, obwohl es angekündigt war. Von Liegeplatz zu Liegeplatz beträgt die Strecke übrigens exakt 11 Seemeilen, aber die Zeit messen wir eigentlich erst ab Hooksiel Vorhafen, weil das Schleusen ja doch immer etwas dauert. Na gut, dieses mal wollten nur zwei Boote raus und es ging flott…

die „Insel“: Ein Tankanleger in der Jade, siehe Fussnote

Das Seestück die Jade hoch war nicht so wild und wir sind wie fast immer westlich von der „Insel“ geblieben. Erst beim Anlegen an den Steg vom WSC wurde es wieder etwas spannend, weil der Wind von hinten uns rein in die Box und etwas seitlich drückte. Netterweise stand schon jemand bereit und nahm eine Leine an. Nach dem Ausbringen von Spring etc. (es sollte noch aufbrisen) gönnten wir uns ein Anlegebier und ich kochte Bratkartoffeln mit frischer Bratwurst (die kaufe ich vorher, friere sie ein und diese dient uns dann als Kühlakku bis zum Verzehr). Etwas ruhen, etwas aufhübschen und Angela zum Hafenmeister schicken, wir wollen ja bezahlen. Überraschung: Unser Boot ist grösser geworden! Dank der besten Ehefrau von allen hatten wir ein 35Fuss-Boot, auch mal klasse 🙂

Dann hatten wir uns aufgemacht, den Tag der Niedersachsen zu erkunden. Angela hat schon vorher festgestellt, wo wir auf jeden Fall hinwollten: Die Dire Strats, eine sehr bekannte Cover-Band, war für 20:00 auf Bühne 2 angekündigt. Wir latschten tapfer die Meilen ab, die zwischendurch auch sehr informativ waren, tranken noch nen Kaffee auf dem/der Wal (das Eisbrecherdampfschiff, männlich, oder?), ich holte mir noch ein Stück Pizza und entgegen der Erwartung fing die Band nicht erst weit nach 20 Uhr an, sondern schon 30 Sekunden vor Acht (nach meiner Funkgenauen G-Shock). Die Band war wie erwartet sehr gut, aber meiner Meinung nach schon  zu perfekt und genau. Nach exakt einer Stunde gab es eine Pause und dann spielten sie weiter. Angela und ich schafften unser drittes Bier und machten uns dann auf den (langen!) Rückweg

(mein Mac(!) kackte gerade ab und bevor ich hier alles aus Wut lösche, schreibe ich lieber morgen weiter.)

Fussnote (siehe Bild oben):
Die Insel ist ein künstliches Gebilde westlich des Jade-Fahrwassers. Man kann problemlos „innen“ durch, Raum ist dort genug und man stört keinen. Wenn man kreuzen muss, hilft dieses kleine Stück enorm. Koordinaten sieht man im Bild, aber wenn man vor Ort ist, wird man die Anlage nicht übersehen.

Iris

Wo wir gerade bei Namen sind (hier): Eine Iris ist auch noch dazu gekommen. Und diese Namensgebung ist durchaus naheliegend, denn ich habe als Ersatz und aus Neugier einen weiteren Pinnenpiloten gekauft. Nichts neues, sondern was recht altes von einem älteren Herren, der leider nicht mehr segeln kann und so nach und nach alles verkauft. Das besondere an diesem Pinnenpiloten (auch ein Autohelm-Gerät, aber anderes Modell): Es gibt sogar eine Windfahnensteuerung und sowas wollte ich immer schon mal haben bzw. ausprobieren! Und laut dem Herren wurde diese nie benutzt. Ich bin da zwar auch noch nicht zu gekommen, uns mal vom Wind steuern zu lassen, aber wir sind kurz davor…

Auf jeden Fall hat unser Andreas aktuell leider einen Wackelkontakt im Anschlußkabel (weil ich nicht gut löten kann), also war es die Gelegenheit, den Ersatzpiloten einzusetzen. Dieser funktioniert etwas anders als der neuere: Beim neuen muss man nur auf Auto schalten und er steuert den anliegenden Kurs. Das ältere Modell hat oben drauf eine Kompassrose, mit welcher man den gewünschten Kurs einstellen muss. Das ist schon deswegen tricky, weil Bordkompass und Pilotenkompass nicht 100% übereinstimmen. Und wenn man dann den Pinnenpiloten aktiviert und der macht erstmal eine Kursänderung von 10 Grad, dann muss man entsprechend richtig(!) nachjustieren. Außerdem reagiert dieses Gerät etwas träger auf Kursanpassungen und im Allgemeinen ist es im Umgang etwas empfindlicher, aber mit so robustem wie schlanken Gehäuse.

Tja, und wenn wir den Andreas haben, wie heisst dann das Gerät an seiner Seite? Na, Iris natürlich!

Schlecht geknipst, aber alles wichtige drauf von Iris

Fast ne Nachtfahrt

Wir hatten ja das Himmelfahrts-Wochenende in der „Marina Bremerhaven“ verbracht, es war eine Ausfahrt vom OYC. Die Marina im Fischereihafen ist toll, ich werde demnächst einen eigenen Beitrag darüber schreiben. Aber erstmal das hier.

Wie wir zwischen Hooksiel hin und her fahren, brauche ich wohl nicht mehr zu beschreiben, das gibt es hier ja mittlerweile zur Genüge. Wer das nachlesen will: Einfach das Suchfeld oder die Tag-Wolke links verwenden.
Weil Angela doch so gern mal bei Nacht fahren möchte, ergab sich nun eine gute Gelegenheit dafür. Nicht ideal, aber immerhin sollte es bei Abfahrt Nacht und Dunkel sein: Die Tide war so, dass beim Alte Weser-Leuchtfeuer um ca. 6:30 Uhr Niedrigwasser war. Also muss man in Bremerhaven zwischen zwei und drei Uhr in der Nacht losfahren. Wir lagen im „Neuen Hafen“ im Jaich am Kopfende von Steg C. Da wir erst gegen 21:55 angelegt hatten, würden wir nur vier Stunden bleiben. Angemeldet hätten wir uns dennoch, wenn das Büro noch besetzt gewesen wäre. War aber nicht, aber für die paar Stunden machten wir uns keine Gedanken. Eine Schleusung „zur ungewöhnlichen Zeit“ muss man nicht extra lange vorher ankündigen, das war mir noch von unserer Überfahrt an Ostern bekannt . Die kleine Schleuse wird ausserhalb der Betriebszeiten von der Kaiserschleuse über Ch 10 fernbedient. Dort ist immer jemand und ggf. eine halbe Stunde vorher kann man ruhig Bescheid sagen, das ist gut für die Planung. Machte ich. Oder besser: Versuchte ich. Dreimal mit Abstand von einigen Minuten habe ich die Schleuse angefunkt, aber keine Antwort. Beim vierten mal, es war schon 2:38 Uhr, eine Reaktion: „Was fürn Boot seid denn ihr?“ kam als Rückfrage (meine Vermutung: Der Diensthabende hatte ein verdientes Schläfchen gemacht und musste erstmal Zeit gewinnen, um sich zu orientieren). Egal: Wir sollten rankommen und er würde dann gleich öffnen. So geschah es auch. Die Schleuse ist sehr gut ausgeleuchtet und Dank solider Schwimmstege kein Problem. Und wir hatten die Schleuse für uns allein…

Die wahre Nachtfahrt begann dann, als wir aus der Schleuse raus fuhren. Ich weiss nicht, ob Angela nervös war, aber konzentriert angespannt war ich auf jeden Fall. Ich bin schon einige Male Nachts gefahren und mit etwas Übung ist das sogar einfacher als Tagsüber, denn es ist weniger Verkehr und alles Wichtige ist ja beleuchtet 🙂
Man muss nur die Lichter auseinander halten können und natürlich insbesondere auf die Betonnung achten. An der Columbus-Kaje sind alle grünen Tonnen (auf deren Seite Sportboote dort fahren sollen) beleuchtet und dahinter die erste rote Tonne auch. Kein Problem, besonders, wenn man die Tonnen am Plotter schon mal „vorverorten“ kann.

An der Kaje selbst ist es schon beeindruckend im Dunkeln, weil sowohl die Kräne als auch die  riesigen Schiffe sehr üppig beleuchtet sind. „Schon“ um 5 Uhr war Sonnenaufgang und wir waren aussen auf der Weser live dabei. Auf dem Foto sieht man zum einen Wremen weit hinten am Horizont als auch die Tonne im Tidenstrom (ca. 2,5kn an der Stelle). Über den Revierfunk wurde schon früh die Einfahrt der Mein Schiff 2 angekündigt und irgendwann schob sie sich majestätisch langsam an uns vorbei, die fuhren ja gegenan.
Und weil über den Revierfunk verkündet wurde, dass das Niedrigwasser drei Dezimeter geringer ausfällt als üblich, haben wir auf den Heinrich-Punkt verzichtet und sind ganz klassisch durch die Mittelrinne gefahren. Diese hat Angela sogar mehr als zur Hälfte allein gefahren, weil ich mich für ein Schläfchen hingelegt hatte… der Rest ist schnell erzählt: Auf der Weser musste die Maschine mitlaufen, weil 1 Bft leider nicht reichen. Aber die Jade haben wir dann allerfeinst kreuzend ersegelt, es briste eetwas auf. So erreichten wir die 9 Uhr-Schleusung superpünktlich, statt mit Motor und ohne Spass die um 8 Uhr zu versuchen. Dann Schleusen (wir und noch ein Segler: zwei Boote und viel Platz), danach zum Steg und Liegeplatz tuckern, dort super angelegt und erstmal klar Schiff machen. Dann kurz nachgedacht: Um kurz nach 12 wieder raus, aufs Hooksmeer und dort ankern! So konnten wir die Kairos bald begrüssen, denn Anja und Axel waren auf Wangerooge und die Tide würde sie gegen 14:00 in die Schleuse spülen. Fast. Denn die Kairos konnte erst gegen 15:00 in die Schleuse, es waren sooo viele Boote im Vorhafen, das eine Schleusung nicht reichte…. das war uns aber auch recht, denn so habe ich vor Anker noch Bratkartoffeln mit Leberkäse gebraten und wir futterten das im Cockpit unterm Bimini genüsslich auf 🙂

Die nächste Nachtfahrt werden wir bestimmt schon am Abend starten…