Opferanoden

Noch im April, noch vor der Saison, schrieb ich diesen Beitrag über die Zink-Anoden am Boot, samt Foto. Nun ist ja das Boot aus dem Wasser, ich konnte die Anoden am Ruderblatt sehen und war schon sehr erstaunt:

Vor sieben Monaten war die noch neu…

Da ist fast nichts mehr über! Wenn man guckt, was das ursprünglich für ein Klotz war, mannmann. Ob weniger Verschleiss da wäre, wenn ich zwei Anoden ansetze? Oder würden beide gleich schnell weggefressen?

Der Rest vom Unterwasserschiff sah übrigens total OK aus, keine Muscheln oder so. Nur diese weißen Würmer, die man auch an der Anode sieht, die waren ganz unten am Kiel… hm, keine Ahnung. Und den Propeller hatte ich auch nicht behandelt, da haben sich die Pocken dann draufgeschmissen und uns bestimmt auch ausgebremst:

Mehr darf das auch nicht sein…. das bremst doch wie verrückt

Das ging zwar recht gut runter mit dem Hochdruckreiniger, aber ich muss mal gucken, was ich für ein Mittelchen finde, um das für die nächste Saison stark zu reduzieren… hat jemand einen guten Tipp?

Ausm Wasser

Schneller als geplant liegen wir nun auf dem Trockenen: Slocum steht in der grossen Halle beim OYC. Es ist zwar schon spät im Jahr, aber irgendwie war ich eigentlich noch nicht so weit. Aber da unser Hallenwart aus diversen Gründen die Stellplätze umsortiert hatte, musste ich nun raus, weil andere mit ihren Booten in die Halle wollten und wir halt „dahinter“ stehen.
Und obwohl mich eine Erkältung plagt und ich lieber im Bett geblieben wäre, muss ich sagen: Das hat alles wirklich reibungslos hervorragend funktioniert. Bei mir. Beim Clubkameraden gab es da leider etwas mehr (kleinere) Probleme.

Da ich morgens zeitig vor Ort war, kümmerte ich mich zunächst um den Trailer. Da mussten noch die „Pratzen“ fixiert werden, damit sie im richtigen Winkel stehen, wenn das Boot sich auf den Trailer schiebt (natürlich unter Wasser, wo man das nicht sehen kann). Das machte ich mit ein paar Lagen Klebeband. Am Steg tüdelte ich die Festmacher noch so um, dass das Heck der Slocum über den Steg ragte. So konnte ich bequem den Verklicker und die Funkantenne von der Mastspitze abschrauben, die ja nun waagerecht übers Heck ragte.

Nun musste ich noch auf einen Treckerfahrer warten, der den Trailer holt (die stehen bei uns unter der Autobahnbrücke) und vor die Slippbahn stellt. Rein theoretisch und ganz praktisch kann ich den Trecker auch selber fahren: Sooo schwer ist das auch nicht und wer  schon Renntrecker selbst gebaut und gefahren hat, der kann doch eh irgendwie alles fahren. Ausserdem hatte ich auch schon eine Einweisung auf eben diesen Trecker. Fehlen nur noch einige Vereinsinterne Schritte, damit ich… aber ich schweife ab.

Ursprünglich wollten drei Eigner ihre Boote rausslippen, aber wegen Mastlegen waren es dann nur zwei. Der andere (Likedeeler) hat locker 30cm mehr Tiefgang als ich, also sollte ich als erstes aus dem Wasser, noch eben vor Hochwasser. Mein Trailer konnte gleich an Ort und Stelle vor die Slipprampe geschoben werden. An der Rampe kommen dann Keile vor die Hinterräder, damit der Trailer später durchs Eigengewicht ins Wasser rollen kann. An einem Stahlseil kann man das über die Winde gut kontrollieren (und wieder aus dem Wasser ziehen).
An die Deichsel des Trailers werden zwei lange Tampen geknotet und mit denen können zwei Kameraden den Trailer auf der Rampe lenken, damit er möglichst gerade ins Wasser läuft.
Ich füllte noch etwas Luft auf den Reifen am Trailer nach. Die waren bei gut 3 bar, können aber einiges mehr ab. Laut Beschriftung sogar 117psi, das sind locker 7bar! Das schaffte der kleine Kompressor kaum, bei 5 bar war ich schon zufrieden.

Während die Jungs den Trailer ins Wasser ließen (ich habe noch kurz die Markierung am Trailer gezeigt, wie weit er ins Wasser muss) bin ich zum Boot gelatscht und startete die Maschine. Michael, mein Co-Skipper, war dann auch parat. Wir legten weitestgehend wortlos ab, ich drehte die Slocum und fuhr zur Slipprampe. Den im Wasser stehenden Trailer kann man dann wirklich echt erst recht spät sehen, weil das alles vorher durch Dalben, Wände etc. abgedeckt wird. Und ausserdem gucken ja nur noch die Rungen aus dem Wasser. Ich machte das aktuell zum dritten mal mit diesem Boot und diesem Trailer. Das ist nicht viel Erfahrung, aber immerhin weit über „Null“. Vorher sagte ich Michael, worauf es ankommt und er nickte, er guckte, er machte. So konnte ich beim Einbiegen in die „Trailergasse“ schon in den Leerlauf schalten und als wir zwischen den vier Rungen waren musste ich nur kurz aufstoppen. Und auch wenn der Boots-Arsch dabei zur Seite will: Weg kann er nicht, wir sind schon zwischen den Rungen. Der Rest ist dann Handarbeit: Unten am Trailer ist auf jeder Seite eine Leine befestigt, die nach oben zu den hinteren Rungen führt. Michael stand bei den vorderen Rungen und hielt per Hand den korrekten Abstand, während ich am Heck die beiden Leinen auf den Heckklampen an Bord belegte. Dann ein kurzer Check, ob alles so OK erscheint (viel sehen kann man nicht), und dann Kommando an den Windenwart: Hol uns raus!

Der Motor war da schon aus und langsam rumpelte sich die Slocum auf dem Trailer zurecht,während die kräftige Seilwinde den Trailer wieder aus dem Wasser zog und die Jungs an den Leinen der Deichsel alles geradeaus hielten. Als Skipper an Bord ist man hier auf die Aussagen der Leute an Land angewiesen, denn man selber sieht ja nicht, wie das Boot auf dem Trailer steht. Aber da stehen ja alles Profis (wenn nicht zu viel Leute da sind).

Um es kurz zu machen: So gerade und mittig stand das Boot schon lange nicht mehr auf dem Trailer!
Eine weitere Überraschung nach dem Slippen: Kaum Bewuchs am Unterwasserschiff! Kein Muscheln oder Pocken. Nur an der Unterkante des Kiels eine Art von Würmern… keine Ahnung, konnte man aber mit dem Hochdruckreiniger weg kriegen. Dabei flog natürlich auch etwas AF weg, aber das ist nicht kritisch. Am Propeller, den ich nicht behandelt hatte, waren aber etliche Pocken, da werde ich für die nächste Saison auf jeden Fall was machen müssen, um unsere Fahrt nicht unnötig zu verzögern.

Um es zu Ende zu erzählen: Wir schoben mein Boot an die Seite, damit wir das andere pünktlich bei Hochwasser noch rausholen konnten und das klappte auch wie vom Eigner geplant. Das Boot war zwar ganz schon schief auf dem Trailer und vorn auch höher als sonst, aber… passt schon. Leider musste man später den Verklicker verbiegen, damit er durchs Hallentor passt. Doch da waren ja schon 98% des Bootes in der Halle, was solls 🙂
Zu dem Zeitpunkt stand Slocum schon an seinem/ihrem(?) Platz in der Halle und ich machte im Geiste schon eine Liste an Punkten, die ich unbedingt als nächstes angehen möchte (und schon zur Hälfte wieder vergessen habe).

Fakt: Es dauert nun kein halbes Jahr, bis wir wieder im Wasser sind!

die Brücke brückt

Als es die letzten Sommer so heiss war, da gab es ein Motto bei uns im OYC an der Buschhagen-Halbinsel: Die Schleuse schleust, aber die Brücke brückt nicht. Die alte Cäcilienbrücke funktioniert bei Hitze nicht mehr so gut und dieses Jahr, 2019, wurde sie im Sommer sogar auf eine Höhe festgesetzt und Radler etc. mussten über Rampen & Co. die Brücke erklimmen. Binnenschiffer mussten den Tidenkalender statt der Funke bemühen, was nicht immer funktionierte. Seit Anfang Oktober brückt sie erstmal wieder, es ist ja nicht mehr so heiss.

Gestern (Freitag, den 08.11.) schon legte ich in einer relativ spontanen Aktion mit meinem Sohn Thor den Mast im Stadthafen. Das hat keine anderthalb Stunden gedauert; ein guter Wert mit zwei Leuten, inklusive Mast nach vorne wuppen und festtüdeln und so. Dann habe ich gleich abgelegt und wir beide sind das kurze Stück vom Stadthafen zum Buschhagen getuckert, welches nur eine kleine Hürde hat: Die Cäcilienbrücke. Noch am Steg schätze ich die Höhe des Bootes mit liegendem Mast (ca. 2,10m) und rechnete mit der Zwölferregelung, wieviel Platz wohl nun unter der Brücke sein würde: ungefähr halb eins war Hochwasser, nun war es zwei Uhr durch. ein zwölftel von drei metern sind 25cm, also einmal plus zweimal macht ca. 75cm, aber minus etwas, weil noch keine zwei Stunden nach Hochwasser rum sind. Bei normal HW hat die Cäcilie noch 1,39m Luft. Plus meine errechneten und geschätzten vielleicht 60cm waren wir bei knapp 2m. Das reichte also noch nicht. aber wenn die zwei Stunden um wären, dann müsste es bald passen. So stand ich leise murmelnd am Steg und mein Sohn verstand nix von dem. Ich habe es ihm grob erklärt und ich glaube, er hat es fast voll verstanden. Egal, es gibt ja noch den Brückenpegel gleich um die Ecke 🙂

Bei bestem Wetter fuhren wir langsam rückwärts(!) aus der Innenseite des Stegs, was natürlich mit unserem „gemässigtem Langkieler“ nicht einwandfrei funktionierte. Aber gut genug. Ganz sanft touchierten wir die letzten Bretter vom Steg, drehten den Arsch zum Schwan und konnten vorwärts Gas geben. Dass das Echolot dabei zwischen 0,7 und bescheuerten Werten hin und her sprang, ignorierte ich einfach, wir machten ja Fahrt und waren also nicht auf Grund (unser Echolot zeigt nicht die Tiefe unterm Kiel an, sondern vom Einbauort, der einiges höher liegt). Es war wirklich Traumhaft schön, und solch ein Wetter Anfang November! Kein Windhauch, blauer Himmel und die Sonne wärmte sogar noch. Aber sie stand schon recht tief und unser Küstenkanal führt nach Westen, also hatten wir Sonne von vorn. Gut, dass immer einige Sonnenbrillen an Bord sind. Nun um die neu gestaltete Kurve und den Pegel gepeilt: Ziemlich zwei Meter. Erstaunlich, da war ich schon etwas stolz auf mich 😉
Aber das hiess: Wir passen nicht unter die Brücke durch. Extra anfunken wollte ich die nicht, hätte ja noch die Handfunke an Bord (die „grosse“ Funke geht nicht, wenn die Antenne liegt und der Stecker raus ist). Ich liess Thor an die Pinne, regelte die Fahrt von 3 auf (echt mal) bummelige 1,5 Knoten Fahrt und legte die Füsse hoch. Thors Kommentar: „wir müssen nicht so langsam, nur weil ich am Steuer bin…“
Nein, aber um Zeit zu gewinnen und das alles zu geniessen ist Tuckern gut. Als wir uns der Brücke bis auf wenige Meter näherten, wollte Thor nicht mehr am Steuer sein weil er annahm, wir würden unweigerlich die Brücke rammen (das ein Boot keine Bremsen hat, hat er schon mal verstanden). Ich hatte allerdings schon in den Leerlauf geschaltet und wir schoben nur mit Restfahrt auf die Brücke zu. Das ablaufende Wasser bremste auch noch unsere Fahrt. Ich schickte Thor aufs Vorschiff: Fasse die Brücke an, wenn du sie erreichen kannst und peile, ob die Höhe passt!

Erstmal Status ändern: Thor vor der Cäcilienbrücke

Es passte noch nicht. Der Pegel ist zwar um wenige Zentimeter gefallen, aber… Also einfach warten. Wir hatten es echt wirklich voll nicht eilig, das ist doch ein wahrer Luxus! Die Slocum stand ziemlich gerade mittig im Küstenkanal eine Armlänge von der Brücke entfernt, ich hatte alles unter Kontrolle und genoss das alles einfach. Und auf einmal hörten wir schon dieses besondere Dauerklingeln, welches jeder Radfahrende Oldenburger sofort erkennt: Die Brücke will schliessen, um sich zu heben. Das hat Thor bisher nur von der Strasse aus erlebt und fing an mit Vorschuss-Moppern: „Wenn ich mitm Auto da warten müsste, nur weil ein son kleines Boot dadurch will, ich würde mich ja tierisch aufregen….!“
Tja, jetzt ist er quasi „auf der anderen Seite“ und will drunter statt drüber. Ausserdem hatten wir die Brückenöffnung nicht angefordert, das war eine Entscheidung des Brückenwärters (welche ich stets nett erlebt habe). Die Lichter gingen von einmal weiss und zweimal rot auf ein Rot und ich fuhr durch, ohne Grün abzuwarten, sobald es passte. Kaum waren wir durch, da fuhr sie auch schon wieder runter. Das ist irgendwie immer ein tolles Gefühl und es betrübt mich als alter Oldenburger schon jetzt, dass diese Brücke bald nicht mehr da sein wird.  Immerhin konnte ich dafür sorgen, das mein Sohn das hier noch mal erlebt.

Anlegen am Steg war dann auch kein Thema: Erstmal an vorbei, durchfahren bist zur Slippbahn und dort drehen. Dann zurück zum ausgeguckten Liegeplatz, ran, aufgestoppt, mit Leine auf den Steg und Boot fest. Fertig.

Segel-Blogs und wie man sie findet

Komischer Titel? Aber ja: Wie findet man Segel-Blogs?
Denn ich weiss, dass mindestens zwei der hier Mitlesenden gar keine Segler sind und die haben diese Seite nicht gesucht sondern nur gefunden, weil sie uns „auch so“ kennen. Natürlich muss ich nicht weiter erklären, wie man (andere) Segelblogs findet: Entweder man stolpert bei einer Internet-Recherche über eines oder findet einen Link in einem entsprechenden Forum oder gar bei Facebook, oder, ganz wie bei den Veganern: Der Segler erzählt einem, dass er ein Blog betreibt. Oder noch fast ganz anders und davon möchte ich kurz erzählen.

Da wir nächstes Jahr einen längeren Törn unternehmen, suche ich mit einem halben Auge immer nebenbei nach Dingen, die wir dafür gut gebrauchen können. Bei den Seekarten haben es mir z.B. die Imray-Karten angetan, weil die… toll sind. Ausserdem gibt es auch noch gute Revierführer etc. von diesem Verlag und so lohnt es sich, nach günstigen Angeboten Ausschau zu halten. Nun habe ich schon einen ganzen Packen von den Karten und brauche fast nix mehr. Nur die eine, die C26 (die wir nicht dringend brauchen, aber nett wäre es schon) wurde plötzlich als recht neue Ausgabe bei Kleinanzeigen-ebay angeboten. Ja, hm, mal fragen?
Ich schrieb den Verkäufer an, fragte wegen Preis und Versand nach Oldenburg bezüglich meinen Vorstellungen und wir wurden uns schnell einig, u.a., weil er angenehm zeitnah auf meine eMails geantwortet hat (ich mag eMail). Ich habe sofort per PayPal bezahlt und dieses meinem Versender mit einer kleinen Nachricht mitgeteilt. Er antwortete prompt: Würde gleich am Samstag versendet werden. Tipptopp.

Samstag bekam ich sogar ein Foto vom Umschlag und der Notiz: „Seekarte ist unterwegs“. Montag kam ich nach Feierabend nach Hause und dort lag schon eben jener Umschlag auf der Kommode. So schrieb ich gleich eine Notiz zurück:

Und heute schon angekommen! Danke für die reibungslose Zusammenarbeit!
Nächstes Jahr starten wir dann mit dieser Karte unsere Langfahrt, fünf Monate. Kannst gern hier gucken: sy-slocum.de

Siehste, da mache ich recht dezent quasi veganes Productplacement. Das ist aber auch kein Problem, denn mein Handelspartner spielt mit:

Hallo Holger,
Das freut mich und toll was ihr vorhabt. Viel Erfolg dabei und tolle unvergessliche Erlebnisse.Wir waren dieses Jahr drei Monate unterwegs als Generalprobe und ab Juli 21 ziehen wir erneut aufs Schiff und wollen dann weg solange uns die Füße tragen. Du kannst ja mal schauen unter Tosimotu.de

Und dem genannten Link folge ich doch gern und verkünde ihn hier. Kann ja nicht schaden, weitere potentielle Leser darauf aufmerksam zu machen. Meine ersten Klicks dort wurden schon durch gute Beiträge „belohnt“.

Alles gute Euch, wir lesen uns sicher und vielleicht kreuzen sich unsere Kurse irgendwann!

Überleben auf See

Gestern, am Samstag, den 02.11.2019, waren wir mutig: Angela und ich sind zum Maritimen Trainings-Zentrum nach Elsfleth gefahren und haben dort an einem Training „Überleben auf See“ teilgenommen. Gleich vorab: Der Wahnsinn! Das ist kein Pillepalle, Pupskram oder irgendwas lustiges, nein: Da geht es richtig zur Sache, man lernt die eigenen Grenzen kennen. Ehrlich. Doch ich erzähle mal der Reihe nach:

Wir, insgesamt 14 Teilnehmer, versammelten uns in einem Schulungsraum, es gab diverse kalte und warme Getränke und eine kleine Einführung in das, was auf uns zukommen wird. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt so alt wie wir, aber es war auch ein (sehr) junges Mädchen und eine recht betagte Dame dabei (die das alles beneidenswert gut mitgemacht hat). Wir erfuhren: Erst bekommen wir eine Theorie-Stunde „Erste Hilfe an Bord“. Und diese gute Stunde war sehr gut! Viola, unsere junge Dozentin, hat immer Bezug zur Situation an Bord genommen und sich auf das Wesentliche konzentriert:

      • Bewusstlosigkeit
      • Unterkühlung
      • Wiederbelebung

In dem Zusammenhang dann auch, wie man die Atmung einer liegenden Person fest- und sicherstellt und wie und wann man eine stabile Seitenlage herstellt. Dabei sagte sie  gute und wichtige Dinge, wie z.B.: Wenn man Ekel haben sollte, jemanden Mund-zu-Mund zu beatmen: Die Person, die dort vor uns liegt und Hilfe braucht, ist ziemlich sicher nicht irgend ein Fremder sondern ein nahes Familienmitglied und wenn man nicht hilft, dann stirbt diese Person! Und: Scheiss drauf, wie die richtige, perfekte Seitenlage geht! Hauptsache, die entsprechende Person liegt auf der Seite, Kopf nach hinten gestreckt und bleibt auch so (eben stabil). Und Scheiss drauf, welche Verletzungen da noch sind und warum usw: Ohne Atmung stirbt dieser Mensch auf jeden Fall. So einfach kann es sein: Alles richtig und einleuchtend, was sie sagt.
Eine Auffrischung von erster Hilfe lohnt definitiv, besonders, wenn sie wie bei mir (und vielen anderen) das letzte mal beim Führerschein gemacht wurde. Unabhängig vom Faktum „See“ gibt es halt immer wieder neue und hilfreiche Erkenntnisse.

Ein Klick aufs Bild liefert eine Sekunde Film, Eindruck genug!

Nach der (viel zu knappen) Zeit mit den Tipps zur Ersten Hilfe kam die Einweisung fürs Eingemachte: Wir werden über zwei Stunden durchgehend in voller Montur und bei Wind und Wellen im Wasser verbringen und u.a. diese Dinge machen:

      • Rettungsweste auslösen
      • in der Gruppe eine Raupe bilden
      • … einen Kreis bilden
      • … auf uns Aufmerksam machen
      • alleine eine Rettungsinsel drehen
      • … diese Insel besteigen
      • per Seilwinde (wie beim Hubschrauber) aus der Insel geborgen werden

Und das alles nicht im glatten Wasser eines normalen Schwimmbeckens, denn dieses Becken hat nicht nur drei Wellenhöhen (max. 1,80m!) sondern kann diese auch von diversen Seiten auf einen zukommen lassen. Dazu die Windpropeller, siehe Bild/Film oben.

Sie haben gehalten, was sie versprachen. Und noch mehr. Eine erste Überwindung kann ja sein, in voller Montur ins Becken zu springen. Ich wollte sowas unbedingt mal machen, deswegen zögerte ich nicht lange. Aber Leute: volle Montur heisst: Mit Schuhe und Socken, Hose etc.! Wir sollten die Bekleidung (Ölzeug) mitbringen und anziehen, die wir üblicherweise an Bord tragen und das taten wir auch. Ein Glück, dass ich auch noch eine lange Unterhose unter meiner Jeans (unter meiner Ölhose) trug, denn das 22 Grad warme Wasser fühlt sich nicht lange so „warm“ an. Wie auch immer: Ins Wasser springen und die Weste auslösen (wenn sie nicht automatisch aufploppt) ist der Anfang und danach muss man sehr gut aufpassen, kein bzw. nicht zu viel Wasser zu verschlucken und den richtigen Moment fürs Atmen finden. Eine sehr interessante Erfahrung, und „Spass“ ist ganz sicher nicht der richtige Ausdruck dafür! Als ich irgendwann allein in der Rettungsinsel saß und wieder raus ins Wasser musste, da war ich für einen kurzen Moment richtig verzweifelt.

Und als ich, simulierten Hubschrauber um mich rum, nach guten zwei Stunden mit einer Seilwinde aus der Insel „gerettet“ wurde (als Vorletzter, weil ich zwischendurch zum Co-Skipper befördert wurde), langsam vom Turm runterging und mir ein heisser Tee mit Zucker gereicht wurde, hätte ich diesen vor lauter unkontrollierbarem starken Zittern fast verschüttet.
Ich setzte mich pitschpatsch nass, zitternd, mit allen Klamotten und der nun etwas platten Rettungsweste um den Hals auf eine Bank und wusste nicht, was ich denken sollte. Was für eine Erfahrung!

Was für eine Erfahrung, und das bei voller Kontrolle: Das Team von Fire & Safety war stets in der Nähe, im Wasser, halfen, lachten, sagten, was zu tun und zu lassen ist. Noch mal ein dickes Lob ans Team, falls hier einer mitlesen sollte! Natürlich will keiner sowas „in echt“ auf hoher See erleben, aber genauso natürlich kann das keiner ausschliessen, der sich auf die hohe See hinaus wagt. Und auch wenn es da draussen sicher noch vielviel schlimmer kommen kann als beim Training: Man hat ein kleines Gespür dafür, was man tun kann, um nicht gleich zu sterben.  Das fängt nicht bei der Wahl der richtigen Rettungsweste an und hört nicht bei guter körperlicher Fitness auf, aber nun befinde ich mich mitten auf der Skala statt ganz am Anfang.

Wenn ihr nun glaubt, ich hätte ja alles verraten und euch, die ihr vielleicht mal so ein Training machen wollt, die Spannung genommen: Nee, Leute, das solltet ihr schon selbst erleben! Was ich hier beschrieb, ist nur ein Teaser…

Ich werde so ein Training auf jeden Fall noch mal machen! Muss ja nicht gleich nächste Woche sein….

das war der Plan

Seewetterbericht herausgegeben vom Seewetterdienst Hamburg
20.10.2019, 06 UTC:
Vorhersage gültig bis heute Nacht:
Deutsche Bucht :
Südwest 4, vorübergehend schwachwindig, später Nordost 3
bis 4, anfangs Schauerböen, strichweise Gewitter, See 1 Meter.

Das war das Wetter für unsere Überfahrt am Sonntag. Wir waren ja schon Freitag nach Hooksiel gereist bzw. haben uns bringen lassen. Dort zogen wir noch das alte Vorsegel in die neue Rollanlage und steckten ein Reff ins Groß, weil wir eigentlich am nächsten Tag los wollten und aber für Samstag starke Winde angesagt waren. Sowohl über Jade Traffic als auch vom DWD. Leider habe ich die passende Mail nicht mehr. Wir wollten gleich die erste Schleuse um 9 nehmen, dann durch Jade und Mittelrinne zur Doppeltonne und Richtung Bremerhaven segeln, wie wir es schon oft gemacht haben. Samstag morgen, noch im Bett, checkten wir Windfinder, nachdem wir die UKW-Meldung auf Ch63 gehört hatten:

Browserbild von Windfinder

Sechs Bft in Böen kriegen wir ja noch gut hin, zumal unsere Slocum sowieso einiges an Wind braucht, aber: 6er Böen aus Süd, wo wir auflaufendes Wasser in der Weser haben? Wind gegen Strom will man da echt nicht. Wir hatten das schon mit weniger Wind in die andere Richtung erlebt und das war übler als nur unbequemes Gehopse. Da die Funkansagen noch unvorteilhafter klangen, fasste ich den Beschluss nach Kopfnicken meiner Frau: Nein, heute fahren wir nicht, denn genau, wenn wir „ganz oben draussen“ sind, soll es am dööfsten sein. Ganz nebenbei wurden noch Wellenhöhen von 1,6m angesagt. Da wird es ja schon schwer, die Tonnen zu finden und schnibbeln bei der M4 oder gar M6 sollte man auch nicht…. für Sonntag dagegen sah das vielviel besser aus und:

So machten wir am Samstag noch einen weiteren Tüdeltag, duschten ausgiebig, kochten lecker an Bord (Nudeln mit Truthahnfleischgemüsemixtomatensosse), klarierten Leinen und Kabel, schütteten das Reff wieder aus dem Groß und Sonntag traten wir dann die Reise an, welche Angela beschrieb. Leider blieb die südliche Komponente im Wind, so dass wir auf der Weser nicht richtig in Fahrt kamen, die dazu erforderliche Höhe können wir einfach nicht laufen. Mit Maschine (und Motorkegel!) ging es dann, trotzdem haben wir das Fahrwasser noch einige Male gekreuzt.Dadurch waren wir letztendlich auch langsamer als gedacht, obwohl die Eckdaten eigentlich grob passten: Wir waren 12:08 oben in der Weser (aber hat schon drei Stunden gedauert, nicht weniger, was besser für die Planung gewesen wäre), hatten die Doppeltonne 13 hinter uns und machten die Maschine aus (da dachten wir noch, wir könnten einige Stunden nur segeln), gegen 16:00 waren wir an der Columbus-Kaje und halb fünf hatten wir die Schleuse „Neuer Hafen“ quer ab. Aber wir wollten da nicht rein, weil der angekündigte Regen nicht kam, wir hatten nicht viel zu tun, weil Andreas meistens steuerte (Angela sitzt gern mal an der Pinne, ich lass lieber den Automaten ran), konnten also durchaus noch weiter fahren. Langes Segeln, kurzer Sinn: Wir hatten schon zu viel Zeit gegen die Tide verloren.

Norwegian Encore – das neueste Kreuzfahrtschiff der Meyerwerft in BHV

Noch ein Wort zu den Fotos, die Angela im Beitrag hat: Der Profi mag sich wundern, dass das Unterliek des Vorsegels recht bauchig wirkt, wo wir doch hoch am Wind fahren sollten? Richtig, die Erklärung lautet: Die alte Genua hat ein etwas längeres Vorliek, weil die Trommel damals tiefer saß. Nun hatte ich unten zu viel Tuch und zwischen dem Ende der Keder und der Schlaufe zum Einpicken des Vorsegels entstand eben jene Wölbung. Ein Stückchen höher nur sah es viel besser aus.

Die Sache hatte einen Haken

Und zum Titel dieses Beitrages muss man hinzufügen: Zum Glück war da ein Haken!
Heute wollten wir (eben schnell) die Segel wieder anbringen. Dazu sollte ich erwähnen, dass wir neulich den Mast (eben schnell) legten, weil wir eine Rollreffanlage bekamen und dazu ein Vorstag getauscht werden musste (wir haben zwei Vorstagen). Also mussten wir alle Segel abschlagen, Baum ab und mit dem Spibaum den Mast legen. Ging gut. Aufstellen war auch kein Problem. Und eben die Segel wieder antüdeln ist doch auch ein Klacks. Eigentlich. Ich machte mich ans (alte) Vorsegel, welches ich an die (alte) Topreff-Rollanlage (hier erwähnt) baute und Angela sollte/durfte/musste das Großsegel anschlagen. Hat sie so noch nicht gemacht und wir dachten: „Mach mal, ist nicht schwer und dann weisst du, wie das geht“. So weit, so gut. Und aber dann passierte was, was wohl jedem Segler irgendwann mal passiert: Das Groß wurde ein Stück hochgezogen und *zack*, kam es wieder runter. Das Großfall aber nicht. Für die Laien, die hier mitlesen: Das Großfall ist das Seil, mit dem man das Segel hochzieht und natürlich auch wieder langsam, kontrolliert, runterlassen kann. Wenn das nun aber ohne Verbindung zum Segel oben bleibt, dann kriegt man es nicht wieder runter. Am Seil schieben geht ja nicht. Nicht mal bei uns, wo wir ein Drahtseil statt einer „Leine“ als Fallen haben. Nun baumelte also der Schnappschäkel in gut 10m Höhe. Angela und ich guckten uns an und dachten wohl das gleiche. Angela sprach es auch gleich aus: „Dann musst du mich wohl mit dem Bootsmannstuhl hochziehen“. Und ging schon in die Kajüte, um den ausm Schrank zu holen. Tapfer stieg Angela da hinein und musste voll lachen, als ich anfing, sie hochzukurbeln. Das hörte aber nach gut 2 Metern auf. Und ich musste echt ackern, denn das Kurbeln an der Winsch ging immer schwerer. Vermutlich, weil sich das Drahtseil selbst einklemmt, wenn da Last drauf ist. Leider konnte ich sie nicht bis nach oben kurbeln und trotz Teleskop-Bootshaken kam sie nicht ganz oben ran. Und etwas mulmig war ihr auch, was ich absolut verstehen kann, denn die wenigen Meter machen an so einem Mast und überm Wasser doch schon was aus. Nee, das geht so nicht. Langsam kurbelte ich sie wieder runter und anschliessend standen wir da und glotzten einige Zeit mit offenen Mündern zum Masttopp. Ich ging im Kopf einige verrückte Optionen durch, unter anderem grübelten wir, wo wir denn flott ein Kind herbekämen, das wir sicher eben ganz leicht und schnell da hochziehen können.

Dann entschieden wir uns für die Methode TGZH: „Tüdeln mit Geschick, Zufall und Hoffnung“. Dazu nahmen wir die Dirk, banden dort einen dicken Wust aus Tampen dran und vermuteten, dass ganz vielleicht ja der offene Schäkel sich in diesem Wust verhakt und wir das so runter kriegen können. Von wegen. Wir versuchten noch einige andere Ideen, wie z.B., eine Schlinge mit einer dünnen Leine an die Dirk zu binden, das dann hochzuziehen, die Schlinge über den Großfallschäkel ziehen zu können, dann die Schlinge zu und alles wieder runter lassen. Gute Idee? Richtig, aber funktioniert hat es nicht. Was dann schliesslich entwickelt wurde und geklappt(!) hat, war, Ta-taa!, das hier:

Zur Ehrung nennen wir diesen Kleiderbügel nun Hook

Wir banden den Kleiderbügel so an die Dirk, dass wir ihn mit einer Hilfsleine, links unten und rechts oben im Bild erkennbar, quer stellen konnten. Mit einem kurzen Tampen sorgten wir dafür, das er auch noch horizontal „lag“. Wie man auf dem Foto vielleicht erkennen kann, hat sich in der Tat unser Hook am Querbolzen des Schäkels verhakt. Dass das überhaupt gehalten und funktioniert hat! Toll, weil die nächste Option wäre auch noch gewesen, zur Schleuse zu fahren und den Schleusenwärter zu bitten, sich aus seinem Fenster im Turm zu lehnen und das zu klarieren. Wir hätten ja noch einen gut bei ihm 🙂

Nun überlege ich, ob ich an das Großfall eine dünne Sorgleine binden soll, oder ob die wiederum wo anders stören könnte… ich werde das mal testen, denn ein ausgerauschtes Fall kann immer mal passieren und meistens dann, wenn man es gar nicht gebrauchen kann.

Urlaub – Fluch der Küstenverkehrszone

Teil zwei (hier ist Teil eins)

Aber erstmal mussten wir dort sein, das war noch ein recht weiter Weg. Zwei Sachen mit dem Wind waren aber blöder als man denkt: Er war nicht besonders stark und er kam zu weit achterlich. Für die Leser, die noch nicht gesegelt sind: Wenn der Wind genau von hinten kommt, dann liegt das Vorsegel vor dem Gross im Windschatten und flappt (extrem nervenaufreibend) hin und her. Dafür gibt es diverse Lösungen: Nur mit Vorsegel fahren. Dazu sollte man aber ein recht grosses (eine so genannte Genua) nehmen, um den Wind gut auszunutzen. Oder gleich ein Leichtwindsegel (Gennaker, Spinnaker, Blister und wie sie alle heissen). Beides hatten wir nicht an Bord. Es gibt noch eine weitere Möglichkeit: Schmetterlingssegeln. Dabei sind Gross- und Vorsegel jeweils zu einer Seite des Bootes ausgebracht. Dieses Manöver hat aber auch seine Nachteile: Man sollte das Vorsegel ausbaumen und das Gross mit einem Tampen (Bullenstander) sichern, damit ein Winddreher nicht das Segel auf die andere Seite rauschen bzw. sausen lässt. Sowas kann fatal sein! Dazu kommt, dass so ein Kurs schwer zu steuern ist: Immer ziemlich den Wind genau achterlich, das schafft ein Pinnenpilot nicht. Und was mich dabei eigentlich noch mehr stört: Das Boot rollt hin und her, leider ohne Rythmus. Dabei ändert sich auch immer der scheinbare Wind auf den Segeln und sie stehen nicht immer gut usw usf. Kurz: Ich mache das nicht gern. Lieber kreuze ich etwas vor dem Wind, so dass er immer etwas seitlich auf das Boot trifft. Dadurch kriegen beide Segel genug Schub.
Jetzt hatten wir Spiekeroog an Steuerbord und es geschahen zwei Dinge auf einmal, die sich nicht gut ergänzen: Der Wind liess noch mehr nach (deutlich unter 3 Bft) und von irgendwo aus Nordwest der Nordsee rollte eine kräftige Dünung an, locker 1,5m Höhe. So schräg von hinten wurde die Slocum angehoben, kippte zur Seite, rollte, surfte den Wellenkamm ab und rollte auf die andere Seite. Wenn dann nicht Fahrt genug im Boot ist, dann ist das nicht nur nervig sondern schon gefährlich! Unten in der Kajüte fingen die Dinge an, aus ihren vorgesehenen Stauräumen zu fliegen und kullerten auf dem Boden umher, wenn sie nicht schon vorher zerbrachen (so wie unsere Pfeffermühle, überall kleine Scherben und Pfefferkörner) oder ihren Inhalt verteilten (Logbuch, Stifte, Zettel etc.). Wir machten die Maschine wieder an, fanden aber weder die richtige Geschwindigkeit noch Kurs, um die Lage zu verbessern. Wir hatten ja das ablaufende Wasser gegen uns und die Geschwindigkeit der Wellen hätten wir unter Maschine (20 PS) nie erreichen können. Also lieber wieder Motor aus, etwas näher unter Land und das beste daraus machen. Ab der Sechs-Meter-Tiefenlinie wurde es erheblich ruhiger, aber den anliegenden Kurs konnten wir nicht halten. Irgendwann mussten wir noch einen nördlichen Schlag machen und kamen natürlich wieder in die laufende Dünung, so ca. ab der 10m-Linie. Nützt ja nix. Wir passierten den Pegel dort und konzentrierten uns darauf, an der nördlichen Buhne von Minsener Oog vorbei zu kommen, ohne ins Jade-Fahrwasser zu geraten. Dort kam auch schon ein dicker Pott von hinten näher. Nicht, dass dort permanten riesen Schiffe hin und her fahren, neinnein. Die machen das immer nur dann, wenn man es eigentlich gerade nicht gebrauchen kann. Immerhin helfen die Pötte einem (indirekt), die Tonnen zu finden. Ihr müsst wissen: Wenn man von Westen kommt, dann ist dort am Horizont von Nord nach Süd und noch weiter alles voller Lichter! Da muss man erstmal erkennen, was Windrad, Tonne, Schiff oder Stern ist. Wir hoppelten also auf die Jade zu und ich konnte es kaum erwarten, um die Ecke zu kommen, weil dahinter ganz sicher die Dünung aufhörte. So war es auch, aber diese knappe Kurve mit ihren Untiefentonnen hat es nun mal in sich. Vermutlich war es gut, dass es schon dunkel war, als wir dort waren und das Buhnentürmchen nur noch als schwachen Schemen erkennen konnten, wenn man wusste, wo man hingucken sollte und was man eigentlich sucht.
Nach dem Abbiegen in die Jade legte ich mich erstmal lang ins Cockpit und ruhte ein wenig. Angela übernahm die Wache und hatte sowohl den grünen Tonnenstrich als auch die Reedetonnen gut im Griff. Der Bukh knatterte vorsich hin, das Segel stand gut, die wilde Dünung wurde duch schwachen Schwell ersetzt: So kann man schlummern!
Irgendwann kam dann das Muschelfeld in Sicht (die Ecktonnen sind gelbblinkend beleuchtet und wir bereiteten uns auf die kommenden Manöver vor: Segel bergen und danach ankern. Um es vorweg zu nehmen: Beides klappte wie erwartet. Das Segel band ich am Baum fest und dirigierte Angela, die an der Pinne sass, zum geplanten Ankerplatz. Es war 1:00 Uhr Nachts, wir waren zehn Stunden unterwegs, das Niedrigwasser war durch, die Flut kam. Wir fanden eine Stelle, wo es 4,6m tief war. Das passte ganz gut. Wenn die Flut noch gute drei Meter dazu packt, sind wir bei knapp 8 Meter Wassertiefe. Also liess ich einfach die ganzen 30m Ankerkette auslaufen, schadet ja nicht. Wir brauchten nicht mal richtig eindampfen, der Flutstrom grub unseren Anker ein, denn flucks hatten wir stehende Peilungen.
Ich übernahm die erste Wache und Angela legte sich unten in der Kajüte hin. Ich machte es mir im Cockpit gemütlich, schaute auf Land, Wasser, Beleuchtung, Sterne und den halben Mond und liess die Fahrt Revue passieren: Das war es wert!

zu klein, um die Route zu sehen?

Gegen halb vier ging ich nach unten und machte mir ein Brot mit Wurst, ich hatte ja seit Spierkoog nix mehr gegessen. Angela wachte auf und wir machten Wachwechsel. Wie schön kann eine schmale Koje mit einer warmen Decke sein! Als ich erwachte, da war es schon hell. Das Hochwasser war etwas eher als wir dachten und so konnte Angela live erleben, wie unser Boot sich vor Anker drehte und dieser sich einfach in neuer Richtung neu eingrub. Cool! Wir hatten nur 2m mehr Wassertiefe danach. Aber der Anker hielt!
Da um acht die erste Schleusung ist, fingen wir um 7:05 an, den Anker aufzuholen. Mit Hand und Ankerwinde die ganze Edelstahlkette einholen, ist nicht ohne! Aber dennoch dauerte es nur Minuten und um 7:13 waren wir frei und nahmen Kurs auf den Vorhafen bzw. erstmal die Tonne H3, die nun ein Stück voraus lag. Schon um 7:20 waren wir im Vorhafen und machten kurz an der Spundwand fest (die Fischerkähne wurden gerade gereinigt). Aus der Schleuse kamen in der Tat drei Segler und wir konnten rein. Um 8:13 Uhr fuhren wir schon wieder raus ins Hooksmeer, es gab nur 30cm Schleusenhub. Punkt 8:40 haben wir an unserem Platz an Steg 8 festgemacht und da wir eh unter Jetlag litten, teilten wir uns erstmal ein Schöffehofer Grapefruit, bevor noch für ein paar Stunden in die Koje gingen.
Am 22.08. um 15:00 fuhren wir los und kamen am 23.08. um kurz vor neun an:
Ende des Törns, aber nicht unseres Urlaubs!

Urlaub – Slocum, quo vadis

Slocum, quo vadis?
(Fotos folgen)
Wir hatten gleich für zwei Tage beim Hafenmeister auf Langeoog bezahlt. Wenn wir es besser gewusst hätten, dann wären wir nur eine Nacht geblieben und wären den nächsten Tag nach Baltrum und darauf nach Norderney gefahren. Sind wir aber nicht. Eigentlich hatten wir keine Lust mehr, durch Watten und Pricken von Insel zu Insel zu hüpfen, lieber wollten wir mal einen entspannten längeren Schlag segeln. Dazu bietet es sich an, aussen rum zu fahren. Wir studierten Wetter und Gezeiten, verglichen und rechneten und wägten ab: Mit einem langen Schlag von Langeoog nach Hooksiel! Das sind 38sm, da brauchen wir locker über 10 Stunden, zumal man ja erstmal durch das Gatt fahren muss. Vermutlich brauchen wir noch länger aber das ist ja ganz gut so, weil Angela auch mal nachts unterwegs sein möchte und wir das für unseren nächsten grossen Törn auch mal trainieren können. Das Finden und Erkennen von Schiffen, Tonnen und anderen Seezeichen ist nachts nämlich eine Eigenheit für sich.

Es ergab sich aber, dass am geplanten Tag der Wind ziemlich einschlafen sollte und zudem danach aus der „falschen“ Richtung kommen sollte (im Gegensatz zur ersten Woche unseren Urlaubes, wo er so unstet und zu kräftig war). Da hätten wir viel motoren müssen und genau das wollten wir nicht. Lieber wollten wir Segel hoch, Andreas eingestellt und sinnig übers Wasser gleiten. Also haben wir noch mal die Tide gerechnet und Windfinder bemüht, sind dann nochmal zum Hafenmeister und haben den Aufenthalt um eine Nacht verlängert. Am nächsten Tag sind wir dann wieder durch das Watt nach Spiekeroog. Und das war eine ganz schöne Fahrt! Wiedermal kam uns mitten auf dem Prickenweg ein dicker Tonnenleger entgegen, sowas!

Dem weicht man auch bei den Pricken besser aus

Spiekeroog ist schon fein: Die Zufahrt nicht abenteuerlich aber Besonders, der Ort liegt direkt am Hafen, klein kuschelig und genug Restaurants etc., um den Tag zu verbringen. Wir waren abends beim Italiener neben der Museumsinselbahn. Den nächsten Vormittag haben wir noch am Strand verbracht, denn ich liebe es, wenn das auflaufende Wasser meine Füsse umspült und ich mal so garnix denken muss sondern schweifen kann.
Wir lagen mit dem Boot wieder aussen am Steg, dennoch war das Niedrigwasser so niedrig, dass man auch um unsere Slocum den trockenfallenden Meeresgrund sehen und riechen konnte. Interessant, das war letzte Woche nicht so. Da wir nur eine Nacht bleiben wollten, verzichteten wir auf die Drei Euro Strompauschale. Ein, zwei Tage können wir locker mit Bordstrom auskommen.
Von hier aus sind es ca. 32sm bis nach Hooksiel. Mit dem Routerplaner von Navionics sogar nur 30sm. HW sollte gegen 16:45 sein. Also wollte ich zwei Stunden vorher los (wie immer und überall im Wattengebiet). Angela und ich wägten ab: Eher los und sich gegen den Strom durchs Gatt drücken oder nach Hochwasser los und vom Ebbstrom rausziehen lassen? Hat alles sein für und wider. Ich entschied mich für das erste, denn durch das Gatt bin ich noch nicht gefahren. Und obwohl es viel breiter ist als z.B. Das Seegat bei Wangerooge wollte ich vorsichtig sein. Auch wenn man nicht so flott voran kommt (2 Knoten Strom sind nicht ungewöhnlich und damit verschenkt man bei 4 Knoten Fahrt quasi 50% seines Kraftstoffverbrauches).
Die Fahrt durch die Otzumer Balje lief wie erwartet. Fast: Es gibt noch eine Tonne OB2A?! Da mussten wir einen kräftigen Linkshaken schlagen, um die noch zu kriegen und nicht auf irgendein Flach zu donnern. Gut, dass ich das Echolot immer im Auge habe und mich wunderte, dass es langsam immer flacher wurde… in der Navionics-Karte hatte ich diese Tonne gar nicht wahrgenommen und direkt den Kurs gerade aus abgesteckt. So schafften wir das Gatt aber gut. Wir hatten schon nach der Inselzufahrt das Gross hochgeholt, welches den Motor gut unterstützte. Nebenbei erwarteten wir, dass das Großsegel ein ggf. auftretendes Rollen etwas dämpfen würde. Das war auch so. Nach dem Gatt bogen wir rechts ab und aktivierten den PiPi, liefen unter Segel und machten die Maschine aus. Es war 17:09 Uhr. Da hat uns die Otzumer Balje doch mehr Zeit gekostet als wir dachten. Das war aber nicht schlimm, denn: Niedrigwasser bei Hooksiel sollte gegen 23:20 sein. Vorher würden wir das eh nie schaffen, also ist es gut, wenn wir später dort sind. Denn dann kann uns das auflaufende Wasser etwas schieben. Ausserdem hatten wir die Idee, nicht im dunkeln und kurz nach NW in den Vorhafen zu tuckern und dort für den Rest der Nacht einen Platz zum Liegen zu suchen sondern wir wollten vor dem Hooksieler Strand ankern. Dazu ist es gut, wenn die Tide schon gekippt ist, das macht die Sache einfacher. Unsere so praktischen wie hübschen Taschenlampen hatten wir uns schon parat gelegt.

(Ende Teil 1, hier gehts weiter)

Jubiläums-Unterbrechung

Ich muss mal eben aus besonderem Anlass eine wichtige Information zwischen unsere Urlaubs-Beiträge schieben:

Wir hatten Jubiläum! Und zwar war dieser hier der hunderste Artikel in unserem kleinen Boote-Blog! Das hätte ich noch gar nicht erwartet. Aber gut, wollen wir gar nicht lange drüber sinnieren sondern uns lieber auf die nächsten 100 freuen, die hoffentlich noch kommen werden 🙂