Slocum ist zu Hause

Heute Morgen schien in Elsfleth die Sonne, als wir Richtung Oldenburg ablegten! Gestern gab es noch mal einen schönen warmen Herbsttag, heute blieb es kühl.

Die Fahrt über die Hunte verlief reibungslos. Alle Brücken öffneten fast unmittelbar, so das die Überfahrt von ablegen bis anlegen nur drei Stunden dauerte.

Leider heißt das auch, dass wir jetzt 6 Monate nicht segeln 😢

das war der Plan

Seewetterbericht herausgegeben vom Seewetterdienst Hamburg
20.10.2019, 06 UTC:
Vorhersage gültig bis heute Nacht:
Deutsche Bucht :
Südwest 4, vorübergehend schwachwindig, später Nordost 3
bis 4, anfangs Schauerböen, strichweise Gewitter, See 1 Meter.

Das war das Wetter für unsere Überfahrt am Sonntag. Wir waren ja schon Freitag nach Hooksiel gereist bzw. haben uns bringen lassen. Dort zogen wir noch das alte Vorsegel in die neue Rollanlage und steckten ein Reff ins Groß, weil wir eigentlich am nächsten Tag los wollten und aber für Samstag starke Winde angesagt waren. Sowohl über Jade Traffic als auch vom DWD. Leider habe ich die passende Mail nicht mehr. Wir wollten gleich die erste Schleuse um 9 nehmen, dann durch Jade und Mittelrinne zur Doppeltonne und Richtung Bremerhaven segeln, wie wir es schon oft gemacht haben. Samstag morgen, noch im Bett, checkten wir Windfinder, nachdem wir die UKW-Meldung auf Ch63 gehört hatten:

Die Saison geht zu Ende

Endlich haben wir es auch geschafft, unser Boot liegt wieder in der Nähe 🙂

Am Sonntag sind der Ehemann und ich in Hooksiel aufgebrochen um die Slocum nach Hause zu holen.
Geplant war die Überfahrt schon für letztes Wochenende, aber meistens kommt es anders als man denkt.

Die Überfahrt war problemlos. Nur in der Schleuse hab ich mich auf dem rutschigen Schwimmsteg abgelegt! Hui, was für ein Schreck! Aber es ist alles heile geblieben (außer meinem Stolz).

Die Sache hatte einen Haken

Und zum Titel dieses Beitrages muss man hinzufügen: Zum Glück war da ein Haken!
Heute wollten wir (eben schnell) die Segel wieder anbringen. Dazu sollte ich erwähnen, dass wir neulich den Mast (eben schnell) legten, weil wir eine Rollreffanlage bekamen und dazu ein Vorstag getauscht werden musste (wir haben zwei Vorstagen). Also mussten wir alle Segel abschlagen, Baum ab und mit dem Spibaum den Mast legen. Ging gut. Aufstellen war auch kein Problem. Und eben die Segel wieder antüdeln ist doch auch ein Klacks. Eigentlich. Ich machte mich ans (alte) Vorsegel, welches ich an die (alte) Topreff-Rollanlage (hier erwähnt) baute und Angela sollte/durfte/musste das Großsegel anschlagen. Hat sie so noch nicht gemacht und wir dachten: „Mach mal, ist nicht schwer und dann weisst du, wie das geht“. So weit, so gut. Und aber dann passierte was, was wohl jedem Segler irgendwann mal passiert: Das Groß wurde ein Stück hochgezogen und *zack*, kam es wieder runter. Das Großfall aber nicht. Für die Laien, die hier mitlesen: Das Großfall ist das Seil, mit dem man das Segel hochzieht und natürlich auch wieder langsam, kontrolliert, runterlassen kann. Wenn das nun aber ohne Verbindung zum Segel oben bleibt, dann kriegt man es nicht wieder runter. Am Seil schieben geht ja nicht. Nicht mal bei uns, wo wir ein Drahtseil statt einer „Leine“ als Fallen haben. Nun baumelte also der Schnappschäkel in gut 10m Höhe. Angela und ich guckten uns an und dachten wohl das gleiche. Angela sprach es auch gleich aus: „Dann musst du mich wohl mit dem Bootsmannstuhl hochziehen“. Und ging schon in die Kajüte, um den ausm Schrank zu holen. Tapfer stieg Angela da hinein und musste voll lachen, als ich anfing, sie hochzukurbeln. Das hörte aber nach gut 2 Metern auf. Und ich musste echt ackern, denn das Kurbeln an der Winsch ging immer schwerer. Vermutlich, weil sich das Drahtseil selbst einklemmt, wenn da Last drauf ist. Leider konnte ich sie nicht bis nach oben kurbeln und trotz Teleskop-Bootshaken kam sie nicht ganz oben ran. Und etwas mulmig war ihr auch, was ich absolut verstehen kann, denn die wenigen Meter machen an so einem Mast und überm Wasser doch schon was aus. Nee, das geht so nicht. Langsam kurbelte ich sie wieder runter und anschliessend standen wir da und glotzten einige Zeit mit offenen Mündern zum Masttopp. Ich ging im Kopf einige verrückte Optionen durch, unter anderem grübelten wir, wo wir denn flott ein Kind herbekämen, das wir sicher eben ganz leicht und schnell da hochziehen können.