Gudrun

Von Joshua hatte ich schon erzählt. Aber wer ist Gudrun? Nun, schaut euch dieses Bild an:

Gudrun darf vorne liegen

Es ist zwar kein „schönes“ Bild, aber man kann Gudruns Hintern 🙂 gut erkennen… ganz klar: Es handelt sich um ein Schlauchboot. Aber warum machen wir das, wo wir doch den schönen segelnden Opti haben?
Nun, zum einen wollte ich den Optimisten noch etwas aufhübschen, bin dazu aber noch gar nicht gekommen. Wir könnten ihn auch so mitnehmen, aber… nee. Zum anderen hat Angela berechtigte Sorge geäußert, der Opti sei doch zu schwer, als das sie ihn an Bord wuppen könne. Ich, ganz Seemann, denke da gleich an Verwendung von Winschen und Tampen an Bord und das man damit eigentlich alles bewegen kann, aber: Sie hat ja recht.

Weitere Vorteile vom Schlauchi: Es ist eine Tasche dabei und wenn man will, dann kann man die Luft komplett ablassen und das ganze Ding(i) verstauen, damit es weniger stört (z.B. bei viel Wind oder wenn man sich selbst länger auf dem Vorschiff aufhalten will). Und ausserdem ist so ein Schlauchi im Gegensatz zum laminierten Opti naturgegeben weich, hinterlässt also keine Spuren, wenn man mal wo gegen bumpert. Vielleicht kann ich es statt vor dem Mast auch hinten hochkant am Heck transportieren, mal probieren. Und hinterher schleppen kann man so ein Schlauchboot auch besser als einen Optimisten. Bei dem sollte man den Schwertschacht dafür abdichten etc.

Als ich mich dazu entschloss, das Schlauchi auszuwählen und zu bestellen, da waren es nur noch wenige Tage bis zum SeeStadtfest in Bremerhaven. Da sollte es natürlich schon dabei sein. Dabei machte ich eine Feststellung: Man kann einfach alles im Internet so bestellen, dass es am nächsten Werktag geliefert wird. Außer Schlauchboote.
Es ist so schon nicht einfach, online das richtige gewünschte Beiboot zu finden, denn es gibt einiges zu beachten: Länge? Spiegelbrett für einen Motor vorhanden? Material? Schlauchdurchmesser? Woraus ist der Boden? Zubehör? Und nun auch noch: Lieferbar ja, nein und wann? Ich fand dann ein kleines (das war Vorrausetzung, damit es eben vor dem Mast lagern kann und im Allgemeinen nicht so sperrig ist) mit 2,3m und angeblich bis drei Personen belastbares (naja, lieber max. zwei). Der Boden besteht aus breiten Brettern, die beim einpacken drin bleiben können. Es ist kein durchgehender Boden, aber recht stabil, man kann stehen! Dazu eine solide Tasche und zwei Paddel, eine Fußpumpe (die geht gut!) und wasserdicht verpacktes Flickzeug und alles Lieferbar innerhalb von 2-3 Tagen (es war Dienstag, also Liefertermin Samstag: Hä?) und dazu sogar unter dreihundert Euro inkl. Versand. Ich habe es dann einfach bestellt, weil es alle Bedingungen erfüllte und wenn es eben nicht rechtzeitig geliefert werden kann, dann ist das eben so. Wird ja auch ein grosses Paket sein, kann man nicht mal eben so verschicken.
Freitag vormittag kam es sogar noch an und konnte mit auf die Reise! Aufgepumpt und getestet haben wir es aber erst in Elsfleth, da bin ich mal eben über das ganze SWE-Becken gerudert und konnte direkt von Bord ins Schlauchi bzw. andersrum. Schön, dass das geht.

Und warum nun Gudrun? Ganz einfach: Joshua Slocum war der erste Mann, der die Welt einhand umsegelte. Gudrun Calligaro war die erste deutsche Frau, die einhand um die Welt segelte. Und Wilfried fand ich als Name für unseren Tender einfach unpassend…

Den Joshua behalte ich aber trotzdem und mindestens auf dem Hooksmeer werden wir damit mal rumsegeln!

Intensiv

Von Hooksiel nach BHV war es toll: auf der Weser achterliche Winde und nur mit Gross machten wir bald gute 8kn, in Spitze sogar 9,1kn. Das Vorsegel konnten wir nicht sinnvoll nutzen, da dort nicht genug Wind ankam, aber was solls, bei der Fahrt.
Dann noch in den Vorhafen der Schleuse, das war nicht einfach, wegen Wind, Strom und der Mir, die dort am Kai lag. Aber mittlerweile kriegen wir das ohne Stress hin. Wir haben sogar noch einen guten Liegeplatz an Steg E gefunden, obwohl es recht voll war. Schiff klariert, geduscht und mit den anderen übers Fest gebummelt. Sweety Glitter war echt cool, die Musik war sehr gut gespielter 70er Jahre Rock und das Wetter spielte auch noch mit. Irgendwann gegen halb zwölf sind wir dann bei uns an Bord, tranken noch einen Absacker, gingen ins Bett und den Samstag verbrachten wir dann auf der Intensivstation.

Bitte?! Ja, genau! Ich erzähle es mal so, dass es nicht so dramatisch klingt: Wir hatten eine CO-Vergiftung und im Krankenhaus wurde uns mit Sauerstoff-Masken und 80% Sauerstoff das CO aus unserem Blut gewaschen.
Wir hatten nicht viel anders gemacht als sonst: Mit der Blumenpott-Methode den Herd als Ofen benutzt und so einiges an Behaglichkeit geschaffen. Das machen wir häufig. Dieses mal kamen aber einige ungünstige Umstände zusammen, so dass unser Boot nicht ausreichend belüftet wurde. Ich bemerkte das rechtzeitig, rief über Handy die 112 und die Sanitäter holten uns aus dem Vorschiff. Im Cockpit an der frischen Luft ging es mir schon viel besser. Aber nix da: Mit Rettungswagen ins Krankenhaus und dort 24h Überwachung auf der Intensivstation. Das alles wäre detailliert einen mehrteiligen Beitrag wert, aber erstmal freuen wir uns, dass es gut für uns ausgegangen ist.

Und wenn noch einer fragt: „Habt ihr keinen CO-Warner?“ Dann lösche ich diesen Beitrag und verbiete jedem, über das Geschehene zu reden…

Kreuzkurse

Auf dem Rückweg vom WSC nach Hooksiel kam der Wind ja so nördlich, dass wir  Segler kreuzen mussten und leider den Kurs nicht direkt anlegen konnten. Was sofort auffiel: Alle anderen „neueren“ Boote konnten viel mehr Höhe laufen als wir. Ich nehme an, das liegt hauptsächlich an neueren Segeln… wir haben ja alte Lappen, die vermutlich schon 30 Jahre und älter sind. Und Wanten und Stage muss ich auch dringend nachspannnen. Natürlich kommt noch hinzu, dass wir keine besonders guten oder erfahrenen Segler sind. Und unsere Slocum ist auch recht schwerfällig, die braucht ne Weile, um in Schwung zu kommen. Wenn wir also nach einer Wende zu hoch an den Wind gehen oder sicherheitshalber einem anderen, der sich von querab nähert, ausweichen, dann braucht es eine Zeit, um wieder ordentlich Fahrt aufzunehmen.

Aber eins wissen wir: Besser ist es, nicht so hoch wie möglich, sondern eher „voll und bei“ zu segeln, das ist schneller. Wir haben drauf geachtet: in der Tat ein ganzer Knoten mehr Fahrt. 3,5 zu 4,5 kn ist schon ein Unterschied. Aber: durch den grösseren Wendewinkel wird ja auch der Weg länger, lohnt die Mehrgeschwindigkeit also überhaupt? Um das näherungsweise festzustellen, habe ich das mal aufskizziert:

Der rote Kurs hat einen Wendewinkel von 90 Grad, der grüne von 100 Grad. Beide starten links am selben Punkt und enden rechts auch an der gleichen Stelle. Das grosse Rechteck simuliert zum einen durch die Länge von links nach rechts eine Fahrstrecke von 8,7sm (zufälligerweise die Entfernung Nassaubrücke – Hooksiel) und die Breite deutet einen fahrbaren Korridor von 4sm an. Der Grüne muss eine Wende mehr fahren, um zum gleichen rechten Punkt zu gelangen wie der rote. So weit, so gut. Nun habe ich die einzelnen Streckenabschnitte addiert: Rot hat einen Weg von 12,3 sm, Grün 13,5sm (für einen direkten Weg von 8,7sm!). Aber da Grün einen Knoten schneller segeln kann, braucht es für die gesamte Strecke nur 3 Stunden, Rot benötigt für 1,2sm weniger eine halbe Stunde länger!
Das kann man nicht beliebig ausdehnen, denn der Speed-Gewinn wird natürlich geringer, je mehr man abfällt und der Weg ja auch immer länger. Bei Gelegenheit werde ich mich mal grafisch an einen maximal sinnvollen Wendewinkel rantasten.

Nicht berücksichtigt sind Einflüsse wie Tide, Wellengang und Landabdeckung. Dadurch kann der eine oder der andere Kurs sicherlich sinnvoller werden, als die Mathematik es vermuten lässt. Aber es ist allemal ein guter Anhaltspunkt!

(gezeichnet und gemessen mit QCad)

Hooksiel-Nassauhafen-Hooksiel

Ich möchte gern noch eine eher technische Beschreibung unseres Wochenend-Trips zur Nassau-Brücke liefern, nachdem Angela von diesen Tagen so schön geschrieben hat.

Eine Woche vorher:
Anja und Axel fragten uns, ob wir auch kommen wollen, wegen Jubiläum und Regatta und so und wir wollten gern. Nur, wie das bei uns im Revier immer so ist: Die Tide schert sich nicht um Arbeitszeiten. Deswegen konnten wir nicht allerfeinst Freitag vormittag mit der Tide hoch nach WHV, aber auch nicht am Samstag, weil dann schon die Regatta begann und die Jade voller Boote sein wird.

Im Laufe der Woche:
So guckte und plante ich, wie wir es am besten machen konnten. Das nächste Niedrigwasser (am Freitag) wäre um 18:50, aber dann wären wir frühestens um 21:00 angekommen. Etwas spät, fand ich. Weiter geguckt, gegrübelt: Wetter? Östliche Winde und nicht halb so stark, wie angekündigt. Einige Tage vorher wurden noch 5Bft angekündigt, nun war es eher eine 3. Und Wind aus Ost: Das sollte den Strom nicht so beeinflussen, kein Hack zu erwarten (oder nicht all zu sehr…). Zack, ein Beschluß: Wir schleusen um 16:00 und gucken, wie es draussen auf der Jade ist. Wenns geht, dann los, wenn nicht, dann eben nicht.

Freitag nachmittag:
Gut, dass wir das gemacht haben! Draussen war fast ölige See, nix mit Hack, und wir konnten beinahe bis zur Flutmole vom Nassauhafen segeln, sogar mit Gross in den Hafen hinein. Das war feines Segeln, und so unerwartet! Der Hafen war natürlich Proppevoll und wir konnten uns ins Päckchen legen, immerhin als Vierter… Landstrom gab es nicht, aber den brauchten wir auch nicht. Einen Tag schaffen wir locker aus den Akkus.
Abends gab es dann noch die Steuermannsbesprechung, wir bekamen tolle T-Shirts und Geschenke und… ein schwarzes Bändchen. Dieser Trauerflor sollte am Achterstag gefahren werden, um der vor kurzem in unserem Revier verstorbenen Seglerin zu gedenken.

Samstag morgen:
Die angekündigten fünf Windstärken kamen in Form von Sonnenstrahlen und wolkenlosem Himmel daher. Jeder Regattateilnehmer lief im neuen T-Shirt rum. Als langsam alle nervös wurden und einer nach dem anderen ablegte, um Richtung Regattabahn zu fahren, löste sich nicht nur unser Päckchen auf, sondern auch der Benzinschlauchanschluss des Aussenborders unseres Innen-Nachbarliegers. Blupp, Motor aus. Meine Order: „Lass mal die Spring und die Leinen dran, wir schleppen euch raus“. Das ging ganz gut, obwohl das Hafenbecken quasi voller Segelschiffe war. Draussen an der Mole warfen wir dann die Leinen los und fuhren nördlich, um keinen Regattateilnehmer im Weg zu sein. Bedenkt: Das alles bei bestem Sonnenschein gegen 12:30 Mittags und kaum, nein, eigentlich kein Wind. Das von mir gezeigte Bild machten wir, während wir rückwärts trieben, obwohl der schwache Wind so gerade unsere Segel füllen konnte.
Es waren schöne, erholsame Stunden auf der Jade, bis wir dann zurück in den Hafen motorten und uns in das neue Päckchen, dieses mal an einen Trimaran (Sun) legten.

Sonntag:
Heute war mehr Wind, aber immer noch Sonne. Hochwasser sollte gegen halb drei sein, also fährt man danach los. Der Tri neben uns wollte eher los, dann aber doch nicht. Wir schon. Warum im Hafen liegen, wenn man auch draussen auf dem Wasser sein kann?
Natürlich war uns (wir und die Kairos) klar, dass wir nicht irgendwie eher da sein werden, aber wir wollten schon mal auf dem Weg sein. Na denn: Wir fuhren los, holten früh die Segel hoch und freuten uns, gegen den Strom noch Fahrt durchs Wasser zu machen. Kreuzen mussten wir ja auf jeden Fall. Wir hatten Bordwind, aber das Wasser war glatt. Klar, war ja noch auflaufend. Als dann die Tide kippte, nahm auch der Wind etwas zu, es gab die eigentlich am Freitag erwartete Hack-See: Kurze, hohe, spitze Wellen. Ging aber, war nicht bedrohlich sondern schön aufregend. Wie schon erwartet kamen aus WHV nach und nach alle anderen Segler und holten nicht nur auf, sondern überholten uns auch. Aber die Letzten waren wir bei dieser heimlichen Regatta nicht, als wir vor der Schleuse in Hooksiel warteten. Könnte natürlich auch daran gelegen haben, dass wir nach der Hälfte der Strecke die Maschine mitlaufen liessen: So konnten wir mehr Höhe laufen und mit 322 Grad Hooksiel fast direkt ansteuern…. 😉
Die Schleuse war so voll, dass nicht alle Boote reinpassten. Ich hoffe, wir haben uns nicht vorgedrängelt. Immerhin durfte noch ein relativ kurzes Boot (9m?) nachrutschen, nachdem alle etwas zusammengerückt sind.

Fazit:
Auf dem letzten Stück am Sonntag haben wir noch mal viel Erfahrung gesammelt und es ist immer wieder schön, wenn man feststellt, wie robust das eigene Boot eigentlich ist, welches uns nicht nur über Wasser hält sondern auch unser mobiles Heim und Schutz auf See ist. Das Boot kann definitiv mehr ab als wir und das ist gut so.

Als wir dann nach einem wirklich perfekten Anleger zwischen die Dalben auf unserem Liegeplatz Nummer 301 lagen, kam das Gewitter: Der Wahnsinn, sowas hatte ich in meinen 51 Lebensjahren auch noch nicht oft erlebt. In dem Moment war es noch kuscheliger, im trockenen, warmen Rumpf unserer Slocum abzuwettern.

Ein Bild von der 111-Jubiläumsregatta des WSC

Dieses Bild fand ich ganz schön und ist auch irgendwie passend (wenn man dabei war und weiss, dass sich quasi eine Stunde lang nichts an dieser Situation ändert… 🙂  ) Wir waren ja etwas nördlich vom Regattafeld, damit wir niemanden beim Tonne-Runden stören, kamen aber mangels Wind nicht unter Segeln näher ran. Im Gegenteil, wie viele andere auch, fuhren wir Rückwärts…

Jubiläumsregatta 111 Jahre WSC

Wilhelmshaven feiert

… und wir mit dabei! Der Segel- Club Wilhelmshaven wurde 111 Jahre alt und WHV selber 150 Jahre. Für das Jubiläum hatte sich der Segelclub gewünscht, zur Regatta 111 Boote angemeldet zu bekommen. Leider meldeten sich „nur“ etwa 60, aber man konnte sich auch als Begleit- Boot melden und das haben wir dann getan 😊

Freitag nach der Arbeit sind wir schnell nach Hooksiel gefahren damit wir um 16:00 Uhr die Schleuse nehmen konnten.

Gemütlich ging es auf der Jade Richtung WHV. Mit uns hatten noch 2 weitere Segler den selben Weg.

Die Vorhersagen waren für dieses Wochenende mit sehr viel Wind, aber es kam genau anders!

Die Steuermannsbesprechung konnten wir pünktlich besuchen. Der Liegeplatz war für das Wochenende kostenlos. Danke WSC! T-Shirts gab es auch noch obendrauf.

Morgens wurde Frühstück im Bootshaus angeboten.

Bei der Regatta selber konnten wir noch behilflich sein, unser Päckchen- Nachbar hatte ein Problem mit seinem Motor und ließ sich von uns rausschleppen. Hauptsache dabei sein👍

 

 

 

 

Später am Abend gab es eine Regatta- Fete mit Johnny Glut und eine Lichter- Show mit Wasser- Schiff. Sehr schön!

Sonntag sind wir zum Glück recht zeitig aufgebrochen.

Als wir im Hafen fest lagen, kam ein dolles Gewitter runter, mensch, waren wir froh nich mehr draußen zu sein!

Kaffee machen

Hier und da haben wir ja schon erwähnt, das wir eben zwischendurch einen Kaffee trinken. Das ist keine hohe Kunst sondern ganz simpel: Wir nehmen (auf See) löslichen Kaffee. Und aber wir „rühren“ den nicht vor Fahrtantritt an, sondern machen einfach Wasser heiss und füllen dieses in die (überraschend gut isolierende) Kaffeekanne. Wenn wir dann einen Kaffee möchten, dann machen wir jeweils ungefähr eineinhalb Teelöffel Kaffeepulver in die beiden Thermobecher und füllen diese mit Wasser auf. Das geht ganz gut. Der Vorteil: Wenn wir das heisse Wasser nicht aufbrauchen, kann man damit später die Tassen ausspülen oder abwaschen oder Suppe kochen oder vielleicht ist jemand an Bord, der lieber einen Tee möchte 🙂

Und so ein heisser Schluck Kaffee weckt die Sinne, wenn man vielleicht auf Grund der Tide mal sehr früh hoch muss!

Wenn wir im Hafen etc. liegen und schön frühstücken möchten, dann machen wir unseren Kaffee üblicherweise in einer so genannten „Press-Stempel-Kanne“: Ein Liter Wasser wird zum Kochen gebracht, in die erwähnte Kanne kommen ca. 8 Löffel gemahlener Kaffee, das Wasser wir darüber gekippt und das alles darf ca. drei Minuten stehen. Dann wird der Stempel runtergepresst: Das Pulver kommt nach unten und oben bleibt der Kaffee. Lecker. Vorteile: Man benötigt keine Kaffeefilter und nicht zwingend Strom, denn unser Alu-Kessel ist auf dem Origo auch flott am pfeifen.

Ich weiss gar nicht, ob das überhaupt jemanden interessiert, aber ich wollte es mal erwähnt haben 🙂
Deswegen werde ich demnächst auch erzählen, wie wir Brötchen machen.

Überführung 2019 – letzter Teil

Da ich mit dem zweiten Teil der Reisebeschreibung nicht bis zur Ankunft in Hooksiel kam und einen dritten Teil ankündigte, möchte ich das hier noch nachreichen. Die meisten wichtigen Details kennt ihr schon: Bei den Helden der See erwähnte ich, wie wir „im Jaich“ verliessen und gute 25 Meilen weiter habe ich den Heinrich-Punkt erklärt, sogar noch vor dem zweiten Teil, oder?

Wir hatten also den Heinrich-Punkt hinter uns und waren auf der Jade. An einem Punkt, an dem wir bisher noch nicht waren, weil wir ja sonst immer die Mittelrinne fuhren. Aber wir wussten, wo wir hin müssen: Immer dem Tonnenstrich folgen, bis vor der Tonne 37 die Tonne H3 zur Ansteuerung von Hooksiel kommt. Aber das waren noch sooo viele Tonnen. Egal, oder besser: Fein! Die Sonne schien, der leichte Wind kam östlich, also nicht verkehrt, wenn man mit auflaufendem Wasser in die Jade will, wir hatten nix auszustehen und brauchten nur noch segeln und geniessen. Angela machte uns einen Kaffee, danach habe ich auf der Cockpitbank ein Nickerchen gemacht, denn es war fast 13:00 und wir waren seit über sieben Stunden unterwegs. Das Nickerchen wurde nur kurz getrübt, weil die nächste Tonne nicht gleich gesichtet wurde. Aber gut, die sind dort draussen noch recht weit auseinander. Und viel zu schnell waren wir dann doch da, wo wir hin wollten: Nahe der H3. Bis zur nächsten Schleusung um 16:00 war es noch fast eine Stunde, aber wir wollten irgendwie nicht mehr rumsegeln, um die Zeit zu vertreiben. Also fuhren wir in den Vorhafen und sahen, dass dort schon einige Segler lagen und warteten, die „besten“ Plätze waren vergeben. Ich wollte dann dort festmachen, wo die Helgoland-Fähre immer liegt, aber irgendwie kam ich nicht nahe genug mit dem Heck an die Spundwand (und Angela hatte doch so super die Leine über den Landseitigen Poller geworfen!) und musste abdrehen; zweimal. Nun war es nur noch eine gute halbe Stunde und ich dümpelte einfach im Vorhafen rum. Eigentlich auch schön, aber man muss halt immer gucken und nach und nach kamen mehr Boote. Die Schleuse war anschliessend recht voll!

Die Schleuse ging auf, es kamen etliche Boote raus, es wurde grün und wir konnten als dritte rein. Dann rausschleusen, alle Boote dampften auf ihre Liegeplätze und Ende der Überfahrt. Eigentlich. Aber fairerweise erwähne ich, dass wir nicht einfach so in unsere Box abgebogen sind und festgemacht haben, sondern: Wir hatten seitlichen Wind und bei der Einfahrt war ich der Meinung: Das haut so nicht hin! Also abgebrochen, die Boxengasse weiter rein um zu wenden und einen neuen Anlauf starten. Angela stand derweil auf dem Vorschiff, Tampen bereit in der Hand. Und dann war ich überrascht, wie schlecht ich in der Gasse wenden konnte. Offenbar machte die Slocum nicht, was ich erwartete. Da muss man sich nach einer Winterpause doch selbst neu anlernen. Mit viel Ausdauer und Vorsicht schafften wir es, das Boot zwischen den Dalben zu wenden und fuhren erneut in unsere Box. Wenn man erstmal dazwischen ist, hat man ja das gröbste geschafft und der Nachbar stand schon da, um die Leine anzunehmen: Geschafft, in Hooksiel angekommen!

Zettel machen

Ich muss mich eben selbst daran erinnern: Wenn ich einen Hafen anlaufe, bei dem ich schon mal war, dann sollte ich mir einen Zettel bereit legen, um mich an alle Besonderheiten dieser Station zu erinnern.
Auf diesen Gedanken wurde ich gebracht, als wir neulich beim SWE Elsfleth festmachten. Wir sind da sehr gern, weil man da so ruhig und idyllisch liegen kann und die Tide einen dort nicht stört. Zudem ist die Pizza bei Cosimo immer lecker.

Es geht nicht um die Schleuse dort; das geht super, weil die Schleusenwärter einem immer gut helfen und diese Schleuse zwar ihre Eigenheiten hat (scheinbar schmale Einfahrt, das Becken ist breit, aber kurz) aber nach dem ersten mal Durchschleusen gleich den Schrecken verliert.
Was ich aber über den Winter total verdrängt habe: Die irre wackeligen Fingerstege dort an den Steganlagen in der alten Hunte-Mündung und eigentlich noch viel schlimmer: Keine Klampen an diesen Stegen, nur „falsch rum“ U-förmig angeschweisste Rundeisen, über die man NICHT eben eine Leine werfen kann. Man muss immer eine Leine durchziehen oder eben einen Haken parat haben, den man aber auch beim ersten Versuch eingeklinkt haben muss. Dazu noch die kleine Hürde, dass nur am Ende des wahnsinnig wackeligen Steges solch eine Öse ist und am Hauptsteg, dazwischen nüschts, nix, nothing. Des Weiteren eine zusätzliche Falle, wenn man es nicht kennt: Am Ende jeden Fingersteges steht eine solide Stange, ein Rohr, anderthalb Zoll im Durchmesser mit Haken oben, um vermutlich eine aufgeschossene Leine dort hinzuhängen. Dieses Rohr ist wirklich solide, aber: Der Steg, auf dem dieses Rohr fest ist, eben nicht. Sucht man nun Halt bei der Wackelei und stützt sich an diesem Rohr ab, dann wackelt es noch mehr. Würde mich nicht wundern, wenn dabei so mancher ins Wasser fällt (gesehen habe ich das aber noch nicht).

Die fehlenden Klampen sind wirklich, wirklich, wirklich ein Ärgernis. Vorletztes Jahr hatte ich mir extra ein paar kurze Leinen mit der richtigen Länge vorbereitet und dort Schnapphaken angetüdelt, weil wir da ja länger lagen und immer die gleiche Box hatten.

Solide Schnapphaken aus Edelstahl, gar nicht so teuer

Wenn die Länge stimmt und man weiss, von welcher Bootsklampe zu welcher Öse am Steg sie laufen müssen, ist es relativ einfach. Es muss nur eben jemand am Steg parat stehen oder einer vom Boot muss rüber (auf den wackeligen Fingersteg). Ein Gastlieger hat diese Ortskunde in der Regel nicht…

Dieses mal hatten wir uns wie üblich in Ruhe eine freie Box ausgeguckt, haben noch eine Ehrenrunde gedreht und sind langsam drauf zu. Sogar die Schokoladenseite. Am Steg wartete auch gleich einer, um Leinen anzunehmen. Der ging aber auch nicht weit auf den Fingersteg, der kannte das ja. Es kam wie es kommen musste: Die Leine kam zwar rüber, aber dadurch kann man das Boot nicht anhalten, man muss aufstoppen. Der Radeffekt setzt ein,  ein Hauch zu viel Schub, das Boot vertreibt und noch bevor ich das Manöver abbrechen wollte um neu anzusetzen (während alle anderen rumriefen „aufstoppen“, was ich überhaupt nicht leiden kann: Kommandos von aussen oder gar Unbeteiligten), ditschten wir mit dem Bug gegen den Hauptsteg. Genau da, wo es nicht mehr abgepolstert ist, sondern purer verzinkter Stahl. Ergebnis: Ne kantige Ecke aus dem GfK geschlagen. Ich kann und will dem SWE dafür keine Schuld geben, aber mit einer „normalen“ Klampe am Fingersteg, mittig oder am Ende, hätte man die Vorleine als bremsende Spring darüber legen können, dort sinnig reindampfen und fertig wäre das schöne Anlegemanöver. Ohne, dass jemand auf den wackeligen Steg hüpfen muss. Es hat ja seinen Grund, dass so ziemlich jeder dort mit festem Liegeplatz eigene, spezielle Leinen bereitliegen hat.

Dabei wäre die Lösung so einfach, zumindest für mich als Schlossermeister: Eben über die vorhandenen Ösen oben längs rüber ein weiteres gerades Rundeisen anschweissen, welches länger ist als die Öse: Fertig ist die Klampe. Eine Minute Aufwand pro Öse, Materialwert im Cent-Bereich.

Haben die keinen Schlosser als Mitglied im SWE? Ach, ich mach mir nen Zettel, ist sowieso für alle Häfen eine gute Idee….